Der Hüter

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 18.12.2005 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format
„Siehe doch, ich mache alles neu“(Apokalypse 21:5)

In diesen majestätischen Worten voll tiefgründigem Inhalt aus der „Apokalypse des Johannes“ ist das Hauptgeheimnis des gegenwärtigen „hellen“ Zeitalters Michaels verborgen, in dem der „erhobene“ Mensch schöpferisch in einer Art wirken kann, die in keinem der vergangenen Zeitaltern möglich war. In gewissem Sinne würde uns nichts Altes heute als Hilfe oder Stütze dienen, wenn wir „die Größe Gottes“ manifestieren wollen, indem wir Christus erlauben, durch uns zu wirken. Drei Wege hat die Seele zum Erlöser – der erste geht über die Evangelien, der zweite (mystische) Weg – über die inneren Erfahrungen und der dritte ist der Weg der Einweihung. Beim dritten Weg kann man heute das Höchstmögliche erreichen. Der Einweihungsweg ist überreligiös und schließt die ersten zwei Wege ein, die jedoch nach den Anforderungen der Zeit gründlich transformiert worden sind. Aus den Legenden sind uns die großen Eingeweihten der alten Zeiten bekannt – Zarathustra, Hermes, Moses, die Kulturen und Religionen begründeten und neue Wege bahnten. Doch mit Anbruch der christlichen Zeit begannen ihre Gestalten auf dem Hintergrund der immer stärker äußerlich werdenden Menschenkultur zu verblasen. Es erschienen Manes, Parzival, Lohengrin, Bojan Maga, die immer noch bis zu einem gewissen Grade offen wirkten. Doch nach ihnen wurde alles hinter die Kulissen der äußeren Geschichte versteckt und außer Christian Rosenkreutz sticht keine andere Figur dieser Zeit hervor. Noch näher an unsere Zeit heranreichend, finden wir den letzten Glanz des wahren Wissens bei den europäischen Mystikern des 17. und 18. Jahrhunderts – Jakob Böhme, Paracelsus, Saint-Martin und Swedenborg, aber die erwähnten Personen sind keine Eingeweihten im wahren Sinne des Wortes. Und im 19. Jahrhundert finden wir unter der Decke des Geheimnisses und Schweigens niemanden. An der Wende zum 20. Jahrhundert ragen in der Finsternis der geistlosen Menschheit die großen Boten Christi hervor  – Beinsa Douno und Rudolf Steiner, die Eingeweihte im Zeitalter der Freiheit sind, in der die himmlische Intelligenz im vollen Besitz des Einzelnen ist und die Entwicklung des Ich-Prinzip in großem Maße fortschreitet. Um hierher zu kommen, haben die geistigen Hierarchien die dunkle Zeit des Kali-Yuga und unser allmähliches Abfallen von den geistigen Welten zugelassen. Es wurde angenommen, dass die Menschheit sich danach völlig bewusst und frei zurück nach oben durch die Verwirklichung des Christus-Impulses in sich erheben würde. Doch unser Weg in den letzten 5000 Jahren hat sich als weit von dieser Idee erwiesen, da wir zu stark unter den Einfluss der Widersacherwesen gerieten. Als Folge sank die Menschheit in die unterphysischen Welten hinein und hat schreckliche zerstörerische Kräfte ausgelöst, die auch das Geistesleben bis zur Unkenntlichkeit verändert haben. Heute existiert das Geistesleben in drei Hauptformen: a) die kirchlich-exoterische – alle möglichen Kirchen der Gegenwart, b) die Freimaurerei mit ihren immer unverständlichen Sagen und Symbolen und c) die östliche Esoterik mit ihren mannigfaltigen Anstößen, die auf absterbenden, für die früheren Zeiten typischen, atavistischen Fähigkeiten beruhen. Die Entstehung der Kirchen bezieht sich auf die vorausgehende griechisch-lateinische Zeit und basiert auf den Kräften der Verstandesseele. Die Freimaurerei hängt mit der ägyptisch-chaldäischen Zeit und der Empfindungsseele zusammen und der östliche Okkultismus entstammt noch älteren Epochen, als in der Menschheit  Kräfte wirkten, die der Gegenwart noch fremd waren. Das Hauptproblem der heutigen Zeit, aus dessen Lösung unsere Zukunft abhängt, die von den göttlich-geistigen Hierarchien vorbestimmt ist, besteht in der Frage, ob in der heutigen Menschheit ein geistiges Leben entstehen kann, das dem gegenwärtigen Entwicklungszyklus angemessen ist. Dieses müsste von der Bewusstseinsseele ausgehen, in der zum ersten Mal das sich selbst erkennende individuelle Ich aufgeht. Dieses Ich ist fähig, den Übergang von der Bewusstseinsseele zum Geistselbst, von der physischen zur Geisteswelt zu machen.

Auf diesem Weg lauern zwei Gefahren. Einerseits will Ahriman uns dermaßen an das Materielle durch die fundamentale „Sorge um das Brot“ zu binden, dass überhaupt keine Geistigkeit in die Bewusstseinsseele hineinkommt und das aufgehende Ich, das zum Licht des Geistselbst nicht heranreicht, für immer in der Materie gefangen bleibt. Wenn die Seele doch keine Gefangene ihrer eigenen niederen Neigungen und Instinkte wird, lauert eine andere Verführung auf sie. Die Kräfte Ahrimans sind heutzutage dermaßen gewaltig und furchterregend und der menschliche Verstand so stark mit dem Materiellen verwoben, dass die Seele die Möglichkeit seiner Vergeistigung überhaupt anzweifeln oder das für eine sehr schwierige Aufgabe halten könnte. Dann führt der einzige Ausweg für sie zu einer der drei traditionellen Formen der Geistigkeit. Nach der Vorlesung „Das Risiko Gottes“ in einem Reiki-Zentrum stöhnte die dortige „Lehrerin“ tief verstört: „Aber das ist sehr schwer!“, worauf sie die Antwort bekam „Darum geht es!“  Eine solche Seele verzichtet auf die bewusste Teilnahme am Kampf Michaels mit dem Drachen und gerät in die Fänge Luzifers, der immer dort lauert, wo Geistigkeit, die in der Vergangenheit rechtmäßig war, in einer unveränderten Art in die gegenwärtige Zeit einzudringen versucht. Wenn wir wirklich beide Gefahren verstehen, werden wir diesen welthistorischen Übergang, den Rudolf Steiner vollzogen hat, als er den wahren Weg zum Geistselbst bahnte und sich dabei nicht auf die Kräfte des Äther- oder Astralleibes, der Empfindungs- oder Bewusstseinsseele stützte, sondern auf die reinen Kräfte des individuellen freien Ich. Das Neue, das die Menschheit zur rechten Vorwärtsbewegung befähigt, wird immer von einer konkreten Individualität in das irdische Leben eingetragen. Erst wenn dieses Neue vollständig angeeignet, erlebt und aufopferungsbereit zur eigenen Wirklichkeit gemacht worden ist, kann es von den Hierarchien in das Gesamtleben der ganzen Menschheit als eine neue Möglichkeit eingebracht werden, die zur Weiterentwicklung und Vervollkommnung erlangt worden ist. Hier regiert das strenge kosmische Gesetz, nach dem man sich selbst opfernd der göttlichen Inspiration oder „Wohltat“ zur Verfügung stellt.

Im praktischen Sinne bedeutet die gegenwärtige Einweihungsart, dass der Mensch in seinem Leben auf der Erde verpflichtet ist, durch das allmähliche Erkennen der geheimsten kosmischen Kräfte und Gesetze, die ihm die geistigen Welten angelegt haben und die scheinbar hinter den Kulissen seines Erdendaseins wirken, immer mehr zum bewussten Träger dieser Kräfte und Gesetze in der Erdensphäre zu werden und sich ihrer Quelle anzunähern. Nach dem Golgatha ist diese Quelle Christus selbst. Das ist die Hauptbegegnung auf dem Weg der neuen christlich-rosenkreuzerischen Einweihung, mit der der ganze vorbereitende Schulungsweg endet und der Schüler zum Lehrer und Führer der Menschheit wird, der während der ganzen zweiten Hälfte des Weges die Folgen aus der Begegnung mit dem Führer des Kosmos verwirklicht. Durch einen solchen Lehrer ergießt sich zum Wohle der weiteren Erdentwicklung ungehindert der von Christus herabgesandte Heilige Geist.

Um nicht nur das zu erreichen, sondern auch das neue Gebot zwischen Menschen und Göttern in einer der heutigen Zeit angemessenen Form einzuführen, musste Rudolf Steiner die ganze kulturhistorische Erfahrung der Menschheit in sich aufnehmen, sich einer wahren Taufe mit Geist und Feuer in der Himmelswelt unterziehen und sie der Menschheit zurückbringen. Auf diese Weise machte er den ersten Schritt zur wahren Durchchristung der ganzen Erdenkultur. In diesem Sinne erscheint Steiner als der große Vertreter der rosenkreuzerischen okkulten Tradition, die von ihm, der von den Impulsen des neuen Zeitgeistes ausging, erneuert und auf eine höhere Stufe erhoben wurde.

Sowohl in der Gegenwart als auch in der älteren Rosenkreuzer-Tradition aus dem Mittelalter gibt es einen besonderen Bezug zum Menschenalter. Der erste Lebensabschnitt bis zum 21. Jahr wurde die Zeit der Lehre genannt und die Geisteswissenschaft spricht von „Karmaanforderungen“ im Zusammenhang mit diesem Alter. Zwischen dem 21. und 42. Lebensjahr ist die Periode des ‚Gesellen‘, die Steiner als die „Sonnenperiode“ definiert, bei der der Durchschnittsmensch unbewusst und der Eingeweihte bewusst das Mysterium seines Ich und in einem größeren Kontext – das Wesen des Sonnenmysteriums erlebt. Den Mittelpunkt des Sonnenmysteriums bildet die Erkenntnis des großen Sonnengeistes – Christus. Nach dem 42. Jahr beginnt die Periode des Lehrers, in der die geistige Mission des Eingeweihten bereits gereift ist und er an ihre Erfüllung unter den Menschen herantreten kann.

Jeder der erwähnten Lebensabschnitte unterteilt sich in drei kleinere, die jeweils aus sieben Jahren bestehen (Siebenjahresperioden). Sie stehen in Verbindung zu den neuen Wesengliedern des Menschenwesens (vom physischen Leib bis zum Geistesmenschen) und mit der historischen Herausbildung der Menschheit (von der atlantischen Zivilisation, die den physischen Leib entwickelt hat, bis zur slawischen Kulturepoche, die die Keime des Geistselbst entwickeln wird). Zudem sind diese Perioden mit der Einwirkung der planetarischen Sphären verbunden. So wirkt in der Zeit von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr der Mond auf den Menschen ein und nach dem 63. Lebensjahr – der ganze Kosmos. Bei diesen Einwirkungen der planetarischen Sphären werden die Altersstufen beim Eingeweihten laut Steiner zu „Erkenntnisorganen“, denn bei der Anschauung in Inspiration einer der Perioden seines Lebens erfährt er dadurch die Geheimnisse der planetarischen Sphäre mit all ihren Wesen, die besonders stark im gegebenen Alter wirken, sowie die Geheimnisse des entsprechenden Wesensgliedes und der Zeit, in der sich dieses Wesensglied hauptsächlich entwickelt hat.

Diesen kosmischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt jeder Mensch, aber nur der Eingeweihte wird ihrer gewahr. Da bei Beinsa Douno eine Inkorporation des Bodhisattva vorliegt, wollen wir eher auf das Leben Rudolf Steiners eingehen, der vollständig inkarniert war und folglich den erwähnten Lebensabschnitten unterlag.

Rudolf Steiners Lebensweg ist das Urbild und die allumfassende Realisierung des neuen Einweihungsweges, dessen Ergebnisse in tiefstem Zusammenhang mit jedem Bestandteil seines umfangreichen Werks stehen. Er wurde seit langem vorbereitet. Friedrich Rittelmeyer nennt das Leben des Menschheitsführers, der eine Mission im höheren Gebiet hat, „ein Kunstwerk“, an dem zusammen Engel und Menschen arbeiten. Wer dieses wahre Mysterium streifen möchte, das gleichzeitig Größe und seelisch-menschliche Wärme besitzt, soll eine persönliche Einstellung zu Rudolf Steiner haben, soll ihn lieben! Dann wird er nicht nur die Antworten auf viele der Hauptfragen unserer Zeit erhalten, sondern auch eine Offenbarung verstehen, die neulich kam und die am Ende der Ausführungen mitgeteilt wird.

Rudolf Steiner wurde am 27.02.1861 im Zeichen der Fische im kleinen Städtchen Kraljevec geboren, das an der Grenze zwischen Mittel- und Osteuropa liegt. Seine Eltern stammen jedoch aus Südösterreich und er ist also mit der Vererbungsströmung verbunden, die die Impulse der fünften nachatlantischen Zeit trägt, allen voran aber mit dem Ich-Impuls. Doch im Unterschied zu seinen Eltern kam Steiner nicht im deutschsprachigen Gebiet Österreichs zur Welt, sondern im slawischen, der dem anderen völlig fremd war. Seine Geburt im erwähnten Ort spricht von der Mission Steiners, den Weg vom irdischen Menschen-Ich zu seinem höheren Ich zu bahnen, welches mit der sechsten Kulturepoche und dem Slawentum zusammenhängt, in dessen Schoß drei Jahre später – 1864 – im Mysteriengebiet des Schwarzen Meers Petar Danov inkarnierte – das zukünftige Gefäß des anderen großen Boten Christi – des Bodhisattva. Auf diese Weise wurde der Plan der geistigen Hierarchien über den Anfang des Übergangs zum Geistselbst am Ende des Kali-Yuga in Gang gesetzt! Doch es war nicht alles vorbestimmt, was die beiden vollbringen sollten, denn der freie Wille auf dem Erdenplan ist ein heiliges Recht und selbst der größte Lehrer hat wie Christus im Garten Gethsemane das Recht auf eine Wahl.

1863 kamen Steiners Eltern aufgrund der Arbeit des Vaters als Stationsvorsteher zu einer kleinen Eisenbahnstation in Südösterreich, wo die erste Periode seines Lebens verlief. Den stärksten Eindruck auf den kleinen Jungen machte der Kontrast zwischen der Schönheit der Voralpenlandschaft und der kleinen Welt der Bahnstation, wo sein Vater arbeitete. So traten die Natur und Technik – und in einem tieferen Sinne  der Geist und die Materie – in sein Leben von Anfang an in ihren Gegensatz und in ihre Unvereintheit, um sich im Bewusstsein und vielmehr noch im Unterbewusstsein des Jungen einzuprägen als das unbewusste Bestreben nach ihrer Vereinigung in einer höheren Synthese. Dieser Kontrast hat in einer geheimnisvollen Weise seinen weiteren Weg bestimmt. Hier können wir die Wirkung der Mondenkräfte und der mit ihnen zusammenhängenden Naturgeister sehen, die vom alten Mond stammen und seinen Weisheitsimpuls in die irdischen Bedingungen hineinbringen. Dieser Impuls drückt sich vor allem in der von hoher Weisheit durchströmten Schönheit der irdischen Natur aus. Andererseits sehen wir ihre Widersacher – die Naturdämonen, die hauptsächlich in der Technik wirken. Wir können also beobachten, wie bereits mit der Geburt die Periode der „karmischen Anforderungen“, die bis zum 28. Lebensjahr andauert, in der für Steiner besten Art herbeigeführt wurde.

Die zweite siebenjährige Periode ist mit dem Umzug 1868 nach Neudörfl im Burgenland verbunden, als sein erstes übersinnliches Element. – der Ätherleib – geboren wurde. Mit der Erscheinung einer in jener Zeit verstorbenen entfernten Verwandten fingen die übersinnlichen Erlebnisse an. Nach diesem ersten hellseherischen ätherischen Erlebnis begann sich ihm allmählich die ganze Welt der Elementargeister der Natur zu eröffnen und Steiner lebte in zwei Welten parallel. Besonders wichtig für das Kind ist es, eine Beziehung zur Natur, Kunst und Religion zu haben, denn das Versäumte lässt sich später nicht nachholen und führt zur unrechtmäßigen Entwicklung des Ätherleibes und zu Mängeln in der emotionalen Sphäre und bestimmt den allgemeinen Gesundheitszustand im ganzen nachfolgenden Leben. Der kleine Rudolf lebte mit der Natur, nahm am Leben der Kirche teil, kam durch seinen Geometrielehrer mit den ersten Kunstimpulsen in Kontakt, lernte das Werk der großen deutschen Klassiker Goethe, Schiller, Lessing kennen. Das hat ihm später erlaubt, zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die Erkenntnis über den Geist auf eine objektiv-wissenschaftliche Grundlage zu stellen, indem er nicht einfach eine geistige Lehre schuf, sondern die Wissenschaft vom Geist. Dazu sollte er auch die materialistische Weltanschauung in der Tiefe kennenlernen. Deshalb kam er wegen tiefgründiger karmischer Ursachen nicht auf ein Gymnasium, sondern auf die Realschule in Wiener-Neustadt.

Die zweite Periode steht im Zeichen des Merkur, dessen Kräfte besonders stark die Ausbildung des Ätherleibes und die ganze körperliche Gesundheit beeinflussen. Doch wichtiger ist, dass er, wenn er das Gymnasium besucht hätte, in das Ziesterzinser Kloster eingetreten wäre, dem das damalige Gymnasium unterstand. Durch die Realschule sollte Steiner völlig frei seine eigene, mit keiner äußeren historischen Tradition verbundene Einstellung zum Christentum ausbilden, d.h. den Zugang zum Christus-Impuls unmittelbar in jener Sphäre finden, wo er als eine unüberwindliche geistige Wirklichkeit erscheint.

In der dritten Venus-Periode wird das völlig selbständige gedankliche Leben des Menschen ausgebildet, das mit der Entwicklung des Astralleibes zusammenhängt. Bereits als 14jähirger Schüler begann Steiner, die Philosophie Kants zu studieren und hat damit den Weg des Kampfes um das neue Denken bestiegen, der ihn später zur „Philosophie der Freiheit“ führte. Damit wurde eines der Hauptprobleme der geistigen Forschungen gelöst – wie wir unser Denken dermaßen umwandeln und verstärken, dass es zu einem rechten Mittel des Eintrittes in die höheren Welten und damit auch zu der Stütze wird, die die übersinnliche Erkenntnis mit der Glaubwürdigkeit der mathematischen Wahrheit verbindet. Doch auch die Vorstellung dieser Erkenntnisse vor den Menschen war wichtig und Steiner hat seit dem Sommer 1879 bewusst daran gearbeitet, die unmittelbare Anschauung der geistigen Welt in Gedankenform zu ergießen. In diesen Worten ist der ganze Grundcharakter des neuen Hellsehens im Zeitalter der damals beginnenden Herrschaft Michaels zu spüren, das in direkter Beziehung zum Hauptproblem des ganzen westlichen Geisteslebens steht – des Ich-Mysteriums. Nach 1879 ist Michael in die der Erde nächsten geistigen Sphäre hinuntergestiegen und konnte als ein Urengel nicht nur auf unseren physischen Leib und das Ich einwirken, sondern von dort auch alle Probleme unter den Menschen inspirieren, die mit dem Mysterium des Ich zusammenhängen. Steiner wurde auch von Michael inspiriert und wegen karmischer Erfordernisse zogen seine Eltern nach Inzersdorf bei Wien um, damit er den Übergang vom Denken zum Ich, von Kant zu Fichte – dem Philosophen des Ich – machen konnte. Nur die richtige Darstellung dieses Problems war nämlich in der Lage, Licht auf alle Geheimnisse und Möglichkeiten des menschlichen Denkens zu werfen. Die Geisteswissenschaft als die Wissenschaft vom höheren Ich und dem praktischen Weg zu ihm zu begründen – darin besteht die Lebensmission Steiners. Die Tätigkeit des menschlichen Ich ist der einzige mögliche Ausgangspunkt der menschlichen Erkenntnis, die mit der außergewöhnlichen Strömung der Offenbarungen aus der höheren Sonnensphäre bereichert werden sollte.

Doch diese erworbene Ansicht über die Hauptbedeutung des Ich beim Prozess der Erkenntnis stellte noch eine Aufgabe vor Steiner – den Rückweg vom Geist zur Natur durch den Ich-Impuls zu finden und damit den neuen Weg zur Vergeistigung der ganzen menschlichen Kultur zu bahnen. Das Erreichen dieses Ziels erforderte titanische Anstrengungen und wurde vollständig um sein 40. Lebensjahr verwirklicht, als er zum ersten Mal als Lehrer vor die Welt trat.

1879 begann Steiner, an der Wiener Polytechnik zu studieren, wo er gründlich die Mathematik, Chemie und Physik erlernte, denn die Welt muss man kennen. Unter dem Einfluss Karl Julius Schröers begann er, sich mit Goethes Anschauung bekanntzumachen und an der Herausgabe seiner Werke teilzunehmen. Damit setzte Steiner den Anfang der  Erhebung dieses monumentalen Gebäudes der Methodologie der Geisteswissenschaft, die wir Goetheanismus nennen.
Während für Schröer und viele andere glänzende Köpfe des 19. Jahrhunderts der Zugang zur neuen michaelischen Zeit versperrt blieb, stand für Steiner zweifellos das Leben des Geistes hinter allen Ideen. Er war für die geheimnisvolle Begegnung mit seinem Lehrer genau vor dem Anfang seiner „Sonnenperiode“ bereit, mit der die Schulung zu Ende ist und die Zeit des „Gesellen“ beginnt. Der Lehrer war wohl Christian Rosenkreutz und bei der Begegnung sieht man die erste Manifestation dieses Einweihungsprinzips, bei dem der Schüler – wie Parzival in der Gralsburg – als Erster den Schritt tun sollte, um die Antwort der geistigen Welt zu erfahren. Natürlich gibt es immer die Hilfe „von oben“ und für Steiner war sie durch den von seinem Lehrer gesandten „Kräutersammler“, mit dem er 1879 zum ersten Mal über die eigenen inneren Erlebnisse sprechen und die geistige Einsamkeit überwinden konnte, die ihn von klein auf begleitete. Der Lehrer selbst hat ihn auf die zwei Hauptgegner aufmerksam gemacht, mit denen Steiner auf seinem Geistesweg zu kämpfen hatte – mit dem Stier (Luzifer) der gesellschaftlichen Meinung und dem Drachen (Ahriman) der materialistischen Wissenschaft. Diese konnte er in seiner Sonnenperiode besiegen, nur weil er das Hauptgeheimnis enträtseln konnte – das Mysterium des menschlichen Ich. Nur er konnte die Wissenschaft mit der Religion verbinden und die Kunst beleben. Doch das Mysterium des Ich im geistigen Sinne ist vom Sonnenmysterium und folglich auch vom Christus-Mysterium selbst nicht zu trennen. Christus wohnt in jedem menschlichen Ich und bildet die Brücke zwischen der Welt des Geistes und der Welt der Natur. Die Aufgabe Steiners im nächsten Lebensabschnitt, der auch mit bedeutsamen äußeren Veränderungen zusammenhängt, bestand in der Erkennung der Wirkung des Logos in der Natur und im menschlichen Ich und darin, dieses Geheimnis zur unmittelbaren geistigen Kontemplation zu führen.

Steiner zog endgültig nach Wien um und wurde 1882 Herausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes. In der ganzen „Sonnenperiode“, als er die Empfindungs-, Verstandes- und Bewusstseinsseele ausbaute, traf Steiner zahlreiche und verschiedenartige Personen, die die drei Hauptströmungen des Menschenlebens repräsentierten – Wissenschaft, Kunst und Religion, um in völliger innerer Einsamkeit den Kampf gegen Luzifer und Ahriman zu gewinnen. Bei seinen Kontakten mit Anhängern der mittelalterlichen christlichen Mystik und Theologie, der östlichen Ideen, genauer gesagt der Theosophie, des Okkultismus der Vergangenheit, nahm er die Mystik nur in dem Maße an, in dem sie vollständig von den in jedem Mystiker lauernden Kräften Luzifers befreit werden kann. In der Mystik wird die Einstellung des Menschen zum Geistigen völlig dem „subjektiven Gefühl“ überlassen, und in der Willkür des Subjektiven (Persönlichen) herrscht Luzifer. Diesem stellte sich Steiner mit dem klaren inneren Schauen gegenüber und errang einen inneren Sieg über die luziferischen Kräfte.

Der Sieg über Ahriman fand in der zweiten siebenjährigen Periode statt, doch schon 1888 schrieb Steiner: „Indem sich das Denken der Idee bemächtigt, verschmilzt es mit dem Urgrunde des Weltendaseins; das, was außen wirkt, tritt in den Geist des Menschen ein: er wird mit der objektiven Wirklichkeit auf ihrer höchsten Potenz eins. Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen. Das Denken hat  den Ideen gegenüber dieselbe Bedeutung, wie das Auge dem Lichte, das Ohr dem Ton gegenüber. Es ist Organ der Auffassung.“[1]

Die zitierten Worte zeigen, dass der Kampf um das neue Denken, das nicht mehr im Widerspruch zur geistigen Erfahrung steht, sondern die eigentliche Pforte zur Geisteswelt darstellt, gewonnen wurde. Der Kampf wurde für die ganze Menschheit errungen! Das sind der erste Schlag gegen Ahriman und der erste Schritt zur Befreiung der ahrimanisierten Intelligenz auf ihrem Weg zur Sphäre Michaels. Der endgültige Sieg fand jedoch in der zweiten siebenjährigen Periode statt, deren Höhepunkt das erste michaelische Buch der fünften Kulturepoche darstellt – „Die Philosophie der Freiheit“ – der erste Morgenstrahl zum Geistselbst.

Diese Periode begann mit dem Umzug nach Weimar, wo Steiner 1890-1897 im Goethe- und Schiller-Archiv arbeitete und einen breiten Kreis von Menschen kennenlernte. Doch die innere Einsamkeit blieb trotzdem bestehen. Sie ist die notwendige Bedingung des richtigen Erwerbs der inspirativen Erkenntnis, die mit der Entwicklung der Verstandesseele und der Enthüllung des Wesens der vierten nachatlantischen Kulturepoche und ihrer Kulmination – des Mysteriums von Golgatha – zusammenhängt. Bereits in den ersten sieben Jahren der Empfindungsseele eröffnete sich vor Steiner die ganze Reihenfolge seiner vergangenen Inkarnationen in ihrer unmittelbaren Beziehung zur Sphäre Michaels. Doch die Kenntnis der vergangenen Leben ist ohne die Kenntnis des Lebens zwischen Tod und Neugeburt unmöglich. Steiner wusste schon damals über seinen gemeinsamen Aufenthalt mit Michael in der Sonnensphäre während der Ereignisse auf Golgatha, doch dieses tiefe Geheimnis seines Lebens hat er vor Anthroposophen erst nach der Weihnachtstagung gelüftet. In der großen Sonnenstunde der ganze Menschheit war Steiner an der Seite Michaels in der Sonnensphäre und beobachtete Golgatha, nun erlebte er wieder eine Begegnung mit ihm in der Erdensphäre, wo er den Kampf mit den ahrimanischen Mächten um die kosmische Intelligenz führte, die nach Golgatha nicht mehr ihm unterlag, sondern in den Besitz des Menschen überging. Der 1888 errungene Sieg über Ahriman in der Sphäre des Denkens stand nun in der Periode der Verstandesseele vor Steiner im Antlitz Michaels, der den Drachen in der übersinnlichen Sphäre besiegte. Dieses innere Wesen des Kampfes gegen den Drachen fand ihren irdischen Niederschlag in der „Philosophie der Freiheit“. Im ersten Teil des Buches wird der Weg der Seele zur Befreiung durch den Christus-Impuls der kosmischen Intelligenz aus Ahrimans Griff und die Erhebung des Menschen durch das „reine Denken“ zu Michaels Sphäre aufgezeigt und der zweite Teil beschreibt den Weg zum Erleben der tatsächlichen moralischen Freiheit, in deren Sphäre der Mensch zum wahren Nachfolger und Diener Michaels werden kann. Michael möchte, dass der Mensch ein freies Wesen wird, das auf dem Weg seiner Begriffe und Ideen das Verständnis dessen findet, was als Offenbarung zu ihm aus der Geisteswelt kommt. So entsteht die Brücke zur geistigen Welt.

Die erwähnte siebenjährige Periode war die Zeit einer stärkeren Beziehung zur äußerlich sichtbaren Welt und ihrer Erkennung, damit er die ihr zugrunde liegende geistige Realität erlebt, d.h. in Ahrimans Sphäre tritt. Zu diesem Ziel tauchte Steiner in der zweiten Hälfte der Weimarer Zeit, indem er den Anweisungen seines Lehrers folgte, in die Ideenwelt Ernst Haeckels und Friedrich Nietzsches ein, die eine Art geistiger Spiegel jener Zeit und jenes Kampfes der „dunklen“ Mächte hinter den Kulissen waren. Haeckel widerspiegelte dies in der Naturwissenschaft und der Evolutionstheorie, aus der das Geistige vollständig vertrieben war und Nietzsche – in der Tragödie des menschlichen Ich, das sich aus seinem tiefsten Punkt in der damaligen Zeit nicht herausheben konnte.

Dieser Dornenweg hatte Steiner zurückzulegen, damit er am Ende der Weimarer Zeit von Angesicht zu Angesicht Ahriman begegnen und ihn mit seiner eigenen Waffe besiegen konnte, indem er die materialistische Evolution Haeckels in ihr geistiges Bild umwandelte, das später in der „Geheimen Wissenschaft“ dargelegt wurde. Steiner sagt, dass in der heutigen Zeit Ahriman, der unmittelbar in die Bewusstseinsseele inkorporieren wird, zum ersten Mal in der ganzen Weltgeschichte die reale Möglichkeit erhalten werde, Michaels Intelligenz in den Menschenseelen anzufechten. Das bestimmt Steiner als „den kalten Hass „auf alles in Freiheit sich Entfaltende“[2].

Zu dieser Zeit – nach seinem 36. Lebensjahr –  begann Steiner, in die Welt der Intuition einzutreten, wo es bei der heutigen Einweihung einzig möglich ist, das Geistige zu erleben, das der ganzen materiellen Welt zugrunde liegt. Nach dem inneren Sieg über Luzifer und Ahriman ging Steiner im letzten siebenjährigen Teil seiner Sonnenperiode an das Hauptproblem der rosenkreuzerischen Einweihung heran, das die volle Gegensätzlichkeit der geistigen und sinnlichen Welt löst. Die Lösung dieses Rätsels drückte er in folgenden Worten aus: „Das Universum gibt uns die Rätselfrage, im Menschen liegt die Antwort“ [3].

Deshalb kann die Welt in dem Maße erkannt werden, in dem der Mensch sich selbst erkennt! Für Steiner beginnt die schwierigste Etappe der Einweihung – die Erkenntnis des inneren Wesens des Menschen und seines Zentrums – des Ich – , in dem nach Golgatha Christus wirkt, um genau dort die Vereinigung des Geistes mit der Natur durch die Christus-Kraft zu bewirken. Der Anfang dieser dritten siebenjährigen Periode hängt mit der Entwicklung der Bewusstseinsseele zusammen, wenn man individuell das Wesen der ganzen fünften nachatlantischen Epoche erleben kann, bei der der Mensch von den Kräften der geistigen Hierarchien befreit wird und allein den Rückweg zu ihnen, zu seiner geistigen Heimat,  zurücklegen soll. Steiner war auch geistig allein und hat nur mithilfe seines inneren Lichtes durch das Ich-Prinzip und der lebendige Christus in ihm wieder die Vereinigung mit der geistigen Welt gefunden, indem er einen Akt vollzog, den die Menschheit in der nahen oder ferneren Zukunft auch vollbringen soll. In dieser Periode trat das Idealistische in seinem Leben in den Hintergrund, damit der Wille als ein Organ der geistigen Erkenntnis zur Geltung kommen konnte, während früher die Erkenntnis völlig vom Idealistischen geleitet wurde. Das ist eine große Wende, die mit den drohenden Prüfungen zusammenhängt. Das erinnert an die Erkenntnisse Parzivals, bei dessen Einweihungsweg auch die Götter zurücktraten. Doch bei einem solchen Rückzug werden die Kräfte Luzifers und Ahrimans nicht nur unter der freien Menschheit verstärkt, sondern sie beginnen gemeinsam und am stärksten in der sozialen Sphäre zu wirken, in der sie die Führung durch Christus anfechten. Zu diesem Ziel sollte Steiner durch den Abgrund des sozialen Lebens gehen und diesem standhaltend, Christus finden, der die dort wirkenden Kräfte zerstören kann. Äußerlich fällt die Periode mit seiner Ankunft 1897 in Berlin an, als er Zeitungsredakteur wurde. Beim Eintauchen in das dichteste soziale Leben jener Zeit begann Steiner durch die Zeitung, der jungen literarischen Strömung eine geistige Haltung zu geben. Er trat in persönliche Kontakte zu den verschiedensten Vertretern geistiger und nichtgeistiger Strömungen und reagierte in der Zeitung auf fast alle aktuellen geistigen, kulturellen, historischen, sozialen, politischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen. Diesen unsichtbaren geistigen Sturm auszuhalten und das Hellsehen zu bewahren ist nur möglich, wenn man zum Uranfang durchdringt, der in der Mitte steht zwischen den zerstörerischen Tendenzen Ahrimans – den maschinenähnlichen Artikeln – und der von Irdischen abgetrennten Mystik Luzifers.

Nach dem erfolgreichen Kampf um die wahre Erkenntnis und dem abgeschlossenen langen Weg der individuellen Einweihung stand Steiner am Ende der Sonnenperiode seines Lebens vor dem verborgensten Geheimnis des Sonnenmysteriums, vor dem kosmischen Ich-Mysterium, das die Brücke zwischen Geist und Natur bildet. Die vorherige Kenntnis des Christentums nimmt nunmehr die Form der unmittelbaren geistigen Kontemplation an, denn um das Jahr 1899 erlebte er eine persönliche Begegnung mit Christus-Jesus in der Sphäre der Intuition. Er stand geistig vor dem Mysterium von Golgatha und wurde der ganzen inneren, ernsthaften Feierlichkeit dieser Tatsache gewahr![4] Das ist auch der geistige Höhepunkt im dreistufigen Rosenkreuzerweg, nach dem Steiner die Stufe des Lehrers erreichte. Seine fortwährende Erhebung hatte mit der Begegnung mit Christian Rosenkreutz in den jungen Jahren begonnen und verlief danach durch die Sphäre Michaels und die Kontemplation des Christus als des großen irdischen Urbildes des Menschen. Während Christus mit dem Mysterium von Golgatha durch eine Synthese die Strömungen der Magier und Hirten, also die beiden Mysterienströmungen des Altertums vereinigte, machte Steiner das in einer erneuerten Form, die dem michaelischen Zeitalter entsprach. Bei Christian Rosenkreutz hat es noch äußere Handlungen gegeben, die auf die alten Mysterien zurückzuführen sind, etwa die zwölf Lehrer um seine Person. Steiner hat dagegen auf einem inneren, selbständigen meditativen Weg die ganze angehäufte Weisheit durch die persönliche Begegnung mit Christus im neuen michaelischen Sinne erneuert. Ahriman und Luzifer gewannen schnell die Oberhand in beiden Strömungen, die sich nach Golgatha getrennt und ohne das Christus-Erleben herausgebildet hatten. Ahriman unterordnete die westlichen Bruderschaften, die den fürchterlichen „okkulten Materialismus“ entwickelten, Luzifer entfaltete seinen Einfluss im Osten durch den dort praktizierten trancehaften Austritt aus dem Leib. Solche Austritte werden heute auch im Westen praktiziert und führen zum endgültigen Verlust des Ich und zum Verfehlen des Ziels der irdischen Existenz.

Dieses Hauptereignis im Leben Steiners können wir mit dem Erlebnis des Paulus vor Damaskus vergleichen, das aber als eine „göttliche Gnade“ imaginativ war. Deshalb nannte Steiner Paulus eine „Frühgeburt“, die prophetisch die Zukunft gespürt hatte. Heute kann für uns die Begegnung mit dem ätherischen Christus in der Sphäre der Inspiration stattfinden, wo Er uns als der große Sonnengeist in der Gestalt des Großen Hüters der Schwelle erscheint. Die höchste Stufe wird in der Sphäre der Intuition erreicht und diese Erkenntnis über Christus wirkt sich sogar auf den physischen Leib aus, sie vergeistigt ihn in einem gewissen Sinne. Wir wollen uns diesbezüglich an Christian Rosenkreutz und seinen Leib erinnern, der im 13. Jahrhundert „durchsichtig“ geworden war.

Bei seiner Begegnung mit Christus opferte Steiner geistig sein irdisches Ich im Wesen Christi und konnte wie Paulus sagen – nunmehr in der neunen michaelischen Zeit der Freiheit – „Nicht ich, sondern Christus in mir“. Das war die erste Stufe des großen Opferweges, den Steiner zurückgelegt hat. Hier ist die Grenze, an der die Schulung und damit auch das Dienen enden. Durch das Dienen hat der Schüler ausreichend geistige Kräfte in seinen Leibern angehäuft, die er als Lehrer frei und aus Liebe zum Wohl der Welt opfern kann, indem er dies Christus nachmacht. In der Vergangenheit hat die traditionelle christliche Einweihung mit der Nachahmung Christi begonnen, weshalb ein Rückzug aus der Welt nötig war. Nichts, was die Menschheit erreicht hat, geht verloren, sondern es metamorphosiert in den höheren Sphären des Daseins. Heutzutage kann nur der Eingeweihte, der Christus als das Ich des Kosmos erlebt hat, frei zu Seinem Spiegelbild werden, Ihn in einer erneuerter Form nachahmen und Ihm erlauben, durch das eigene Ich bis zum Ende des Lebens zu wirken. So werden die Worte „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ in die Tat umgesetzt.

Am Ende des Kali-Yuga begann auch Steiner als Lehrer der Menschheit all seine individuell ausgebauten geistigen Kräfte in seinen Leibern zu opfern, damit er im Zeichen des Mars und als lebendiges Wort die neue geistige Weisheit in die Erdentwicklung einbringen konnte. Zwischen dem 42. und 49. Lebensjahr reifte bei Steiner das Geistselbst, dessen Kräfte seit dieser Zeit seinen Worten eine bemerkenswerte Macht verliehen, als er der Welt die Früchte seiner Einweihung vorstellte. Das ist die Periode, die als die erste Phase in der Entwicklung der Anthroposophie betrachtet werden kann. Sie beginnt, als sich Steiner 1902 der Theosophischen Gesellschaft anschließt. Damals konnte nur im Rahmen dieser Gesellschaft über okkulte Fragen gesprochen werden und das Karma verlangte es, dass Steiner die Leitung der deutschen Sektion übernahm. Er stellte bereits am Anfang Christus in die Mitte und hielt vor den erschütterten Zuhörern zahlreiche Vorträge, die die ganze Majestät und Tiefe der rosenkreuzerischen Esoterik zur Geltung brachten. Aus dieser Zeit stammen auch die fundamentalen geisteswissenschaftlichen Werke „Theosophie“ (1904), „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ (1904-1908) und die „Geheime Wissenschaft“ (1909). Aus den zitierten Büchern spricht in strenger gedanklicher Form die Weltenweisheit selbst und mit ihnen wird das Fundament der wahren Geisteswissenschaft gelegt.

Zwischen 1902-1909 überwog das rosenkreuzerische Element in Steiners Tätigkeit, was der antichristlichen Leitung der Theosophischen Gesellschaft missfiel. Steiner wurde im Januar 1913 aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Geschichte mit Krishnamurti war nur der Anlass dazu und seit jener Zeit verläuft die Entwicklung der Theosophischen Gesellschaft nur abwärts, ohne eine Beziehung zu den neuen geistigen Offenbarungen.

Steiner hat auch die andere Strömung der traditionellen Esoterik berührt, als er das ihm von einer Freimaurerorganisation angebotene Diplom eines hohen Grades angenommen hat. Er hoffte dabei, die Freimaurer mit der neuen Weisheit Michaels bekanntzumachen, aber das ist nicht gelungen. Doch in vielen Städten in Deutschland und den Nachbarländern entstanden Kreise, die seine Vorträge studierten und eine Schulung anstrebten. Seit 1905 gab Steiner in diesen Kreisen die sog.“esoterischen Stunden“, die den fortgeschrittensten Interessenten erlaubten, unmittelbar die Quellen der geistigen Offenbarungen zu berühren.

Was Steiner selbst betrifft, so hat er sich nach der Begegnung mit Christus zwischen 1899-1901 zu der Grenze des höheren Devachan und der Buddhi-Sphäre (der Vorsehung) erhoben und konnte von dort die zwölf Bodhisattvas betrachten. Damit wurden ihm die östliche Lehre über die Buddhas und Bodhisattvas und der starke Fortschritt nach Golgatha im Vergleich zu dieser Lehre klar. Von 1902-1903 an begann der Bodhisattva Beinsa Douno, den Astralleib Rudolf Steiners zu durchdringen, auch die zwölf Bodhisattvas als der Leib des Heiligen Geistes wirkten auf Ihn. Deshalb begann Steiner, über die zwölf Standpunkte zu sprechen, von denen aus jede Erscheinung betrachtet werden kann. Das ist sein zweites Opfer, das 1906-1907 vollbracht wurde, als der Bodhisattva dermaßen Besitz von Steiners Astralleib ergriffen hatte, dass im Laufe von drei Jahren die besonders tiefen christologischen Zyklen „Die Apokalypse des Johannes“, „Das Johannes-Evangelium“ u.a. erscheinen konnten. Steiner sagt: „Wenn die gegenwärtige Menschheit sich nicht direkt hinaufwenden kann zu den Bodhisattvas, um mit den geistigen Augen der Bodhisattvas den Christus anzuschauen, so muß die Menschheit eben noch bei diesen Bodhisattvas in die Schule gehen, um dasjenige zu lernen, was dann den Christus zuletzt begreiflich machen kann.“[5] „Er (der Bodhisattva) ist auch jetzt schon verkörpert und wird der eigentliche Verkünder des Christus im ätherischen Gewande sein…“[6].

Der ätherische Christus begann 1909 in der übersinnlichen Sphäre zu erscheinen, die der Erde am nächsten ist und im Januar 1910 hat Rudolf Steiner, von Beinsa Douno inspiriert, zum ersten Mal der Menschheit dieses wichtigste Ereignis verkündet, das in den kommenden fast 3000 Jahren in Erscheinung treten wird. Auf diese Weise wurde Steiner auch auf die nächste Siebenjahresperiode seines Lebens vorbereitet, die im Februar 1910 im Zeichen des Lebensgeistes begann.

Der Einfluss des Bodhisattva ließ nach, damit die nathanische Seele durch Steiner zu sprechen beginnen konnte, die den Christus ätherisch trug. Das christologische Thema trat in den Vordergrund und die Mitteilungen über die nathanische Seele selbst häuften sich. Den Höhepunkt ihrer Inspiration bildeten „Das fünfte Evangelium“ und das makrokosmische „Vaterunser“, das zum ersten Mal am 20.99.1913 bei der Grundsteinlegung unter das erste Goetheanum vorgetragen wurde. Die Steinlegung bedeutet Erkenntnis, Liebe und starken Willen, die notwendig waren, um dem unheimlichen Hass der zahlreichen Feinde standzuhalten. Steiner opferte die Kräfte seines Ätherleibes, um jene geistige Hülle um Dornach zu erzeugen, die in den alten Zeiten alle wahren Mysterienorte umgeben hat. Diese Hülle sollte als ein Gefäß für die hohen geistigen Impulse dienen, die herunterströmen und den Ort zum Zentrum des geistigen Lebens der ganzen westlichen Menschheit machen. Das Goetheanum war ein lebendiges Wesen, das einen physischen und einen Ätherleib hatte.

Steiners Opfer wurde von der geistigen Welt angenommen – seine Rede bei der Grundsteinlegung spricht Bände. Aber am folgenden Morgen war er besonders finster:  Wahrscheinlich hat er gespürt, was passieren würde. Der Samen wurde trotzdem eingesät und hat an Weihnachten 1923 Früchte getragen. Das Ich und der Astralleib des Menschen hängen eher mit dem individuell-persönlichen Prinzip zusammen und deshalb trugen die Opfer Steiners von 1899 und 1907 einen persönlichen, intimen Charakter. 1906-1907 war sein Lebenslauf im inneren Sinne zu Ende. Wir wollen uns in diesem Zusammenhang auch an die Worte Beinsa Dounos erinnern: „Jener Mensch Petar Danov ist längst gestorben!“

Dagegen sind der Ätherleib und der physische Leib mehr mit dem Allgemeinmenschlichen verbunden und deshalb haben die letzten zwei Opfer Steiners – die Grundsteinlegung des ersten Goetheanum und die Weihnachtsversammlung eher einen okkult-historischen Charakter. Nicht zufällig hat Steiner in der Periode des Lebensgeistes, die mit der Jupitersphäre der kosmischen Weisheit zusammenhängt, welche die geistige Impulsierung der Kunst begünstigt, die Mysteriendramen verfasst, die ersten Impulse zu der Eurythmie, der neuen Architektur, Plastik und Malerei gegeben, die  den Beginn des Goetheanumbaus einleiteten. All das steht in direktem Zusammenhang mit dem Ätherleib und bildet die zweite Etappe in der Entwicklung der Anthroposophie.

1914 begann der Erste Weltkrieg und somit der erste Schritt zum Krieg aller gegen alle, was den Bau des Goetheanum verzögerte. Es wurde die dritte Etappe in der Entwicklung der Anthroposophie eingeleitet, als sie sich nach außen öffnen und sozial wirksame Impulse in allen Bereichen des menschlichen Lebens geben sollte. Vor allem wurden die Pädagogik, Medizin, die religiöse, wissenschaftliche und die soziale Sphäre impulsiert. Das okkult-soziale Thema löste das christologische Thema ab. Der Name Christus wurde nicht mehr so oft erwähnt, und trotzdem können die Vorträge aus jener Zeit in ihrer Gesamtheit unter die Bezeichnung „Christus und das 20. Jahrhundert“ zusammengeführt werden, da sie fast ausnahmslos gerichtet sind auf die Entwicklung und das Verständnis des Charakters des im michaelischen Licht betrachteten Christus-Impulses in der heutigen Welt. Gerade in den Kriegsjahren erhielt die anthroposophische Lehre von den drei Systemen im menschlichen Organismus ihre endgültige Fassung. Nun trat Steiner in die neunte Siebenjahresperiode seines Lebens ein, die unter dem saturnischen Einfluss steht. Indem er die Inspiration aus dem ganzen Kosmos erhielt, konnte er nach 1917 allmählich das okkult-soziale Thema durch das Michael-Thema ersetzen, an dem er bis zu seinem Tod arbeitet. Zwischen 1916-1921 war Steiner das Hauptwerkzeug Michaels. Michael übernahm Steiners Karma und wirkte durch Ihn. So hat Steiner große Hilfe beim Kampf gegen den „Drachen“ geleistet und geistige Impulse in alle Lebenssphären eingeführt, in denen die antimichaelischen Mächte am stärksten sind. Damals schlossen sich viele Menschen der Anthroposophischen Gesellschaft an, die die vorgetragene Weisheit in verschiedenen Bereichen umsetzten. Als Folge haben sich schnell die Tochterzweige der Anthroposophie entwickelt. 1921-22 wurde die Christengemeinschaft gegründet. Auch die neue Wissenschaft ‚okkulte Soziologie‘ hat Steiner begründet, die die Ereignisse im esoterischen Sinne erläuterte. Doch die Anthroposophen waren auf all das nicht vorbereitet und es begannen große Schwierigkeiten, die mit übertriebenen Ambitionen und Fehlern zusammenhingen. All das hatte zerstörerische Folgen, die sich in einer extremen Feindseligkeit zu der Bewegung selbst ausdrückten. Steiner hat allen die Möglichkeit gegeben, ihre Fehler zu machen und sie danach einzusehen, da er das Grundprinzip der absoluten Achtung des freien Willens in der neuen Esoterik einhielt. Was ihn das wohl gekostet hat? Aus solchen Gründen scheiterte 1919 die Bewegung der sozialen Dreigliederung, die laut Steiner Michael selbst erlaubt hatte. Die zu Beginn des Krieges eingestellte esoterische Tätigkeit wurde wieder aufgenommen, diesmal auf einer neuen Stufe. Nur so konnte völlige Harmonie zwischen den geistigen Quellen der Anthroposophie und ihrer äußeren Erweiterung durch die Durchdringung verschiedener Sphären der menschlichen Erkenntnis entstehen. Das Goetheanum, das die sichtbare Anthroposophie selbst auf dem physischen Plan war, sollte als das neue Mysterienzentrum der westlichen Welt eröffnet werden, das auf Michael-Christus gerichtet war und in völliger Harmonie das Äußere und Innere, die Materie und den Geist vereinte. Das ist nur durch die esoterische Tätigkeit möglich. Doch die Anthroposophen waren nicht wachsam und am 31.12.1922 brannte das Goetheanum vollständig nieder, ohne dass die Synthese wie beabsichtigt durch eine langsam fortschreitende Handlung vollzogen wurde. Es sollte stattdessen ein an die Verzweiflung grenzendes Opfer dargebracht werden, das aus der Trauer nach dem Brand entstanden war. Der Tempel von Ephesos brannte wegen der Eifersucht der Götter, die von außen auf den Menschen einwirkten, das Goetheanum brannte wegen der Eifersucht der Menschen, da die „dunklen“ Götter nun aus dem Menscheninneren herauskrochen. Die eingeschlafenen Anthroposophen konnten die Kräfte des Ätherleibes Steiners, die in das Goetheanum hineingelegt worden waren, nicht beschützen. Trotz allem wurde die Arbeit nicht eingestellt und das, was für den 01.01.1923 geplant war, wurde erfüllt.

Das ist das Kennzeichen der erheblichen geistigen Macht, die Steiner damals besessen hat. Die anderen Anthroposophen waren jedoch schwach und der Niedergang setzte sich fort, wobei die Zwietracht in der deutschen Gesellschaft besonders schmerzhaft war. Dem setzte sich Steiner mit seiner positiven Einstellung entgegen. Während des ganzen Jahres 1923 sprach er vom Wesen und von den Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung, vom sozialen Thema, von den okkulten Grundlagen der christlichen Feste, insbesondere des Michaelitages. Dieses Fest hat er für die ganze Menschheit durch die grandiose Imagination des neuen Zeitgeistes Michael mit dem Schwert wieder erlangt.

Das Jahr 1923 wurde von der umfangreichen Tätigkeit an der Gründung und Organisation von Anthroposophischen Gesellschaften in verschiedenen Ländern kennzeichnet, aus denen bei der Weihnachtstagung die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft mit dem Zentrum in Dornach entstehen sollte. In jener Zeit war Steiner fast 63 und befand sich jenseits des Saturn unter dem Einfluss des ganzen Kosmos. In dieser Situation sollte er in voller Einsamkeit wie Christus im Garten Gethsemane die wichtigste Entscheidung in seinem Leben treffen, damit die Anthroposophie unter die Menschen durch eine umgestaltete Gesellschaft eindringen konnte und die von Michael gestellten Aufgaben erfüllt wurden. Steiner entschied sich für das Opfer, ohne die Konsequenzen zu kennen und riskierte seine ganze Erdenmission. Die wahre Freiheit erfordert, dass eine Handlung zuerst aus eigenen, inneren Impulsen vollbracht wird, die von Christus durchzogen sind. Erst dann wird geschaut, ob die Handlung gut ist. Nur unter diesen Bedingungen werden Handlungen aus Liebe getan. Mit der Weihnachtstagung wurde ein großes Risiko übernommen – die geistigen Kräfte, die die Anthroposophische Gesellschaft von oben leiteten, hätten sich auch zurückziehen können, da die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft unmittelbar mit der Vertretung der geistigen Weisheit zusammenhing. Auf diese Weise wird die Menschheit künftig im Kosmos aus eigener Angst und auf eigenes Risiko schöpferisch wirken, indem sie sich einzig auf den Christus-Impuls im eigenen Herzen stützt. Die geistige Welt antwortet nur, wenn der Schritt in Freiheit und in rechter Weise getan wird. Steiner selbst ist bereits seit seinen Jugendjahren solche Risiken eingegangen, denen immer bedeutsame geistige Offenbarungen folgten. Mit diesem letzten Risiko vereinte er die damals getrennten Anthroposophische Gesellschaft und die Anthroposophische Bewegung, indem er die Leitung der Einheitlichen Gesellschaft und die volle okkulte Verantwortung für die Handlungen jedes Mitgliedes der Gesellschaft vor der geistigen Welt übernahm. Etwas Ähnliches machte Christus, der zwar unser persönliches Karma nicht übernommen hat, doch die objektiven Folgen aus den menschlichen Handlungen für den geistigen Makrokosmos auf sich nahm. So hat auch Steiner nicht das persönliche Karma der Anthroposophen, sondern ihr Karma im Zusammenhang mit der Strömung Michaels übernommen, die im 20. Jahrhundert in Form der Anthroposophie heruntergestiegen ist.

Das ist das vierte und höchste Opfer Steiners, mit dem er die Kräfte seines physischen Leibes im Namen der Gründung eines Zentrums für die neuen michaelischen Mysterien zur Verfügung stellte. Dadurch wurde das Exoterische mit dem Esoterischen vereint. Seitdem kann sich die michaelische Esoterik in alle Bereiche des menschlichen Wissens ergießen und die ganze westliche Kultur erneuern, denn die Weihnachtstagung hat vor allem für das Schicksal der westlichen Menschheit eine enorme Bedeutung. Durch die wichtigste anthroposophische Meditation wurde in die Seelen und Herzen der anwesenden 700 bis 800 Menschen der dodekaedrische Grundstein der Liebe in der Atmosphäre der Einweihung einem Mysterienakt in sieben Rhythmen ähnlich eingelegt, der in seinen drei Elementen eine harmonische Vereinigung zwischen Mikro- und Makrokosmos in der Menschenseele ist. Auf diese Weise wurden die beiden Strömungen Abels und Kains auf dem sozialhistorischen Plan vereinigt.

Doch die Übernahme dieses schweren Karmas blieb nicht ohne Folgen und Steiner wurde schon am 01.01.1924 plötzlich schwer krank, als wäre sein Leben mit einem Schwert durchstochen, wie die Lanze Christus auf Golgatha durchstach. Das Opfer Christi wurde angenommen und Er ist in Seinem Ruhm und in Seiner Größe auferstanden. Auch das Opfer Steiners wurde angenommen – es war, als hätte die geistige Welt die Schleusen geöffnet. Alle führenden Geister, die mit der Sphäre Michaels verbunden sind, sowie Michael selbst haben sich offen an die Menschheit durch den Mund seines erhabenen irdischen Dieners gewendet. In den kurzen neun Monaten bis zu seinem Tod hat Steiner über 330 Vorträge und 70 Reden über nahezu alle Gebiete der menschlichen Erkenntnis gehalten und diese mit neuen Offenbarungen erfüllt. Sein Fleisch begann zu schwinden und das Wesen des Weltenwortes begann immer stärker in Erscheinung zu treten. Von 1924 an ist Steiner in die zehnte Sphäre seines Lebens eingetreten – die Sphäre der zukünftigen Gottmenschheit. Deshalb zeigte den Menschen die Bedeutung der zweiten Offenbarung Michaels. In seinem Leben hat Steiner jene menschliche Form erschaffen und Michael zur Verfügung gestellt, die „Wort „geworden ist. Michael selbst, der nach der Weihnachtstagung zum Gruppen-Ich der Anthroposophischen Gesellschaft wurde und durch Steiner sprach, hat die Erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft gegründet. Sie ist die wichtigste Frucht der Weihnachtstagung und der wahre Mittelpunkt der neuen michaelischen Mysterien, die seitdem unter seiner unmittelbaren Führung stehen.

Doch die Medizin war nicht in der Lage, Steiner zu helfen, da seine physische Hülle ihm nicht mehr gehörte und die Krankheitsursache in der Anthroposophischen Gesellschaft selbst und im nicht erlebten Karma seiner Mitglieder lag. Steiner hat diese Welt in völligem Schweigen, ohne ein Wort des Verurteilens verlassen. Am 30.03.1925 ging der Lebensweg Rudolf Steiners im Zeichen des Widders zu Ende, nachdem er die ganze Tierkreissphäre umrundet hatte.

Hier entsteht die begründete Frage, wer Rudolf Steiner in seinen früheren Inkarnationen war und warum er im 20. Jahrhundert so hoch aufsteigen konnte. Zu Beginn des Kali-Yuga besaß diese Individualität zusammen mit der Hauptströmung der damaligen Menschheit das spontane alte Hellsehen. Dieses Hellsehen begann in der Zeit Heraklits (Mitte des Kali-Yuga) nachzulassen und der Zugang zur höheren Erkenntnis wurde nur in den Mysterien eröffnet. Deshalb wurde die Individualität wie viele der alten Griechen Schüler in Ephesos. Doch in seinen wichtigsten Inkarnationen als Aristoteles nach der Mitte des Kali-Yuga und als Thomas von Aquin in der dunkelsten Kali-Yuga-Zeit wurde Steiner nie im traditionellen Sinne des Wortes eingeweiht. Er war auch kein Hellseher wie viele Menschen der damaligen Zeit. Die anderen Lehrer aus dem hohen Kreis der „Lehrer der Weisheit und des Einklanges der Empfindungen“, in den Rudolf Steiner nach der Weihnachtstagung eingetreten ist, haben bereits im Altertum die allgemeine Strömung der Menschenevolution verlassen und den Einweihungsweg bestiegen. Somit haben sie alles überholt, was unter den normalen Bedingungen ein durchschnittlicher Mensch erreichen konnte. Doch Rudolf Steiner ist in keiner seiner früheren Inkarnationen irgendeinem besonderen Einweihungsweg außerhalb der allgemeinmenschlichen Strömung gefolgt. Im Gegenteil, diese Individualität hat sich zusammen mit der Strömung bewegt und in ihrem Schicksal alle Hauptetappen in der Menschheitsentwicklung erlebt. Wenn wir Steiners Lebensweg mit dem Weg Zarathustras, Buddhas, Christian Rosenkreutz‘ vergleichen, werden wir einen erheblichen Unterschied feststellen. Als der große Philosoph stand Aristoteles als Letzter vor den Toren des alten Mysterienwissens, die sich vor der Menschheit schließen sollten. Er hat den Übergang vom kosmisch-ätherisch-geistigen zum physisch-irdischen Denken gemacht und die logischen abstrakten Begriffe geprägt. Aristoteles hat schon im vorherigen Zeitalter Michaels die Bedingungen für die zukünftige Verwandlung der kosmischen Intelligenz in eine irdische Intelligenz vorbereitet. Bei ihm gibt es immer noch die Erinnerung an den Geist, denn er spürte ständig, wie sein Denken aus dem göttlichen Denken hervorging – „Ex Deo nascimur“.

Als großer Mystiker sollte Thomas von Aquin in der dunkelsten Zeit des Kali-Yuga (1250) die große Aufgabe, aus seinen eigenen seelischen Kräften ausgehend die ganze Philosophie des Aristoteles, die von der kosmischen Intelligenz Michaels inspiriert worden war, wieder im christlichen Geist herzustellen. Er hat das Denken entwickelt, das damals dem Menschen eigen geworden war und er erreichte dabei die größte Vollkommenheit, die überhaupt möglich war. Auf diese Weise schuf er die Voraussetzungen zur Entstehung der wahrhaftigen christlichen Persönlichkeit, die in der nahenden Zeit der Bewusstseinsseele in einer neuen Art Christus suchen konnte. Diese gigantische Denktätigkeit verlief in ständigem Kampf gegen die luziferischen und ahrimanischen Kräfte. Das Gleichgewicht, das bei Aristoteles in natürlicher Weise bestanden hatte, wurde bei Thomas von Aquin im beständigen und hartnäckigen Kampf erreicht. Er dachte über den Geist in einer Welt nach, in der das Gebiet der Offenbarung vom Gebiet der Erkenntnis getrennt war. Die Vereinigung beider Gebiete war erst nach dem Tod möglich und zwar nur, wenn man auf der Erde bereits den Christus-Impuls aufgenommen hatte. Deshalb war ihm das Erleben „In Christo morimur“ besonders nah.

Schließlich erschien diese Individualität am Ende des Kali-Yuga als ein großer Eingeweihter, der vom bewussten Erblicken des Geistes ausgehend wieder die menschlich gewordene Intelligenz in die Sonnensphäre Michaels zurück erhob. Damit hat Steiner die neue Ära in der Entwicklung der Menschheit der bewussten Vereinigung mit der geistigen Welt, der Auferstehung im Geistselbst eingeleitet – „Per Spiritum Sanctum Reviviscimus“.

Wir haben also vor unseren Augen drei bemerkenswerte Gestalten, die mit ihrer Tätigkeit die ganze Geschichte der Entstehung des westlichen geistigen Lebens umfassen. Ohne ihre Tätigkeit wäre das Erlangen der menschlichen Freiheit und des individuellen Ich-Bewusstseins in der rechten Weise innerhalb der westlichen Zivilisation  unmöglich gewesen. Alle Drei haben aus dem reinen Impuls des Michael-Christus heraus gewirkt.

Wenn wir uns die Frage stellen, wie sich im Idealfall jene hohe Idee der Hierarchien aus der Zeit vor dem Kali-Yuga auf dem Erdenplan entwickeln sollte, um die es am Anfang der Vorlesung ging, so kann man als Antwort auf die nacheinander folgenden Inkarnationen Rudolf Steiners verweisen. In ihnen kommt die göttliche Uridee der Hierarchien über die Entwicklung der Menschheit zum Ausdruck. Vor dem Kollegium der „Lehrer der Weisheit und des Einklanges der Empfindungen“ im Zeitalter der Freiheit stand die äußerst wichtige Frage, ob wenigstens ein Mensch, der den allgemeinmenschlichen Entwicklungsweg zurücklegte, sich aus dem Kreis der Menschheit heraus zu ihrem Kreis von Individualitäten erheben konnte, die längst übermenschlich geworden sind. Rudolf Steiner hat als Erster und bisher Einziger diesen Weg zurückgelegt und ihn als Möglichkeit für alle Menschen gebahnt. Damit bestätigte er, dass die höhere Idee der Götter von der Evolution der Erdenmenschheit zu erfüllen ist. Das Zulassen des Kali-Yuga war nicht umsonst! Rudolf Steiner ist ein großer Trost für die geistige Welt.

Doch warum ist ihm niemand auf dem neuen Einweihungsweg gefolgt, den er „die Gralserkenntnis“ genannt hat? Jeder, der nach oben strebt, muss in seiner Seele unbedingt das im michaelischen Sinne erneuerte große Bild des Heiligen Gral hervorbringen, der vor dem geistigen Blick als eine Einheit aus drei Elementen erscheint. Das erste Element ist die Substanz der im menschlichen Ich geborenen Liebe, die zum Mysterium von Golgatha strebt, um sich mit der Quelle der Weltenliebe zu vereinigen und zur menschlichen Weltenliebe zu werden, die durch das Ich fließt. Das zweite Element wird aus der Handlung gebildet, bei der die Bewusstseinsseele in eine imaginative wird und man bewusst die menschliche Weltenliebe (den Christus-Impuls) in sich wie in einem Kelch behält. Dazu müssen die menschlichen Imaginationen in den Kosmos hinausgetragen und mit den Weltenimaginationen vereinigt werden. Dann wird die Christus-Substanz im Kelch als eine innere geistige, führende Sonne erlebt, die einzig die irdischen Gedanken mit den Weltengedanken des Kosmos vereinigen und die heruntergestiegene und von Ahriman angegriffene michaelische Intelligenz vergeistigen kann. Dann macht Michael den Weg vor der himmlischen Intelligenz frei, damit sie vom Kopf in das Herz heruntersteigt. Der Mensch erlebt sie im Herzen als ein neues Erkenntnisorgan. Er beginnt in gedanklichem Licht zu leben, das aus den reinen menschlichen Weltengedanken besteht. Das ist die erlöste Intelligenz – das dritte Element des göttlichen Kelchs. Wenn alle drei Elemente in der Menschenseele vereinigt werden, dann erscheint im leuchtenden Gralslicht der Geist. Jetzt ist das der neue michaelische Geist, der früher als eine weiße Taube herunterstieg. Dieser michaelische Gral ist während der Weihnachtstagung auf die Erde herabgestiegen und in die Seelen und Herzen der Menschen als das dodekaedrische imaginative Bild der Liebe eingetaucht. Laut Bernhard Lievegoed gab es damals eine Vereinigung der vier Mysterienströmungen – der nördlichen Strömung Michaels, der südlichen rosenkreuzerischen Strömung, der westlichen Artusströmung und der östlichen Gralsströmung. Das Rosenkreuzertum ist mit den Gralsmysterien eng verbunden. Wichtiger war die Lösung der welthistorischen Frage Parzival-Michaels, wie Michael die Intelligenz durch den Christus-Impuls im menschlichen Ich wieder finden soll, denn dadurch konnte der Übergang der Menschheit von der Bewusstseinsseele zum Geistselbst vollzogen werden. Michaels Weg wurde gebahnt zuerst mit der „Philosophie der Freiheit“, dann mit der „Geheimen Wissenschaft“ und zuletzt mit der Weihnachtstagung von der Artusströmung zu der Gralsströmung. Und während uns der Gral die höchste Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha gibt, wird uns das Palladium die höchste Erkenntnis des Gral geben. Wir werden zukünftig den Zusammenhang zwischen dem Palladium und dem Gral erkennen, wir werden ihn noch erleben. Davon wird auch die Antwort auf die bedeutsame Frage abhängen, warum die Menschheit schon über das erste Gralselement „stolpert“ – die Verwandlung der Weisheit in Liebe. „Die Liebe ist die im Ich neugeborene Weisheit“, sagte Steiner[7], aber warum kommt der Geist für die Anthroposophen nicht? Er kommt auch für die „Weiße Bruderschaft“ nicht, geschweige denn für die restlichen geistigen Strömungen!

Sergej Prokofieff hat 1981 richtigerweise geschrieben, dass bei den Anthroposophen der Traum, der dem Zustand der Jünger in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten entspricht, weitergeht. Es gab die Hoffnung, dass „Pfingsten“ am Ende des 20. Jahrhunderts mit dem versprochenen Höhepunkt der anthroposophischen Bewegung kommen würde.

Steiner rief uns auf, den Gedanken Michaels aufzunehmen und ihn zu beleben, damit er in uns als Weltenwort – als das Wort Christi – zu sprechen beginnt. Auf diese Weise sollten wir den „Stein der Liebe“ annehmen und das Fest der Trinität erleben. Als aber im Jahr 2000 „das Weltenwort“ mit der Botschaft über den Bodhisattva empfangen wurde, haben viele Anthroposophen „die Gabe Michaels“ abgelehnt und nach Beweisen gegen diese Gabe gesucht. Der Traum geht weiter, obwohl Pfingsten vorbei ist. Die Bodhisattvas sind im tiefen Sinne des Wortes Vollzieher des Willens Christi auf dem Erdenplan, den sie in der Buddhi-Welt (der Welt der Vorsehung) anschauen und auf diese Weise auf die Aufnahme der Buddhastufe vorbereiten. Seit dem 20. Jahrhundert wirkt der Wille Christi unter den Menschen als die Vorsehung. Der Einfluss auf den Karmaausgleich einzelner Menschen durch Christus ist einzig aus der Sphäre der Vorsehung möglich, so Steiner. Wie soll Christus das Karma ausgleichen, wenn der aus der Sphäre der Vorsehung kommende Lehrer geleugnet wird? Wer sich gegen den Christus-Willen stellt, ist vom vornherein dem sinnlosen Schwanken und einem tragischen Ende geweiht. Ein solcher Mensch wird nicht die Möglichkeit haben, jene hohen Offenbarungen zu berühren, die Beinsa Douno für die Zeit zwischen den beiden Jahrtausenden prophezeit hatte. Eine von diesen Offenbarungen wurde am Anfang der Vorlesung angedeutet. Um sie zu verstehen, müssen wir uns an den Artikel „Die Gnosis und die Anthroposophie“ aus den „Anthroposophischen Leitsätzen“ wenden, den Steiner im Januar 1925 geschrieben hat, als er zwei Monate vor seinem Weggang zum letzten Mal über den Gral sprach. Steiner bezieht die Entstehungsgeschichte der Gnosis zur ägyptisch-chaldäischen Zeit der Empfindungsseele. Dieses wahre esoterische Wissen wurde nur in der vor der Außenwelt tief verborgenen „Mysterien-Gnosis“ bis zum Anfang der christlichen Zeit aufbewahrt. Danach erreichte das Wissen in einer veränderten Form als „göttliche Mysterien“ das europäische Mittelalter. Die Entstehung der Gralsströmung steht zu diesen „göttlichen Mysterien“ in Beziehung und die Eingeweihten konnten schon in der vierten nachatlantischen Zeit der Verstandesseele in sich die Kräfte der Empfindungsseele in einer solchen Art erwecken, dass sie die tiefen kosmischen Wechselbeziehungen des Golgatha-Mysteriums in seiner Zeit durchschauten. Diese Eingeweihten trugen zwei vollständig entwickelte Seelen in sich – die Empfindungs- und die Verstandesseele. Durch die erste waren sie mit der tiefen kosmischen Weisheit der „göttlichen Mysterien“ verbunden und durch die zweite – mit der historischen Epoche.

Einer dieser Eingeweihten war Joseph von Arimathäa – der erste Hüter des Heiligen Kelchs, in dem laut Steiner das Geheimnis von Golgatha aufbewahrt wurde. Später gab es solche Eingeweihten nicht mehr und der Gral wurde durch bestimmte geistige Kräfte zur Aufbewahrung mitgenommen, bis er wieder den Menschen zurückgegeben werden kann – nunmehr nicht als einen Erkenntnisimpuls, sondern als einen Impuls des Gefühls, des Seelenerlebnisses, das in der Menschheit den Übergang von der Verstandesseele zur Bewusstseinsseele vorbereitet. Den Übergang hat Parzival esoterisch vollzogen, in dem wir auch zwei Seelen finden – die Verstandes- und die Bewusstseinsseele. Die erste entspricht seiner Zeit (dem neunten Jahrhundert) und die zweite weist prophetisch auf die zukünftige Entwicklung der ganzen Menschheit hin. Nach Parzival wurde der Gral in das Reich des Presbyters Johannes verlegt – in die Geisteswelt -, wo er auf das Zeitalter Michaels warten sollte, wenn durch die neuen Mysterien das Fundament des Übergangs von der Bewusstseinsseele zum Geistselbst gelegt werden soll. Bei Parzival gab es im Mittelalter noch die Beziehung zu einem bestimmten Ort, doch wir befinden uns bereits an der Schwelle zur sechsten Kulturepoche und ein solcher Bezug des Vergeistigten, des in Weisheit Verwandelten zu einem bestimmten Ort gibt es nicht mehr. Steiner sagte: „Was heute schon mehr vergeistigt ist, was übergegangen ist in eine Weisheit, die überall hingebracht werden kann – weil wir jetzt schon am Übergange zur sechsten Kulturepoche stehen, wo diese Dinge nicht mehr an Orte gebunden sind -, das war in jener mittelalterlichen Zeit … noch an gewisse Örtlichkeiten gebunden“[8].

Diesen Übergang hat Rudolf Steiner mit den Kräften der Bewusstseinsseele vollzogen, die sich zum Geistselbst erhebt. Der Gralsimpuls  ist also dreifach in die Menschheit eingedrungen und somit auch sein Inhalt – die Weltenbilder, in denen die Geheimnisse von Golgatha leben. In seiner Rede von 1925 über Rudolf Steiner hat Albert Steffen seine Imagination geschildert, in der er Steiner als den neuen Hüter des Heiligen Kelchs beschrieb. Mitte Oktober 2005 wurde die Frage an die geistige Welt gerichtet, ob diese Behauptung wahr ist. Am frühen Morgen des 29.10.2005 kam die Antwort: Nein! Der neue Gralshüter werde jener Eingeweihte aus Bulgarien sein, der als Erster die Synthese zwischen dem anthroposophischen Impuls und dem Impuls des Bodhisattva in Christo vollzogen hat. Von Steiner wissen wir, dass der Name des neuen Hüters in den Sternen zu lesen sein wird, was der Inspiration entspricht und nicht wie bei Steffen – der Imagination. Doch das ist nicht so wichtig. Wir wollen uns an die Worte des Bodhisattva erinnern: „Israel ist derjenige, der aus dem Paradies herausgeht, Bulgare – derjenige, der ins Paradies eintritt.“ [9] Der „Eintritt ins Paradies“ ist die Erhebung von der Bewusstseinsseele zum Geistselbst, das mit der sechsten slawischen Kulturepoche verbunden ist.

Jeder, der den Übergang vollziehen kann, wird den geistigen Titel „Bulgare“ tragen. In diesem Sinne ist Steiner  bisher der einzige „Bulgare“ im neuen michaelischen Zeitalter. Doch Joseph von Arimathäa wirkte im Osten und Parzival im Westen, der neue Gralshüter wird in der Mitte erscheinen, woher auch der Name „Bulgare“ im physischen Sinne stammt. Hier wird ein Gleichgewicht in Christo zwischen Luzifer und Ahriman nicht nur im Individuellen, sondern auch im Sozialen erreicht. Was bedeutet das? Trotz der Opfer Steiners und Beinsa Dounos sind die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft und der „Weißen Bruderschaft“ eine leichte Beute für die beiden Widersacher. Am 20.11.1911 erklärte Steiner unmissverständlich: „…es müssen die wahren Quellen des Christentums wieder gefunden werden. Und nach diesem Ziel hin sehen wir zusammenfließen die geistige Strömung, die ausgeht von Jeshu ben Pandira, und jene, die im Beginn des dreizehnten Jahrhunderts an Christian Rosenkreutz anknüpft“[10].

 

Es liegt auf der Hand, dass der Mensch heutzutage nur in der „gemeinsamen“ Strömung  unverwundbar ist und als Individuum den Widersachermächten nicht zur Beute fällt. Danach kann er sich jener zukünftigen Gralsgemeinschaft eingeweihter „Bulgaren“ anschließen, die als einzige auf dem physischen Plan durch Ahriman nicht verletzte wird und ihm entgegentreten kann. Selbstverständlich werden beide Strömungen mit ihren unterschiedlichen Methodologien weiterbestehen, doch einzeln wirkend werden sie Ahriman nicht entgegentreten können. Die neue Gemeinschaft wird Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde vereinen, die ihren Einweihungsweg zurückgelegt haben und in einer ständigen Beziehung zueinander stehen, ohne sich an ein bestimmtes Gebiet zu binden. In ihnen wird das neue Wissen über den Gral offen und nicht nur verborgen sein und es wird in ihren Handlungen als eine innere Kraft in Erscheinung treten. Sie werden den Willen Christi überall erfüllen, wohin er sie führt und für Ihn das „unsterbliche Individuum“ aufbauen.

Der Anfang dieser Gemeinschaft wurde in Varna gesetzt und er hat viele Berührungspunkte mit Rudolf Steiners Leben und dem Urbild des gegenwärtigen Einweihungsweges. 1899 hatte Steiner eine Begegnung mit Christus und opferte sein Ich in Ihm. 1999 wurde in Varna beim Versuch der Vereinigung im Namen des „Einigen Gottes“ völlig klar, dass es eine Vereinigung der geistigen Strömungen nur im Namen Christi geben kann. Außer aus karmischen Ursachen kam die Offenbarung von 2000 über den Bodhisattva auch wegen der Erkennung dieser Tatsache. In der nächsten Siebenjahresperiode nach 1899 hat Steiner seinen Astralleib geopfert, der stark mit dem Individuellen im Menschen verbunden ist. Bei uns war das die Zeit von 1999 bis 1995 – eine Periode der Selbstbestimmung, der Entscheidung, welchen Weg man antreten will. Im Wendejahr 2006 begann die zweite Siebenjahresperiode des Werkes der Synthese beider Impulse. In der zweiten Siebenjahresperiode, die mit dem Ätherleib zusammenhängt, richtete sich Steiner auf das Gemeinschaftliche; Uns steht die Gründung einer real wirkenden Gemeinschaft um Christus bevor, die aus Menschen besteht, welche den Weg der Synthese bis zu einem gewissen Punkt zurückgelegt haben.

Diese Periode wird bis 2012 andauern. Das Jahr 2012 ist in vieler Hinsicht bemerkenswert, was mit der Erfüllung jenes Plans über die Bulgaren zusammenhängt, der vor 5400 Jahren entworfen wurde und über den Beinsa Douno sprach. Rudolf Steiner war der individuelle Trost der Götter, das sie Kali-Yuga nicht umsonst zugelassen haben, die erwähnte Gemeinschaft wird der soziale Trost sein, dass die Möglichkeit der Erhebung zum Geistselbst, die Steiner für die Menschheit erlangt hat, auch von anderen Menschen ergriffen wird. Danach wird die dritte Siebenjahresperiode folgen, die bei Steiner mit der Aufopferung des physischen Leibes zusammenhängt und bei uns wird sie wahrscheinlich mit dem erwarteten Zusammenstoß mit dem inkarnierten Ahriman zusammenhängen.

Was geschehen wird, hängt zum größten Teil von unseren vereinten Anstrengungen ab. Indem wir die Schwächen unseres Charakters, der mit dem Ätherleib zusammenhängt, überwinden und transformieren, werden wir immer stärker und würdiger, wahre Schüler des Großen Kollegiums der Lehrer der Menschheit zu werden, zu denen Rudolf Steiner und Beinsa Douno gehören. Für einige wird der Wendepunkt der persönlichen Begegnung mit Christus kommen und sie werden auch zu Lehrern aufsteigen. Dann wird der Christus-Wille ungestört durch sie strömen und die großen Worte „Siehe doch, ich mache alles neu“ mit anwachsender Kraft erfüllen. Ein solcher Lehrer wird von der Liebe geführt, von der Weisheit erleuchtet, er geht auf das Endziel zu – die Wahrheit – „den höchsten Gipfel, der jemals gesehen werden kann“. Dieser Weg ist heute der würdigste für den Menschen!

 

[1] GA 28, Kapitel 10

[2] GA 26, „Himmelsgeschichte, mythologische Geschichte, Erdgeschichte, Mysterium von Golgatha“

[3] GA 67, Vortrag vom 15.04.1918

[4] Vgl. GA 28, Kapitel 22

[5] GA 113, Vortrag vom 31.08.1909

[6] GA 130, Vortrag vom 04.11.1911

[7] GA 13, „Die Erkenntnis der höheren Welten“

[8] GA 144, Vortrag vom 07.02.1913

[9] „Festvorträge“, Sofia, 08.09.1940, „Israel und Bulgare“

[10] GA 130, Vortrag vom 20.11.1911

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Der Ausweg

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 11.11.2007 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

„Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Selig sind, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge.“ (Offenbarung 22:12-15)

Mit diesen aussagestarken Worten hat sich vor 2000 Jahren der Erlöser in seiner Offenbarung an seinen erhabensten Schüler – Apostel Johannes – gewendet, damit sie durch ihn von der ganzen Menschheit gehört werden, welche damals den tiefsten Punkt des Verfalls erreichend, Gott selbst verleumdet und gekreuzigt hat.

Nach 19 Jahrhunderten esoterischen Christentums hat uns Beinsa Douno folgende Einschätzung der heutigen Menschheit mitgeteilt: „Das, was der heutige Mensch darstellt, ist im Vergleich mit demjenigen, der nach dem Ebenbild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde, eine Karikatur. Unsere Erde ist zum Gespött geworden! Wer das nicht sehen kann, sagt: „Unsere Erde ist schön!“ Nein, unsere Erde ist in Trümmer geschlagen, der Mensch auch. Wenn man die Augen, das Gesicht, die Hände des heutigen Menschen betrachtet, sieht man, dass er einem Wrack mit lauter archaischen Resten ähnelt.“[1]

Auf Golgatha und mit der Auferstehung wurde unser physischer Leib gerettet, die Himmelfahrt hat unseren Ätherleib gerettet und Pfingsten – unseren Astralleib und das Ich. Warum befinden sich dann unsere heutigen Leiber in diesem Zustand? Warum konnte nur Rudolf Steiner sein „Kleid waschen“, zum „Baum des Lebens“ kommen, also zu Christus, und zu einem der Lehrer des ätherischen Shamballa werden?

Wo ist der Ausweg aus dem ökonomischen, kulturellen und religiösen Sumpf, der die selbstvergessene Menschheit unumkehrbar und vollständig zu verschlucken droht? Nach Ende des Kali-Yuga sind wir in eine dermaßen unterschiedliche Zeit eingetreten, dass nur die freie Ich-Entscheidung bei jedem Schritt unseres Lebens für die geistige Welt von Bedeutung ist. Und da Christus das Ich-Prinzip trägt, müssen wir auch Verstand, Herz und Wille umwandeln, um unsere Einstellung zu Ihm zu prägen. Deshalb riet uns Beinsa Dounos ausdrücklich: „Wir müssen uns entscheiden – mit Christus oder gegen Christus! Neutralität gibt es jetzt nicht! Ihm gehören die Gegenwart und die Zukunft. Der Weg desjenigen, der Christus nicht gefunden hat, ist versperrt. Ein Leben außerhalb der Christus-Prinzipien ist sinnlos. Ihr alle müsst durch Christus gehen, damit Er euch den Weg zu Gott weist. Und wenn ihr zu Gott kommt, werdet ihr wieder zu Christus zurückkehren. Er ist die absolute Wahrheit!“[2]

Wer kann heute diese Worte in ihrer Tiefe verstehen? Beinsa Douno fährt fort: „Solange Christus in euch nicht aufersteht, wird Er von außen nicht kommen. Das Christus-Leben kann das Zentrum für denjenigen sein, in dem sich das Leben manifestiert hat“.[3] Dann wird auch die tatsächliche Erfüllung des Gebotes „Ein jeder von euch muss einen Platz im Leib Christi finden“ [4]erfolgen. Diesen Leib, den Goethe „das Große unsterbliche Individuum“ nennt, bauen wir auf. Auf so unvergleichliche Art und Weise schildert der Meister den Ausweg aus dem Sumpf und die fünf Schritte, die wir zum Kern dieses Leibes zurücklegen müssen, der das Christus-Ich ist: „Zuerst steht vor uns der Berg Ararat, d.h. wir müssen einen Hafen für uns finden. Wir sind in der Sintflut und das Erste, was wir finden sollten, ist der Berg, auf den wir steigen können. Die zweite Etappe ist der Berg Moriah, wo wir ein Opfer vor Christus darbringen. Die dritte Etappe ist der Berg Sinai, wo das göttliche Gesetz gegeben wurde. Dort, wo das Gesetz herabgesandt wird, wird alles vernebelt sein. Die vierte Stufe ist der Berg Tabor, auf dem sich Christus verklärt hat. Und die letzte Etappe ist der Hügel Golgatha. Diese Etappe muss man während seiner geistigen Entwicklung zurücklegen, darüber müsst ihr nachdenken! Jesus Christus ist derjenige, der die alchemische Kraft hat und diese uns verleihen kann, damit wir diese Etappen meistern.“[5]

Wir wollen das Zitierte vom Standpunkt der heutigen menschlichen Entwicklung deuten, die die Schwelle der physischen Welt längst überschritten hat und in die nie dagewesene Sintflut der unterphysischen Welten hineingewatet ist!

Noah (Manu) hat aus der sinkenden Atlantis die fähigsten Menschen herausgeführt, die den Verstand und das Ich von Menschenseelen entwickeln sollten. Nach der Verleugnung des Erlösers, die einige Jahrhunderte lang dauerte, sehen wir heute nicht nur eine natürliche, sich in alle Richtungen erstreckende Sintflut, sondern auch eine moralische Sintflut, deren Dimensionen wir nicht gewahr werden. Deshalb brauchen wir den „Hafen“, der ‚Vatergott’ heißt. Aber Er ist ein hoher Berg, den wir noch besteigen werden und der das Ich ist. Zuerst zieht der Vatergott unsere Seele mit den „Fäden seiner Liebe“ an, die in den Händen Christi liegt.[6]
Die Christus-Kraft ruft eine unvergessliche Öffnung der Seele und eine Freilegung unseres irdischen Menschen-Ich hervor, das wir als eine Gabe von den Elohim vor 35000 Jahren in Lemurien erhalten haben. Durch dieses Ich erlebt sich die Seele als eine Individualität, als einen Teil Gottes, der nach den Gesetzen der okkulten Mathematik die ganze Macht des Vaters besitzt. Diese wird erst erreicht werden, wenn wir aus den heutigen Ruinen aus eigener Kraft wieder zum „Ebenbild und Gleichnis Gottes“ werden – zur zehnten Hierarchie der Freiheit und Liebe.

In den alten Zeiten haben uns die luziferischen Wesen die Freiheit geschenkt, die in Abgetrenntheit von Gott erlebt wird. Aber mit Golgatha erhob sich vor uns das Urbild der Liebe und der wahren Freiheit im Gott. Christus hat sein Ich im Namen seines Vaters geopfert, wir werden unser Ich in Christo opfern, wenn wir den Weg zu unserem Golgatha zurückgelegt haben. Während das übermenschliche Wesen Manu zum „Ararat“ ichlose Menschen hinaufführte, wird der Weg zu Gott künftig über Christus verlaufen, denn bereits Paulus hatte nach seinem Erlebnis vor Damaskus und in seinem Leben voller dramatischer und inspirierender Ereignisse begriffen: „… Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“( Korinther 5:19).

Es begann der Weg des Opfers, als nach der Vertreibung aus dem Paradies der Mensch auf die Erde herunterstieg und in den Vererbungsstrom hineingesaugt wurde. Es begann unser physisches Leben, das mit den Beziehungen des Blutes zusammenhing, die allen alten Religionen zugrunde liegen. In ihnen lebte der Vatergott, der von oben die alte Weisheit zum menschlichen Bewusstsein herabsandte. Deshalb wurden die Eingeweihten, wie etwa Abraham, ‚Väter‘ genannt. Sie haben die Beziehung hergestellt zu Gott, genauer gesagt, zur Gruppenseele der Sippe, des Stammes, des Volks… Diese Gruppenseelen waren so stark, dass ein Bürger von Sparta, den man aus der Stadt vertrieben hätte, nirgendwo als gleichberechtigt aufgenommen worden wäre. Er wäre in Einsamkeit gestorben! Der Sinn des alten Opfers bestand in der starken Kraft, die das frische Blut des reinen Opfertieres besaß und die die Seele, die damals nicht fest mit dem Leib verbunden war, zu einem ekstatischen Zustand führte. Auf diese Weise konnten sich die göttlichen Kräfte durch die Gruppenseelen in den menschlichen Beziehungen widerspiegeln und einprägen.

Noch etwas anderes gab es damals. Christus inspirierte von den kosmischen Höhen herab die Liebe, doch sie wurde unbewusst wahrgenommen und war nicht im Besitz des menschlichen Ich. Bis zum Ereignis von Golgatha waren die Menschen nur in einem bestimmten Sinne Menschen – niemand kann sich nämlich für einen Menschen halten, wenn er unfähig ist, Liebe auszustrahlen. Die Liebe hatte einen materiellen Träger – die Blutsverwandtschaft, die durch die Tieropferung vergeistigt wurde. Mit dem Verbrennen der Tiere, d.h. des Blutes, verzichteten die Menschen auf den Besitz, den sie im egoistischen Sinne hatten, da sie ihn durch die Vererbung erhielten. Auf diese Weise wurde die Erbsünde gebüßt, die der Vatergott dem Blut eingeprägt hatte. In der vorchristlichen Zeit war das höchste Wohl für den Menschen das Erreichen der leiblichen Unsterblichkeit. Deren Aufopferung für jemand anderen – und sei es für einen Blutsverwandten – war ein Ausdruck höchster Liebe. Die alten Israeliten sagten „Ich und der Vater sind eins“. Als Abraham das Messer über seinen Sohn Isaak auf dem Berg Moriah erhob, war diese Tat gleichsam die Aufopferung der Unsterblichkeit seines eigenen Leibes. Damit sühnte er in der damals höchstmöglichen Art die Erbsünde. Später wurde das vom Vater Angelegte durch einen einzigen Akt überwunden – durch das Opfer auf Golgatha, das das Verhältnis des Sohnes zum Vater umgewandelt hat. Die Kraft der Liebe, die durch das alte mondische Blutopfer herabströmte, war nun unter den Menschen und hat sich als ein blutloses seelisches Sonnenopfer manifestiert. Im Christentum wurde das höchste Wohl die Seele selbst, genauer gesagt, das menschliche Ich, das als Träger der individuellen Unsterblichkeit von Anfang an ins Zentrum des christlichen Bewusstseins gestellt wurde. Deshalb hat die christliche Liebe einen viel höheren Wert als die alte Liebe, da sie in der Lage ist, nicht nur die Unsterblichkeit zu opfern, sondern ihren Träger – das eigene Ich, das als das unsterbliche Ich von Christus selbst wieder erhalten wird. Wenn man die Verwandtschaft mit Christus wählt, bricht man die Blutbeziehungen ab und entreißt sich vollständig der Erbsünde. Das war in der alten Zeit nur teilweise möglich, weil das Ich nicht entwickelt war und Christus noch nicht für Seine Opfertat herabgestiegen war.

Die Gruppenseelen haben die Freiheit auch nicht verstanden und mussten nach dem 15. Jahrhundert durch die Sonnenschule Michaels gehen, um mit den Menschen unter den neuen Bedingungen zu arbeiten. Der große Held der Freiheit Erzengel Michael hatte neben Menschenseelen und Elementargeister auch eine Reihe Wesen der dritten Hierarchie versammelt:

– Engel, die heutzutage gemeinsam mit freien menschlichen Ichen arbeiten, die in kleinen Gruppen vereint sind;

– Erzengel, die in den Völkern wirken;

– Archai, die dem ganzen Menschentum zugewandt sind.

Die oben befindlichen Gruppenseelen sind zu gemeinsamen Handlungen mit uns bereit, doch sind wir es auch? Abraham hat Isaak geopfert, d.h. seinen eigenen Leib; Wir müssen unser Ego opfern, das uns daran hindert, zu Christus zu gehen und gemeinsam mit den Wesen der dritten Hierarchie zu wirken, deren „Haupt“ Er ist. Wenn wir bewusst und frei am Astralleib arbeiten, der das Ego in sich enthält und trägt, entwickeln wir jene Moralität, die uns später zur vollständigen Umwandlung des Kleinen Hüters der Schwelle in ein leuchtendes neues Wesen verhilft. Aus dem Ego – dem niederen Ich – wird das höhere Ich mit der Christus-Kraft in unserem gewöhnlichen irdischen Ich geboren. Dieser Weg hängt von der individuellen Bereitschaft der Seelen ab und kann Jahre oder ganze Leben dauern – viele Seelen werden diesen Weg nie finden. Deswegen ist es so wichtig, welche Wahl wir heute treffen, und dies wird dramatische Folgen haben: Wird uns in unserem Leben die Liebe zur Arbeit für die Ganzheit, für Christus führen oder verbleiben wir in den Grenzen des eigenen „Teichs“ – in der Familie, Kirche, Firma, der spirituellen Gemeinschaft usw. Der größte Stolperstein hier ist das Gebot Christi „Liebe deinen Feind“, dessen Erfüllung äußerst schwer fällt, wenn man nicht die Erlebnisse des Ich durchgemacht hat, die in der ersten Stufe des Weges beschrieben sind. Nur die vorbereiteten Seelen werden vom Vatergott angezogen und machen sich auf den Weg zu Ihm über Christus. Unmissverständlich drückte sich Beinsa Douno aus: „Heute muss ein jeder günstige Bedingungen für die Ankunft Christi in sich schaffen. Jeder von euch kann Christus sein. Er ist die erste verwandte Seele im Kosmos. Indem ihr zu Christus strebt, wird eure verwandte Seele zu euch kommen. Er ist der Weg der Seelen zu Gott. Ohne Ihn kann niemand Gott finden.“[7] An anderer Stelle benutzt er folgenden bildhaften Ausdruck: „Christus klopft an jede Tür und lädt die Menschen zu einem großen Abendmahl ein. An wessen Tür klopft Er? -An die Tür desjenigen, der den Willen und die Bereitschaft hat, die Einladung anzunehmen, in dem „das göttliche Bewusstsein nah dran ist zu erwachen“.[8] Wann erwacht das göttliche Ich-Bewusstsein im Menschen? Wann ziehen die „Fäden der göttlichen Liebe“ den Menschen nach oben an? – Zuerst muss die Seele bereit, vorbereitet sein, wobei der Schlüsselmoment unterschiedlich sein kann. Doch immer ist er mit einem persönlichen Drama verbunden, mit einer aussichtslosen Lage. Wie der Meister sagte, wird uns Christus „nur dann aufsuchen, wenn wir ganz allein sind und niemand uns helfen kann. Wenn ihr Christus kennen wollt, kann das nur dann geschehen, wenn ihr euch vor der größten Prüfung befindet und niemand euch hilft. Christus ist der einzige Faktor, auf den ihr euch verlassen könnt. Er ist der Anfang und das Ende eures Lebens„.[9]

Wie kann man erkennen, wer den Weg bestiegen hat? – „Wer in den Weg kommt, sagt sich von sich selbst los. Wenn Christus sagt, dass wir uns lossagen sollen, meint Er das gewöhnliche Leben, all die Übergangsformen des Lebens, all seine Illusionen und in das neue Leben einzugehen.“[10]

Eine solche Lossagung hat Bill Cody erlebt, nachdem seine Familie ermordet worden war – den Fall hat Sergej Prokofieff in seinem Buch „Die okkulte Bedeutung des Verzeihens“ geschildert. Eine solche Entsagung steht nun allen geistigen Suchern auf der Erde bevor!

Der Meister ist sich sicher: „Die Christus-Lehre wird in der neuen Kultur angewendet, die schon im Kommen ist. Noch hat kein Volk Christus angenommen, die Menschen sind für diese Lehre nicht bereit“. [11] Die Menschen möchten ihren Egoismus nicht aus sich herauspressen, der sie schon am Anfang der geistigen Entwicklung blockiert. Daher finden sie den Ararat nicht und sind nicht fähig, sich auf dem Moriah zu opfern; sie werden auch nicht zum Sinai kommen, wo Moses das göttliche Gesetz im Nebel erhalten hat, da das Ich schwach entwickelt war und die Offenbarungen „nachts“ kamen. Warum kamen sie „nachts“?
In der Zeit des Alten Testaments wussten die Menschen nach dem Aufwachen, dass sie tagsüber von geistigen Wesenheiten umgeben sind, die dem menschlichen Kopf zugewandt sind. In allen alten Tempeln war es bekannt, dass die Kraft der luziferischen Wesen unseren Kopf aus einem Tierkopf in den heutigen Kopf umgewandelt hat. Doch diese tagsüber wirkende Kraft wurde nicht als schöpferisch, als göttlich im Hinblick auf den Menschen angesehen. Sie unterschied sich von der Kraft der Wesen, die im Menschen vom Einschlafen bis zum Aufwachen wirken, und zwar in jenem Teil von ihm, der während des täglichen Wachseins schläft. Aus den tagsüber schlafenden Fühlen und Wollen sollte auch nachts in den Kopf göttliche Kraft einströmen! Jahve wurde ‚der Herr der Nacht’ genannt und sein Antlitz war Michael, an den man jedes Mal dachte, als eine schöpferische Inspiration entstand, durch die mehr verstanden wurde als durch die Erkenntnis, die tagsüber aus der Sinneswelt kam. Nach Golgatha ist Michael dem Erlöser gefolgt und hat sich zur Erdensphäre begeben, um zum Geist des Tages und Antlitz Christi zu werden. Er ist das wahrhafte Tor zu Christus und er geht Seinen Erdenwerken voran. Michael führt uns zum Tempel der Weisheit, so wie er in der alttestamentlichen Zeit Moses auf den Berg Sinai führte. Damals galt die Offenbarung Jahves nur dem hebräischen Volk, aber heute möchte Christus durch Michael zu der ganzen Menschheit sprechen. Das ist möglich, wenn in uns das höhere Ich geboren wird, das auch ‚Jesus‘ oder ’nathanische Seele‘ heißt. Dazu müssen wir im Tempel der göttlichen Weisheit den Eid leisten, dass wir den unendlichen Schatz der Weltenweisheit im Dienst der Allgemeinheit benutzen werden. Das kann geschehen, wenn wir vorher den „Trank der Vergessenheit“ für unser niederes Gedächtnis und nachher den „Trank des Gedächtnisses“ für unser höheres Gedächtnis nehmen. Hier ist der Übergang vom Kleinen Hüter, der das volle Bewusstsein über jeden einzelnen Menschen in die Akasha-Chronik, in das Gedächtnis des ganzen Kosmos, einträgt. Moses hat „von oben“ die Zehn Gebote erhalten, nach denen das Leben auf dem Erdenplan zu gestalten war. Heute werden wir die Gesetze erhalten, nach denen die Geister in der Astralwelt leben. Niemand darf dorthin seine persönliche Unvollkommenheit hineintragen, andernfalls wird die Neugeburt (die Einweihung) luziferisiert. Deshalb warnte uns Beinsa Douno: „Wer ein Sohn Gottes sein will, soll Christus folgen, auf seinem Weg gehen“. [12]Aber Christus wird „nur für diejenigen kommen, die das Wissen und das Licht haben, die Gesetze der vernünftigen Natur zu verstehen. Der Schüler soll sehr klug sein. Dann hat er „richtige Beziehungen“ zu Christus und der Erlöser kann ihm helfen, indem Er immer mehr sein wahres Wesen durch seinen Tagesgeist offenbart.“[13]

Die Götter haben schon im Zeitalter Gabriels das zum Verständnis der geistigen Wahrheiten notwendige Organ im Menschen geschaffen. Nach dem 16. Jahrhundert richteten wir unsere Gefühle zur sinnlich-physischen Welt und waren gegen die Inspirationen von oben unempfindlich. Der Erzengel Gabriel wirkte damals in der Periode zwischen der Empfängnis und der Geburt und durch diese übersinnlichen Impulse hat er in der Gegend des dritten Auges ein neues Organ geschaffen. Das sind sich schlängelnde, windelnde Strukturen im Vorderhirn, die die Menschen von Geburt an erhielten und mit denen wir heute die Botschaft über das neue michaelische Zeitalter und das Christentum in seiner ganzen Bedeutung verstehen können. Diese Strukturen stechen besonders stark bei demjenigen hervor, der sich heute fähig fühlt, aktiv zu denken und sich zum wahrhaften Verständnis der Geisteswissenschaft erhebt. Nur wer völlig bewusst Michael erlaubt, durch die große Weiße Loge der Meister aus Shamballa die Anthroposophie in das besagte Organ einzugießen, wird danach auch seinen Ätherleib mit der Geisteswissenschaft sättigen. Dank dem neuen Organ im Kopf kann der Mensch während der Meditation den Ätherteil abtrennen, so dass Michael auf diesen einwirken und das Denken und den Astralleib aktivieren kann. Gabriel ist der Engel des Geheimnisses und während seines Zeitalters sollte die Geisteswissenschaft geheim gehalten werden. Dagegen soll sie sich im michaelischen Zeitalter offen nach außen ergießen. Hätte die Herrschaft Gabriels länger gedauert, hätte sich die menschliche Denktätigkeit in Arabesken entartet. Heute wirken die Kräfte nicht, die die erwähnten Strukturen im Vorderhirn bildeten, sondern die Kräfte Michaels ergießen sich unmittelbar in die Seele und wirken durch Imagination und Inspiration bei demjenigen, der das von Gabriel ausgebaute Ätherorgan benutzt und aus Eigeninitiative vervollkommnet.

Wer das nicht macht, wer an der Welt- und Menschenentwicklung zum zukünftigen geistigen Jupiter nicht teilnehmen will, bewirkt das Austrocknen und die Degeneration dieses Organs. Solche Menschen werden in ihrer nächsten Inkarnation ein zerstörtes Nervensystem haben und Epidemien von Nervenkrankheiten verursachen. Sie werden sich mit einem Teil der Erde verbinden, der zu einem vertrockneten Kern mittleren Ausmaßes geworden sein wird. Hier wird auf dem künftigen Jupiter ihre Wohnstätte sein. Die anderen, die sich für Michael entschieden haben, werden sich für seine Offenbarung öffnen, die in den nächsten zwei Jahrhunderten immer größer sein wird. Das wird sich bei solchen Seelen als eine ununterbrochene Erweiterung des Bewusstseins zum großen Golgatha-Opfer und der Gestalt des Erlösers in Seiner Evolutionsentwicklung zeigen. In der Entwicklung der Menschheit steigt das Bewusstsein zur Erschließung des Denkens herunter.

Auf der ersten Stufe dieses Prozesses hat der Mensch in der Urzeit die Gedanken in seinem Ich als durchgeistete, beseelte, lebendige Wesenheiten erlebt. Auf der zweiten Stufe erlebte der Mensch die Gedanken im Astralleib und sie erschienen dann zum größten Teil als durchgeistete und lebendige Spiegelbilder geistiger Wesenheiten. Auf der dritten Stufe war das Erlebnis im Ätherleib konzentriert, dann traten die Gedanken lediglich als eine innere Beweglichkeit in Erscheinung, als ein Nachhall des Seelischen. Auf der vierten Stufe – der Stufe unserer Zeit – erlebt der Mensch seine Gedanken im physischen Leib, wo sie als tote Schatten des Geistigen auftreten. In der alten Zeit waren die menschlichen Gedanken Organe der göttlich-geistigen Wesenheiten, durch die sie willensmäßig in uns wirkten. Dadurch spürten wir die lebendige Beziehung zur Geisteswelt. Indem die Gedanken in den physischen Leib übergingen, büßten sie ihre Lebensfähigkeit ein und der Mensch ist von der geistigen Welt abgefallen. Er hat sich mit seinem ganzen Bewusstsein in das Sinnliche verschoben. Die luziferische Entwicklung will die Substanz in unsere toten Gedanken hineingießen und diese als etwas Wirkliches hinstellen, als wären sie nicht lediglich eine trügerische Vision, eine Widerspiegelung der Sinneswelt. Wenn wir uns an die Kraft Michaels hinwenden und seinen Weg des Willens befolgen, beginnen wir den reflektierenden Charakter der Welt unserer Gedanken zu verstehen. Dann wenden wir uns einer anderen tiefen Quelle der Wirklichkeit in uns zu, aus der wir Substanz schöpfen und mit ihr unser Denken sättigen und dieses rein und wirksam machen. Mit solchem Denken sind wir fähig, hinter der ganzen Sinneswelt, der Welt von Mensch, Tier und Pflanze, das Übersinnliche zu erkennen. Dann folgt die zweite Etappe, auf der wir diese von uns selbst wiedererkannte übersinnliche Welt, die hinter allem Sinnlichen steckt, in unser Verlangen und in unseren Willen einbringen. Dort können wir dann den Christus-Impuls finden, der uns sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Matth. 28:20). Das bedeutet „Ich habe Mich vor euch nicht nur in den Tagen der Evangelisten geoffenbart. Durch meinen Tagesgeist Michael werde ich ständig zu euch sprechen, wenn ihr den Weg zu Mir sucht“.

Da Michael mit den Sonnenkräften verwandt ist, kann er seine Tätigkeit nur auf das richten, was man allein in seinen Gedanken als einen freien Impuls zum Handeln ausarbeitet. Das ganze ererbte Wissen über die Natur der Menschen, Tiere und Pflanzen interessiert Michael nicht. Dazu gehören auch die Anthropologie, der Nationalismus, der in den nächsten zwei Jahrhunderten vollständig überwunden sein wird, die Botanik, Zoologie, Medizin usw. Nicht die Gruppe, sondern die Individualität, die in der Lage ist, in Freiheit Impulse auszuarbeiten und sie als Liebe zu verwirklichen, kann die Aufmerksamkeit Michaels auf sich ziehen. Ein solcher Mensch kleidet seine Erkenntnisse nicht nur in Worte, sondern bringt sie in seine Gedanken ein. Dann kann er durch die Worte zum wahrhaften inneren Erleben des Geistes kommen – dem Geheimnis der gegenwärtigen Einweihung, die unter dem Zeichen Michaels steht. Die alte Einweihung hat Moses auf den Berg Sinai gebracht und die heutige christlich-rosenkreuzerische Einweihung, die wir mit Manichäismus gesättigt haben, wird uns gestatten, den Tempel der Weisheit zu betreten. Doch der Weg dorthin wird von luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten versperrt, auch die asurischen Wesenheiten mischen sich ein. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts, als die Ära der Bewusstseinsseele einsetzte, war der Mensch ein Mensch des Herzens und die Gefühle lebten so intensiv in ihm, dass er während der Meditation über eine Blume die ganze Pracht des Kosmos erleben konnte. Das menschliche Herz war der Geisteswelt nah und die Götter konnten durch ihren durchgeisteten lebendigen Glanz – obwohl nicht mehr direkt wie früher – auf das Gemüt einwirken. Dieses herzhaft intime Verhältnis zur Geisteswelt war nicht ganz bewusst, doch äußerst notwendig, um uns vor dem ahrimanischen Einfluss zu schützen, der keine Macht in den Bereichen hat, in denen die Götter im Menschen wirken. Die positive Einstellung zur Natur, die als abstrakte Idee zum Ausdruck kommt, die positiven Prinzipien des Benehmens im Leben stärkten den Menschen auf seinem Weg zur Freiheit und deswegen hatte Ahriman eine schwache Macht innerhalb der Entwicklung der Menschheit, im seelischen Element. Anfang des 15. Jahrhunderts drang die erste Hierarchie in Menschen und Erde durch die Sonnenintelligenz ein und hat den Menschen von Grund auf verwandelt. Aus ihm wurde ein Kopfmensch, da die Freiheit nur im Denken, also zuerst im Kopf erlebt werden kann. Wir haben uns von unserer alten Einstellung zur geistigen Welt verabschiedet, die durch das Herz geht, dabei haben wir uns einsam gegen die Natur gestellt, ohne etwas Geistiges in ihr zu finden.

Über den Kopf machten wir uns daran, die Natur in allen Richtungen zu erforschen. Wir sind in eine andere Schicht der Welt hinuntergestiegen, in der Ahriman seine zerstörende Wirkung begann. Vom kosmischen Gesichtspunkt betrachtet, stand alles, was passierte, in direkter Beziehung zum Sonnenmysterium. Bis zur Zeitenwende konnten wir dank den sechs Elohim, die mit unserer Herkunft zusammenhängen, in der Sonne wahrnehmen. Doch sie trennten sich vom Stern ab und ließen dort ihr Absterbendes zurück, so dass der Mensch nun durch die Sonne in seine Leiblichkeit nur die Kraft der toten Gedanken aufnehmen kann. Folglich ereignete sich das, was am Anfang des 15. Jahrhunderts unser Bewusstsein betraf, im Hinblick auf das gesamte Menschenwesen bereits in der Zeit Golgathas. Die meisten Menschen haben das aber nicht wahrgenommen. Die Elohim verließen die Sonne und zusammen mit ihnen zog auch Christus auf die Erde und verband wegen unserer Erlösung sein Wesen mit dem abgetöteten göttlich-geistigen Dasein in Ahrimans Reich. Im 15. Jahrhundert hatte der Mensch zwei Möglichkeiten, die seine Freiheit betrafen – entweder sich an Christus bewusst und in der geistigen Gestalt der Gedanken hinzuwenden, die früher im Unterbewusstsein verblieben, oder in sich die Trennung vom geistigen Dasein zu spüren und beim Erleben seiner Freiheit von den ahrimanischen Kräften gefangen genommen zu werden. Das Erleben der Freiheit in der gefährlichen Sphäre Ahrimans ist unbewusst, aber seine Folgen sind katastrophal. Davon kann sich jeder überzeugen, der sehen kann, was heute auf der Erde vor sich geht. Die Freiheit als Tatsache wurde jedem Menschen verliehen. Doch das Verständnis führt bei manchen Individuen unter anderem auch als Bewusstseinsinhalt zum Leugnen des Geistigen schlechthin, während andere die Freiheit im kosmischen, michaelischen Sinne verstehen. Wenn man wirklich die Freiheit im Denken erlangt, kann man einen neuen Weg zum Herzen finden und das eigene Herz als ein neues Erkenntnisorgan erleben – das „vernünftige Herz“. Dieser neue Weg vom intellektuellen Kopf zum Herzen ist der neue michaelische Weg, dessen Antritt Michael von uns erwartet, damit wir die Liebe im kosmischen Sinne erleben. Steiner selbst hat gesagt, dass er alles in der Geisteswelt Erforschte nicht mit dem Kopf, sondern durch das Herz studiert und danach in die Sprache der klaren menschlichen Gedanken übersetzt hat, denn nur in diesen können wir frei sein.[14] Doch gerade das Herz erweist sich als die Quelle, aus der die zukünftige Menschenstufe entstehen wird, war sich Steiner sicher. Deshalb sagte er, dass nur das vollständige Bewusstwerden der Tätigkeit Michaels in den geistigen Wechselbeziehungen im Universum die Lösung des Rätsels der menschlichen Freiheit ist, die der irdische Mensch braucht. Nur das Verständnis Michaels wird die Zivilisation aus dem Verfall herausführen.

Im Altertum wurde die Welt vom göttlichen Wesen selbst regiert, später wurde sie von der objektiv gewordenen göttlichen Offenbarung geführt, hinter der das göttliche Wesen die nächste Stufe ihrer eigenen Entwicklung durchmachte. Michael hat die ganze Zeit die kosmische Intelligenz (Vernunft) regiert, sofern sie durch die Offenbarung aus dem Kosmos als eine Harmonie von Ideen heruntergeflossen ist. Nach dem Golgatha hat sich aber nicht nur der Mensch gewandelt, sondern es ist die dritte Phase in der Entwicklung des Göttlichen Wesens eingetreten, als die kosmische Intelligenz sich von ihrer Urquelle löste und die Sternenwelten sich zu bewegen und den ihnen in der Vergangenheit hineingelegte Einklang der Ideen der Vergangenheit auszubauen begannen. Der Kosmos lebt also mit seinem vergangenen und nicht gegenwärtigen Verstand, da dieser Verstand zum Menschen gesandt und nach dem 15. Jahrhundert gänzlich in dessen Individualität hineingeführt wurde. Es wäre gut, wenn die Astrologen diesen Umstand im Auge behalten würden! Früher ist der Mensch nach dem Leben zwischen Tod und Neugeburt zu seinem neuen Erdendasein heruntergestiegen, um Harmonie zwischen dem Lauf der Sterne und diesem Dasein herzustellen. Das ist ihm nicht schwer gefallen, denn das Göttlich-Geistige hat in den Sternen gewirkt, dort war die Quelle des menschlichen Lebens. Heute ist der Lauf der Sterne lediglich die Fortsetzung des Göttlichen und Geistigen aus der Vergangenheit und diese Harmonie wäre nicht da, wenn der Mensch selbst sie nicht gefordert hätte! Hier kommt Michael zu Hilfe. Er überträgt etwas aus der uralten vergangenen Entwicklung, das dem Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit der geistigen Welt ohne eine Anbindung an das Naturhafte zu verbinden, so wie das in der Vergangenheit der Fall war, als der Geist zu den Menschen durch die äußere Naturwelt kam.

Die göttlich-geistige Schöpfung, die unsere Umgebung darstellt, darf nicht den physischen und Ätherleib beeinflussen, sondern nur unser Ich, das eine richtige Einstellung zum Göttlichen haben kann, nur wenn es die richtige Anschauung über die Natur erworben hat. Um sich selbst in Freiheit zu erleben, wirft das Ich die kosmischen Kräfte von sich, die ihm die physischen Stützen geben, wie das bis zum Antritt des michaelischen Zeitalters geschah. Michael ist zum Urengel aufgestiegen, aber er handelt als Erzengel. Seine Eindrücke durch die Engel erhaltend, bringt er dem Menschen aus dem geistigen Kosmosteil Kräfte, die die unterdrückten Kräfte aus dem naturhaften Dasein ersetzen können. Michael bringt seine Tätigkeit in vollen Einklang mit dem Mysterium von Golgatha. Er hat gesehen, wie beim Herabstieg der kosmischen Intelligenz zur Sphäre Ahrimans von der Sonne auch Christus in diese Sphäre herabstieg. Christus trat in die Welt mit der Intelligenz ein, die früher im Göttlichen lebte, das aus seinem Wesen den Kosmos bildete. Wenn man heute Christus in seinem Inneren erlebt, wird man die Durchdringung mit geistiger Wärme spüren, die die unterdrückte und verlorene naturhafte Einwirkung des Geistes ersetzt, um zurück zum Göttlichen zu kommen, dem er entstammt.

Das Gleiche gilt auch für das Licht. Das Göttlich-Geistige aus der Urzeit strahlt nicht mehr, denn die Intelligenz ist schon eine irdische. Aber im Licht, das Christus dem Menschen-Ich bringt, erstrahlt in uns wieder das wunderbare alte Göttliche Licht, obwohl sein Glanz nicht aus der Natur kommt. Wenn man sich bewusst mit der Mission Michaels verbindet, wird man in diesem Mit-Dasein mit Christus von innen mit Christus-Licht erhellt, das auf das Ich gerichtet ist. Gleichzeitig wird er sich in richtiger Weise wieder mit den geistigen kosmischen Kräften verbinden – doch diesmal als eine freie Individualität. Erhebend und inspirierend wirkt es, wenn Michael das menschliche Wesen zur kosmischen Freiheit hinauf mitnimmt. In dieser Zeit verwachsen das Unbewusste und Unterbewusste, die uns in der niedrigeren Sphäre der Freiheit gezeigt werden, mit dem Materialismus. Da sich der Mensch durch das Christus-Licht mit dem Licht des Altertums verbindet, werden sich auf dem Feld seines immer weiter werdenden Bewusstseins mit immer anwachsender Intensität und Reichweite das göttlich-geistige Dasein und die äußere Naturwelt der Sterne begegnen. Das göttlich-geistige Dasein wird nicht nur durch uns seine neue Entwicklungsstufe durchlaufen, sondern auch den Kosmos mit neuem Licht durchströmen. Dieses Licht wird die erlöste und aus Ahrimans Griff entrissene kosmische Intelligenz sein – „das Gewand der Himmlischen Sophia“, das seinem Wesen nach Liebe ist, denn das Licht ist Liebe. Diese göttlich-menschliche Nahrung erwarten die Götter von uns.

Das bisher Erörterte lässt sich mit einer aufschlussreichen Begegnung veranschaulichen, die in Krastova gora  vor einigen Jahren stattgefunden hat. Abseits der lärmenden Menge, die dort aus dem einen oder anderen Grund zusammengekommen war, saß ich auf einem Felsen und unterhielt mich mit einer jungen Frau, die der „Weißen Bruderschaft“ nahe stand. Etwa vier bis fünf Meter weiter saß ein etwa 33jähriger Mann mit einem markanten Gesicht und lauschte unserem Gespräch. Zwanzig Minuten später hielt er es nicht aus und setzte sich zu uns. Drei Stunden lang lauschte er mit äußerster Aufmerksamkeit einem Vortrag über die gegenwärtigen christlichen Mysterien, von denen er bis zu jenem Tag keine Ahnung hatte. Ein paar Mal hat er Fragen gestellt. Am Ende wollte ich von ihm wissen, was er während meiner Rede spürte. Seine Antwort spricht Bände: In der Gegend des Solarplexus erfüllten ihn bis dahin unbekannte geistige Wärme und geistiges Licht, die nach oben strahlten. Die Wärme und das Licht erfüllten ihn mit Sicherheit, dass alles Gehörte wahr ist. Er wusste, dass es wahr ist! Und es folgte der Satz eines Menschen, der zum Erleben seines Ich strebte: „Aber ich werde all das persönlich überprüfen!“

Den Sinn der michaelischen Mission zu erreichen, bedeutet heutzutage in der Art zu reden, die die Entwicklungsetappe der Bewusstseinsseele erfordert. Wir müssen sprechen die Sprache des Christus bzw. Michaels, die Sprache der Anthroposophie, die mit dem Bodhisattva-Impuls angereichert ist, damit die Menschen ihre Seelen für die michaelische Kraft öffnen und er durch sie wie eine reale Macht wirken kann. Der Mensch wird frei sein und zur gleichen Zeit wird er seinen geistigen Lebensweg durch den Kosmos in einem intimen Umgang mit Christus erleben. In solchen Gebieten, wo wir spüren, dass unser Blick zur äußeren Welt geistig auf Michael fällt und der Blick nach innen in die Seele auf Christus trifft, reift die seelische und geistige Zuversicht, mit der wir diesen kosmischen Weg besteigen können, auf dem wir ohne die eigene Urquelle zu verlieren, unser Ende in der Zukunft finden werden. Die wichtigste Frage heute ist, ob wir die Erwartung Michaels erfüllen werden, die kosmische Intelligenz in uns nur im Namen des Ganzen zu benutzen, wie er das selbst macht. Bei Michael ist sie ein Ausdruck des Herzens und der Seele, doch auch des Kopfs, des Geistes. Deswegen geht Michaels strenge und gediegene Erscheinung durch die Welt und diese Imagination sagt uns: „Ich regiere wie ein Wesen, das der Welt ähnlich, gleich ist und behaupte mich selbst, nur wenn ich die Welt behaupte, indem ich auf die Erde die Kräfte des ganzen Weltalls herunterhole. Ich durchlaufe den Gang der Zeit und trage das Licht aus dem Kosmos wie mein eigenes Wesen und bilde aus ihm Wärme, die die Offenbarung meines eigenen Inneren ist.“[15]

Wer sein Ich mit dem Bild Michaels erfüllt, entwickelt nach und nach Liebe zur Außenwelt und schützt sich vor dem Versinken in die Selbstgefälligkeit. Ein solcher Mensch kann Liebe zum anderen ausstrahlen, ohne sich selbst zu lieben. Auf diese Weise findet die Seele Christus, durch den die ausgestrahlte Liebe in die Seele desjenigen zurückkehrt und erstrahlt, der den Prozess ausgelöst hat. Das bringt Christus-Michael eine große Genugtuung! Künftig wird Er als das lenkende Wort am Anfang des Weges stehen, auf dem jeder in der kosmisch richtigen Art zwischen den luziferischen und ahrimanischen Mächten hindurch gehen und die Weltenziele erreichen kann.

Wenn wir über Michael sprechen, taucht sofort auch die Gestalt Ahrimans auf, dessen Imagination das Gegenteil zu Michaels Imagination bildet. Ahriman will die Intelligenz an sich reißen. In der Urzeit hat er sich vom Strom der göttlich-geistigen Mächte abgetrennt und sich neben sie als eine selbständige kosmische Macht gestellt. Damals hat Ahriman, haben wir in einer viel dünneren Substanz gelebt und unsere Form war auch eine andere. Im Unterschied zu uns konnte Ahriman nicht den Moment abwarten, um seine Menschenform anzunehmen und stellte sich damit gegen den Willen der über ihm stehenden geistigen Wesenheiten, die das Eintreten dieses Moments beschließen sollten. Doch solcher Widerstand ist nur in der dichteren Materie möglich, weshalb dieses Hindernis beseitigt werden sollte. Michael ist einer der Geister, die Ahriman gezwungen haben, die Form anzunehmen, die für den selbständigen Willen in diesem Weltzustand einzig geeignet war – die Tierform, genauer gesagt, die Drachenform -, denn die höheren Tierformen haben damals noch nicht existiert. Das ähnelte der Entstehung einer Ablagerung und der Reinigung der höheren Welt, zu der unsere übermenschliche Natur gehört, die nicht unter Ahrimans Macht geriet und in der er sich nicht als sichtbare Kraft festigen konnte, sondern als unsichtbarer Geist geblieben ist. In unserer menschlichen Natur hat Ahriman nur dann Macht, wenn wir tierischen Begierden nachgeben. Sich in diese einnistend, verursacht Ahriman unseren Sturz.

Doch Michael ist unserem höheren Wesen treu geblieben und wenn wir uns mit diesem Teil von uns an ihn wenden, entsteht in uns der „innere Kampf Michaels gegen den Drachen“. Für viele Menschen war sogar noch bis zum 18. Jahrhundert die äußere Natur das Spiegelbild der höheren Geistigkeit und die Menschennatur – die Wohnstätte des Drachens. Die Seele hatte die innere Menschennatur durch Treue zu Michael zu besiegen. Solche Menschen waren sich bewusst, dass sie beim Hervorbringen des Drachens aus sich heraus auch Michael bzw. den heiligen Georg hervorbrachten, der den Drachen besiegen kann, wenn der Mensch mitmacht. Die Menschen haben sich angestrengt, der inneren Natur, die sie durch den Drachen verschlang, standzuhalten, indem sie die alten und nicht mehr lebendigen Traditionen bewahrten und weiter verbreiteten. Doch nach dem 15. Jahrhundert trat die Menschheit in die Ära des Materialismus ein, der im Zusammenhang steht mit der äußeren Beobachtung, dem Experimentieren, dem Buchdruck usw. Der Drache hat nicht nur eine fürchterliche Gestalt angenommen, sondern er wurde auch streng objektiv und begegnet uns nunmehr draußen, wobei er besonders intensiv danach strebt, unser menschliches Seelebleben zu verschlingen. Damit er besiegt werden kann, muss Michael auch von außen auf dem Weg der wahren geistigen Erkenntnis kommen, um sogar jenes Lebenszentrum im Menschen zu besiegen, das in unserem Inneren eine Art Zentrum des Todes bildet.
Mit der heutigen Erkenntnis, die über ein „Erhaltungsgesetz der Materie“ spricht und eigentlich das moralische Gesetz leugnet, kann man nicht Mensch werden, sondern es wird nur die Theorie von Kant-Laplace legitimiert. Dagegen lehrt uns Michael, dass nach dem Verschwinden der Erde das neue Leben, die neue moralische Weltordnung aus den moralischen Impulsen im Menschen entstehen wird. Das konnten die alten Religionen nicht geben, da sie auf diese Weise dem Drachen erlaubt hätten, sich selbst zu besiegen. Sie hätten einfach mit dem Drachen, der den Menschen tötet, eine besondere, abstrakt-moralische göttliche Ordnung errichtet. Aber so etwas duldet der Drache nicht – neben ihm ist etwas im Werden. Der Mensch braucht die Kraft, die er aus dem Sieg über den Drachen gewinnt. Das ist gar nicht leicht, wenn wir bedenken, wie fest er uns gepackt hat. Obwohl der Mensch räumlich in der Welt steht, zu ihr gehört, entwickelt er keine Beziehung zu den Kräften und Wesenheiten, die in rechter Weise dieser Welt angehören. Zudem benutzte Ahriman die herabsteigende kosmische Intelligenz, um sich mit der Menschheit zu verbinden. Aber diese Verbindung mit der Intelligenz fand statt in Urzeiten und die Intelligenz konnte nicht in ihm zu etwas Innerlichem werden, zu einer Kraft, die mit dem Herzen und der Seele verwandt ist. Als ein eisiger, seelenloser Impuls ergießt sie sich aus ihm und die von diesem Impuls ergriffenen Menschen entwickeln eine unbarmherzige und lieblose Logik, in der es keine innere Herzens- und Seelenverbindung gibt zu dem, was sie denken, sagen und tun. Ahriman möchte, dass jeder menschliche Intellekt dem seinen ähnelt. In seiner Bewegung durch die Zeit will er sich des Raums bemächtigen. Um ihn herum herrscht Finsternis, in die er die Kräfte seines eigenen Lichtes aussendet. Je mehr er seine Absichten realisiert, desto kälter wird es um ihn herum. Er bewegt sich wie eine Welt, die sich zu einem Wesen zusammenzieht, in dem er sich selbst als die Negierung der Welt behauptet, da er die unheilvollen Kräfte der düsteren Erdenleere mitbringt.

Diese Imagination Ahrimans würde jeden dazu bringen, seine Widerstandskräfte gegen die schreckliche Drohung zu betätigen und sich an die Seite Michaels zu schlagen. In der Epoche der Bewusstseinsseele hatten noch wenige Menschen intellektuelle Kräfte entwickelt. Das erlaubte Luzifer, den Menschen in einem Zustand kosmischer Kindheit zurückzuhalten, während Ahriman die Seele aus diesem Zustand in sein Gebiet entführen wollte. Michael versucht ständig, das Gleichgewicht der beiden Widersacher zu erhalten, indem er um jeden Preis die Berührung der gegenwärtigen irdischen Welt des Menschen meidet. Andererseits ist er verpflichtet, auch weiterhin die kosmische Intelligenz im Menschen zu regieren, wie er das in der Vergangenheit getan hat. Doch nun macht er das, indem er uns zu nichts zwingt, denn die Intelligenz befindet sich gänzlich im Bereich unserer Individualität – Michael ist nämlich der größte Verfechter der Freiheit. Er kann uns lediglich vormachen, wie die Wirkung dieser Intelligenz aus der Vergangenheit in der Gegenwart als etwas Wahrhaftes, Wunderbares und Tugendhaftes in Erscheinung tritt und sich von allem unterscheidet, was in die heutige Intelligenz aus Ahriman in einem trügerischen und verführerischen Glanz hineinströmt. Doch in der graduellen Entwicklung des Weltalls wurde nach dem 15. Jahrhundert das kosmische Gleichgewicht zwischen Luzifer und Ahriman zu Nutzen Ahrimans verletzt. Einige wahrhafte Rosenkreuzer haben hiergegen Hilfe geleistet, indem sie ihr irdisches Außenleben so geordnet haben, dass dieses keinen Einfluss auf ihr inneres geistiges Leben hatte. Auf diese Weise entstanden Kräfte, die im Geistigen zusammen mit Michael wirkten und ihn vor der Gefahr bewahrten, sich im heutigen Erdenwerden zu verfangen, zu dem er überhaut nicht kommen kann. Michael tritt immer die ahrimanischen Mächte mit den Füßen und drückt sie in den Abgrund, der tiefer ist als der Abgrund, in dem der Mensch lebt. Trotzdem erlangt Ahriman solche Stärke, dass viele der heutigen Menschen, insbesondere die Jüngeren, im Unterschied zu den besagten Rosenkreuzern auf ihrer Flucht vor dem Drachen eine religiöse Strömung begründen bzw. selbsternannten Gurus nacheifern. Doch sie wissen nicht, dass die Macht des Drachen überall zur Geltung kommen kann – selbst dort, wo sie räumlich fehlt: etwa in der Taiga unter den Nachfolgern Vissarions, die nicht fernsehen und kein Geld benutzen. Wenn der Drache den Menschen durch Ideen und Intellektualität nicht töten kann, kann er  immerhin die Luft überall in der Welt verdünnen, so dass wir keine Zukunft atmen können. Das erledigen die modernen Informationstechnologien, die den Lichtäther zerstören und die Luft „verdünnen“, die selbst in Sibirien ungesund ist. Dort ist der Drache in der Tat äußerlich nicht so deutlich präsent, aber der Alptraum, den die menschlichen Erlebnisse drinnen verursachen, ist nicht kleiner. Der Mensch kann nicht weglaufen vor seinem eigenen Egoismus, seinen eigenen Mängeln, die die ahrimanischen und auch die luziferischen Wesenheiten nähren. Auf Letztere stoßen wir, wenn wir Ahriman zu vermeiden suchen. Es ist kein Zufall, dass die Nachfolger Vissarions häufig ihre Partner wechseln und ihre Kinder wie in den Hippie-Kommunen in den 60er Jahren wahllos zeugen.

Wie wehrt Michael den luziferischen Einfluss ab, der am stärksten im Osten bei den Yogis zum Vorschein tritt? Was versuchen die Yogis zu tun? Die rhythmischen Prozesse in der Natur wie im Menschen sind etwas Halbgeistiges, in dem das Physische zu verschwinden scheint – etwa der Wechsel zwischen Tag und Nacht, das Atmen des Menschen usw. Der indische Yogi möchte das Gebiet der Vorstellung, das Ich-Gebiet verlassen und sich vollständig im inneren Erleben des Rhythmus auflösen. Doch das ist ein Erleben des Physischen, das im Rhythmischen halbgeistig wird und mit dem Astralleib, mit der Erinnerung zusammenhängt. Das ist ein sehr alter Weg, durch den der Yogi in die Welt hineinschauen möchte, die hinter dem Bekannten liegt, was dem gewöhnliche Bewusstsein zugänglich ist. Allerdings ist dieser Weg in der gegenwärtigen Zeit untauglich, denn wegen der Erkenntnis wird das Ich unterdrückt, das zur Wahrnehmung des Geistigen gebracht werden sollte. Der Yogi mag das astrale Erlebnis haben, dass der Ozean rhythmisch zu ihm „Soham, Soham“ (‚Ich bin das‘) sagt, aber er erlebt eigentlich nur den halbvergeistigten physischen Ozean und nicht den Geist Christi, der hinter allem Physischen steht. Das westliche geistige Leben traut sich wegen der Erkenntnis nicht, das Ich zu unterdrücken, sondern sucht nach jener Sphäre des geistigen Lebens, die sich im Weltenrhythmus dem Menschen und außerhalb des Menschen offenbart, so wie der Mensch als seine Sphäre die Erdenwelt mit deren Wesen und Prozessen hat. Zu dieser geistigen Welt gehört alles, was im gegenwärtigen kosmischen Moment durch Michael getan wird. Dadurch, dass Michael in der rhythmischen Welt ist, trägt er das gewöhnlicherweise im luziferischen Gebiet Weilende in dieses Gebiet reiner menschlicher Entwicklung hinein, über das Luzifer keine Macht hat. Wenn wir uns wahrhaftig Michael zuwenden, kann unsere Seele rein geistig im Rhythmus der sieben großen christlichen Feste leben, ohne dass sich die Sinneswelt dort einmischt. Nicht zufällig hat Rudolf Steiner gesagt, dass das Mysterium von Golgatha eine sinnliche, physische Welt ist, die jedoch nur auf übersinnliche Weise verstanden werden kann. Wenn jemand ein paar Jahre lang mit anwachsender Intensität und sich erweiterndem Bewusstsein die sieben Feste erlebt, kann er ernsthaft die Aufmerksamkeit Michaels auf sich ziehen, der seine Mission nach bestimmten Perioden wiederholt. Drei bis vier Jahrhunderte vor der Ankunft Christi hat Michael einen Kampf gegen Ahriman in der höheren geistigen Welt geführt und den Drachen in die Welt heruntergeholt, die nah am Menschen liegt. Die damaligen Menschen wussten über die Ereignisse Bescheid, die unten eine Widerspiegelung hatten und dadurch die menschliche Phantasie hervorbrachten. Selbstverständlich gab es Kunstwerke auch im dritten und vierten Jahrtausend v. Chr., aber diese entstammten hellseherischen Imaginationen und waren einfach eine Kopie des Geistigen, das sich den Künstlern offenbarte. Die später aus dem Kampf Michaels entstandene Wirkungskraft der Einbildung (Phantasie) wurde in den Werken Leonardo, Raffaels, Michelangelos besonders prägnant ausgearbeitet…

Die Vorbereitung Michaels auf seine neue Mission ab dem Ende des 19. Jahrhunderts verlief besonders dramatisch. Er führte in der uns am nächsten liegenden Astralwelt, die von uns nur durch einen dünnen Schleier trennt, einen erbitterten Kampf um den Menschen gegen Luzifer und Ahriman. Der Mensch wusste nichts davon, er wird auch durch Leiden zum Gewahrwerden dieses Kampfes kommen. Oben geht Luzifer leichter an den Menschen heran als Michael, der das Vergangene schützend, uns nicht näher kommt, um unseren freien Willen nicht zu verletzen. Unten raubt Ahriman die Intelligenz und bringt die materialistische Anschauung über die Natur und den Menschen hervor. Michael hat den Drachen auf dem Astralplan besiegt, aber der Sieg auf dem physischen Plan soll künftig zusammen mit dem Menschen errungen werden. Im letzten Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts führte Michael den Kampf hinter der Bühne, nunmehr führt er ihn in der physischen Welt. Deshalb braucht der Mensch eine viel größere Kraft, um das Übersinnliche zu sehen als vor dem Ende des Kali-Yuga. Michael besteht darauf, dass sich seine Herrschaft auch auf dem physischen Plan den Weg bahnt, deshalb braucht er Menschen, die innerlich sehr mutig sind. Während im dritten bis vierten Jahrhundert v.Chr. die Möglichkeit bestand, auf dem Weg der Nachahmung der äußeren Form Bilder zu schaffen, muss nun der tatkräftige Verstand in uns geboren werden. Die Menschen sollen eine innere, krafterfüllte ideelle Schöpfung schaffen, die auf der tiefgründigen Selbsterkenntnis basiert. Dadurch soll jeder selbst das Bild seines eigenen Wesens prägen und dieses vor sich als das Ziel seiner Bestrebungen stellen. „Jeder ist so, wie er sein möchte“[16], sagte Beinsa Douno.

Das ideale Bild heißt Christus-Jesus und der Weg zu Ihm geht über den vierten Schritt – den Berg Tabor, wo Er in seiner Göttlichkeit den drei Jüngern erschien. Während wir nach dem Advent dem Kleinen Hüter der Schwelle begegnen, dessen Gedächtnis uns die Vergangenheit des Mikrokosmos zeigt, hält der Große Hüter der Schwelle zum niederen Devachan (dem Himmelreich) die Schlüssel zum Gedächtnis des Makrokosmos und zur Zukunft.

Der Weg von Sinai zu Tabor ist der Weg von Jesus zu Christus durch die zwölf Tierkreiszeichen zur Verbindung der Impulse der Weisheit (Weihnachten) und der Liebe (Epiphanie) im neugeborenen höheren Ich. Der Übergang zur Liebe und die Transformation des Ätherleibes stellt für uns eine Pflicht dar, denn nur durch die Kraft der Liebe können wir den alten Kosmos der Weisheit in einen Kosmos der Liebe umwandeln – in den geistigen Jupiter. Das Urbild dieser Umwandlung wurde uns auf Golgatha gezeigt. Vor Pilatus stand der Menschensohn, der in sich die Vergangenheit bis zum Saturn und die Zukunft bis zum Vulkan vereinigt hatte – das Ziel und den Sinn der ganzen Weltevolution bis zum Erreichen des unsterblichen Auferstehungsleibes. Das ist das ideale Bild des Menschen, der selbst den physischen Leib vergeistigt hat. Das wird ihm erlauben, über den Tierkreis zur Sphäre der zwölf Bodhisattvas emporzusteigen, wo Christus ohne Hüllen als das Ich des Vatergotts Selbst, als eine Quelle von Licht, Liebe und Leben für den ganzen Kosmos, als eine Manifestation der höchsten Wahrheit sichtbar ist. Aus diesem Grund sagte Beinsa Douno: „Christus ist durch solche Leiden gegangen, als bräche das Weltall zusammen.“[17] Jeder muss den Weg zu diesem Gipfel, der ‚Golgatha‘ heißt, zurücklegen – nicht in der Art Christi, sondern durch eine Metamorphose des Bewusstseins, denn das Eindringen des Christus-Impulses in das Ich kann das menschliche Bewusstsein zu allen Stufen des Daseins anheben. „Solange ihr nicht durch das Grab geht könnt ihr keine Christen sein“[18], war sich der Meister sicher. Die wahrhafte Erhebung des Bewusstseins ist das Ergebnis der Aufopferung des eigenen Ich im Ich des Erlösers, was nicht einfach zu erreichen ist. Apostel Paulus sagte: „Nun wird sich kaum jemand finden, der für einen Gerechten stirbt …Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5:7,9). Paulus ging von Jerusalem (der physischen Welt) nach Damaskus, wo es eine unsichtbare esoterische Schule der Weisheit gab. Bevor er in sie eintrat und die Christus-Liebe entdeckte, fiel er vom Pferd (vom Ego) und wurde „blind“ für alle irdischen Illusionen. Danach war er sich im Klaren: „Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen“ (Phil 3: 7-8). Wie Beinsa Douno uns erläutert, hat „Apostel Paulus alle seine Versprechen gehalten“[19] und „allen Leiden wie ein Held standgehalten. Er lernte das Leiden nach allen Regeln und sagte anschließend: „Den Weg habe ich bewahrt, nun bleibt mir die Krone des Lebens“ – jenes große, tiefe Verständnis des Lebens. Wer für seine Ideen nicht Schaden erleiden kann, versteht den Sinn des Lebens nicht. Die Namen aller Menschen, die ein Bewusstsein wie Paulus haben, werden nicht nur in die heutige Geschichte eingetragen werden, sondern in die Geschichte der Ewigkeit bzw. in die Geschichte jenes Lebens, dessen Erkenntnisse nie vergessen werden.“ Paulus hat alles ertragen, da die Leiden Christi sein Maß waren, über die der Meister Folgendes hinzufügt: „Solche Qualen würden das Herz des gewöhnlichen Menschen brechen. Wer verstehen kann, welche Leiden Christus erlebt hat, kann von sich nicht behaupten, dass er leidet. Kein Sterblicher hat wie Christus gelitten.“ [20] Und er warnte uns: „Während in der Zeit, in der Paulus lebte, der Eintritt in das Gottesreich schwer war, ist er heutzutage noch schwieriger geworden. Dieses Jahrhundert bringt den Menschen noch größere Hindernisse und Leiden. Von der Lehre Christi haben sie ausgerechnet das verstanden, was Er nicht gesagt hat. Wer kann Ihm folgen? Nur derjenige, der Seine Worte verstanden hat. Nur wessen Verstand am richtigen Platz ist, kann sie begreifen. Der Verstand ist dann an seinem Platz. wenn die Seele in den Menschen eingegangen ist. Ein solcher Mensch versteht den tiefen Sinn der Worte „Folge mir nach“. Ein Mensch ohne Seele wird das wörtlich verstehen und einem Irrtum unterliegen. Wer die Worte Christi verstanden hat, ist selig, da er die Wahrheit gefunden hat. Sein Weg wird von der göttlichen Sonne beleuchtet.“[21]
Als einmal Rudolf Steiner gefragt wurde, warum er im diesem Leben auf die Erde gekommen sei, soll er überraschenderweise geantwortet haben, „Wegen des Karma und der Reinkarnation“. Auf den ersten Blick denkt jeder, dass er die beiden okkulten Begriffe versteht. Ob das aber stimmt, ob wir sie im wahren christlichen Sinne verstehen?

Der Meister zieht den Vorhang leicht zur Seite, wenn er den folgenden Gedanken äußert: „Wenn jemand dich hier auf der Erde schlägt, reißt ein Faden, der dich an deinem bösen Schicksal gebunden hält. Deshalb sagt Christus: „Wenn dich jemand auf die linke Wange schlägt, halte ihm auch die andere hin“(Matth. 5:39) und „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matth. 18:20). Wenn Christus also unter euch ist, werdet ihr auch zubinden und aufbinden können. Ich übersetze das so: Wenn unter eure Gedanken und Wünsche auch die Gedanken und Wünsche Christi Platz nehmen, so werdet ihr alles erreichen können; Wenn eurer Liebe sich die Christus-Liebe anschließt, werdet ihr alles erreichen können; Wenn eurem Wissen sich das Christus-Wissen anschließt, werdet ihr alles erreichen können.“[22]

Hier werden wir versuchen, nur in das Karma tiefer einzugehen, was uns die Möglichkeit gibt, manche Ereignisse zu verstehen, die heute vor sich gehen und besonders wichtig sind. Auf dem Karmafeld lassen sich wie überall drei Gebiete auseinanderhalten, die mit der Wirkung der Kräfte der Heiligen Trinität zusammenhängen. Wenn die Kräfte des Vaters wirken, wird das Karma als ein eisernes Gesetz, als ein Naturgesetz erlebt. Man kann nichts ändern, nur die Kraft finden und dieses Karma annehmen und ertragen.

Vor Golgatha wirkte die erste Hierarchie der Throne, Cherubim und Seraphim, die im Kosmos das Prinzip des Vaters repräsentieren, als ein Echo in den Erdentiefen reflektierend und bewirkten die Entstehung der naturhaften Weltenordnung. Nach Golgatha können sie aus dem Erdinneren nicht nur „naturhaft“ wirken, indem sie die festen, flüssigen und gasförmigen Teile von innen heraus bilden, sondern auch in der Art, wie sie in ihrer eigenen Sphäre der fixen Sterne arbeiten, wo sie die ganze moralische Ordnung im Kosmos aufbauen und leiten. Nun wirken sie auf die Erde unmittelbar ein und bereiten die allmähliche Umwandlung der heutigen Naturordnung in eine moralische vor, die auf dem zukünftigen Jupiter auch physisch sichtbar sein wird. Im negativen Sinne sind die „Ohrfeigen“ des Karma Unfälle, Naturkatastrophen, unheilbare Erkrankungen usw., doch der Meister sagte, dass „unsere Haare grau werden, bis wir begriffen haben, dass alles zum Guten ist.“ Ein anderes Werk der ersten Hierarchie ist unsere Geburt in einem bestimmten Land und in einem bestimmten Elternpaar bzw. wenn zwei Personen sich „zufällig“ begegnen und sich aus dieser Begegnung eine neue Familie, Arbeit u.dgl. ergibt. Man kann bei einer Begegnung auch von der Anthroposophie erfahren, wie das bei mir als die Begegnung mit einem Anthroposophen der Fall war.

Wie wirken die Kräfte des Sohnes? In unserem Kosmos werden sie durch die zweite Hierarchie repräsentiert und ihre Wirkungssphäre ist die Sonne, in der sie auch „den moralischen Kosmos“ zusammen mit der ersten Hierarchie erschaffen. Bis zum Ereignis von Golgatha wirkten sie in der Erdumgebung nur indirekt – naturhaft, durch die Vermittlung der vier Ätherarten – durch die Sonnenwärme und das Sonnenlicht, in denen vor allem die Elohim in Erschienung treten, durch die aus der Sonne und den Planeten herausgehenden Sphärenmusik (dem Tonäther), in der vorwiegend die Gewalten zu finden sind, schließlich durch den aus der Sonne ausgestrahlten Lebensäther, in dem die Herrschaften wirken. Durch die Himmelfahrt legte Christus den Anfang der Herausbildung jenes „Ätherkreises“ in der Erdensphäre, der bereits in unserer Zeit den Keim der Umwandlung der Erde in eine Sonne bildet. Die zweite Hierarchie kann in ihm nicht naturhaft wirken, sondern unmittelbar durch den Weltenäther, wie in der eigenen Sphäre. Ihre Sonnenkräfte können bis zur Äthersonne des Menschen eindringen, der sich selbst langsam als ein Wesen erkennt, das von einer „inneren Sonne“ geführt wird. Dieses Erlebnis ist nur im gemeinsamen, von Liebe erfüllten Wirken in Christo möglich. Wenn wir jemandem „zufällig“ begegnen, haben wir die Freiheit zu beschließen, wie wir unsere weiteren Beziehungen gestalten. Wir können sagen, dass uns die Vergangenheit zusammengeführt hat – das sind die Kräfte, die vom Vater aus wirken. Doch was wir aus dieser Begegnung machen werden – dazu ist uns die Freiheit gegeben. Eine neue Aufgabe liegt vor uns – die Metamorphose des Alten in etwas Neues durch unsere gemeinsame Tätigkeit. Wir müssen für das Karma, das vom Vatergott kommt, bezahlen, doch es gibt viele Wege und hier wirkt Christus. Er hebt zwar das Karma nicht auf, aber er gibt uns die Möglichkeit, es umzuwandeln und zwar in einer Art, die das Erleben unseres individuellen Karma nicht nur zu unserem Wohl, sondern zum Wohl der ganzen Menschheit geschieht.

Das wird die Aufgabe Christi von nun an sein. Nach der Begegnung mit jenem Anthroposophen begann ich sehr intensiv die Anthroposophie zu studieren, wobei in diesem Prozess alles vorher Gelesene, Gelernte und Erlebte in einer bewegenden und feierlichen Art in Christo zu metamorphosieren begann. Dann kommt man zum Verstehen der Worte Steiners über die anthroposophischen Bücher, dass das Lesen ein wahrhaftes Erleben werden soll, das von innerer Spannung und innerem Schauer und eine abschließender Antwort begleitet ist.[23]  Dieser Prozess ist nicht nur das Individuum heilend, sondern er bringt unvermeidlich einen Impuls des Gebens hervor, der Opferung für die Menschen – das ist der Impuls des Sohnes.

Der andere Teilnehmer an der besagten Begegnung wollte sich trotz unserer mehrmaligen Einladungen nicht zur Arbeit in Christo öffnen und schob nur „die Karmawirkung“ vor. Er blieb also unnötigerweise auf der ersten Karmastufe und „stolperte“ über Christus auf der zweiten Stufe. Das gilt auch für viele andere Anthroposophen, die Steiners Worte, dass die Anthroposophie sich nur auf der Grundlage der Brüderlichkeit mit anderen geistigen Strömungen in Christo entwickeln lässt, nicht verstehen. Beinsa Douno fasst zusammen: „Es gibt kein Glück im Leben. Die Menschen leiden nicht aus dem Grund, dass sie auf dem Christusweg sind, sondern dass sie nicht auf diesem Weg sind.“[24]

Dann bleibt auch das dritte Wirkungsfeld des Heiligen Geistes im Karma unzugänglich. Hier ist nicht von der Umformung des alten Karma in etwas Neues die Rede, sondern von der Entstehung eines völlig neuen Karma. Das Prinzip des Heiligen Geistes in unserem Kosmos wird durch die dritte Hierarchie (Engel, Erzengel und Archai) repräsentiert, die mehr in unserem inneren Wesen wirken, als in der Bildung der irdischen Natur. Diese Wirkung wurde nach Pfingsten möglich, als Christus uns den Heiligen Geist aus den Höhen herabsandte. Er ist die Kraft, die unser inneres Wesen unmittelbar mit den Wesen der dritten Hierarchie verbindet. Das macht er, ohne unser Ich-Bewusstsein auszulöschen und er bewahrt auch unsere individuelle Freiheit.

Auf diese Weise können uns die Götter in den nächsten Kulturepochen führen und uns ständig helfen, doch nur wenn der Mensch Taten vollbringen will und kann, die bisher niemand getan hat und niemand in dieser Art tun könnte wie er, da diese Taten aus seinem wahren Wesen kommen. Das nennt man „die Handlung aus der moralischen Intuition“ und sie erfordert vertiefte Vorkenntnisse, da ohne Kenntnisse die Handlung nicht frei sein kann. Die freie Tat ist eine Tat aus Liebe und durch sie verwandeln wir den alten Kosmos der Weisheit allmählich in einen neuen Kosmos der Liebe.

Nach der besagten Metamorphose im Sohn habe ich begonnen, ein neues Karma zu schaffen, indem ich seit dem Herbst 2000 Vorlesungen zu halten begann, die immer eine Synthese in der beiden großen Vertreter im 20. Jahrhundert in Christo darstellten – des Bodhisattva und Rudolf Steiners.

Manch einer kann fragen, was es Neues darin gibt, da Steiner bereits 1911 gesagt hatte, dass um die wahren Quellen des Christentums wieder zu finden, in eine geistige Strömung zusammenfließen soll das, was aus Jeshu ben Pandira ausgeht und das, was im Beginn des 13. Jahrhunderts an Christian Rosenkreutz anknüpft.[25]

Diese gemeinsame Tätigkeit hat im 13. Jahrhundert begonnen, aber seit wurde bis zum Sommer 2000 keine einzige Inkorporation des Bodhisattva öffentlich genannt, der in jedem Jahrhundert wirkt. Es gibt einen Unterschied, ob man am eigenen Leib die Wirkung der gemeinsamen geistigen Strömung erfahren hat, wenn der Bodhisattva und das Rosenkreuzertum im 20. Jahrhundert richtig erkannt und benannt wurden, oder ob man sich im Erkennen geirrt hat.

Die Arbeit an der Synthese der beiden esoterischen christlichen Impulse im 20. Jahrhundert ist die wichtigste Arbeit auf der Erde heute. Aus der Erfüllung dieser Aufgabe hängt es ab, ob wir künftig fähig sein werden, eine noch wichtigere Aufgabe zu erfüllen, die später erwähnt wird. Aber zu diesem Zweck muss man wach sein und sich im Leben orientieren können. Beinsa Douno sagt: „Wer Christus erkannt hat, der befolgt Seinen Weg. Wer Christus erkannt hat, orientiert sich leicht im Leben. Ihr müsst wissen, dass ihr eine Ganzheit bildet, in der jeder einen bestimmten Platz hat. Wir wissen, welchen Platz im Ganzen Christus einnimmt, welchen – Paulus, welchen – Buddha, Shakespeare usw.“[26]

Ja, heutzutage ist es äußerst wichtig zu wissen, wer welche Individualität ist!!! Aus diesem Grund sagte auch Beinsa Douno, dass die wichtigste Frage ist, ob wir Christus an Seinen Platz gestellt haben. „Ich habe euch nicht gesagt, mich an Seinen Platz zu stellen!“, erklärte er nachdrücklich[27].

Im September 2006 wurden auf der Jahreshauptversammlung der „Weißen Bruderschaft“ in Varna die Porträts des Christus und Beinsa Dounos, die an der Wand hingen, ausgetauscht und Christus bekam den Platz zwischen dem Pentagramm und dem Porträt des Meisters. Anstatt des Pentagramms sollte man aber Rudolf Steiners Porträt aufzuhängen, denn das Pentagramm – der Weg des Schülers – ist das Ergebnis der Synthese zwischen den beiden in Christo.

Jeder, der der Meinung ist, er könne nur der Schüler Beinsa Dounos oder Steiners sein, begeht einen Irrtum. Im Laufe des Jahres bis zur nächsten Hauptversammlung wurde die Stelle der Porträts wieder ein paar Mal von Personen mit offensichtlichen psychischen Problemen ausgetauscht, bis die althergebrachte Situation wieder hergestellt wurde, – das Porträt Beinsa Dounos kam in die Mitte, wo es Jahrzehnte lang gehangen hatte. Christo Madscharov, der sich als „Hüter“ der Lehre und „Verantwortlicher“ für das Archiv selbst ernannt hatte, brachte eine Menge Personen mit, die niemand kannte und die sich als Nachfolger Beinsa Dounos ausgaben. Diese rückständigen Personen kamen mit dem einzigen Ziel, die Porträts auszutauschen und die Anthroposophie zu „vertreiben“. Bereits 2001, als ich die Vorlesung „Beinsa Douno und Rudolf Steiner – Teil des Christus-Impulses“ hielt und öffentlich bekannt gab, wer Beinsa Douno ist, schreckte der erwähnte „Hüter“ auf und sprach die wahnsinnigen Worte, dass der Meister „keinen Teil des Christus-Impulses“ wäre.  Diese Worte hat seine Frau auch bei der Jahresversammlung wiederholt („Die Lehre des Meisters ist kein christlicher Impuls“) und niemand hat darauf reagiert. Dabei hatte Beinsa Douno schon vor vielen Jahren kategorisch erklärt und uns gewarnt: „Wenn ich die Wahrheit spreche, dann tue ich das im Namen Christi. Weh denen, die sich diesen göttlichen Wahrheiten widersetzen“.[28]

Obwohl der Meister mehrere Tausend von Christus durchzogene Vorträge gehalten hat und selbst manche westlichen Anthroposophen den esoterischen christlichen Charakter seiner Lehre erkannt haben, und Symposien über das Thema veranstalten, vergöttern die hiesigen Nachfolger ihren Lehrer, als wäre er der Vatergott selbst! Beinsa Douno sagte einmal, dass „der einzige Engel, den wir kennen und der auf der Erde verkörpert, also in Fleisch war und gelitten hat“[29], Christus ist. Dagegen entstammt der Bodhisattva der menschlichen Evolution und verkörpert sich alle 100 Jahre. Indem sich viele „Brüdern und Schwestern“ von Christus lossagten, haben sie Ihn zum wiederholten Male gekreuzigt und Ihm den Kleineren vorgezogen – „ihren“ Meister, den sie auch kreuzigten. Vor 2000 schrie die Menge, dass sie Barabbas will, nun ging es ähnlich zu. Zwar können wir Beinsa Douno überhaupt nicht mit Barabbas gleichsetzen, doch die Wahl ist ihrem Wesen nach die gleiche – man will nicht dem Ich, nicht Christus, sondern der althergebrachten Autorität folgen, die absolut nicht verstanden wird. Man will den bekannten Status quo erhalten. Steiner warnte auch davor, uns auf die Autorität zu verlassen, deren Prinzip nur Unheil und Ärger bringen kann: „Ich bitte Sie und habe Sie gebeten in Berlin, nichts auf Autorität und Glauben hinzunehmen, was ich jemals gesagt habe oder sagen werde.“[30] Die Verführung im „eigenen“ Lehrer führt zu schrecklichen Entstellungen des Bewusstseins und wahnsinnigen Taten, was auch in der Anthroposophischen Gesellschaft zu beobachten ist.

Heute ist der Büchermarkt von Büchern mit esoterischen Lügen überflutet, wobei besonders gefährlich jene sind, die angeblich Beinsa Douno oder Rudolf Steiner verteidigen. Wenn wir z.B. das Buch „Die neue Kultur im Wassermann-Zeitalter“ des besagten Christo Madscharov (Bd.2, S.113) aufschlagen, werden wir dort ahrimanische Eingebungen entdecken, die durch die „Parallele zwischen der Lehre Christi und der Lehre Beinsa Dounos“ gezogen werden – das Kleine, d.h. die Schule des Christus hätte heute 500 Millionen Nachfolger und das Große, d.h. die Schule Beinsa Dounos würde in Zukunft eine Milliarde Nachfolger haben“. Und solche Sätze werden verfasst, nachdem Beinsa Douno deutlich gesagt hat: „Ihr müsst zu euch selbst sagen: wir sind Schüler der Großen Weißen Weltbruderschaft, deren Haupt Christus ist. Heute predige ich über den lebendigen Christus, der durch Tausend Münder zu sprechen beginnt. Auf dem Gedanken Christi basiert das Positive und Beständige der jetzigen Kultur, auf dem Gedanken Christi wird auch die zukünftige Kultur basieren. Das Christentum wird künftig sein goldenes Jahrhundert erleben. Denkt ihr, dass Christus Seine Lehre nicht in Gang setzen wird? Es gibt keine Kraft auf der Welt, egal wie mächtig sie sein kann, die der Christus-Kraft entgegen wirken kann. Ich behaupte: wenn die heutige Welt die Christus-Lehre nicht annimmt, werden 100 Millionen Christen gekreuzigt. Könnt ihr das gut verstehen? Christus kommt jetzt und die Bücher des Lebens werden aufgeschlagen und die Menschen werden gerichtet, ob sie es verdienen, in die nächsthöhere Klasse zu kommen, in den Himmel einzugehen. Jedem wird das gegeben, wessen er würdig ist. Deshalb wendet Sich Christus an euch und sagt: „Ihr habt einen Lehrer – Christus“.[31] Von euch allen verlange ich, dass ihr diesem Lehrer folgt, der vor 2000 Jahren kam, um euch von der Sünde zu erlösen und dass ihr nach Ihm sucht. Heute soll sich die ganze Menschheit für Christus opfern!“[32]

Warum stolpern die Menschen massenhaft über Christus, wenn sie sonst immer über Gott sprechen, über das Gute, das Licht? Warum können sie nicht in richtiger Art den Weg zueinander finden und zusammen für Christus arbeiten? Der Meister sagt über die Ankunft Christi: „Die Frage nach Seiner Ankunft ist eine persönliche“[33], d.h. eine Frage des Ich. „Ihr fragt, ob Christus ein zweites Mal auf die Erde kommen wird. Er wird kommen, aber durch das lebendige Wort. Stellt Christus in eure Herzen! Wenn man ein vernünftiges Herz hat, kann Christus kommen und in ihm leben. Er hat nie die Erde verlassen.“[34]

Heute tragen die äußeren religiösen Formen nicht mehr zur richtigen Verbindung mit der Geisteswelt bei, da in ihnen das lebendige Wort fehlt – der Weg zum Geist ist also versperrt. Vor 2000 Jahren hat sich Jesus vor dem Eintritt des Christus in ihn auch davon überzeugt und in das einer dramatischen Art erlebt. Er hat erkannt, dass die Lehre der Pharisäer derart entstellt war, dass niemand die alten Propheten verstanden hätte, wenn sie wieder gesprochen hätten. Das heutige Christentum befindet sich in der gleichen Situation und hat nach den Worten des Meisters eine „hebräische Schale“: „Alles, was die Israeliten früher getan haben, machen heute die Christen“[35]. Jesus hat sich überzeugt, dass das Heidentum eine Beziehung nur zu den Dämonen herstellt, so wie heute Dämonen jeder Art durch die vielen Yogis, Magier, Wunderheiler, „Auserwählten“ usw. sprechen. Jesus hat erkannt, dass das Essäertum auch dem Tod geweiht war, denn es ließ sich nur auf eine kleine Gemeinschaft und auf Kosten der restlichen Menschheit anwenden, die den Attacken Luzifers und Ahrimans ausgesetzt war. Das gilt auch für die heutige „Weiße Bruderschaft“ und die Anthroposophische Gesellschaft, die meinen, dass sie als Einzige im Besitz der Wahrheit sind  und kein Bedürfnis nach Öffnung zu anderen Gemeinschaften haben, obwohl Beinsa Douno und Rudolf Steiner gerade von einer solchen Öffnung gesprochen haben. Sie widersetzen sich der Synthese der beiden Impulse und daher werden sie nicht zu der höheren Aufgabe kommen, die ich angedeutet habe. Beinsa Douno hat sie folgendermaßen formuliert: „Heute will Christus alle Bruderschaften und Religionen in der ganzen Welt vereinen. Deshalb dürft ihr euch nicht erlauben, die Menschen zu verurteilen – ihr kennt nicht die tiefen Ursachen der Dinge. Die Christus-Lehre will aus allen Völkern ein Volk bilden, das eigentlich schon existiert. Das ist das Volk Gottes, und es besteht aus Menschen mit einem hohen göttlichen Bewusstsein.“[36]
Es stimmt, dass man die Menschen nicht verurteilen darf, doch das Urteilen unterscheidet sich vom Nennen der Wahrheit, die nach Dounos Worten die Unwissenheit, Schwäche, Unreinheit nicht duldet. Christus nannte die Pharisäer „geweißte Gräber“. Das Gleiche gilt heute für viele der Leiter und Mitglieder der erwähnten Gesellschaften, die sich in der Praxis als größte Feinde Beinsa Dounos und Rudolf Steiners erweisen, da sie die Organisationen in geschlossene Gesellschaften verwandeln. Nach der letzten Jahreshauptersammlung der Anthroposophischen Gesellschaft hat eines ihrer Mitglieder die offensichtliche Tatsache festgestellt, dass sie „austrocknet“- etwas, wovor ich seit einigen Jahren warne. Der Leiter der „Weißen Bruderschaft“ in Varna sagte uns, dass wir nicht bestimmen dürfen, wer Christus und wer Beinsa Douno sei, weil das nicht unsere Aufgabe wäre. Im Fernsehen erklärte er zweimal, dass die Lehre des Meisters esoterisches Christentum ist, ohne zu verstehen, was zu diesem Begriff gehört. Der besagte Mann hat schon im Herbst 2000 den Menschen mit einer „Ameise“ verglichen, der es nicht zusteht, sich darüber zu äußern, wer welche Stelle in der Geisteswelt innehat. Mit diesem „Ameisenbewusstsein“ bestimmt er, wer sein Freund sein darf – nur wer mit ihm den Sonnenaufgang empfängt, Aufgaben in der Organisation erfüllt, bei der Paneurhythmie mitmacht usw. Die anderen sind „Besucher“. Nach den Tausend Gebeten und Paneurhythmieübungen ist das Resultat eine völlige Unterscheidungsunfähigkeit und Flucht vor dem einzigen Erlöser – Jesus Christus -, d.h. vor dem Ich, vor der Liebe! Der Meister gibt zu, dass er „die Samen gibt“, doch die Bedingungen zu ihrem Wachstum „nur Christus“ geben kann. „Dieses Gefühl der Liebe hängt nicht von unseren Kräften und Wünschen ab, sondern von jenem Kontakt, den wir zu Christus haben könnten.“[37]

Doch statt des Kontaktes zu Christus kam es zu der Erfüllung der Befürchtungen, die der Meister geäußert hatte: „Wir werden nicht aus der Lehre eine Kirche machen. Sollte jemand das versuchen, werde ich sie zerstören. Wenn ihr aus meiner Lehre eine Religion macht, werde ich sie zerstören. Die Religion ist eine tote Schale, in die nur die Menschen eingehen, die nichts zu tun haben. Sie glauben an die Form der Dinge.“[38]

Wie soll Christus alle Bruderschaften und Religionen bei diesem Stand des Bewusstseins der heutigen „Esoterikern“ vereinen? Jeder Mensch hat heute drei Aufgaben zu lösen:

  1. Beinsa Douno als den Bodhisattva und den Hauptboten Christi auf Erden zu erkennen. Das ist von entscheidender Bedeutung für die rechte Ich-Entwicklung im Osten wie im Westen! Wer diese Notwendigkeit anzweifelt, sollte GA 130 („Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit“) von Rudolf Steiner lesen. Sollte dies eintreten, wird auch die nächste Aufgabe ermöglicht:
  2. Eine Synthese der beiden esoterischen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts in Christo, was eine reale Entwicklung der Liebe und Weisheit darstellt, damit wir uns an die viel schwierigere dritte Aufgabe heranmachen:
  3. Die Vereinigung aller Bruderschaften und Religionen in Christo.

In der Zukunft wird es eine einheitliche Religion geben – das esoterische Christentum. Es wird weder nur der Anthroposophie noch der Synthese entstammen, sondern das Ergebnis der Transformation der ganzen vorhandenen Geistigkeit auf Erden in Christo sein. Jeder wird seinen Beitrag zum gemeinsamen zukünftigen Glaubensbekenntnis leisten! Deshalb empfiehl uns der Meister, die Menschen nicht zu verurteilen, denn: „Wir befinden uns am achten Tag. Wir leben am achten Tag und weil wir nicht wissen, wie wir arbeiten sollen, machen wir Fehler Die Heilige Schrift sagt uns, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat und am siebten Tag sich erholte. Nach jeder Ruhe kommt ein neuer Arbeitstag.“[39]
Vor einigen Jahren wurde in okkulter Weise die Idee ergriffen, dass der achte Tag der Schöpfung angefangen hat. Danach habe ich die Vorlesung „Der Achte“ gehalten. Erst in diesem Jahr habe ich aber die oben erwähnte Äußerung Beinsa Dounos gefunden, die die Richtigkeit der von uns angewendeten Methoden zum Kontakt mit der geistigen Welt bestätigt. Über das notwendige Feingefühl bei den Methoden und die Verurteilung können wir uns eine Meinung bilden, wenn wir z.B. Yogananda zitieren und uns eine mögliche Reaktion auf seine „Autobiographie eines Yogi“ überlegen. Dort lesen wir unter anderem: „Durch das respektvolle Studium der Bibel vom Standpunkt des Ostens und durch die intuitive Wahrnehmung habe ich mich davon überzeugt, dass in seinem vergangenen Leben Johannes der Täufer der Guru des Christus war. In der Bibel gibt es zahlreiche Stellen, die suggerieren, dass in seiner früheren Inkarnation Johannes und Jesus jeweils Elias und sein Schüler Elisäus (Elischa) waren. Bei seiner Verklärung auf dem Berg sieht Christus seinen Guru Elias neben Moses…. Die großen Propheten wie Christus oder Krishna kommen auf die Erde mit einem spezifischen sichtbaren Ziel und verlassen die Welt, wenn es verwirklicht ist.“
​Sollen wir aus falsch verstandener religiöser „Toleranz“ vor dem offensichtlichen Unverständnis des Jesus und Christus und Seiner Hauptrolle in der Erdenevolution schweigen? Yogananda fehlt auch jegliches Verständnis der Mission Michaels! Gießen wir nicht durch das Verschweigen solcher Aussagen, die nicht nur bei Yogananda zu finden sind, Wasser auf Ahrimans Mühlen? Beinsa Douno hat die bemerkenswerte Aussage gemacht: „Nun ist der erste Helfer Christi Erzengel Michael, er ist der aktive. Die Engel wechseln sich ab, ihr Dienst dauert einige Jahrhunderte. Erzengel Michael vertritt die Wahrheit, die durch die Menschenmünder zu posaunen beginnt. Diese Engelsschar wird sich in vier Gruppen einteilen, denn es gibt vier Menschentypen auf der Erde, deren Blut unterschiedlich ist.“[40]

Hier haben wir die Antwort – die Menschen bilden vier Gruppen nicht weil sie eine unterschiedliche Blutgruppe, sondern eine unterschiedliche Ich-Entwicklung haben. Das Ich pulsiert im Blut mit unterschiedlicher Intensität bei den unterschiedlichen Menschen und unterteilt sie in „alttestamentliche, neutestamentliche, gerechte und Schüler“. Das ist die Klassifizierung, die Beinsa Douno nennt. Daher kommt das unterschiedliche Verständnis bzw. Unverständnis der christlichen Mysterien und deshalb können nicht alle die Wahrheit, die durch Michael kommt, vernehmen. Steiner hat uns schon vor einem Jahrhundert gewarnt, dass der Orient die Wahrheiten des westlichen esoterischen Christentums nicht hören und der Westen sich in seiner Geisteswissenschaft abkapseln wird. Sehen Sie, wie wichtig die Aufgabe der Bulgaren als eine Brücke zwischen beiden Richtungen wird?! Die Synthese zwischen Wissenschaft, Kunst und Religion wird künftig im Slawentum verwirklicht, doch der deutsche Volksgeist spielt eine außerordentlich wichtige Aufgabe bei der Erfüllung dieser Aufgabe. Der deutsche Erzengel muss in den nächsten 1000 Jahren unter den von ihm regierten Menschen eine ausreichende Zahl an Seelen finden, die bewusst den Christus-Impuls in ihre Astralleiber aufnehmen und diese Kraft in Ehrfurcht und im Geist der Brüderlichkeit kultivieren. Sollte das nicht gelingen, wird das laut Steiner ein großes Unglück sein, denn von der Entwicklung der Bewusstseinsseele hängt es ab, ob die Menschheit sich in rechter Weise zum Geist erheben wird. Ein Vortragender, der der „Weißen Bruderschaft“ nah steht, erklärte, dass der Westen seine Rolle erfüllt hat und dass die Sechste Kultur bereits im Kommen sei. Der Westen wird noch das, was von ihm erwartet wird, geben bzw. nicht geben! Erst dann werden die Worte der Grundsteinmeditation von Inhalt erfüllt werden: „Lasset vom Osten befeuern, was durch den Westen sich formet“. Und der Osten, also das Slawentum darf nicht das im Westen im Ausbau Begriffene beschädigen. Nun verläuft die kosmopolitische Strömung Michaels, dessen Gegenteil der Globalismus, Fälschungen wie die EU, NATO, der Weltökumenismus u.dgl. bilden. Diese ahrimanischen Bildungen sind im Namen des Mammons errichtet worden, der nach Steiner die Summe aus Ahriman und den Asuras darstellt. Heute beginnen die Asuras sehr stark und mit anwachsender Intensität zu wirken. Ihrem Wesen nach sind sie feurig, dynamisch und haben eine fürchterliche Kraft. Durch das Erscheinen des Christus Jesus wurde die größte Schärfe für immer vernichtet. Als Christus in die Hölle hineinkam, hat er sie gelähmt, indem Er sie von zwei gegenüberliegenden Seiten beeinflusste, denn in Jesus aus Nazareth waren zwei Prinzipien vereint – der alte Mensch, der mit dem physischen Plan vollständig verbunden war und ihn im Gleichgewicht erhalten kann, und das rein geistige Christus-Wesen. In der okkulten Sphäre ist ein Ereignis eingetreten, dass in der Legende vom Antichristen und seiner „Fesselung“ seinen Niederschlag findet. Laut Beinsa Douno war „das Wichtigste, was Christus auf der Erde erworben hat, der Schlüssel zur Hölle.“[41] Doch der Antichrist wird wieder erscheinen, wenn sich ihm nicht das Christus-Prinzip in seinem uranfänglichen Sinn entgegenstellt. Der ganze mittelalterliche Okkultismus hat danach gestrebt, den Beginn der Wirkung der Asuras zu verhindern. Sie wurden zwischen der Erde und der achten Sphäre im Schach gehalten, in einem latenten Punkt, wo die Anziehungskraft von allen Seiten gleich ist und sie sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen konnten. Das sollte bis „zum großen Tag dauern, an dem die Achsen abfallen werden und die Asuras ohne ihren Widerstand in ihre Spirale hineingeführt werden“.

Ist dieser Tag gekommen? – Ja, denn Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sie in Erscheinung zu treten, und die Gegenwehr kann nur der Schulungsweg sein. 1921 sagte Steiner: „Die Zahl 666 hat sich zum zweiten Mal gejährt. Nun kommt die Zeit, wenn Sorat und die anderen Dämonen in der Geisteswelt alles Mögliche tun werden, um das Sonnenprinzip nicht auf die Erde zuzulassen.“[42]

1998 hat sich die Zahl 666 zum dritten Mal gejährt und die Asuras können nunmehr mit außerordentlicher Stärke wirken. In unserem Blut spiegelt sich die Feuermaterie des alten Saturn. Die Geister der Persönlichkeit haben in uns den Egoismus mit seinen Bedürfnissen und zerstörerischen Handlungen eingesät. Sie haben ihre Menschenstufe auf dem alten Saturn erlebt und badeten im Feuerblut. Die zurückgebliebenen Geister der Persönlichkeit (die Asuras) wollen das auch in Zukunft fortsetzen und sie werden die schlimmste Wirkung gerade auf die niederen Sehnsüchte des Blutes haben, wenn sie sich im Blut festigen können. Nun besiedeln sie den Mond und wirken von dort auf den Menschen, wobei sie ihn in die achte Sphäre mitreißen wollen, zu der sie selbst streben. Sie wollen ständig die Materie verdichten, damit die Materie nicht durchgeistet wird. Die Asuras sind eine Art Ablagerung der ganzen planetarischen Entwicklung vom Saturn bis zum Vulkan und ihr Ziel ist es, dass der Mensch auf seine zukünftige Entwicklung und deren Ziel – Christus – verzichtet. Wenn sie in die Bewusstseinsseele und das Ich hereinkriechen, werden sie eine viel böswilligere Macht entfalten als die der satanischen Mächte in der atlantischen Zeit und der luziferischen Geister in der lemurischen Zeit. Das Böse, das uns die luziferischen Geister seinerzeit angetan haben, als sie uns das Wohl der Freiheit brachten, wird im Laufe der Erdenevolution völlig beseitigt werden. Durch das Karma wird auch das, was die ahrimanischen Geister verursacht haben, beseitigt. Doch das Böse der Asuras lässt sich auf dieser Art nicht beseitigen, denn sie rauben das innerste Wesen des Menschen – die Bewusstseinsseele und das Ich – und vereinigen sie mit der Sinnlichkeit der Erde, wobei sie unwiderrufliche Verluste verursachen. Heute wird ihre Wirkung in der Explosion sinnlicher Begierden sichtbar, die den menschlichen Blick zu den Geisteswesen und der Geistesmacht verfinstern. Der heutige Mensch möchte immer weniger von der Geisteswelt wissen und sein Wesen als dem Tierwesen verwandt betrachtend, beginnt er dieser Ansicht entsprechend zu leben. Wo sind die Schüler, die sich dem widersetzen können?

In diesem Jahr hatten sich am zweiten Rilasee wie immer die „Brüder und Schwestern“ versammelt, um ihr „Werk“ des Versumpfens und Töten des Sees, d.h. der Bruderschaft fortzusetzen. Es lässt sich feststellen, dass sich die „Weiße Bruderschaft“ immer mehr schließt und versteinert. In der neuen Herberge wurde zum elften Mal das Forum des „Heliopol“-Verlags veranstaltet. Aus den 20 Beiträgen wurde die Anthroposophie nur in zwei vertreten und es wurde deutlich, dass die Anwesenden die Geisteswissenschaft nicht kennen. Es war verständlich, dass es eine allgemeine Neigung zu Erscheinungen wie Anastasia, Tangra, Radiästhesie usw. gab. Jemand, der eine „vervollkommnete“ Wünschelrute dabei hatte, erklärte völlig verantwortungslos, dass er damit in der Lage wäre, u.a. vergangene und zukünftige Leben zu bestimmen. Das Publikum zeigte gemischte Reaktionen, währende der Hauptveranstalter sein Vertrauen öffentlich zusicherte. Auf diese Weise dringen die dunklen Geister problemlos dort ein, wo die Unterscheidungskraft fehlt und eine Verfinsterung des Bewusstseins besteht. Das Forum fand am 19. August statt, wenn das göttliche Jahr beginnt und zu erwarten ist, dass die von oben strömenden neuen Ideen von den Menschen ergriffen und auf dem Erdenplan angewendet werden. Dieses Jahr wurde uns von oben gesagt: „Bei uns herrscht Sorge, dass unten die Verfinsterung des Bewusstseins immer größer wird und die Beziehung reißt, die Tür vor den dunklen Geistern wird immer breiter aufgemacht.“ Diese Besorgnis wurde von manchen Menschen auf ihre individuelle und spezifische Art wahrgenommen. Vor Jahrzehnten schon hatte uns der Meister gesagt: „Christus hat vergessen, dass Er vor 2000 Jahren gelitten hat, Er erwähnt es nicht. Aber wenn Er die gegenwärtige Menschheit sieht, entsteht in Seiner Seele eine Sorge, dass diese Menschen, die 2000 Jahre nach Ihm leben, Seine Erfahrungen nicht nutzen und ihrem Weg noch nicht in der richtigen Art folgen können. Einen Ausdruck der Trauer sieht man auf Sein Gesicht, er ist nachdenklich, nicht fröhlich.“[43]

Selbstverständlich wird Christus traurig sein, wenn nicht nur die einfachen geistigen Sucher, sondern auch ihre „Führer“ nicht ihren Egoismus aufgeben und Christus erlauben wollen, die immer wütend werdenden Asuras zu bekämpfen. Er kann das mit unserem Einverständnis tun, wenn wir einen Teil des Schulungswegs zurückgelegt haben!  Heute gibt es jedoch keine Schüler! An der Seite Beinsa Dounos gab es früher viele herausragende Persönlichkeiten, die er persönlich berufen hatte. Doch gab es seinen Worten nach keine wahren Schüler. Hätte er nur einen gehabt, hätte er „die Welt umgewandelt“. Und durch die heutigen „Führer“ wirken die Asuras!

Doch es gibt auch Licht im Tunnel. Letztes Jahr wohnte ein Japaner (Masaru Emoto) der großen Paneurhythmie im Rila bei, der Wasserexperimente durchführt und die Kristallgitter erforscht, die das Wasser nach dem Aussprechen eines bestimmten Wortes bildet. Als er das Gitter, das nach dem Aussprechen des Namens Bulgariens sah, war er verblüfft. Das war ein siebenstrahliger Stern mit einem Herzen in der Mitte, wobei zwei der Strahlen wie Arme aussehen und eine Öffnung im Gitter in der Form des Heiligen Gral bilden. Das ist der Ausweg für die Menschheit! Das Herz ist das Organ, aus dem die Zukunft geboren wird und es hängt mit der Liebe Christi zusammen, die von Bugarien ausgehen wird. Diese Liebe ist der Inhalt des Heiligen Gral und nur wer sie aus seinem Inneren ausstrahlt, wird sich in einen Gral verwandeln können – dem höchsten Ideal – und mit der Kraft Christi seinen Leiber vergeistigen, wie das der Erlöser mit den Leibern Jesu vor 2000 machte.

In Bulgarien gibt es Menschen, die in den nächsten Jahren Christus stark durch ihre Iche manifestieren werden, um würdige Boten des Erzengels Raffael zu sein – des bulgarischen Volksgeistes, der mit dem Osterfest und der Liebe zusammenhängt und künftig laut Steiner eine wichtige Rolle für die Menschenentwicklung spielen wird. Solche Menschen werden auch zum Zeitgeist Michael heranreifen, um den Christus-Weg ohne Zögerung zu befolgen. Der Meister Beinsa Douno definierte unmissverständlich den Schüler: „Ein weißer Bruder ist derjenige, aus dem das Licht der Weisheit, das Leben der Liebe und die Freiheit der Wahrheit ausgehen“. Ein solcher Mensch ist moralisch und seine Moralität entstammt dem tiefen Verständnis der Gesetze des Weltalls. Indem er diese Gesetze befolgt, wird er bei der Begegnung mit dem Bösen zu einem wahrhaften Helden“. Ihm gelten die Worte Beinsa Dounos nicht: „Oft werden die persönlichen Gefühle der Menschen verletzt, wenn man zu ihnen spricht. Wenn die persönlichen Gefühle verletzt werden, hört jegliche Entwicklung der Menschen auf. Viele Engel, viele große Geister sind wegen der persönlichen Gefühle, wegen ihres Stolzes abgestürzt.“[44]

Das, was im Weinberg der „Weißen Bruderschaft“ bei Varna geschah, zeigt, wie leicht der Sturz ist und wie schwer die Erhebung, in der die Größe des Gottes zum Ausdruck kommt. Hoffentlich kann jeder, der Beinsa Douno und denjenigen liebt, der ihn im 20. Jahrhundert unter die Bulgaren sandte, die Anstrengung unternehmen und die Kränkung infolge von Unverständnis und Seelenschwäche überwinden, um Christus zu erlauben, ihn zu beleben und zu erheben. So werden wir dem Erlöser für die großen Opfer danken, die Er für uns vollbringt und dann wird vielleicht ein Lächeln auf Seinem Gesicht erscheinen? Wir sind für dieses Lächeln verantwortlich!

 

[1] „Morgenansprachen“, Sofia, 26.12.1937, „Die kleinen Dinge“; „Sonntagsvorträge“, Sofia, 20.07.1924, „Ich werde nach dir kommen“

[2] „Außerplanmäßige Vorträge“, Sofia, 08.08.1920, „Die zwei Prinzipien“; „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 14.07.1926, „Denke richtig!“; „Festvorträge“, Veliko Tarnovo, 21.08.1922 , „Die Wahrheit“

[3] „Festvorträge“, Sofia, 01.09.1933, „Das zukünftige Glaubensbekenntnis der Menschheit“; „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 23.10.1929, „Zentrum des Lebens“

[4] „Außerplanmäßige Vorträge“, 31.03.1912, „Was bedeutet das Schicksal?“

[5] Ebd.

[6] „Festvorträge“, Veliko Tarnovo,  24.08.1922, „Die große Kirche Gottes“

[7] „Festvorträge“, Sofia, 22.08.1926,  „Außen und innen“; „Außerplanmäßige Vorträge“, Sofia, 01.01.1922, „Verwandte Seelen“

[8] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 30.10.1921, „Der Sohn Gottes“

[9] „Morgenansprachen“, Sofia, 10.10.1943, „Die zwei Wege“

[10] Ebd., 09.01.1944, „Der göttliche Tag“; „Jugendfeste“, Sofia, 07.07.1926, „Innere und äußere Beziehungen“

[11] „Außerplanmäßige Vorträge“, Sofia, 17.12.1944, Das gute Geschenk“; „Sonntagsvorträge“, Sofia, 09.11.1919, „Gott hat gesprochen“

[12]„Morgenansprachen“, Sofia, 28.07.1935, „Positive Eigenschaften“

[13] „Festvorträge“, Sofia, 24.08.1941, „Möglichkeiten für das Glück“; „Heilige Worte des Meisters“  – 149. „Klug“

[14] Vgl. GA 266, Bd.1

[15] Vgl. GA 229, Vortrag vom 05.10.1923

[16] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia, 18.04.1930, „Richtungen des Lebens“

[17] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 06.01.1932, „Grenzen im Leben“

[18] Ebd., 21.09.1932, „Der neue Gedanke“

[19] Sonntagsvorträge“, Sofia, 20.05.1923, „Für meinen Namen“

[20] Ebd., Sofia, 31.10.1943, „Die wertvollen Dinge“

[21] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 06.05.1931, „Die richtige Richtung“; „Sonntagsvorträge“, Sofia, 20.02.1927, „Der Gerechte“; Ebd., 05.05.1929, „Folge mir nach!“

[22] Ebd., 24.04.1916., „Die Wahrheit“, „Feste für die Jugend“, Sofia, 13.07.1930, „Binden und Lösen“

[23] Vgl.GA 10

[24] „Morgenansprachen“, Sofia, 04.07.1937, „Das Böse erweichen“

[25] Vgl. GA 130, Vortrag vom 20.11.1911

[26] „Festvorträge“, Die sieben Seen, 22.08.1939, „König und Diener“; „Sonntagsvorträge“, Sofia, 2.01.1927, „Eintritt“

[27] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 24.02.1924, „Was ist das?“

[28] Ebd., 11.02.1917, „Du hast mir keinen Kuss gegeben“

[29] Ebd., 20.01.1924, „Das berührte Kohlenstück“

[30] GA 121, Vortrag vom 17.06.1910

[31] „Allgemeine okkulte Klasse“, 17.06.1923, „Glaube und Zweifel“; „Sonntagsvorträge“, Sofia,, „Erkenntnis, Selbstopferung“; 02.03.1930, „Wie die Welt kommt“; „Kraft und Leben“, Bd.1 „Ostern“; „Der Aufgang“, Bd.17, Der Meister über die Religion und den Klerus“, „Sonntagsvorträge“, Sofia, 20.12.1914, „Die Meister“

[32] „Der Meister über die Bibel“, Bd.2, „Deswegen bin ich gekommen…“  – „Die Aufgabe Christi“

[33] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 16.03.1930, „Mit Güte und Wahrheit“

[34] „Außerplanmäßige Vorträge“, Sofia, 10.12.1944, „Vernünftiges Wirtschaften“; „Sonntagsvorträge“, 24.02.1924, „Was ist das?“; „Allgemeine okkulte Klasse“, 02.04.1924, „Das vernünftige Herz“

[35] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 09.11.1919, „Gott hat gesprochen“

[36] „Außerplanmäßige Vorträge“, Sofia, 01.01.1917, „Der Bruder der Kleinsten“; „Die Mission der Bulgaren“, Bd.1 „Genesis“, „Arbeit in der Welt“

[37] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 09.08.1914, „Das Gesetz des Dienens“

[38] „Der Meister, der Heiler, der Prophet“, Bd.1, „Ungehorsam“; „Sonntagsvorträge“, 20.03.1927, „Die Sanftmütigen“

[39] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 10.05.1914„Die Talente“

[40] Vlad Paschov, „Der historische Weg der Weißen Bruderschaft im Wandel der Jahrhunderte“, Bd.2, „Der Prophet Daniel“

[41] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 21.01.1931, „Die Atmung des Menschen und der Tiere“

[42] Vgl. GA 343

[43] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 13.12.1925, „Woher ich komme“

[44] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia, 21.11.1928, „Konstante und Variablen“

Das Mysterium des Heiligen Geistes

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 15.05.2005 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

„Es gibt Einen, der sich als Liebe, Weisheit und Wahrheit manifestiert. Und die ganze lebendige Natur spricht über diesen großen Einen“[1].

Mit diesen bewegenden Worten zeigte uns der Bodhisattva Beinsa Douno auf eine überzeugende Art die drei erhabenen Antlitze Gottes. Das erste ist die Liebe, die sich im Leben manifestiert. Das zweite ist die Weisheit, die sich im Licht der Erkenntnis manifestiert und das dritte ist die Wahrheit, die sich in der Freiheit manifestiert. Wenn der Mensch alles mit der Liebe als einer großen und mächtigen Kraft beginnt, erwachen seine Seele und sein Geist und er tritt in eine reale Beziehung zur physischen, geistigen und göttliche Welt, denn die Liebe enthält alle Bedingungen, Methoden und Möglichkeiten für seine vollständige Entwicklung. Sie ist das Medium, in dem die Wesenheiten der endlosen Schöpfung leben und sie alle wissen, dass Gott Liebe ist, aus der das Leben hervorgeht. Der Meister Beinsa Douno sagt: „Die Worte „ewiges Leben“ meinen die vernünftige Bewegung der Seelen, das Wort „Gott“ – die Keime des Geistes, die Bedingungen, Kräfte, Gesetze der Natur, auf die sich diese majestätische Ordnung der Dinge stützt, und Jesus Christus ist der vernünftige Beginn, der aus dem Einheitlichen Gott herausgeht und der alle lebendigem Wesen lenkt und bewahrt„.[2] Und weiter heißt es: „Das Element, welches das Leben in sich trägt, ist Christus und die Bedingungen, die die Manifestation des Lebens ermöglichen, sind im Heiligen Geist enthalten“[3].

Hier eröffnet uns der Meister in wenigen Sätzen auf eine wunderbare Weise das Hauptmysterium des Universums – das Mysterium der Liebe. „Gott liebte die Welt so sehr, dass Er sein Schönstes und Erhabenstes opferte – seinen „eingeborenen Sohn“, um die Seelen zu erheben, die an die Liebe glauben“[4], sagte Beinsa Douno, denn „nur die Liebe ist ewig“. Dann fuhr er fort: „Jeder andere Glaube ist trügerisch. Das einzig wahre Werk der Welt – das ist die Wissenschaft von der Liebe. Sie ist das große Erkenntnisobjekt der Seele. Sie kann als Einzige die in der Seele verborgenen Möglichkeiten erwecken. Der heilige Name der Liebe ist der Zauberschlüssel des unsterblichen Lebens, durch den alle negativen Energien in positive umgewandelt werden. Mit diesem Schlüssel kann der Mensch alles bewirken. Nach diesem heiligen Namen suchen die Kabbalisten aller Zeiten.“[5]

Und wenn die Liebe das Wesen selbst ist, so repräsentiert die Weisheit in ihr die Formen der Liebe, die der Gott, die erhabenen Geister und die Menschen der Erde offenbaren. Gott hat durch die Weisheit das Universum geschaffen. Der Meister eröffnet uns: „Vom ersten Mal an, als der Mensch Gott berührt hat, bricht in ihm die Liebe aus, er verwandelt sich in eine Lebensquelle, die ständig hervorsprudelt. Und da diese Quelle den Weg für ihre Bewegung finden muss, erscheint die zweite Berührung Gottes – die Weisheit, die den Weg dieser Bewegung umreißt. Wenn die Weisheit in der Menschenseele aufgeht, kommt jedes Ding an seinen Platz. Alle Ideen erscheinen klar, bestimmt und kommen zur vollen Harmonie, denn das Licht ist das Gewand der Weisheit, das Gewand der Seele“.[6] Wenn wir über den Menschen reden, so meinen wir ein Wesen der Weisheit[7], also die Anthropos-Sophia. Aus der Welt der Weisheit  strömt die wahre, wesentliche Erkenntnis heraus. Sie ist auch „der größte und unvergängliche Reichtum, über den der menschliche Geist verfügen kann und nur die Weisheit Gottes kann sein Verlangen erfüllen“.[8] Der weise Mensch hat alles, was er weiß, erfahren und geprüft und nur ihm wird der Ruhm Gottes enthüllt. Nur der Weise kann wahrhaftig Gott preisen!

Der Meister ist sich sicher: „Dass ein Mensch in das Reich Gottes kommt, hängt von seinem Wissen und seiner Weisheit ab und nicht von seiner Liebe“.[9] Jedoch ist dies der schwierigste Weg – der Weg der Lehrer. „Der Weise lebt ohne äußere Gesetze, sondern er lebt nach jenem lebendigen Gesetz, den Gott in seine Seele hineingeschrieben hat“. Daher kommt alles Leiden, deshalb warnte uns Beinsa Douno: „Du, der du zum Licht strebst, sollst die Worte der Weisheit hören: Willst du die Göttliche Weisheit und die Geheimnisse der lebendigen Natur, so sage ich dir: Es gibt keinen anderen Weg dazu, außer dem Leiden. Solange du richtest, aufbegehrst, dich beschwerst und philosophierst, bist du weit von der Weisheit.“[10]Aber Beinsa Douno zog unseren Blick noch höher mit der außerordentlichen Offenbarung: „Nur der helle Weg der Weisheit führt zur Wahrheit!“

Am Morgen des Karfreitags fragte Pilatus den Christus-Jesus, was die Wahrheit ist, aber er erhielt keine Antwort. Am Vorabend versprach der Erlöser beim Geheimen Abendmahl den Jüngern: „Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir“ (Joh. 18:26). In der Heiligen Schrift heißt es über Gott: „Du hast die Wahrheit im Menschen geliebt“. Viel später, im 20. Jahrhundert, fügte Beinsa Douno hinzu: „Folglich kann der Mensch geliebt werden, wenn in ihm die Wahrheit ist„. Das Leiden entstammt der fehlenden Liebe im Leben (der Erde). In ihm gibt es Liebe, Weisheit und Gerechtigkeit, aber keine Wahrheit. Die Wahrheit ist nirgendwo, da diese Welt eine Welt von Leiden und Tod, von ständigen Wandlungen ist. In eine solche Welt kann die Wahrheit nicht kommen, kann nicht heruntersteigen. Die Wahrheit spricht mit den Sonnen, die Wahrheit spricht mit den Planeten und die Liebe ist so nachsichtig, dass sie auch mit den kleinsten und unbedeutenden Wesen spricht. Da die Wahrheit mit den Sonnen spricht, ist ihr Ziel ein erhabenes und entferntes. Sie gehört der Welt der Unsterblichkeit und deshalb ist sie den Sündigern unzugänglich und die Sterblichen können nicht über Sie reden.“[11]

Können wir heute, 2000 Jahre nach den Ereignissen in Palästina Pilatus eine Antwort geben? Ja, das können wird! Es war für ihn nämlich unerreichbar zu begreifen, dass er der Wahrheit gegenüber steht. „Ich kam, um für die Wahrheit ein Zeugnis abzulegen“, sagte Christus und Beinsa Douno erklärte: „Außerhalb von Christus kann der Mensch die Wahrheit nicht finden!“[12]  Auf die Frage, warum dem so ist, antwortete er unmissverständlich: „Die Liebe schließt die Wahrheit ein. Sie ist die reinste Gestalt der Liebe“.[13] Diese Gestalt ist das Opfer auf Golgatha! Wir können auch zu Zeugen der Wahrheit werden, wenn wir dem Erlöser erlauben, durch uns zu arbeiten, denn, wie Beinsa Douno sagt, steigt Christus „in die Seelen herunter, nur wenn sich das Bewusstsein erweitert. Der glücklichste Tag für mich wird derjenige sein, an dem ich sehen werde, dass Christus in eurem Bewusstsein lebt. Seid sicher, dass dies der glücklichste Tag in meinem Leben sein wird.“[14]

Und dieses Bewusstsein muss sich durch alle Welten hindurch erheben, denn „wenn die Weisheit und Liebe heiraten, wird die Wahrheit geboren!“ Sie ist der Sohn der beiden und das Endergebnis der Ewigkeit. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Ergebnis etwas Vollendetes, Endgültiges ist. Es ist ein ununterbrochenes Ergebnis. Die Wahrheit, das sind die Früchte, die ständig am Baum des Lebens reifen.[15]

Auf diesen Baum werden wir später zurückkommen, nun werden wir nur sagen, dass seine „Früchte“ in der Göttlichen Welt sind, wo der Göttliche Geist lebt, den „die Weisen aller Zeiten“ kennen, wie der Meister sagt. Dort ist die Atmosphäre erfüllt von Liebe, die alles „atmet“ und die Wahrheit ist das Licht dieser Göttlichen Welt. Dort wird nicht mal ein Augenblick der Zögerung erlaubt, da alles streng bestimmt ist.

Nur derjenige, der die Wahrheit hat, kennt die Richtung seines Lebens. Er kennt den Weg seiner Bewegung in jeder Hinsicht und darf sie in keiner Weise aufhalten. Der Meister warnte uns, dass „jede Zögerung schicksalhaft ist, da selbst die schwächste Bewegung des Einzelnen mit anderen Bewegungen verbunden ist, so dass bei der kleinsten Zögerung eine Katastrophe ihn heimsuchen kann – es kommt zu einer Kreuzung der Wege im Universum. Alle Wesen, die nicht im Einklang mit der Wahrheit leben, wollen sich wahllos bewegen. Deshalb hat sie die Natur eingeschränkt“.[16] Der Meister fährt fort: „Die Wahrheit hängt nicht von den persönlichen Auffassungen der Menschen ab. Die Liebe ist nachsichtig mit den Fehlern und Mängeln der Menschen, aber die Wahrheit duldet nicht die Ignoranz, die Schwäche und die Unreinheit. Darin besteht ihre vollkommene Schönheit! Deshalb soll der Schwache zur Liebe gehen, der Unwissende – zur Weisheit und wer vollkommen sein will, der gehe zur Wahrheit. Ein Lehrer im wahren Sinne des Wortes ist ein vollkommener Mensch“[17]. Er sagt auch: „Ein Held der Welt kann nur derjenige sein, in dem die Wahrheit lebt. Nur er kann sich opfern und wenn er sich aufopfert, wird er in die Seelen der Menschen eingehen, um dort zu leben.“[18] Christus ist der absolute Held! Ihn haben Levski, Botev[19] und andere Helden nachgeahmt…

„Die Wahrheit wird euch frei machen“, sagte der Erlöser (Joh.8:32) und jeder, der die Wahrheit in sich trägt, wird frei. Der Meister fügte hinzu: „Frei zu sein ist ein Streben und eine Sehnsucht der Menschenseele. Aber wenn wir von der Freiheit im absoluten Sinne reden, meinen wir den Menschengeist – das Erhabenste des Menschen, nicht seinen Verstand“[20]. Nur der freie Geist kann die göttliche Liebe manifestieren oder, wie Beinsa Douno formulierte, „Wenn ihr wollt, dass die göttliche Liebe zur Geltung kommt, muss der Geist in euch sein, ihr müsst ihm Platz machen, so dass er sich manifestieren kann. Der Geist wird leise an euer Herz klopfen und wenn ihr ihm aufmacht, wird er unverzüglich euer Leben von Grund auf ändern, er wird euch zeigen, wie ihr leben sollt. Diese Liebe ist nichts für die schwachen, sondern für die großen, starken Seelen. Ihr dürft euch nicht irren: die im Geist kranken, toten Menschen sind nicht von der Liebe erleuchtet.“[21] Es ist ausgeschlossen, dass solche Menschen die Wahrheit streifen können. Und das zukünftige Ideal, das vor den Menschen steht, ist das möglichst hohe Ideal – „Liebe zur Wahrheit“. Zu diesem Ideal sollten alle streben, ist sich der Meister sicher und fügt hinzu: „Wer die göttliche Wahrheit verstanden hat, wird ständig nach ihr suchen“.[22] Wo wird man sie suchen? Im Christus – in der „reinsten Gestalt der göttlichen Liebe!“  Deshalb sagte Beinsa Douno, dass der „lebendige Christus die Quelle ist, aber man muss wissen, wie man das Wasser aus dieser Quelle trinken soll. Ich behaupte nicht, dass ihr nicht wisst, wie ihr trinken sollt, aber ihr trinkt 500 oder 1000 km weit von der Quelle und dann sagt ihr, dass ihr nicht wisst, wie Christus ist. Ihr wisst nicht, wie viele andere Elemente in dieses Wasser eingegangen sind, es trübe gemacht und euren Geschmack getäuscht haben. Ihr müsst stromaufwärts gehen, der Weg ist lang, ihr werdet Blasen an den Füßen bekommen, aber an der Quelle angekommen, werdet ihr sagen: Das nenne ich Wasser. Diejenigen, die nicht zur Quelle kommen können, werden trübes Wasser trinken, denn ohne Wasser ist es noch schlimmer. Ich sage euch: Selbst wenn ihr Blasen an den Füßen bekommt, sollt ihr zur Quelle gehen und aus ihrem reinen Wasser trinken. Wenn ihr zurückkommt, werdet ihr einen klaren und frischen Verstand, ein gutes Herz und einen breiten Blick haben. Es ist viel Mühe, viel Arbeit an sich notwendig, damit man die Christus-Lehre anwenden kann, um jene günstigen Ergebnisse zu gewinnen, die den Menschen eines Tages zum Mitbürger des Himmels, zum Mitbewohner der Heiligen und Engel erheben werden. Das Christentum ist eine Wissenschaft, die den Weg zeigt, wie die Menschen aus dieser Welt herausgehen sollen. Es geschieht auf dem schmalen Weg, der deshalb so schmal ist, damit nur einer auf ihn geht.“[23]

Wenn wir das Wort „einer“ hören, denken wir sofort an den Schlüssel zur Evolution – die Entwicklung des Ich. Der Meister Beinsa Douno ist unmissverständlich: „Die östlichen Völker haben starke Kulturen entwickelt und erhoben, sie sind an das große Wissen herangekommen, aber sie waren nicht in der Lage, den inneren Sinn des Wissens zu verstehen. Deshalb konnten sie es nicht nutzen und mussten allmählich dem Westen ihren Platz abtreten. Sie hatten das okkulte Wissen erreicht, aber sie sind stolz geworden und in ihnen keimte der Egoismus auf – sie vergaßen, dieses Wissen zur Befreiung und Erhebung des Menschen und der Menschheit zu benutzen, was die wahre Bestimmung und der wahre Sinn des Wissens ist, sondern waren nur an ihrer eigenen Vervollkommnung interessiert. Dies verzeichnet bereits einen Stillstand in ihrer Entwicklung. Nun leben sie nur in der Vergangenheit, und die Vergangenheit ist der Schatten der Wirklichkeit, aber nicht die Wirklichkeit selbst. Die Wirklichkeit ist im Menscheninneren, das ist das menschliche Ich. In dem Moment, in dem man gewahr wird, dass man ein Ich ist, wird Christus in einem geboren – das ist der neue Mensch. Alle Menschen müssen das Ich, das der wahre Mensch ist, empfangen und in sich hervorbringen. In den verschiedenen Zeiten und Schulen hat man ihm verschiedenen Namen gegeben – die heilige Idee, das höhere Ich, Gott, das innere Wesen usw. Die Seele an sich kann sich nicht erheben, wenn sie nicht das Ich gebiert. An dem Gebären des Ich nehmen Seele und Geist gleichermaßen teil. Wenn das männliche Prinzip – der Geist und das weibliche Prinzip – die Seele, sich zu der Einheit vereinigen, die sie ursprünglich waren, kann das Ich geboren werden. In der großen Wissenschaft kann nur derjenige unterrichtet werden, in dem das Ich geboren wurde. Das Ich ist der erste Buchstabe des großen göttlichen Wissens, das euch künftig eröffnet werden wird. Wenn Christus sagt „Wenn ihr nicht von neuem geboren werdet“, dann meint Er die Geburt des Ich, des Göttlichen in der Seele. In diesem Sinne muss jeder zur Mutter werden und das göttliche Kind in sich zur Welt bringen, um der Liebe freien Lauf zu geben“.[24] An anderer Stelle sagt er: “ Ihr werdet die Christus-Sprache lernen. Nicht Christus muss die Sprache seines Schülers werden, sondern ihr sollt die Sprache Christi lernen! Diese Sprache fängt mit der Liebe an.“[25]

In den vielen angeführten Zitaten sehen wir, wie tief und geheimnisvoll die Beziehungen zwischen der Liebe, Weisheit, Wahrheit und dem Ich sind. Sie sind von Christus, dem in der Welt manifestierten Gott, vereinigt, in dem wir die Antworten auf alle Fragen finden können. Aber wir brauchen einen Führer! Dieser Führer ist der beim Geheimen Abendmahl versprochene Geist der Wahrheit. Jeder kann in das Mysterium des Pfingstgeistes eindringen, wenn er eine „unlöschbare Liebe“ zur Wahrheit hat.

Was sagt uns die Geisteswissenschaft über das „Pfingstwunder“? Wir wollen uns in die 2000 bis 3000 Jahre entfernte Zeit vor der Zeitenwende hineinversetzen, als auf der Erde der alte Sonnenkult der Mysterien existierte. Der Lehrer in den Mysterien sagte zu seinen Schülern, was sie den anderen danach mitteilten, dass das höhere Sonnenwesen den Menschen vor ihrem Herunterstieg auf die Erde die Kraft gibt, mit der sie nach dem Tod wieder in richtiger Weise in die geistige Welt zurückkehren können. In diesem Sonnengott hält sich die Seele bis zur Geburt auf und kehrt zu ihm nach dem Tod zurück. Der Kult bestand im Folgenden: Für einige Tage wurde ein Bild des Gottes in ein Grab eingegraben, und in dieser Zeit erlebten die Menschen tiefe Trauer. Als sie es ausgruben, freuten sie sich aufrichtig, da sie wussten, dass Er im Weltall weilt und jedes Mal den Menschen aus dem Tod erweckt. Dieser Gott war Christus. Der Priester sagte: „Wenn ihr Ihn erkennen wollt, dann könnt ihr Ihn nicht auf der Erde finden, ihr sollt euch zu den Geheimnissen der Sonne erheben.“ Damals war das nicht schwierig, da die Menschen die instinktive Erinnerung an ihre vorirdische Existenz hatten. Aber gegen das achte Jahrhundert v.Chr. konnten die Menschen nicht mehr die Priester verstehen und bei ihnen kam das Gefühl auf, von Christus getrennt zu sein, der vorher ihre Unsterblichkeit sicherte. Es kam die Angst der Menschen um ihr ewiges Wesen auf. Dann stieg Gott selbst herunter und stand vor den Menschen als ein Menschengott, der gefunden werden konnte, ohne den physischen Plan zu verlassen. Er erlebte das Golgatha, damit wir Ihn nicht für immer verlieren, aber die Menschen erkannten die Größe der Offenbarung nicht.

Als Saulus war Paulus ungefähr so alt wie der lebendige Jesus. Aus der alten chaldäischen Einweihung wusste er, dass Christus nur draußen im Kosmos lebt und dachte, dass jeder irrt, der behauptet, Ihn auf der Erde finden zu können. Saulus kannte auch den alten Mysterienkult, der nun durch das Golgatha ersetzt wurde, aber er hat das Opfer des Erlösers nicht verstanden. Er glaubte nicht, dass die Anhänger von Jesus den Auferstandenen in der Erdsphäre gesehen haben und deshalb verfolgte er sie. Erst nach dem Ereignis vor Damaskus hat er begriffen, dass die Menschheit bereits in Christus dasjenige finden kann, was sie früher in der Natur fand – in den Mineralien, Pflanzen und Tieren. Der geistige Kosmos hatte sich mit der Erde vereinigt  und die Sonnenkraft, die jetzt in moralischer Gestalt anwesend war, konnte innerlich erlebt werden. Dann wurde der Christus-Träger, der lebendige Jesus sehr kostbar für ihn und aus Saulus wurde der große Apostel der Völker Paulus.

Vor ihm waren aber die Jünger Christi, die am Geheimnis von Golgatha teilnahmen –  unbewusst, obwohl sie Reste des instinktiven Bewusstseins aufbewahrt hatten. Sie schliefen im Garten Gethsemane ein und als die Erzpriester Christus Jesus abführten, hat die Verzweiflung ihre Herzen ergriffen. Eine Finsternis der Ungebildetheit erfasste ihr Bewusstsein, das dem Erlöser nicht weiter folgen konnte. So kam es zu der Verleugnung des Petrus. Als Christus am Kreuz Seinen letzten Atem aushauchte, war die physische Sonne stundenlang scheinbar erloschen und eine Finsternis erfasste ganz Palästina und tauchte das Bewusstsein der zukünftigen Apostel in eine noch größere Finsternis. Um jene dämonischen Kräfte zu ertragen, die im Laufe einer Sonnenfinsternis aufsteigen, braucht man laut Steiner eine außerordentliche Charakterkraft. Im Laufe einer solchen Finsternis geht in vollem Licht das auf, was man sonst einzig durch lange und schwierige Meditationen erreichen kann. Nun ist man von einer Art „Senkung“ des Lebensgefühls erfasst. Die ganze Erde sieht ganz anders aus. Zum Symbol der ganzen Erkenntnis, die die vorchristliche Menschheit angehäuft hat, kann der Mond dienen, das vom menschlichen Standpunkt aus nur im Kosmos hin und her wandelt. Ja, gerade der Mond, denn im Hinblick auf eine höhere Erkenntnis beleuchtet das ganze Wissen der vorchristlichen Menschheit, sondern verdunkelt die Dinge wie bei einer Sonnenfinsternis; der Mond ist derjenige, der die Sonne verdeckt.[26] Nur Johannes – der Schüler, den „Christus liebte“ blieb wach und verzweifelte nicht. Deshalb fehlt nur in seinem Evangelium die Beschreibung des Einschlafens im Garten Gethsemane. Er folgte Christus weiter und stellte sich bei vollem Bewusstsein unter das Golgatha-Kreuz als der große Vertreter der Menschheit. Was erlaubte ihm dies zu tun?

Infolge der Vereinigung des Christus-Ich mit dem physischen Leib des Jesus erwachte das Bewusstsein des Johannes in seinem physischen Leib, der der vierten Stufe – der intuitiven Erkenntnis entspricht. Indem Christus im Menschen-Ich wirkte, erkämpfte er die Erdensphäre für sich; indem Er in unseren Astralleib eintrat, erkämpfte Er die Mondensphäre; durch unseren Ätherleib bemächtigte Er sich aller planetarischen Sphären bis zur Sonne und durch unseren physischen Leib schenkte Er uns die ganze Welt der fixen Sterne.

Durch diese höhere „Erwachung“ unter dem Kreuz eröffnete sich vor dem hellsehenden Blick des Johannes die ganze große Sphäre des Makrokosmos, aus der unser physischer Leib in seinen geistigen Grundlagen hervorgeht. Die Mysterien aller Sternensphären des Tierkreises wurden für seine geistige Wahrnehmung zugänglich, auch das, was als ein höheres Geheimnis jenseits des Tierkreises in der Sphäre der Vorsehung versteckt ist – das große Sternenkollegium der zwölf Bodhisattvas, die in ständiger Kontemplation der ewigen Quelle des göttlichen Lichtes, Lebens und der Liebe versunken sind.

Die Sphäre der Vorsehung ist die kosmische Sphäre des Heiligen Geistes. Ähnlich der lichttragenden Substanz der reinen Weltenweisheit strömt hier aus Christus selbst die Substanz des Heiligen Geistes, deren himmlische Leiblichkeit die Bodhisattvas in ihrer Gesamtheit bilden. Diese Substanz erhielt Johannes, der unter dem Kreuz stand und dessen hellseherischer Blick in jenem Augenblick den höchsten Aspekt des Sonnenwesens Christi erreichte, indem er in sich die Sophia Christi (Christosophia) aufnahm.

Der Bodhisattva Beinsa Douno sagt: „Zwischen unserer Sonne und der wahren Sonne befindet sich eine dunkle Sonne, die das ganze Licht verschlingt. Unsere Sonne schöpft ihr Licht von der schwarzen Sonne und diese – von der wahren Sonne. Bis das Licht die Erde erreicht, erfährt es also einige Umwandlungen: Das Licht der wahren Sonne wird von der dunklen Sonne aufgenommen, das Licht der dunklen Sonne wird von unserer Sonne aufgenommen und von ihr zur Erde weitergeleitet.“[27]

An anderer Stelle erklärt er: „Wenn man sich mit der Sonne der physischen Welt verbindet, verbindet man sich gleichzeitig mit zwei weiteren Sonnen – mit der Sonne der geistigen Welt und der Sonne der göttlichen Welt. Es gibt also drei Sonnen – eine physische rote Sonne, die im Osten aufgeht, eine geistige ametystviolette Sonne, die im Westen aufgeht, und die göttliche (weiße) Sonne, die im Zenit, oben im Norden aufgeht. Die physische Sonne bewegt sich in den Grenzen vom Osten nach Norden. Die geistige Sonne bewegt sich in den Grenzen vom Westen nach Süden und der Zenit ist das Gebiet der göttlichen Sonne. Die physische Sonne hat vier Punkte, die geistige – sechs und die göttliche – einen Punkt“.[28]

Diese göttliche Sonne ist Christus, der in der Welt der Vorsehung – dem Schoß des Vaters „an der Rechten Gottes“ sitzt. Und wenn der Meister sagt, dass er vom „Stern Alphiola“ kommt, so ist Alphiola die Christus-Sonne, die die zwölf Bodhisattvas in ihrer höheren Offenbarung als das große makrokosmische Ich der Welt kontemplieren. Dieses Ich haben einst die heiligen Rishis in verschwommener Vorahnung verkündet. Sie sprachen vom Wesen Vishvakarman, das sich hinter ihrer Sphäre der Wahrnehmung befand, nun stand dieses Erlebnis in einer neuen, erneuerten Form vor Johannes. Nun war Vishvakarman auf Erden in Fleisch, der auf ewig die Welt der Menschen mit der Sphäre verband, in der die Urquellen des Heiligen Geistes sind.

Unter dem Kreuz empfing Johannes den Impuls des Heiligen Geistes unmittelbar von Christus. Gerade deswegen konnte er bewusst das Mysterium von Golgatha und die höchste Offenbarung des Christus als das Welten-Ich erleben. Auf diese Weise wurde Johannes für alle zukünftigen Zeiten zum Urbild der bewussten Zusammenarbeit auf Erden mit dem Heiligen Geist. Seit dem Golgatha-Ereignis verkörpert Johannes das tiefste Mysterium der menschlichen Entwicklung. Unter dem Kreuz Jesu stand Seine Mutter, Sophia. Zu dieser Mutter sagte Er: „Frau, das ist dein Sohn“. Er selbst übergab Sophia dem Johannes, die in Ihm war. Er machte Johannes zum Sohn der Sophia und sagte: „Das ist deine Mutter.“ Die göttliche Weisheit musst du von nun an als deine Mutter anerkennen und dich nur ihr widmen. Deshalb ist das von ihm geschriebene Evangelium die unmittelbare Verkörperung des Impulses des Heiligen Geistes, der göttlichen Sophia in der Menschheit. Das, was Johannes geschrieben hat, ist für Steiner göttliche Weisheit, Sophia, die sich in das Johannes-Evangelium verkörpert hat. Das Wissen erhielt er von Jesus selbst und wurde von Christus bevollmächtigt, diese Weisheit auf die Erde hinüberzutragen.[29]

Warum erhielt Johannes Sophia von Christus am Golgatha? Nach einem alten Ausdruck kann man die Arbeit am Astralleib durch die indirekten Wege der Meditation und Konzentration als ‚Katharsis‘ bezeichnen. Nachdem im Astralleib bereits alle astralen Wahrnehmungsorgane bereits ausgebildet sind, muss alles auf den Ätherleib übertragen und dort abgebildet werden.

Bei der alten Einweihung geriet der Schüler nach langjähriger Arbeit am Ausbau seiner astralen Erkenntnisorgane in einen dreitägigen lethargischen Schlaf, der mit der Lösung eines großen Teils des Ätherleibes verbunden war. Danach wachte der Schüler „erleuchtet“ auf und war hellsehend in die geistige Welt. Doch im Laufe der Evolution verband sich der Ätherleib immer fester mit dem physischen Leib und es wurde unmöglich, dass sich beide gefahrlos trennen. Dann ging man zur siebenstufigen christlichen Einweihung über, bei der durch das hauptsächlich gefühlsmäßige Erleben der Christus-Leiden früher oder später die Erleuchtung kam. Demgegenüber stützt sich die Rosenkreuzer-Einweihung, die für uns heute am geeignetsten ist und auch eine christliche Basis hat, eher auf meditative Bilder, die zur Katharsis führen. Die innere Seelenwelt des Menschen, sein Astralleib müssen gereinigt, veredelt und einer Katharsis unterzogen werden. Erst dann kann sich die äußere geistige Welt in sie ergießen und sie erleuchten. Die christliche Esoterik nennt diesen gereinigten und veredelten Astralleib (die Bewusstseinsseele), der im Augenblick der Erleuchtung keine Spur der für die physische Welt typischen unreinen Eindrücke, sondern nur die Erkenntnisorgane für die geistige Welt enthält, „die reine, unbefleckte und weise Jungfrau Sophia“, so Rudolf Steiner. Und über die Jungfrau Sophia steigt das kosmische Ich, das Welten-Ich herunter, der die Erleuchtung und folglich auch das geistige Licht um den Menschen hervorruft.

Dieses zweite Element, das sich Jungfrau Sophia anschließt, nennt die christliche Esoterik ‚den Heiligen Geist‘ (‚das Geistselbst‘). Der vom Heiligen Geist erleuchtete Mensch drückt nicht mehr seine eigene Meinung aus, wenn er vom Prozess der Weltenevolution, den Bestandteilen des Menschen usw. spricht, sondern er wird zum Werkzeug, durch das sich das Welten-Ich meldet. In solchen Momenten scheint der Mensch keine Persönlichkeit zu haben, sein Ich ist gleichsam untergetaucht. Eigentlich ist es Christus selbst, der aus dem durch die Vermittlung des Heiligen Geistes Menscheninneren spricht. Nur auf diese Weise wird das allumfassende kosmische Christus-Wesen das individuelle Ich-Bewusstsein des Menschen nicht löschen.

Woher kommt die Kraft zur Verwandlung unseres Astralleibes in eine Jungfrau Sophia?  Aus der Anthroposophie ist uns bekannt, dass Christus sich mit dem Anthropos Jesus, mit Seinem Ich und Geistselbst verbunden hat. Die sechs Sonnenelohim waren die „Träger“ des Ich, die der Ätherleib Jesu bei der Taufe im Jordan „hineinsaugte“ und auf den Astralleib lenkte. Diese Szene beschreibt Johannes mit der „Taube“, die herunterstieg. Diese „Taube“ ist das Geistselbst Christi, das sich als der Heilige Geist manifestiert. Deshalb sagte Steiner, dass der Logos sich durch den Heiligen Geist mit Jesus verband und durch ihn drei Jahre in seinen Leibern lebte. Auf diese Weise wurde Jesus zum Träger des Heiligen Geistes in seinem Astralleib dank der Kraft, die aus dem Geistselbst Christi kam. Diese Kraft – Sophia erhielt der erleuchtete Johannes und damit auch die Mission, die Ereignisse in Palästina zu extrahieren und zu beschreiben und sie in die Menschenseelen zu übertragen. Warum?

Mit den ersten Bluttropfen, die auf Golgatha vergossen wurden, verband sich der vom Jesus im Jordan aufgenommene Heilige Geist mit der Erde. Damit wurde Christus selbst zum neuen Geist unseres Planeten. Der Heilige Geist kann die Erde erfüllen, aber er kann sich nicht mit dem menschlichen Astralleib verbinden, wenn dieser nicht der Jungfrau Sophia ähnlich ist. Deshalb empfing Johannes vom Erlöser die Kraft zu dieser Verwandlung. Diese Kraft ist in seinem Evangelium verborgen, die der wahre Deuter des Christus-Jesus ist. Wenn die Menschen seinem Einfluss ausgesetzt sind, können sie sich zur christlichen Katharsis erheben und die Jungfrau Sophia erhalten. Dann wird der mit der Erde vereinigte Heilige Geist sie mit der Erleuchtung oder den ‚Photismos‘ belohnen. Diese Erleuchtung erlebte Johannes unter dem Kreuz, weshalb wir sagen können, dass für ihn Pfingsten dort begann und am Tag der Himmelfahrt Christi zu Ende ging. Nur in seinem Evangelium finden wir nicht nur das mehrmalige Versprechen Christi in den Abschiedsgesprächen (Joh., Kap. 14,15,16) über die Verheißung des Heiligen Geistes, sondern auch den direkten Hinweis auf dessen Aussenden (Kap.20). Dagegen dauerte bei den anderen Jüngern der „Schlaf“, der im Garten Gethsemane begonnen hatte, bis Pfingsten. Aber vorher fanden die vierzigtägigen Gespräche des Auferstandenen mit ihnen statt. Die mächtigen Geheimnisse der geistigen Welt, die er in ihre Seelen tauchte, waren immer noch nicht in ihr klares Tagesbewusstsein eingetreten. Sie erlebten Christus als den Träger der ganzen Fülle der makrokosmischen Kräfte in der Erdensphäre, aber die Kräfte selbst hatten sich noch nicht über sie ergossen. Auf dieser Stufe – der fünften der gegenwärtigen Einweihung – erhielten sie nur die Erkenntnis über das neue Verhältnis des Mikro- und Makrokosmos, aber noch keine Verschmelzung mit Letzterem. Bei der Himmelfahrt selbst befand sich Christus außerhalb der Menschenseelen und sie konnten Ihn mit ihrem geistigen Blick nur als ein geistig-äußeres Bild betrachten. Der Erlöser erhob sich als eine vergeistigte mikrokosmische Menschenform in den Makrokosmos, indem er ihnen dadurch die neue Verbindung zwischen ihnen und ihrer Entsprechung zeigte. Die Schüler sahen das alte Prinzip, das Hermes formuliert hatte: „Wie oben, so unten“. In den zehn Tagen bis Pfingsten litten sie so stark und eine solche Trauer erfasste ihre Herzen, die viel stärker war als beim alten Sonnenkult, dass aus ihr das Pfingstwunder entstand. Rudolf Steiner sagt: „Wahre, tiefe Erkenntnis wird aus dem Leid geboren (GA 226:96), ohne die die höheren Welten nicht erreicht werden können. Die Jünger wandten sich an alles, was in ihnen als das Gedächtnis an Golgatha lebte. Und aus dieser Erinnerung, aus diesem Schmerz in ihren Seelen kam die Kontemplation dessen zurück, was der Mensch verloren hatte, da er kein instinktives Hellsehen mehr hatte. Sie sagten nach Pfingsten: „Wir haben das Golgatha-Mysterium gesehen, was uns die Kraft gibt, unser unsterbliches Wesen wieder zu spüren“. [30]

Dann fährt Steiner fort: „Sie spürten das Erwachen auf eine bemerkenswerte Art: Als ob aus dem Universum etwas auf sie herunterströmte, was wir einzig als die Substanz der allsiegenden Liebe bezeichnen können. Die Jünger fühlten sich wie von oben durch die allsiegenden Liebe befruchtet und aus dem Schlafbewusstsein erweckt. Sie spürten, wie sie erwachen durch jene ursprüngliche Kraft der Liebe, die den ganzen Kosmos durchdringt und mit Wärme erfüllt, als wäre die ursprüngliche Kraft der Liebe nun in ihre Seelen eingeströmt. Sie sahen vollkommen verwandelt aus. Als Menschen mit einer neuen Seeleneinstellung, als über jede Beschränkung des Lebens erhoben, über jeden Egoismus, als Menschen mit endloser Herzensweite, unausschöpflicher  Toleranz und mit einem tiefen herzlichen Verständnis der Menschennatur. Sie drückten sich in einer Art aus, die von den Umgebenden mühelos verstanden wurde. Die anderen Menschen spürten sofort, dass die Jünger in die Herzen und Seelen jedes Menschen eindringen konnten und da sie die tiefsten Seelengeheimnisse aufdeckten, konnten sie jeden trösten,  indem sie sich an ihn mit den Worten, die er brauchte, wandten. Erst jetzt, als sie vom Kosmischen Geist der Liebe beseelt waren, erblickten ihre geistigen Augen, das, was auf Golgatha geschehen war.[31]

Dank dieses Geistes in ihrem wachen Ich-Bewusstsein erwachte vollständig das, was unbewusst in den Tiefen der Seelen verborgen war durch das gemeinsame Leben auf Erden mit Christus-Jesus, das Erleben von Golgatha und die nachfolgenden Belehrungen des Auferstandenen bis zur Himmelfahrt. „Untergegangen ist der Christus-Impuls, insofern er sich in äußeren Hüllen manifestiert hat, in der einheitlichen geistigen Welt durch die Himmelfahrt; wieder aufgetaucht ist er zehn Tage danach aus den Herzen heraus der einzelnen Individualitäten, der ersten Versteher.“[32]

Ja, der Heilige Geist strömte auf die Köpfe der Jünger herunter, aber er begann aus ihren Herzen zu sprechen. Er „rauschte“, da er „verschiedene Feuersprachen“ sprach. Diese „Sprachen“ waren die Ströme jener Kraft, die Christus durch das Mysterium von Golgatha in die Erdentwicklung hineintrug, die aber erst an Pfingsten in das individuelle Ich-Bewusstsein der Jünger hineintrat. Gerade Pfingsten entfachte das Feuer des Ich in der Menschenseele, um sie zu vergeistigen. Rudolfs Steiner ist sich sicher, dass die wahre Wirkung des Christus-Impulses erst dann erscheint, wenn er in der Menschenseele wirkt, und nicht von außen.[33] Man könnte nie den Christus-Impuls verstehen, wenn man einmal auf der Erde lebt. Wie naiv klingen die Worte der Kirchenväter, die die Wiedergeburt leugnen! An Pfingsten durchzogen wir unseren geistig-seelischen Leib (das Ich und den Astralleib) mit der Kraft zum Verständnis des Ereignisses von Golgatha und wir können sie nun individuell aneignen. Dazu sagte Beinsa Douno: „Christus muss in die Herzen und Köpfe der Menschen als innere Kraft einziehen, die sie zu einem Ganzen vereinigen soll. Diese innere Kraft ist die Liebe.“[34]

Nach dem Tod auf Golgatha durchzog der Christus-Impuls die Erde durch den Heiligen Geist und sie „leuchtete auf“. Ann Pfingsten vereinigte sich Christus endgültig mit dem ganzen Dasein der Menschen, indem Er in ihr Wesen das hineinbrachte, was früher in den makrokosmischen Höhen weilte. Während in den alten Zeiten der von Christus in der Welt der Vorsehung ausgehende und durch die zwölf Bodhisattvas wirkende Heilige Geist das Wissen über Christus trug, so vereinigte er sich nach Golgatha mit der durch den Erlöser in das Erdendasein eingetragenen Substanz der kosmischen Liebe. Deshalb vereinigt der Pfingstgeist die beiden Grundlagen – er ist der Geist der durch die Liebe durchströmten Weisheit. Seitdem wurde dem Menschen die Möglichkeit eröffnet, die auch künftig bestehen wird, die unmittelbare Anwesenheit des makrokosmischen Christus durch den aus Ihm herausströmenden Heiligen Geist in sich zu erleben. Der Heilige Geist befruchtet die Menschenseele mit der universellen kosmischen Liebe und erlaubt dem wachen Ich-Bewusstsein die Wahrnehmung der höheren Welten, indem er den Menschen zum bewussten Zeugen und Mitarbeiter des Geistes macht.

Und wenn die Erlösung des menschlichen Ich für die Ewigkeit mit dem Mysterium von Golgatha möglich wurde, so kann durch Pfingsten das vom Heiligen Geist erfüllte Menschen-Ich künftig immer mehr dem Christus-Ich ähnlich werden. Aus diesem Grund hält Steiner nichts für einen besseren „Symbol der Durchdringung des Menschen-Ich vom Geist als der Bericht über das Pfingstwunder“. Dieses Wunder setzte den Anfang der neuen Zusammenwirkung im Menschen der Kräfte des Vaters, Sohnes und des Heiligen Geistes, welche jeder erlebt, der die sechste Einweihungsstufe erreicht hat – die innere Vereinigung mit dem Makrokosmos bis zum Reich des Vatergotts, unserer geistigen Urheimat, und zwar mit einem vollkommen aufbewahrten individuellen Ich-Bewusstsein auf allen Daseinsstufen.

In der altpersischen Einweihung hieß die sechste Einweihungsstufe  „der Sonnenheld“. Die damaligen Sonnenhelden gingen zu Christus auf die Sonne, nun stieg Christus zu den Jüngern an Pfingsten herab und sie erlebten die ganze Fülle des Sonnenlebens, was einer Erhebung zur Sonnensphäre glich, bei der man mit klarem Bewusstsein, im physischen Leib blieb. Man empfindet laut Steiner das Gefühl der „Auflösung in der ganzen Welt, der Verschmelzung mit ihr, aber ohne den Verlust des eigenen Wesens“, so wie das in den alten Zeiten geschah. Deshalb ist Pfingsten der Keim, das erhabene Urbild der neuen Einweihung.

Was erlebt heutzutage ein Mensch, der „vom Heiligen Geist überfüllt“ ist, also die sechste Einweihungsstufe erreicht hat? Zu Seinen nächsten Schülern sagte Christus: „Sehet hin auf das Leben der Erde. Es ist verwandt mit dem Leben des Kosmos. Insofern ihr schaut auf die Erde und den umliegenden Kosmos, ist es der Vater, der dieses Weltenall durchlebt. Der Vatergott ist der Gott des Raumes. Ich aber habe euch zu künden, daß ich von der Sonne gekommen bin, von der Zeit, von der Zeit, die den Menschen nur aufnimmt, wenn er stirbt. Ich habe euch mich selbst gebracht aus der Zeit heraus. Nehmet ihr mich auf, sagte der Christus, so nehmet ihr die Zeit auf und verfallt nicht dem Räume. Aber da müßt ihr auch den Übergang finden von der einen Dreiheit – dem Physischen, Ätherischen, Astralischen – zu der anderen Dreiheit: dem Ätherischen, Astralischen bis zu der Geistselbstigkeit. Die Geistselbstigkeit ist ebensowenig im Irdischen zu finden, wie das Physisch-Irdische im Kosmos zu finden ist. Aber ich bringe euch von ihm die Botschaft, denn ich bin aus der Sonne.

Ja, die Sonne hat einen dreifachen Aspekt. Lebt man innerhalb der Sonne und sieht von der Sonne auf die Erde, so hat man Physisches, Ätherisches, Astralisches zu sehen. Oder man schaut auf dasjenige, was in der Sonne selber ist, dann hat man fortwÄhrend zu sehen Geistselbstigkeit. Man sieht Physisches, wenn man sich an die Erde erinnert oder hinschaut auf sie. Schaut man weg, so blickt man nach der anderen Seite auf die Geistselbstigkeit. Man pendelt hin und her zwischen dem Physischen und der Geistselbstigkeit. Stabil bleibt dazwischen nur das Ätherische und das Astralische. Sieht man aber hinaus in das Weltenall, dann verschwindet das Irdische vollstÄndig. Ätherisches, Astralisches und Geistselbstigkeit ist da. Das wird Euer Anblick sein, wenn Ihr in die Sonnenzeit kommt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

Man stelle sich also vor, der Mensch kapsele sich ganz ein mit seiner Seelenverfassung in dem Erdenwesen: er kann das Göttliche empfinden, denn aus dem Göttlichen heraus ist er geboren. Ex deo nascimur.

Stellen wir uns vor, er kapsele sich nicht bloß innerhalb der Raumeswelt ein, sondern er nehme an den Christus, der aus der Zeitenwelt in die Raumeswelt hereingekommen ist und die Zeit selber in den Raum der Erde gebracht hat. Damit überwindet er im Tode den Tod. Ex deo nascimur. In Christo morimur.“[35]

Christus brachte ja die Botschaft: Wenn der Raum überwunden ist und der Mensch die Sonne als den Schöpfer des Raums erkennt, dann fühlt er durch Christus sich selbst in der Sonne anwesend, er fühlt sich in die lebendige Sonne hineinversetzt. Dann verschwindet das Physisch-Irdische, es existiert nur das (kosmische) Ätherische, Astralische. Das Ätherische lebt nun nicht als der taubenblaue Himmel, sondern als das klar rote Leuchten des Kosmos. Und in diesem Klarrot leuchten die Sterne nicht nur herunter, sondern sie berühren uns mit ihren Liebe ausstrahlenden Handlungen. Wenn man sich tatsächlich dorthin versetzt, kann man sich selbst als auf der Erde stehend, jedoch das Physische abgeworfen sehen; man kann die Anwesenheit des Ätherischen spüren, das einen mit seinen Strahlen durchströmt und als lilarot ausgestrahlt wird; man kann die Sterne nicht als leuchtende Punkte spüren, sondern als liebevolle Ausstrahlungen, die einer menschlichen Liebkosung ähneln.[36]

„Aber indem man dieses empfindet, das Göttliche in sich, das göttliche Weltenfeuer als das Wesen des Menschen aus ihm herausflammend, sich fühlend im ätherischen Weltenall, erlebend die Geistesäußerungen im astralischen Welten-Erstrahlen: dann bringt das hervor in dem Menschen das innere Erleben des Geist-Erstrahlenden, zu dem der Mensch berufen ist im Weltenall.“[37]

„Als diejenigen, denen Christus das verkündet hatte, genügend lange sich durchdrungen hatten von diesem Gedanken, da empfanden sie die Wirkung dieses Gedankens in den feurigen Zungen des Pfingstfestes. Da empfanden sie das Sterben durch das Abfallen und Abtropfen des Physischen der Erde. Da empfanden sie aber: das ist nicht der Tod, sondern für das Physische der Erde geht die Geistselbstigkeit des Universums auf: Per spiritum sanctum reviviscimus.“[38]

Ein solches Ergießen der Substanz des Geistselbst des Universums, die aus dem Raum jenseits der Sterne kommt, erlebt der Eingeweihte, dessen Bewusstsein in der Sonnensphäre erwacht ist. Diese von Liebe erfüllte Ausstrahlung des Heiligen Geistes als die Substanz des Geistselbst des Universums erlebte Johannes bei vollem Bewusstsein unter dem Kreuz und die Apostel erlebten es an Pfingsten. Über dieses Erlebnis, aber in einer abgewandelten Form sprach Steiner 1908 als über das „Ergießen des Welten-Ich auf die Jungfrau Sophia“, die wir oben erwähnten.
Der Rosenkreuzer-Spruch zeigt uns das wahre Wesen des esoterischen Weges der gegenwärtigen christlichen Mysterien. Die nathanische Seele ist der menschliche Träger dieser Sätze und Christus ist ihr kosmischer Träger. Wer, wenn nicht die nathanische Seele kann genannt werden „von Gott während der Schöpfung des ersten Menschen durch die Elohim geboren“. Die nathanische Seele bewahrte jene ursprünglichen göttlichen Kräfte in ihrer Reinheit auf, dank derer sie sich dreimal für Christus in der geistigen Welt und einmal auf der Erde bei der Jordantaufe aufopfern konnte. Wer, wenn nicht sie – das einzige Menschenwesen, das Christus in sich auf Erden aufgenommen hat und mit Ihm durch das Golgatha-Mysterium gegangen ist, kann „in Christo gestorben“ genannt werden? Wer, wenn nicht sie kann „im von Christus herausgehenden Heiligen Geist auferstanden“ genannt werden, als sie Paulus als die „leuchtende Hülle“ des Auferstandenen erschien?

Aber wie verbreitete sich der Christus-Impuls, das Christentum nach Pfingsten in die Welt? Die ersten Jünger und Apostel hatten immer noch Reste des alten instinktiven Hellsehens und deshalb wussten sie: Das Wesen, das früher nur auf der geistigen Sonne zu finden war, kann nun durch das richtige Verständnis der Geburt, des Lebens und der Leiden des Christus Jesus gefunden werden.

Das Christentum begann als die historische Erinnerung an Christus Jesus von ungebildeten Menschen verbreitet zu werden, die das nicht als ein geistiges Ereignis verstanden. Deshalb erschienen auch die ersten Kirchen, obwohl weder Christus noch der Heilige Geist dafür kamen. Die Kirche ist nicht „der Leib Christi“, auch die Organisation „Weiße Bruderschaft“ ist nicht der „Leib“ des Bodhisattva, wie manche Anhänger des Meisters behaupten. Den ersten Christen traten die vornehmen und hoch intellektuellen griechischen und römischen Zöglinge gegenüber, die ihre logischen Argumente darlegten, von denen viele auch heute gültig sind. Sie haben jedoch nicht den Christus-Impuls verstanden, der trotz allem seinen siegreichen Zug begann. Die einfachen Menschen gingen in alle Weltrichtungen und hatten eine starke und erschütternde Wirkung. In ihren Seelen pulsierte Christus selbst, der von einem Herzen auf das andere, von einer Seele auf die andere überging. Damals wurden nicht die christlichen Ideen, sondern das moralische Gefühl verbreitet, das das Christentum begleitet, aber hinter diesem moralischen Gefühl ging Christus selbst – obwohl die Menschen Ihn nicht verstanden.

Was stärkte die Jünger auf ihrem beschwerlichen Weg? Der Glaube, der nach den Ereignissen in Palästina herausging. Der Glaube ist eine besondere Form der allumfassenden kosmischen Substanz der Liebe, wie sie im menschlichen Astralleib manifestiert wird; sie ist jene innere Kraft, dank der der Christus-Impuls heute in die Menschenseele eindringen kann, erklärt Steiner. Der Glaube ist mit der unerschütterlichen inneren Überzeugung verbunden, die niemals der wahren Erkenntnis widerspricht. Die Erkenntnis ist nur die Grundlage des Glaubens. Glauben hat derjenige, der Christus in sich aufnimmt. Deshalb lebt Christus in ihm und sein Ich lebt nicht einfach als ein leeres Gefäß, sondern ist vom Inhalt überfüllt. Und dieser überfüllende Inhalt ist nichts anderes als die Liebe. Aber wenn die Menschheit tatsächlich den Glauben verliert, wird sie bereits in den nächsten Jahrzehnten sehen, was das für die Entwicklung bedeutet, warnte uns Steiner. Dann werden die Menschen infolge des Verlustes der Kräfte des Glaubens in einer solchen Lage sein, in der niemand mehr wissen wird, was er mit sich tun sollte, seinen Platz im Leben finden und niemand wird es in der Welt aushalten, da man ständig Angst, Besorgnis und Ängstlichkeit vor diesem oder jenem empfinden wird.

Die steigende Angst wird zu völliger Verzweiflung führen. Wie Steiner sagte, werden diese Kräfte der Verzweiflung in unserer Zeit beginnend, besonders in der sechsten und siebten Kulturepochen im Menschen in nicht nur als Kräfte erscheinen, die das Bewusstsein wie in der Zeit der Ereignisse in Palästina verlöschen, sondern auch ähnlich dem den Menschen allmählich erfassenden „geistigen Tod“, der bis zu den unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Änderungen des physischen Leibes wirkt. So werden wir uns auf die Endkatastrophe hin bewegen – den Krieg aller gegen alle. Nur das Mysterium von Golgatha, das sich dem Menschen als der große Trost, d.h. als die Hoffnung zeigt, wird ihn retten können.
Aber was ist bisher mit dem Glauben geschehen? Haben die heutigen Menschen denjenigen Glauben, mit dem die ersten Boten der Auferstehung zogen? Die Antwort lautet nein! Das Wissen über den „historischen“ Christus existierte bis zum vierten Jahrhundert und verschwand dann vollständig, denn das Christus-Ereignis sollte als ein geistiges Ereignis verstanden werden. Die Anstrengungen zahlreicher Scholastiker waren darauf gerichtet, aber mit der Zeit führte die lähmende Finsternis der Dogmen zum Verlust des lebendigen Christus und somit auch mehr oder weniger zur Rückkehr zu den Zeiten des Heidentums, als Er auf der Sonne gesucht wurde. Steiner weist uns auf die aufschlussreiche Tatsache hin, dass die Petrus-Kirche in Rom auf der Stelle gebaut wurde, auf der im Altertum ein Mithras-Tempel gestanden hat. Der heutige Kirchendienst in der katholischen Kirche unterscheidet sich nicht viel vom Mithras- und Attiskult.

Viele esoterische Strömungen haben in den vergangenen Jahrhunderten die Beziehung zum Christus-Impuls durch den Pfingstgeist gesucht – die Gralsmysterien, die Bogomilen, die Rosenkreuzer u.a. Aber äußerlich herrschte das exoterische Christentum vor, gegen das Martin Luther sich vor 500 Jahren mit dem Aufruf zur Rückkehr zum moralischen Impuls der ersten Christen erhob. Es entstand der Protestantismus mit seinen zahlreichen Zweigen, aber auch er ist dem Abklingen geweiht. So kam es zum 20. Jahrhundert, als nur Beinsa Douno und Rudolf Steiner „die Wahrheit bezeugten“. Und sie haben das auf eine bemerkenswerte Art gemacht! Der Pfingstgeist ist die höhere Synthese zwischen der Weisheit und der Liebe und als Geist der Wahrheit ist er direkt auf den Willen gerichtet. Heute will Christus nicht nur gedanklich und gefühlsmäßig angenommen werden, sondern auch zum Handlungsmotiv werden. „Das Werkzeug“ dazu ist der Geist der Wahrheit. Steiner ermunterte uns: “ So wie die ersten Bekenner – ein jeder – den Christus-Impuls aufgenommen haben, aufnehmen durften als die ihre eigenen Seelen inspirierenden feurigen Zungen, so könnt ihr Menschen alle, wenn ihr euch bemüht, den Christus-Impuls zu verstehen, die Kräfte individualisieren, den Christus-Impuls aufnehmen in eure Herzen, Kräfte aufnehmen, die euch wirken lassen im Sinne dieses Impulses immer vollkommener und vollkommener.“[39]

Der Heilige Geist spricht aus dem Menscheninneren und Christus wirkt durch ihn in dem Maße, in dem unser Denken, Gefühl und der Wille durch den Geist durchströmt, gereinigt und erfüllt sind. Der Meister Beinsa Douno sagt: „Ihr müsst eurem Leben eine neue Richtung aufgrund eures vernünftigen Herzens geben. Im vernünftigen Herzen wirkt der göttliche Geist“. [40]

An anderer Stelle sagt er: „Wenn die Gedanken und Wünsche des Menschen nicht durch Christus wie durch ein inneres Zentrum verlaufen, werden sie niemals in Erfüllung gehen. Egal, was man also macht, der Mensch muss unvermeidlich durch das Zentrum des Christus-Lebens gehen. Nur so werden seine Gedanken, Gefühle und Handlungen die richtige Richtung erhalten. Heute befinden sich alle vor diesem Zentrum und fürchten sich, da durchzugehen. Warum? – Weil dieses Zentrum erhitzt ist.“[41]

Der Meister und Rudolf Steiner haben sich geopfert, da sie der Wärme des Christus standgehalten haben, aber viele ihrer heutige Nachfolger wollen nichts von diesem „heißen“ Zentrum wissen. Wenn wir das Wort ‚heiß‘ hören, erscheint in unserem Bewusstsein sofort das Wort ‚Liebe‘. Es gibt vier Erscheinungsformen der Liebe im Menschen, erklärt der Meister. „Sie wirkt wie ein Streben im Herzen und bewegt sich zum Zentrum der Erde: das sind die Wurzeln der Liebe. Als ein Gefühl in der Seele bewegt sie sich zur Sonne – das sind ihre Zweige. Als eine Kraft im Verstand kommt sie nur bei den Genies und den Heiligen zum Vorschein, die sich für das Göttliche geopfert haben. Als ein Prinzip im Geist tritt sie jetzt in die Welt, damit wir die göttliche Frucht der Liebe probieren können. Und das ist der ganze Entwicklungszyklus vom Anfang bis zum Ende.“[42] Das ist eigentlich „der Baum des Lebens“. Dann sagte er auch: „Das Feuer der Liebe kommt jetzt in die Welt wie eine große Welle, um die Welt umzugestalten. Es wird alles schmelzen, das den hohen Schwingungen nicht standhalten kann, denn für diejenigen, die in Disharmonie mit ihr leben, gibt es keine schrecklichere Kraft als die Liebe.“[43]

Warum kommt dieses Feuer? Um den Weg für die Wahrheit vorzubereiten – „die erhabenste Gestalt der Liebe“, den höchsten Sinn des Pfingstgeistes, der nun in die Welt eintritt.“ Wir wollen uns an die Worte Beinsa Dounos erinnern: „Nun wird Gott zu den Menschen mit dem Geist der Wahrheit sprechen – dem höchsten Gipfel, der jemals gesehen werden wird.“[44] In den letzten 2000 Jahren haben wir die Liebe in ihren ersten drei Formen an den Tag gelegt – als Streben im Herzen, als Gefühl in der Seele und als Kraft des Verstandes. Aber nach und nach wurde sie durch die Religionen ersetzt, die uns von der Göttlichen Welt entfernten, aus der Christus kam und wo die Wahrheit nach Golgatha in ihrer hohen Schönheit leuchtet. Diese Wahrheit über Golgatha bringt uns der Pfingstgeist heute!

Wenn manche spirituell Suchenden sich an den alten indischen Büchern, an der Kabbala u.dgl. berauschen, so sollen sie wissen, dass diese Lehren zwar Weisheit sind, jedoch keine Wahrheit. Christus brachte die Liebe auf die Erde, und wenn die Liebe die Weisheit heiratet, wird die Wahrheit geboren. Die Wahrheit können wir erst heute manifestieren. Die Ersten, die das machten, waren Beinsa Douno und Rudolf Steiner und nun schauen sie zu uns mit dem inneren Lächeln der Wahrheit. Sie wurden frei, denn nur „die Wahrheit wird euch frei machen“, wie der Erlöser sagte. Bevor die Wirkung des Sohnes beginnen kann, so Steiner, musste in der hyperboräischen Zeit aus dem allgemeinen geistigen Prinzip ein Teil abgetrennt werden, abfallen und auf anderen Wegen wandern – das findet seinen Ausdruck im Drachen, im Symbol der Erkenntnis, im Prinzip Luzifers. Das war der Funke des Geistes, der den Menschen zum freien Wesen macht, das fähig ist, aus sich heraus das Gute zu wünschen. Der Geist, der an Pfingsten zum Menschen herabströmte, ist verwandt mit dem Geist, der herunterfiel und sich verkörperte – Prometheus, der jenen Funken entfachte, mit dem unser Ich beschließen konnte, dem Geist zu folgen, so wie er später dem Sohn und später dem Vater folgen wird. Der Mensch kann böse, bösartig werden, aber wegen dieser Möglichkeit kann er wieder zur Göttlichen Welt zurückkehren, aus der er herausgeht. Deshalb ist Pfingsten mit dem luziferischen Prinzip verbunden und ist das Fest des Prometheus, auch das Fest der Freiheit“. [45]

Diese Freiheit weist jegliche Rahmen zurück, und seien sie die Anthroposophische Gesellschaft oder die „Weiße Bruderschaft“. Der Meister Beinsa Douno erklärte unmissverständlich: „In der göttlichen Welt gibt es keine Religionen. Die Liebe steht über allen Religionen. Sie ist es, die die Religionen schafft, da sie sich sonst nicht auf der Erde manifestieren kann. Wenn ihr aber den Willen Gottes erfüllen wollt, dann müsst ihr unbedingt die Religion durch die Liebe ersetzen. Anderenfalls werden die süßen Säfte der Liebe durch die Wirkung besonderer astraler Fermente in eine besondere Weinsorte verwandelt, die die Menschen betäubt, so dass sie tausendfach Sünden und Verbrechen begehen“.[46]

Sollen wir an die Hippies erinnern, an die Nachfolger zahlreicher östlicher und westlicher „Lehrer“?! Beinsa Douno fährt fort: „Im Leben des Menschen gibt es nur zehn Möglichkeiten, mit der Liebe zu beginnen. Die restliche Zeit ist für Arbeit bestimmt. Ergreift der Mensch eine dieser Möglichkeiten, einen der Strahlen der Großen Sonne, die den ganzen Kosmos erhellt, wird alles Erhabene und Edle in seiner Seele aufblühen, Früchte ansetzen und reifen. Ihr müsst aber eine große Wahrheit nicht vergessen: Nur Gott liebt, da Gott Liebe ist. Damit Gott Seine Liebe zu dir auf Erden zeigt, muss Er jemanden als Leiter aussuchen und Sich dir durch ihn zeigen. Aber die Liebe im göttlichen Sinne ist eine vernünftige Begegnung zwischen zwei erhabenen Seelen, die auf gleicher Stufe im Hinblick auf den Verstand, das Herz und die Bestrebungen stehen – Seelen, die gleich edel sind, gleich geistig erhaben. Nur zwei solche Seelen können zur Verständigung kommen. Die Liebe zwischen ihnen ist wie Musik, die zwei wahre Virtuosen komponiert haben.“[47] Solche Seelen streifen die Wahrheit und bezeugen sie auf der Erde. Weiter sagt er: „Die Morgendämmerung des Lebens, das ist die Liebe, der Aufgang des Lebens – das ist die Wahrheit, der Mittag des Lebens – das ist die Wahrheit. Der Tag des Lebens ist angebrochen! Es setzt Früchte an! Steh auf, stell dich auf deine Beine und fühle, dass du mit allen Wesen der Erde und des Himmels verbunden bist. Geh im Leben auf! Blühe auf und setze Früchte an! Erreiche seinen Mittag! Reife! Und wenn du dich zum Mittag des Lebens erhebst, wirst du seinen erhabenen Sinn, seine schmackhafte Frucht kosten“.[48]

Wann war der günstigste Moment im 20. Jahrhundert, um diesen Weg zu besteigen? 1914 begann der Meister Beinsa Douno die erste Reihe seiner öffentlichen Vorträgen mit dem Vortrag „Da ist der Mensch“, um uns zu zeigen, wie wir werden sollen. 1922 eröffnete er seine Schule und 1939 sagte er: „Das Gesetz der Liebe wird ein Gesetz der Verständigung sein. Dieses Gesetz muss schon in diesem Jahr angewendet werden. Wird es nicht angewendet, werdet ihr bis 1999 warten und dann von neuem anfangen. Denkt daran, die Zukunft gehört den klugen, guten und starken Menschen. also denjenigen, in denen Christus als Weisheit, Liebe und Wahrheit zur Geltung kommt“.[49]

Warum erst 1999? Denn „das 20. Jahrhundert ist ein Jahrhundert zum Aussieben, ein Jahrhundert des Schicksals“[50], antwortete der Meister. Am Ende des 20. Jahrhunderts erlebten wir das letzte Aussieben – die Sonnenfinsternis, die das Bewusstsein vieler suchender Menschen verdunkelte und sie vom Christus-Weg entfernte. Sie verloren die Verbindung zu demjenigen, der zum Erlöser führt – dem Heiligen Geist. Das ist eine große Tragödie.

Wie wirkt heute der Heilige Geist, können wir Ihn trotzdem finden oder „sehen“? Um die Frage zu beantworten, müssen wir uns den drei Etappen der Vereinigung des Christus mit dem Erdendasein wenden, die mit den drei Festen Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten zusammenhängen. Als auf Golgatha das Kreuz errichtet wurde und das Blut aus den Wunden des Christus floss, wurde dort ein neues kosmisches Zentrum gebildet, lehrte uns Steiner.[51] Und das Bild des Todes wurde trügerisch, denn der Tod wurde zum Keim einer neuen Sonne im Weltenall. Das ist die erste Stufe. Die zweite Stufe besteht im Folgenden: Dadurch, dass die Erde mit einer neuen Kraft durchzogen wurde, dass das Fundament zu ihrer Verwandlung in eine Sonne gelegt hat, erschien die Möglichkeit, dass sich diese Kraft in den Ätherleib des Menschen ergießt. Diese Kraft ist das Christus-Licht, d.h. die Substanz der Liebe, die die Ätherleiber derjenigen durchströmt, die sich dem Christus-Impuls nähern und sie unsterblich macht. Der Anfang der Ausbildung des Ätherkreises um die Erde wurde gesetzt durch die Ätherleiber des Jesus (der nathanischen Seele), der salomonischen Maria, die von der Himmlischen Sophia durchzogen wurde, des Lazarus-Johannes, durch den die Individualität Johannes‘ des Täufers wirkte und des salomonischen Jesus. Hinzu kamen auch die Teile der Ätherleiber der zahlreichen christlichen Heiligen und Märtyrer. Die dritte Stufe ist mit dem Folgendem verbunden: So wie das Christus-Licht von der Erde ausgestrahlt wird, so haben wir eine Art Widerspiegelung des Christus-Lichtes in der Erdumgebung. Diese Widerspiegelung nennt Christus den Heiligen Geist.[52] Wir sehen, dass Steiner die Widerspiegelung selbst den Heiligen Geist nennt, obwohl an anderer Stelle steht, dass der Heilige Geist, d.h. die jenseits des Tierkreises kommende Substanz des Geistselbst des Universums in der Sphäre der Erde nur in dieser Widerspiegelung erscheint und nur durch sie wirkt. Eine solche Annäherung der Begriffe ist in diesem Fall völlig begründet, sofern die beschriebene Widerspiegelung astralische Natur hat, so wie die Substanz des Geistselbst des Universums. (Das Geistselbst ist der umgewandelte Astralleib). Eine ähnliche Annährung entdecken wir zwischen den Begriffen Heiliger Geist und Sophia, worauf vorhin eingegangen wurde. Sie wird verständlich, wenn wir bedenken, dass im esoterischen Christentum unter Sophia der gereinigte und vergeistigte Astralleib verstanden wird und unter dem Heiligen Geist – das diesen durchdringende Prinzip des Geistselbst.

Aus den Ausführungen wird deutlich, dass das Christus-Licht heute nur dem geistigen Sehvermögen als Astrallicht zugänglich ist. Rudolf Steiner hat uns jedoch den zukünftigen Weg: „Die Tat auf Golgatha durchzog die Erde mit astralischem Licht, das allmählich ätherisch werden wird, und danach auch physisch.“ Der erste Impuls zur Verwandlung unserer Erde in eine Sonne wurde damals gegeben, als auf Golgatha aus den Wunden des Erlösers das Blut floss. Die Erde begann zu leuchten, zuerst astralisch, also nur für den Hellseher sichtbar, aber künftig wird das Astrallicht physisch werden und die Erde wird zu einem Leuchtkörper, Sonnenkörper. Dieses in der heutigen Zeit nur astralisch wirkende Christus-Licht begann am Pfingsten vom Ätherkreis um die Erde gespiegelt zu werden. In dem Maß, in dem die ätherischen Körper, die diesen Kreis bilden, vom Christus-Impuls durchdrungen sind, hängt es ab, wie fähig sie sein werden, das in der Erdensphäre ausgestrahlten Christus-Licht zu reflektieren, also wie weit sie dem Heiligen Geist erlauben werden, in der Erdumgebung zu leben und zu wirken, indem Er die Menschen zum neuen imaginativen Erleben des Ätherischen Christus erweckt. Da Christus nach Ende des Kali-Yuga die Wirkung des Heiligen Geistes in der Menschheit deutlich erhöhte, wurde uns ermöglicht, bereits seit dem 20. Jahrhundert Christus ätherisch zu sehen. Der Heilige Geist ist es, der uns auf dieses Hauptereignis der nächsten 3000 Jahre vorbereitet. Wie sieht das reflektierte Christus-Licht aus, wie „sieht“ der Heilige Geist „aus“?

Vor ein paar Jahren hat eine Frau im Rilagebirge nach dem Sonnenuntergang Pferde fotografiert, die auf einer Wiese weideten. Hinterher hat sie mit großem Erstaunen festgestellt, dass genau in der Mitte weißes Licht in einem großen Strahl verläuft. Nachdem ein Fachmann konsultiert wurde, hat sich herausgestellt, dass die Kamera funktionierte und dieses Licht nicht an einem Fehler der Technik lag. Wir haben auch eine Kopie dieser Aufnahme erhalten. Doch erst am 01.05.2005 – dem Ostertag nach der orthodoxen Kirchenkalender – sind wir gewahr geworden, dass dieses Astrallicht, das auch für unsere physischen Augen sichtbar war, der Heilige Geist selbst ist, das astralische Christus-Licht selbst, das vom ätherischen Kreis um die Erde reflektiert wird. Das Licht ist weiß, weil es göttlich ist und es war im Rila sichtbar – dem Gebirge der Weisheit, da man in das Reich Gottes nur mit Weisheit hineinkommt. Es wurden Pferde fotografiert und das Pferd ist das Symbol des Verstandes, in dem wir zuerst frei werden und das Ich entwickeln können. Der Heilige Geist wirkt nur in einem entwickelten Ich und indem Er es erfüllt, macht Er die Mysterienworte „Nicht ich, sondern Christus in mir“ für den gegenwärtigen christlichen Eingeweihten zur Wahrheit. Ein solcher Mensch wird zum wahren Jünger Christi im okkulten Sinne, denn er hat persönlich ein Pfingsterlebnis gehabt, so wie Steiner es beschreibt und kann über sich die erhabenen Worte Christi sagen „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“!

 

[1] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Gott“

[2] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 25.10.1914 „Die Bedingungen für das ewige Leben“

[3] Ebd.

[4] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Liebe“

[5] Ebd.

[6] Ebd., „Weisheit“

[7] „Festvorträge“, Varna 28.08.1909 „Jahrestreffen der Kette“

[8] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Weisheit“

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 08.05.1927 „Hundert Groschen“; 30.01.1927 „Ein vollbrachtes Werk“

[12] Bojan Boev, „Gespräche am El Shaddai-Felsen“, „Christus“

[13] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Liebe“

[14] „Der Aufgang“, Bd.5 „Disharmonie in der Bruderschaft“

[15] Vgl. „Der Aufgang“, Bd. 4, „Der Weg der Wahrheit – die große Einweihung“

[16] Georgi Radev, Der Meister spricht“, „Wahrheit“

[17] Ebd.

[18] Ebd.

[19] Bulgarische Nationalhelden, Kämpfer für die Befreiung Bulgariens vom türkischen Joch.

[20] Ebd., „Freiheit“

[21] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 03.05.1914 „Die Erscheinung des Geistes“

[22] Ebd., Sofia 11.12.1927  „Für seine Freunde“

[23] Ebd., Sofia, 25.10.2014 „Die Bedingungen des ewigen Lebens“

[24] Vlad Paschov,  „Vorträge des Meisters“, 10.01.1932, „Die Geburt des Ich“

[25] „Festvorträge“,Veliko Tarnovo, 27.08.1922,  „Ich bin der wahre Weinstock“

[26] Vgl. GA 148, Vortrag vom 02.10.1913

[27] „Festvorträge“, Die sieben Seen, 11.08.1937,  „Weg und Möglichkeiten“

[28] Ebd., 18.08.1932, „Die drei Welten“

[29] Vgl. GA 97, Vortrag vom 02.12.1906

[30] GA 226, Vortrag vom 17.05.1923

[31] Vgl. GA 148, Vortrag vom 02.10.1913

[32] GA118, Vortrag vom 15.05.1910

[33] Ebd.

[34] „Festvorträge“, Sofia, 28.08.1938,  „Der ersehnte Frieden“

[35] Vgl. GA 236, Vortrag vom 04.06.1924

[36] Ebd.

[37] Ebd.

[38] Ebd.

[39] GA 118, Vortrag vom 15.05.1910

[40] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia,  02.04.1924, „Das vernünftige Herz“

[41] Ebd., 23.10.1929, „Das Zentrum des Lebens“

[42] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Liebe“

[43] Ebd.

[44] „Sonntagsvorträge“, 02.05.1926, „Die erlöste Seele“

[45] Vgl. GA 93, Vortrag vom 05.06.1905

[46] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Liebe“

[47] Ebd.

[48] Vlad Paschov, „Der historische Weg der Weißen Bruderschaft im Wandel der Jahrhunderte“, Bd. 5, „Das Matthäus-Evangelium – das Buch des Lebens“

[49] „Festvorträge“, Die sieben Seen, 06.08.1939, „Das Beständige im Leben“

[50] Bojan Boev, „Das Stimmen der menschlichen Seele“, Bd. 3, „An der Grenze zwischen zwei Kulturen“

[51] Vgl. GA 112, Vortrag vom 26.06.1909

[52] Ebd., Vortrag vom 06.07.1909

Der Vertreter

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 01.04.2007 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

„Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes… Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.…Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matth. 24: 27,30,35)

Sind die prophetischen Worte des Erlösers, die Er vor 2000 gesprochen hat, in Erfüllung gegangen? Warum wird Seine Zweite Wiederkunft vom exoterischen Christentum so unklar wahrgenommen, als wäre es ein Ereignis mit virtuellem Charakter, das man nur abzuwarten hat? Der Meister Beinsa Douno hat ganz klar erklärt: „Es gibt kein anderes Zeitalter in der Menschengeschichte, in dem Christus in dieser Art gearbeitet hat. Jetzt arbeitet Er am meisten. Vor einigen Jahrhunderten war Er oben, in den höchsten Schichten, nun ist Er tiefer herabgestiegen, in die Astral- und Ätherwelt, näher an die materielle Welt. Es werden zwei große Ereignisse stattfinden. Erstens wird die Inkorporierung des Christus-Geistes in den Menschen beginnen, zuerst natürlich in die vorbereiteten Seelen. Seine Hand wird den Verstand, das Herz, die Seele und den Geist des Menschen berühren und sie umwandeln. Zweitens werden die vorbereiteten Seelen in der gegenwärtigen Zeit die Fähigkeit erwerben,  Christus zu sehen. Sie werden in Kontakt zu Ihm treten. Nicht in der materiellen Welt, sondern durch das ätherische und astralische Hellsehen werden diese Menschen Kontakt zu Christus aufnehmen. Christus zu sehen ist etwas Grandioses…“[1] Weiter sagte der Meister: „Das Verständnis Seines inneren Lebens ist das wichtigste Mittel,  um sich mit Ihm zu verbinden. So kann man eine Beziehung zu Seinem Bewusstsein aufnehmen.“[2]

Welche sind die vorbereiteten Seelen? Ihnen gelten die Worte Beinsa Dounos: „Bald wird es eine einheitliche Religion für die ganze Menschheit auf der ganzen Erdkugel geben. Diese Religion wird das esoterische Christentum sein, das esoterische Christentum wird die Weltreligion sein.“[3] Auf diese Zukunft richten die erweckten Seelen ihren Blick und arbeiten entschieden durch die Synthese zwischen dem Bodhisattva-Impuls und der Anthroposophie, die sie im Namen. Christi vollziehen, an der Verwirklichung dieser Zukunft. Die Zahl der Menschen, die in der Lage sind, das Christentum zu verstehen, ohne den Weg durch die Geisteswissenschaft zu gehen, wird immer geringer, davor warnte schon Steiner[4]. Die Geisteserkenntnis geht als eine Verkündung der neuen Zeit keine Kompromisse mit anderen Anschauungen ein. Demjenigen, der Kompromisse anstrebt, gelten die strengen Worte, die Christus sprach: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach!“ (Math. 8:22). Die Toten – das sind die einzelnen Kulturen, die zum Materialismus neigen, in sie wurde bereits die Fähigkeit hineingelegt, sich selbst ins Grab zu bringen. Ist es notwendig zu erwähnen, dass in den vielen Impulsen, die aus dem Osten, Westen oder Russland kommen, schon seit langem der Materialismus eingedrungen ist? Daher sind sie heute völlig fruchtlos. Das gilt auch für die drei großen Zweige des exoterischen Christentums – Orthodoxie, Katholizismus und Protestantismus. Über die Folgen sagt Steiner: „Je mehr wir zeigen in gewissen Kreisen, daß wir die Wahrheit haben, desto schlimmer die Gegnerschaft, und je mehr sich diese Wahrheit als wirksam erweist, desto intensiver wird jene erscheinen“[5]. An anderer Stelle: „Derjenige, der die Dinge durchschauen kann, der sieht überall, wie die Logik der Gegner der Geisteswissenschaft im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine Entschuldigung der eigenen Seele über die Furcht, die man vor ihr hat.“[6]

Wo sind die Wurzeln dieser Angst, die die Seele empfindet? – Steiner antwortet: Das intensive Streben zur Erkenntnis vertieft das Seelenleben bis zu jenen Gebieten, wo der Hochmut lauert, die Selbstüberschätzung, die Anteilnahmslosigkeit anderen Menschen gegenüber usw. Wer wenig zur Erkenntnis strebt, tritt trotzdem in jenes Gebiet ein, doch in einem geringeren Maß. Dann wird ihm die Möglichkeit gegeben, in den Tiefen seiner Seele zu schlafen. Das bewegliche Leben der Erkenntnis beunruhigt seinen Schlaf. Ein solcher Mensch verzichtet auf das Vorhaben, in sich den wahren Menschen zu entwickeln. Es ist unwürdig für den Menschen – das Verständnis vor Angst vor den Charakterschwächen zu lähmen.

Laut Steiner muss man die Geisteswissenschaft so ernst nehmen, dass „sie wirklich den ganzen Menschen in seiner ganzen Seele ergreift.“[7] „Aber Anthroposophie ist erst dann in richtigem Sinn ver- standen, wenn sie nicht bloß mit dem Kopf aufgefaßt wird, sondern wenn sie uns in jeder ihrer Äußerungen Enthusiasmus gibt, wenn sie in uns so lebt, daß sie den Übergang findet von Nervensystem zu Blutsystem. Wenn wir uns erwärmen können für die Wahrheiten, die in der Anthroposophie enthalten sind, dann erst verstehen wir sie.“[8]

Als Folge entsteht in uns intensives, starkes und mutiges Denken und es kommt zu einem rechtmäßigen Kontakt zur Geisteswelt, damit wir zum Vermittler des göttlichen Willens werden und diesen auf dem Erdenplan verwirklichen.

Doch es gibt eine Gefahr, vor der Steiner warnt, indem er sagt, dass die Hauptfrage nicht darin bestehe, wie ich viel wissen kann, sondern wie ich ein vollkommener Mensch werden kann, wie ich mich meiner Bestimmung nähere.[9] Eine Handlung, die aus wahrer menschlicher Liebe erfolgt, ist wertvoller als alle Schätze des anthroposophischen Wissens, wenn sie fruchtlos bleiben.

Die Liebe ist nur in der Freiheit möglich und die Freiheit wird durch das Ich erreicht. Deshalb ist auch Beinsa Douno sicher, wenn er sagt: „Alle Menschen müssen das Ich, was der wahre Mensch ist, empfangen und in ihrem Inneren hervorbringen. Durch das Ich wird der Mensch gewahr, dass er Mensch ist. Und die große Wissenschaft kann nur demjenigen weitergegeben werden, in dem das Ich geboren wurde.“[10] Dieses Ich ist das höhere Ich oder das Geistselbst und es ist das Kriterium, nach dem bestimmt wird, ob jemand ein Schüler ist. Ihm gelten die Worte Steiners, dass wir alles, was uns die geistigen Welten als Gnade geben, als „Lehrgut entgegennehmen sollen“. „Das fordert unaufhaltsame Anstrengung, Studium, ein immer weiter Lernen, sich immer mehr in all das, was gegeben ist, zu vertiefen. Kein Opfer soll uns zu schwer sein; Anstrengung, Zeit, alles müssen wir daransetzen. Dazu aber sind nicht alle fähig. Es kann ein gewisses Gefühl der Trägheit entstehen, der Wunsch, nun endlich einmal nicht mehr lernen zu brauchen. Das ist verständlich. Aber gerade da können die luziferischen Mächte eingreifen. Die gebrauchen diese Trägheit in dem Menschen; sie bringen ihn dazu, aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus gar nicht mehr zu studieren und nur nach dem kommenden Weltenlehrer auszuschauen, der ja dann doch alles schenken werde. So wirken die luziferischen Mächte, die den guten Göttern entgegenarbeiten; aber so wird ganz gewiß kein Weltenlehrer kommen, um der Bequemlichkeit der Menschen zu frönen.[11] Der Kampf um geistige Werte muss den größeren Teil der Zeit im Leben ausmachen.

Der Weltenlehrer ist der von Christus gesandte Heilige Geist, der 2000 Jahre lang Seine Zweite Wiederkunft vorbereitete, indem Er durch viele Lehrer, Heilige, Märtyrer wirkte. Der Höhepunkt war im 20. Jahrhundert. Warum?

Von Anfang der michaelischen Zeit 1879 an und dem Ende des Kali-Yuga 1899 strömen in das menschliche Bewusstsein immer stärker zwei geistige Haupteinflüsse ein. Der erste ist die Kraft Michaels, die die neue menschliche Fähigkeit des reinen, logischen Denkens und des individuellen Erlebens der Freiheit garantiert. Der zweite ist die neue übersinnliche Wahrnehmung, die seit 1922 dem Menschen erlaubt, die Erscheinung Christi in der Ätherwelt wahrzunehmen. Nun wird sich die Strömung Michaels mit der Strömung Christi, die im 20. Jahrhundert jeweils durch die Anthroposophie und den Bodhisattva in Erscheinung traten, vereinigen und nur dann wird das Ich des heutigen Menschen als ein freies Selbst, als ein höheres Ich erlebt werden.

Das, was wir heutzutage als unser logisches Denken und unsere individuelle Freiheit erleben, wurde in den vorherigen Kulturepochen erst nach dem Tod erlebt, lehrte uns Steiner. Heute fließt das Übersinnliche allmählich in das normale, wache Bewusstsein der Menschheit in der physischen Welt ein. Von einem bestimmten Gesichtspunkt aus macht die ätherische Erscheinung Christi das Wesen dieses Prozesses aus. Beide Ereignisse sind eigentlich das gleiche Ereignis, welches von zwei unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet wird und welches das Symptom der wachsenden geistigen Reife der Menschenseele ist. Steiner empfiehlt uns, zu begreifen, dass wir künftig die wichtigsten Ereignisse nicht auf dem physischen Plan suchen werden, sondern jenseits dieses. Den Christus müssen wir bei Seiner Wiederkunft auch als eine Ätherform in der geistigen Welt suchen. Das bedeutet, dass die Menschen Ihn in Seinem übersinnlichen Reich, das ‚Shamballa‘ heißt, sehen und spüren werden, zu dem Er uns führt. Dieser Prozess wird in den nächsten 2500 Jahren fortbestehen und je klarer die Sehschärfe, die die Menschen erlangen, desto größer wird ihnen Christus erscheinen. Die Fähigkeiten, die nur bei einer Einweihung zu erreichen sind, werden in der Zukunft im Besitz der ganzen Menschheit werden. Dieser Seelenzustand, dieses Erlebnis der Seele heißt in der Esoterik ‚die Zweite Wiederkunft Christi‘. Er hat mit dem Shamballa-Verständnis des Orients, das uns heute angeboten wird, nichts zu tun. Wenn die Menschheit die Geisteswissenschaft nicht ausreichend erwirbt, um Christus durch die neuen Seelenfähigkeiten zu entdecken, Ihn zu erleben und verstehen und Ihn auf diese Weise zum konstruktiven geistigen und gesellschaftlichen Faktor der Erde zu machen, wird der Weg vor den Kräften des Bösen frei gemacht, die vorbereitet sind und auf ein solches Versäumnis warten. Das war die Warnung Steiners, die er schon 1910 ausgesprochen hatte.

Diese Wahl müssen die Menschen treffen, die auf dem Scheideweg stehen. Sie müssen entscheiden, ob sie in den Abgrund gehen, der als „ein Welten-Kamaloka noch unter dem Kali-Yuga liegt“[12], oder zum Erreichen desjenigen arbeiten, was ihnen erlauben wird, das Shamballa-Reich zu betreten. Vor der Zweiten Wiederkunft, so Steiner, muss alles, was mit dem Alten zusammenhängt, auf die Null zurückgeführt werden. „Der Mensch muß finden seine volle Freiheit aus der Nullität heraus.“ [13] Die neue Erkenntnis muss gerade aus diesem Nichts geboren werden. Die Menschenwesen müssen ihre volle Freiheit finden, indem sie bei Null anfangen.

Was bedeutet es, bei Null anzufangen? Irgendwann muss jeder von uns, wenn er sich in einer komplizierten Situation befindet, jenen ausweglosen Seelenzustand erreichen, in dem er bis zu den Tiefen seiner Seele begreift, dass die heutige Zivilisation ihm absolut kein äußeres Mittel zum Meistern der gegebenen Situation bieten kann. Dann tritt jener vollständige Verzicht auf diese Zivilisation ein, d.h. es kommt die Null auf, von der aus der Mensch seinen Weg zum Erlöser und Seinem Shamballa-Reich beginnt, damit dieses Reich durch ihn Wurzeln in dieser Welt schlagen kann.  Der Mensch ist in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt!

Der Verzicht bzw. das Zurückbringen auf die Null ist für Steiner „die tiefe innere Trennung der Seele“, weswegen auch das neue Erleben Christi möglich wird. Das wird die größte Disharmonie beenden, die jemals in der Erdenexistenz entstanden ist – die Disharmonie zwischen dem Selbstgefühl des Menschen als irdisches Wesen und seinem Wissen, dass er ein überirdisches, kosmisches Wesen ist. Die Verwirklichung dieses Strebens wird den Menschen darauf vorbereiten, das Christus-Wesen wiederzuerkennen, das sich ihm aus den grauen geistigen Tiefen offenbart und zu ihm geistig spricht, so wie es in der Zeit des Mysteriums von Golgatha physisch gesprochen hat. Christus wird nicht im Geist kommen, wenn die Menschen nicht auf Ihn vorbereitet sind. Sie können vorbereitet sein, wenn sie den beschriebenen Widerspruch spüren, die Spaltung, die schwer auf ihnen liegt und wegen der sie spüren: „Ich muss auf mich wie auf ein Erdenwesen sehen, aber ich bin kein Erdenwesen“. Wie uns Steiner warnte, ist die Menschheit nun eine paradoxe Art zu einem neuen Erlebnis des Mysteriums von Golgatha in der fünften Kulturepoche durch die Kräfte des Bösen geführt worden: “Durch das Erleben des Bösen wird Christus wieder die Möglichkeit gegeben, wiederzuerscheinen – genau wie Er in der vierten nachatlantischen Zeit durch das Erleben des Todes erschienen war.“[14]

In der letzten Woche seiner Vortragstätigkeit hat Steiner die Apokalypse vorausgesagt: „Ehe denn der ätherische Christus von den Menschen in der richtigen Weise erfaßt werden kann, muß die Menschheit erst fertig werden mit der Begegnung des Tieres, das 1933 aufsteigt.“ [15]

Im Jahr 2007 lässt sich feststellen, dass die Menschen weder die Stimme Steiners noch die Stimme Beinsa Dounos gehört haben, der nicht aus dem Shamballa-Reich, sondern aus der Bodhisattva-Loge herunterstieg, um uns auf die ätherische Begegnung mit Christus durch einen starken Impuls zu unserem Ich vorzubereiten. Und dann kam „die Geißel Gottes“, d.h. das Tier aus dem Abgrund, in den Gebrauch. Was auf dem äußeren Plan folgte, ist uns allen bekannt. Was steht aber hinter den Kulissen der äußeren Geschichte, ist eine ganz andere Frage, worauf wir später eingehen werden, um die heutige Zeit zu verstehen und prophetisch in die Zukunft zu schauen. Nun werden wir versuchen, auf die Frage zu antworten, warum wir nicht für die Begegnung mit dem ätherischen Christus bereit waren und – was viel wichtiger ist -, wie wir uns heute auf diese Begegnung vorbereiten sollen.

Im Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ weist uns Rudolf Steiner darauf hin, dass zur völlig bewussten Eindringung in die Geisteswelt und konkreter zur tatsächlichen Orientierung dort nicht nur die Öffnung der höheren Sinnesorgane im Astralleib (die Lotusblüten), sondern auch die Beherrschung bestimmter Prozesse im dichteren Ätherleib notwendig ist. Letzteres ist nur durch die Ausbildung eines Zentrums für die Hauptströme des Ätherleibes in der Gegend des physischen Herzens möglich. Nicht zufällig sagte Steiner, dass die Anthroposophie im menschlichen Herzen ruht. Nur muss dieses Menschenherz sich selbst richtig entdecken. Über die Anthroposophie kann man sagen, dass sie nur auf der Grundlage der Brüderlichkeit wächst, sie kann nicht anders als in der Brüderlichkeit erwachsen, wenn der einzelne Mensch den anderen das gibt, was er hat und kann. Ein solches Modell der Brüderlichkeit hat der Vater der Anthroposophie versucht aufzubauen, indem er sich aufopferte. Ob dies gelungen ist, kann jeder für sich beantworten.

Ein noch stärker herausragendes Beispiel der Brüderlichkeit sehen wir beim Meister Beinsa Douno, der die Schule „Izgreva“ (‚der Aufgang‘) als eine konkrete Bruderschaft gegründet hat. Welches das Schicksal die Schule nach der Machtergreifung der Kommunisten 1944 hatte, weiß jeder. Die Teilnehmer am Izgreva und die späteren Nachfolger des Meisters lebten eher in seinem Schatten, als in seinem Licht. Nicht begreifen konnten sie folgende Worte: „Jede Arbeit oder jedes Unterfangen der Welt soll nicht auf einem unsicheren, sondern auf einem gesunden Fundament gegründet sein. Unter „gesundem Fundament“ verstehe ich ein Fundament, das unveränderlich unter allen Bedingungen bleibt. Das ist ein lebendiges Fundament. Das wahre Fundament nennen wir „das vernünftige Menschenherz“. In diesem vernünftigen Herzen wirkt der Göttliche Geist. Und wenn wir auf diese innere Stimme hören, unterscheiden sich unsere Überlegungen von den gewöhnlichen Überlegungen. Wenn du ein vernünftiges Herz hat, kann Christus kommen und da drin leben.[16]

Wie entsteht das Zentrum für die Hauptströme des Ätherleibes in der Gegend des physischen Herzens, das den Ausbau des vernünftigen Herzens ermöglicht? Der Prozess verläuft in drei Etappen. Zuerst muss mithilfe bestimmter geistiger Übungen ein Vorzentrum der Ströme des Ätherleibes in der Gegend der zweiblättrigen Lotusblüte zwischen den Augen ausgebaut werden. [17] Man entwickelt nach und nach ein Denken, das unabhängig von Sinneseindrücken  und – Erlebnissen ist, sondern sich auf einen Punkt konzentriert, der unter der vollen Kontrolle des Menschen ist. Nach der Ausbildung muss dieses Zentrum mithilfe der nächsten Übungen in die Kehlkopfgegend verschoben werden, neben die sechzehnblättrige Lotosblüte. Der Schüler erwirbt die Fähigkeit, „selbständig die Lage seines Ätherleibes zu bestimmen“ sowie manche seiner Ströme und Bewegungen zu steuern, die nunmehr ähnlich ätherischen Lichtstrahlen aus der Kehlkopfgegend ausgehen und den Seelenraum um den Menschen herum erleuchten. Es entsteht auch eine „netzartige Hülle“ um den ganzen Ätherleib, die ihn von der äußeren Ätherwelt abgrenzt. Aus einer irgendwie formlosen Bildung gewinnt der Ätherleib eine streng gegliederte, in sich geschlossene „äußere“ Gestalt. Der Mensch beginnt, Imaginationen zu erleben, die seinen Ätherleib nähren und stärken.

Auf der dritten Stufe wird das Vorzentrum in die Herzgegend übertragen, in die Gegend der zwölfblättrigen Lotusblüte und man beginnt, „das innere Wort“ wahrzunehmen. Da tritt man endgültig in die Geisteswelt ein und kann glaubwürdig über die eigenen Sinneserlebnisse urteilen und in das Geheimnis der geistigen Beziehung der höheren Welten zu unserer Sinneswelt eindringen. Letzteres ist die notwendige Bedingung zum rechtmäßigen Durchleben der heutigen Einweihung.

Vier Seeleneigenschaften[18] muss der geistige Schüler in sich ausbilden, um zu den höheren Erkenntnissen aufzusteigen:

  1. Die Fähigkeit, in den Gedankendie Wahrheit von der gewöhnlichen Meinung zu unterscheiden. Durch diese Eigenschaft entsteht das besagte Zentrum im Kopf und es wird das Zentrum im Kehlkopf vorbereitet.
  2. Danach ist die zweite Eigenschaft zu entwickeln, die in der richtigen Einschätzung des Wahren und Tatsächlichen gegenüber der äußerlichen Erscheinung besteht. Es ist notwendig, dass das Herz sich auf das Wertvolle, Positive richtet und dass wir dies mehr wertschätzen als das Vergängliche, Unbedeutende. Auf diese Weise wird das besagte Zentrum in die Kehlkopfgegend übertragen, was die oben erwähnten Folgen für den Menschen hat.
  3. Die dritte Eigenschaft besteht in der intensiven Entwicklung der sechs Tugenden „Gedankenkontrolle, Handlungskontrolle, Beständigkeit, Geduld, Vertrauen und inneres Gleichgewicht“, die die zwölfblättrige Lotusblüte entwickeln und dazu beitragen, dass das Vorzentrum sich in die Herzgegend bewegt.
  4. Die endgültige Reifung des Ätherorgans in der Herzgegend wird durch die vierte Eigenschaft erreicht – Liebe zur inneren Freiheit oder das Streben nach Befreiung. Sie schließt sich als die siebte Tugend an, die die ersten sechs zu einer höheren Einheit führt.

Wenn wir bedenken, dass die sechs Tugenden die zwölfblättrige Lotusblüte entwickeln sollen, wird die abschließende siebte Tugend bzw. die vierte Eigenschaft die dreizehnte im Kreis der Zwölf sein – genau wie Christus im Kreis der zwölf Bodhisattvas steht. Über die vierte Eigenschaft sagt Steiner: „Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zusammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwinden. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung.“[19]

Wenn diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit wird, befreit man sich von allem, was einzig mit den individuellen Fähigkeiten zusammenhängt. Der Mensch hört auf, die Sachen von seinem eigenen Standpunkt aus zu betrachten. Die Grenzen seines begrenzten (irdischen) Ich, die ihn an diesen Standpunkt gebunden haben, verschwinden. Die Geheimnisse der Geisteswelt bekommen Zugang zu seinem inneren Wesen und das ist die Befreiung. Und gerade das vernünftige, denkende Ätherherz ist das Organ zur rechtmäßigen Verbindung zur geistigen Welt. Wo befindet es sich und wie wird es sich künftig entwickeln?

Jeder Mensch hat ein ihm uranfänglich von den Göttern geschenktes Ätherherz, das unser physisches Herz „umhüllt“, d.h. es befindet sich im Menschenleib. Vom Jahr 1721 an begann seine allmähliche Trennung vom physischen Herzen. Bei der wahrhaftigen geistigen Schulung vergrößert sich der Ätherleib, insbesondere seine Kopfteile. In der Folge entsteht außerhalb des physischen Leibes ein weiteres Ätherherz, das sich über dem Kopf befindet – genauer genommen über dem Nackenteil. Im geistigen Sinne ist das der erste Schritt auf dem Weg der allmählichen Umkehrung (mit dem Inneren heraus) des ursprünglich von den Göttern geschenkten Ätherherzen, d.h. das Zentralorgan bildet ein neues Wahrnehmungsorgan, das in der Peripherie liegt. Auf einer höheren Stufe wiederholt sich dieser Prozess beim Erreichen der abschließenden Entwicklungsstufe der Sonne als Fixstern und Zentrum des Sonnensystems. Dann wird es eine Reihe geistige Metamorphosen erfahren und in einer völlig umwandelten Form entstehen, aber nun in der Peripherie, als ein neuer Kreis des Tierkreises. Die geistigen Kräfte unseres Ätherherzens ziehen sich allmählich zu einem einheitlichen Zentrum zusammen und „verschwinden“ in ihm, wobei sie an der Peripherie des Ätherleibes auftauchen – zuerst in einem Punkt von ihm über dem Nacken, später erfassen sie den ganzen Ätherleib. Deshalb spricht Rudolfs Steiner über ein peripheres ätherisches Blutsystem, ähnlich dem physischen Leib, der ein Blutsystem mit einem Zentrum im physischen Herzen besitzt. Das neue Ätherherz in der Peripherie ist jenes Organ der geistigen Wahrnehmung, das Beinsa Douno ‚vernünftiges‘ Herz und Steiner – ‚denkendes Herz‘ nennt. Dieses Herz ist wie eine „Sonne“ für den ganzen Ätherleib. Die Sonne wird irgendwann zu einem neuen makrokosmischen Kreis des Tierkreises und das vernünftige Herz wird auch gewissermaßen zu einem mikrokosmischen Kreis des Tierkreises im Menschen, indem es den ganzen Ätherleib erfasst. Dieser Prozess wird erst am Ende der Erdenentwicklung zu Ende sein und dann werden wir in jedem Moment im vollen Bewusstsein durch dieses zwölfgliedrige (geistige) Organ Inspirationen aus den zwölf Gebieten des Tierkreises empfangen und dadurch in Verbindung mit dem ganzen Makrokosmos sein – an erster Stelle jedoch mit dem Vertreter aller seiner Kräfte auf Erden – dem Christus-Wesen. Das Endziel der Schulung ist unsere Verwandlung in die zehnte Hierarchie der Freiheit und Liebe, was nur möglich ist, wenn wir uns jenseits des Tierkreises bis zur Loge der zwölf Bodhisattvas um Christus erheben, der dieses hohe Ideal verkörpert. Der Leitstern auf dem Weg dorthin ist die vierte Eigenschaft – die Liebe zur inneren Freiheit, die mit der sechsten Kulturepoche zusammenhängt. Diese Eigenschaft hängt auch mit dem Bedürfnis nach einem Gleichgewicht zwischen den Kräften Luzifers und Ahrimans im Menschen zusammen, die als Zwang von innen und außen auf ihn wirken. Und dieses innere Gleichgewicht wird eine sehr wichtige Voraussetzung für die Grundeigenschaft der siebten Kulturepoche sein, mit der wir den Krieg aller gegen alle überleben werden. Über diese Eigenschaft sagte Steiner, dass derjenige sie besitzt, der in allem, was er tut, die Unterstützung und den Grund in sich selbst findet. Deshalb war Steiner so besorgt, als er die Zuhörer bat, sich nicht auf die Autorität zu verlassen: „Ich bitte Sie, sich abzugewöhnen das Autoritätsprinzip; denn von Übel würde das Autoritätsprinzip für uns werden.“ Steiner riet auch, unvoreingenommen und ehrlich zu denken und das Gehörte zu prüfen: „… wenn Sie anfangen, nachzudenken mit unbefangenem Wahrheitssinn, wenn Sie sagen: Das wird uns gesagt; prüfen wir die uns zugänglichen Urkunden, die Religions- und mythologischen Dokumente, prüfen wir, was uns sagt jegliche Naturwissenschaft, — so werden Sie die Richtigkeit des Gesagten einsehen.[20]

Der Hauptverfechter unserer Freiheit ist jetzt Michael, dessen Weg in den gegenwärtigen Zeit von der Erleuchtung in unserem Kopf durch die Vergeistigung unseres Denkens beginnt, zur Vergeistigung unseres Wortes und dann zur unmittelbaren Eintragung seiner Kraft in das menschliche Herz, damit wir den Weg zum Logos finden, der auf der Erde unter den Menschen lebte. So findet Michaels Weg seine Fortsetzung im Weg Christi.

Doch die Menschen, die Anfang des 20. Jahrhunderts lebten, waren darauf nicht vorbereitet und das Tier aus dem Abgrund ist in Erscheinung getreten. Welche geistigen Ereignisse haben diesen Prozess begleitet? Für die Antwort werden wir uns sowohl an die Geisteswissenschaft wenden als auch auf die von Jesaiah ben-Aharon erlebte und bewusst gemachte Erfahrung stützen, damit wir die nahe Vergangenheit beleuchten, die Gegenwart verstehen und in die Zukunft hineinschauen können.

In ihrem Lauf zeigt uns die irdische Zeit nur aufeinanderfolgende, partielle und isolierte Aspekte des unveränderlich Ganzheitlichen in den Äther-, Astral- und Geisteswelt. Dieses Ganzheitliche kann aber nur durch die Intuition begriffen werden, die „das hohe Denken des geistigen Selbst ist“. Mit solchem Denken, was rein geistige Tätigkeit ist, lebt man bereits in der geistigen Welt, selbst vor den ersten imaginativen Erfahrungen. Man kann auch gemeinsam mit den aktiven formenden geistigen Kräften in der historischen Zeitperiode schaffend wirken, in die man mit seinem Verständnis eindringen will, unabhängig davon, ob es um die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft handelt. Es ist aus der Anthroposophie bekannt, dass die Vergangenheit und die Zukunft nichts anderes sind als die beiden Seiten eines vereinten zeitlosen Ganzen. Die Struktur dieses Ganzen hat ihre eigenen einmaligen  Kausalbeziehungen zu der irdischen Zeitmessung und sie verhält sich zu ihnen in einer völlig anderen Art als die linearen kausalen logischen Schemata des Intellekts. Der Intellekt wartet passiv den Gang der Ereignisse ab und sammelt, analysiert und summiert dann fleißig partielle, isolierte Informationsstücke, um feine und ausgefertigte Begriffskonstruktionen zu bauen, die ein abstraktes Schema zeitlicher Wechselbeziehungen darstellen. Wie naiv klingt die Regel der heutigen Geschichtswissenschaft „Gibt es ein Dokument, so gibt es Geschichte, gibt es kein Dokument, dann gibt es keine Geschichte“! Naiv ist auch das Herumstöbern der Archäologen in Mysterienzentren, um rein geistige Tatsachen aus irgendwelchen physischen Funden zu verstehen. Selbstverständlich ist der Intellekt in der physischen Welt nützlich, doch beim Eindringen in die tieferen Stufen der historischen Umbrüche ist er völlig hilflos und führt zu Irrtümern. Die Vergangenheit bleibt auch heute ein Rätsel für die Wissenschaftler, deren Hilflosigkeit man sieht, wenn sie der lebendigen, doch unbekannten Zukunft gegenüber stehen. Sie verstehen nämlich die motivierenden und formenden Kräfte nicht, die in ihrer Gesamtheit die Geschichte ausmachen.

Bei ihrem Wegzug aus Varna sagte eine Anthroposophin: „Wir werden sehen, wie lange die These, dass Beinsa Douno der Bodhisattva ist, der Prüfung standhalten wird!“ Mit diesem Herangehen bleibt man außerhalb der Ereignisse des heutigen und morgigen Tages. Für einen Teil der Juden ist Christus heute noch ein Räuber, der verdienterweise gekreuzigt wurde. Natürlich gibt es wie  in anderen Sphären der Forschung auch einen fruchtbaren Mittelweg zwischen dem intellektuellen, am Gehirn gebundenen Denken und der geistigen Wahrnehmung. Rudolf Steiner hat die Methode der „historischen Symptomatologie“ erarbeitet, die ein phänomenologisches Herangehen Goethescher Art an das Studium der Geschichte auf der physischen Ebene darstellt. Diese Methode bereitet die Grundlage für die Ergebnisse der imaginativen Wahrnehmung vor und sie lässt sich in voller Harmonie mit ihnen vereinbaren. Wir brauchen diese Methode, um die lebendige, wirksame Ewigkeit zu verstehen, die die irdische Zeit durch das Golgatha-Mysterium befruchtet hat. „Christus hat der Menschheit die Zeit zurückgegeben“, so Steiner. Die Christus-Kraft erlaubt, dass alles im Schoß der Zeit reift. „Reifen wird für uns aus dem Schoße des Vergänglichen, wenn wir innerhalb dieses Vergänglichen das Christus-Prinzip erfassen, das Unvergängliche, das Ewige, das Unsterbliche. Aus dem Zeitenschoße wird das Überzeitliche für uns Menschen geboren.“[21]

Beinsa Douno sagte es in einer anderen Art: „Jedes Werk, das im Namen Christi vollbracht wird, ist eine Blüte, die ansetzt und Früchte trägt.“ Außerhalb dieser Ansicht scheitert alles und ist dem Tod geweiht, da Christus vorbereitet wurde und danach in den 33 Jahren Seines Werks und Opfers die menschliche Natur vollkommen verwandelt hat. Er hat den Samen der Auferstehung in das Herz der Zeit eingesät und dieser Samen hat rhythmisch gearbeitet und zyklisch alle 33 Jahre getrieben, indem er im Lauf der Zeit das wahre Christus-Wesen jeder menschlichen Tätigkeit zutage fördert. Steiner hat uns etwas äußerst Wichtiges erschlossen:

„… alle Dinge im geschichtlichen Werden erstehen nach dreiunddreißig Jahren in verwandelter Gestalt aus dem Grabe, durch eine Gewalt, die zusammenhängt mit dem Heiligsten und Erlösendsten, das die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha bekommen hat.“[22] Seit dem Ende des Kali-Yuga bestimmt der Samen der Auferstehung im Herzen der Zeit besonders mächtig den Kurs der Geschichte im vergangenen 20. und gegenwärtigen 21. Jahrhundert.

Aus der Anthroposophie wissen wir, dass Ende des 19. Jahrhunderts das Zweite Golgatha-Mysterium für Christus stattgefunden hat, als Er in Seinem Inneren die materialistischen Gedanken der Menschenwesen verarbeitet hat, die durch die Pforte des Todes gegangen waren. Aus diesem manichäischen Opfer entstand „das Christus-Bewusstsein“ der Menschen im 20. und in den nächsten Jahrhunderten.

Doch Jesaiah ben-Aharon, der Anthroposoph aus Israel, lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die besonders wichtige Periode 1933-1944. In dieser 12jährigen Periode fand die Fortsetzung des Zweiten Golgatha statt, als Christus auch das menschliche uranfänglich böse Wesen verarbeitet hat. Aus diesem Opfer wird künftig in den Menschen eine noch höhere Kraft entwickelt – der moralische Mut und die aufopfernde Liebe, die fähig sind, das Böse in das höchste Gut umzuwandeln. Über den wahren Anthroposophen meinte Steiner, dass es eher eine Sache des Mutes als der Intellektualität ist, ein Geisteswissenschaftler zu sein. „Es ist im Grunde genommen etwas Moralisches, weil es auch einem Moralischen, nämlich dem moralischen Sündenfall entgegengesetzt werden muß.“[23]

Das Geschehene von 1933-1944 nennt ben-Aharon „das geistige Ereignis des 20. Jahrhunderts“[24]und unterteilt es in drei Stufen. Diese sind keine nacheinander folgenden Ereignisse in der irdischen Zeit, sondern sie bilden ein in sich geschlossenes lebendiges und als eine Einheit atmendes Ereignis. Wir wollen unter diesem Vorbehalt das Geschehene erörtern und eine Brücke zu unserer Zeit schlagen. Das Ereignis unterteilt sich in drei Stufen:

  1. Offenbarung
  2. Die große Manifestation
  3. Die Geburt der Erdensonne

Seit 2000 Jahren wirkt die Sonnenkraft Christi im Herzen der Menschheit und der Erde, damit der Erlöser zusammen mit den Ihm treuen Menschenseelen und vom neuen michaelischen Impuls unterstützt, das ätherische Shamballa aufbauen kann. Das ätherische Shamballa ist ein neues, aus der Erde selbst keimendes Erden-Sonnen-Reich. Das Reich, „das nicht von dieser Welt ist“, konnte tiefe Wurzeln in dieser Welt schlagen, denn ein Teil der Substanz des wahren Shamballa ist menschlicher Herkunft.

Dadurch begann das Menschengeschlecht zum ersten Mal zum schöpferischen Faktor in der kosmischen und planetarischen Evolution zu werden, auf den sich die Götter selbst in ihren zukünftigen Plänen stützen können. Das ist ein Riesenumbruch im Leben der Seelen, den nur die treuen Diener Michaels – die Michaeliten – wahrhaftig verstanden und mit einem erleuchteten geistigen Blick aktiv an der Offenbarung Christi teilgenommen haben. Diese Offenbarung ist die Zweite Wiederkunft Christi, die im 20. Jahrhundert begonnen hat und sie stellt Sein ätherisches Erscheinen in Shamballa dar. Immer mehr Seelen werden sich in den nächsten 2500 Jahren zu diesem Shamballa erheben, um von dort Leben für die ganze zukünftige Erdenevolution zu schöpfen. Wir können sagen, dass derjenige, der Christus erlaubt, ihn zu erfüllen, sich immer tiefer durchchristen lässt, nicht nur mit seinem vergeistigten Ätherleib das Shamballa errichtet. Für ihn wird Shamballa zum Durchgang zu den höheren Bewusstseinsstufen. Man kann auch bis zur großen Loge der zwölf Bodhisattvas hinaufreichen, die Christus als das Ich des Kosmos kontemplieren. Steiner ist sich sicher, dass nicht die Bodhisattvas zu den Menschen heruntersteigen, sondern die Menschen sich zu dieser hohen Sphäre hinaufentwickeln sollen. Durch unser gemeinsames Schöpfertum mit den Göttern erschaffen wir nicht nur das Shamballa, sondern bilden immer mehr die Hüllen des Christus selbst, der in sie später genau wie das Ich des makrokosmischen Menschen eintreten wird. Das menschliche Schöpfertum und das Leben Christi sind miteinander verflochten wie nie zuvor, damit wir die wunderbarste schöpferische Frucht der Welt – die göttliche Liebe – hervorbringen können, die bewusst durch den Menschen gegangen ist und von ihm ausgestrahlt wurde.

Es entstand jedoch ein großes Problem. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Menschheit, die Schwelle der geistigen Welt zu passieren und das war ein natürlicher Prozess infolge der allmählichen Abtrennung des Ätherleibes von dem physischen Leib. Die Menschheit durchlief als ein kollektiver Eingeweihter die Schwelle, doch das geschah unbewusst, ohne die Begegnung mit dem Kleinen Hüter der Schwelle, der nicht wiedererkannt wurde, damit die Menschen das höhere Selbst mit ihm vereinigen und ihn weiter transformieren. Der Prozess sollte vor Mitte des 20. Jahrhundert abgeschlossen werden, damit die Einweihung in der rechten Art verläuft und wir die geistige Welt mit klarem Bewusstsein betreten können. Weil das nicht geschah, führt der unbewusste Durchgang der Schwelle nach dem okkulten Gesetz immer zur Selbstvernichtung.

Die zweite Stufe des Ereignisses des 20. Jahrhunderts  ist die große Manifestation  und sie widerspiegelt eigentlich den tatsächlichen Zustand der Menschheit jenseits der Schwelle, der von der uns nächsten geistigen Welt beobachtet wird. Von dort erlebt man einen tragischen Anblick, den eine nicht rechtmäßige Einweihung verursacht hat. Einerseits wird der Schüler vom Kleinen Hüter der Schwelle in die okkulte Gefangenschaft genommen und erlebt neben allen begleitenden Irrtümern auch angsterfüllt die Annährung des sonst liebenden, heilenden Großen Hüters – Christus selbst. Der Mensch hält Christus für seinen größten Feind und widersetzt sich Ihm aus aller Kraft, was zur vollen Selbstvernichtung führt. Nachdem die erhabene Offenbarung Christi infolge der Trennung der Menschheit und der Erde in zwei Selbst geteilt wurde, hätte uns eine allgemeine Weltkatastrophe erwartet, wenn die Entwicklung in den zwölf Jahren der Zeitspanne 1933-1944 auf diesem Stand geblieben wäre. Oben lief die Offenbarung und unten erschien an die Stelle der lebendigen und beseelten Erde ein Riesenmonster. Diese Trennung erlebten die Michaeliten, die den „Michaelmenschen“ ähnlich Christus als eine Ganzheit bildeten. Sie erlebten sie als die tiefste Spaltung des eigenen innigsten Wesens. Nie vorher war es möglich, dass vollkommen individualisierte Menschenwesen eine solche kosmische, irdische und allgemeinmenschliche Spaltung erleben. Das neue menschliche Erden-Sonnen-Wesen wurde gespaltet. Die Offenbarung wurde als Spaltung erlebt. Besonders dramatisch haben sich die Zeitereignisse im Schicksal folgender vier Völker gespiegelt, die in tragischer Weise miteinander karmisch verbunden sind und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Christus-Impulses und der Ich-Entwicklung der Menschheit repräsentieren. Die Juden, die die aus der Vergangenheit vererbte Strömung des Blutes repräsentieren, durch die das leibliche Fundament für die Verkörperung Christi erschaffen wurde, erlitten eine besonders konzentrierte Attacke. Der Bolschewismus griff die zukünftigen Träger des Christus-Impulses und der Ich-Entwicklung der Menschheit – das russische Volk an und deren gegenwärtiges Fundament Deutschland wurde vom Bösen in seiner Quelle durch die eigene geistige Kapitulation angegriffen. Als die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, als der Samen der Christus-Liebe, die alles in einer Ganzheit vereinen wird, hat Bulgarien seine Juden verteidigt (die Vergangenheit), wobei es mit der Gegenwart (Deutschland) verbündet war, ohne die Zukunft (Russland) anzugreifen. Trotzdem haben zum ersten Mal einzelne Menschenwesen freiwillig und vollständig ihre uranfängliche Menschlichkeit verloren und auf der Erde entstand die reale Hölle (die Kamaloka-Welt). Während oben eine neue, allgemeine michaelische „Rasse“ in Ausbildung begriffen war, wurde unten eine neue unterphysische dämonisierte Rasse erschaffen, die systematisch das Übel als die Grundlage der ganzen künftigen bösen Ich-Evolution der Menschheit praktizierte. Menschen wurden vernichtet nur weil sie Menschen, d.h. Träger des göttlichen Elements in einer irdischen Form waren. Die Hölle in der Unterwelt war so unheimlich und groß, dass zum ersten Mal seit 2000 Jahren der Strom der vergeistigten menschlichen Äthersubstanz zum Shamballa versiegte. Mit Beginn der zweiten Etappe kam die von Christus durchdrungene Lebenssubstanz und Nahrung nicht mehr von den Menschen. An ihre Stelle schwamm aus den Tiefen des Abgrundes an die Oberfläche die böse Form der Menschheit. Die Michaeliten erlebten alles in der geistigen Welt in einer dramatischen Atmosphäre und mussten allein und völlig frei ihre wichtigste Entscheidung treffen. Ihre Herzen waren mit Liebe und Mitgefühl für die hinaufströmenden Schmerzen, Leiden und Verzweiflung von Millionen Menschenwesen erfüllt und sie verbanden sich karmisch mit diesen. Die Seelen auf der Erde passierten die Pforte des Todes im Zustand größter innerer Unruhe, indem sie die brennende, hoffnungslose Frage nach der Natur und Zukunft des Menschen in dieser dunkelsten Periode unserer Evolution trugen. Die Frage nach der Natur und dem Wesen des Anthropos – die Frage nach der Anthropos-Sophia – wurde endlich gestellt. Sie wurde von den Michaeliten oben ausgesprochen, die sich aufopfernd mit der Menschheit verbanden – es war eine wahre Gralseinweihung. Indem sie das Schicksal der geteilten Menschheit, des geteilten Ich zu ihrem eigenen Schicksal machten, haben sie aus ihrer eigenen Lebenssubstanz den Keim eines neuen Herzorgans zur zukünftigen Wiedervereinigung geschaffen. An die Stelle des alten absterbenden Herzens hat sich nun ein Ätherorgan ausgebildet – das Herz der zukünftigen Michael-Christus-Rasse. Für alle kommenden Zeiten wurde die hohe Einheit des Menschengeschlechtes vorgezeichnet, durch die das Böse langsam in das höchste Gut verwandelt werden kann. Dieser neue Herzkeim ist das vernünftige Herz, das von oben nach unten sich erstreckend, eine michaelische Brücke zwischen den getrennten Teile der Menschheit und der Erde bildet, an deren Ende auf der Erde der Bodhisattva stand. Dieser Brücke entlang ging aus den Höhen Seiner Offenbarung Christus selbst und stieg in die Hölle hinunter. Als Seinen Weg benutzte Er die nach oben strömenden ätherisierten Ströme menschlichen Bluts, die im neuen Herzzentrum der Menschheit vergeistigt wurden. Mit ihrem geistigen Blick verfolgten die Michaeliten, wie der Erlöser tiefer als jemals zuvor hinunterstieg, bis Er im Abgrund vollkommen mit dem bösen Menschenwesen verschmolz und Seine pulsierenden seelischen und geistigen Lebenskräfte mit ihm vereinigte. Das war der Höhepunkt des Zweiten Mysteriums von Golgatha, mit dem Christus völlig neue Kräfte der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes geschaffen hat. Dadurch hat Er die neue, noch nicht gestellte Frage der menschlichen Existenz beantwortet: die Frage nach der Mission und dem Schicksal des Bösen. Wenn dieses Opfer nicht stattgefunden hätte, hätten sich die Menschheit und die Erde immer weiter geteilt und sich immer mehr voneinander in gegensätzliche kosmische Richtungen entfernt. Hier sieht man den großen Unterschied zwischen dem Ersten und dem Zweiten Golgatha Christi. Die Einmischung Luzifers in die vor-individuelle Menschheit hat keine karmische Pflicht für den Menschen selbst hervorgebracht, da der Eingriff aus einer viel größeren kosmischen Notwendigkeit entstanden war, die jenseits der Zeit der menschlichen Individualisierung und bewussten moralischen Verantwortung liegt. Gerade diese Pflicht hat Christus durch Seine freie Handlung der Liebe übernommen, die wir ‚Erstes Golgatha‘ nennen. Dieses war reine Gnade, die von oben der Menschheit geschenkt wurde. Ihr brauchte die nichteingeweihte Menschheit nichts hinzuzufügen. Beim Höhepunkt des Zweiten Mysteriums von Golgatha sollte die Menschheit  als Teil des Schicksals der michaelischen Strömung eine entscheidende Rolle spielen durch das vorauskommende bewusste Opfer Christi in der Geisteswelt und den Eingriff des Bodhisattva in der Sinneswelt. Danach konnte Christus die Frage der Michaeliten beantworten, indem Er sie in eine große Manifestation verwandelte, d.h. das Zweite Golgatha wurde durch das gegenwärtige Übel verwirklicht. Gerade die Rolle der Menschen dabei, die bei allen zukünftigen Kämpfen und Krisen unserer Evolution immer notwendiger sein wird, gab Beinsa Douno den Grund für seine rätselhaften Worte nach der wundersamen Genesung „Das war mehr als ein Golgatha“[25], mit dem vom 20. Jahrhundert an die wahre Evolution der freien Wesen begann! Die manichäische Manifestation endloser Liebe durch Christus und Sein Opfer sind das neue Urbild der Umwandlung und Rettung des Bösen in unserem Universum. Natürlich sollte die Menschheit bedeutende Fortschritte in ihrer moralischen Entwicklung machen, bevor sie wenigstens ein bisschen dieses Mysterium berühren kann. Doch wir wissen, dass von nun an Sein ewiges Wesen für uns im Kern des Übels keimt und wächst. Im unsichtbaren Augenblick der Verbindung Christi mit dem ursprünglichen bösen Wesen der Menschheit hat Shamballa sein Inneres nach außen gekehrt und umgedreht und seinen verlorenen, dämonisierten Teil umhüllt. Auf diese Weise wurde Shamballa zu einem kosmischen Körper, der in sich eine innere brennende Wunde aus der nichtrealisierten vergangenen kosmischen Evolution trägt. So begann die Erde zum ersten Mal mit eigenem Licht zu leuchten. Sie wurde zu einer Erdensonne, zu einem Wesen, das sein niederes Selbst bewusst und unabhängig durch die Liebe und Weisheit ihres höheren Selbst tragen und leiten kann. Dabei wird das Karma allmählich durch die Umwandlung des Bösen korrigiert. Die Sonne ist von einem Wesen, das erhält, zu einem gebenden Wesen geworden, zu einer Quelle von Leben und Licht für andere Wesen und Welten. Diese Sonnengeburt der Erde im ätherischen Kosmos ist die dritte Stufe des Jahrhundertereignisses und es wurde  wegen der ersten bewusst verwirklichten Mitarbeit der Michaeliten ermöglicht, die das Karma der ganzen Menschheit  übernommen haben. Die Erde und die Menschheit als Ganzes haben ihre erste Stufe der bewussten Einweihung durchlaufen und wurden zu einem Planeten, der von Christus durchdrungen ist. Im Kosmos wurde eine neue ätherische Sonne geboren, die innerlich tief verwundet ist, doch Heilung und Leben ihrer ganzen kosmischen Umgebung spendet.

Während beim Ersten Golgatha die vom Kreuz heruntergefallenen Bluttropfen auf der Erde ein neues kosmisches Zentrum bildeten, wurde mit dem Zweiten Golgatha dieses Zentrum als der Keim eines Sternes vollendet. Unten auf der Erde entstand ein gegensätzliches böses Spiegelbild – die spezifisch westliche Form des Bösen. Die alten kosmischen Sonnenkräfte, die in den unterirdischen dämonisierten Tiefen der Materie materialisiert waren, wurden an die Oberfläche gebracht. Es wurde die Atombombe konstruiert. Das heilige Werk der Umwandlung des Bösen in ein höchstes Gutes hat begonnen und die Menschen des 20. Jahrhunderts mussten das neue Christus-Opfer im anthroposophischen Sinne begreifen, damit die neuen, Böses schaffenden Kräfte im alltäglichen physischen und gesellschaftlichen Leben zutage treten konnten.

Die ersten Schüler Michaels inkarnierten sich unmittelbar nach 1945 und haben also ihr 21. Lebensjahr ca. 1966-67 erreicht, als die erste erneuerte Wiederholung des 12jährigen Zyklus (alle 33 Jahre) begann, die mit den Jahren 1967-69 zusammenfiel. Diese Seelen haben die großen sozialen, ökologischen, politischen, kulturellen und geistigen Umwandlungen angeführt, denn das Jahr 1966-67 brachte den unbewussten Willenskräften der Jugend die ersten Botschaften über die große Offenbarung des neuen Himmels und der neuen Erde. Diese Welle der Wandlungen hat die westliche Welt von Westen nach Osten überschwemmt. Stärker zu spüren war sie in den 60er Jahren in den USA und Großbritannien, danach hat sie Frankreich und Deutschland ergriffen. Äußerlich wurde die Welle durch die Erstickung des Prager Frühlings unterdrückt. Doch sie entwickelte sich in den 70er Jahren weiter, mehr auf dem inneren Plan, was sich in den stillen, jedoch tiefen Wandlungen in den Menschengefühlen und -ansichten widerspiegelte. Das Jahr 1974-75 hat einen wichtigen Moment verzeichnet, als die ersten Ergebnisse der kritischen und wichtigsten zweiten Etappe des Jahrhundertereignisses als eine bewusste, individuelle Wahrnehmung des Herzens in Erscheinung traten. Damals fand auf dem äußeren Plan die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki statt, die den Versuch zur Aufheiterung der äußerst anstrengenden Atmosphäre des Kalten Krieges unternommen hat. Der Prozess tiefer innerer Veränderungen in den Menschen bestand weiter und das Jahr 1979 fiel mit der Vollendung des ersten 100jährigen Zyklus Michaels (3×33 Jahre) zusammen. In diesem Jahr haben viele Menschen einen inneren gedanklichen Impuls als ein Echo der Sonnengeburt der Erde erhalten. All das hat die erschütternden äußeren Ereignisse am Ende der 80er Jahre vorbereitet, die das Antlitz Europas wieder verändert haben.

Die besagte Welle, die eine physische Bewegung von Westen nach Osten darstellte, ist der Ausdruck der entgegengesetzten geistigen Strömung, die von Osten nach Westen verläuft und in der Bewusstseinsseele eine immer größer werdende Vergeistigung hervorruft. In seinem Vortrag vom 10.6.1910 hat Rudolf Steiner ganz klar die Entwicklung der Rassen und Kulturen in Richtung von Osten nach Westen formuliert: „…da sehen Sie, daß je weiter wir nach Westen kommen, die Kultur immer unproduktiver wird. sie nähert sich also als Kultur dem Absterben. Je weiter nach Westen, desto mehr werden nur die äußeren Teile der Kultur blühen, die, welche nicht Auffrischung durch Jugendkraft erleben, sondern sich in gewisser Weise in das Greisenhafte hinein ausleben…“[26]. Die indianische Bevölkerung ist ausgestorben, nicht weil es den Europäern gefallen hat, sondern „weil die indianische Bevölkerung die Kräfte erwerben mußte, die sie zum Aussterben führten“[27].

Über den Charakter des nordamerikanischen Volkes sagte Steiner, dass er  auf einen abnormen Geist der Persönlichkeit beruht, der nicht im Sinne der weiteren Entwicklung wirkt. Immerhin werden vom westlichen Menschen große Leistungen in Bezug auf „physikalische, chemische und astronomische Entdeckungen“ erwartet, doch nur in den Bereichen, die unabhängig sind „von der erfrischenden Jugendkraft“[28]. Deshalb braucht der Westen eine Auffrischung durch den Osten. Die sechste Kulturepoche wird vorbereitet durch die Völker Westasiens und die vorgeschobenen slawischen Völker Osteuropas“[29]. Die wahre Verbindung zwischen Osten und Westen lässt sich im zweiten Teil der Grundsteinmeditation finden: „Lasset vom Osten befeuern, was durch den Westen sich formet.“

Was hat sich in unserer Zeit vom Osten befeuert, was im Westen geformt, d.h. ins Bewusstsein geführt wird und den „westlichen“ Tod in Leben verwandeln wird? Der zweite erneuerte 33jährige Zyklus begann 1999-2000 und wird bis 2012 andauern. Unmittelbar vor seinem Beginn wurde in Varna ein Sommerlager mit dem Ziel veranstaltet, dass Mitglieder verschiedener geistiger Strömungen die Einheit im Namen des einigen Gottes finden. In diesem Werk des Umbruchs wirkten unbewusste Willenskräfte, die von der ersten Etappe  des Jahrhundertereignisses, von den Ereignissen, die 1966-67 begonnen hatten, aber auch vom ersten Impuls der Engel zu unserem Astralleib – dem Impuls der Brüderlichkeit – ausgingen. Da aber das anthroposophische Herangehen an die Veranstaltung fehlte, begann bald jeder Teilnehmer, seine Lehre in den Mittelpunkt zu stellen. Im Sommer 1999 fand neben dem Sommerlager auch die Sommerfinsternis statt und es tauchte bei mir ein sehr intensiver Gedanke auf: Diese Menschen verstehen den Christus nicht und interessieren sich nicht für Ihn, sie wollen Ihn nicht in ihrem Inneren finden. Es folgte der nächste Gedanke: Eigentlich sind sich alle alten geistigen „Autoritäten“ nicht über den Erlöser im Klaren. Das führte logischerweise zu der Frage, wie Er den suchenden Seelen vorgestellt werden kann, damit sie eine Chance auf Erlösung haben. Diese Frage ist mit der großen Frage verwandt, die das Erscheinen Christi in der Periode 1933-45 hervorgerufen hat. Schon im Jahre 2000 wurde das Lager aufgegeben und im Sommer kam die Antwort der formulierten Frage mit der Offenbarung über den Bodhisattva, der den Schlüssel zum Aufschließen des Herzens für Christus und dessen Finden in der Menschenseele darstellt. In den vergangenen Jahren bis 2006 wurde dieser Schlüssel verschiedenen Personen in Bulgarien im anthroposophischen Licht vorgestellt und im Sommer 2006 haben sich die Leiter der „Weißen Bruderschaft“ und der Anthroposophischen Gesellschaft symbolhaft im Rila, d.h. im Geist getroffen. Die Empfehlung Beinsa Dounos „Ihr müsst dem bulgarischen Volk diese Lehre geben“ wurde erfüllt sowohl durch die Vorstellung Beinsa Dounos als den Bodhisattva als auch mit der intensiven Arbeit der Bücherherausgabe, Durchführung von Konferenzen, Erstellen von Internetseiten usw. Parallel dazu begann die Vorstellung Beinsa Dounos im Ausland, wobei hier das Wichtigste neben der Vorarbeit die Botschaft an den Vorstand in Dornach war, dass der Meister  Beinsa Douno der Bodhisattva ist. Das zweite Gebot des Meisters „Das bulgarische Volk muss der Menschheit diese Lehre geben“ ist nur dann zu erfüllen, wenn die Menschen im Ausland verstehen, wer Beinsa Douno ist. Die Anthroposophen sind die Ersten, die das tun können.
Am 20.08.2006 hat in Varna ein Treffen von zehn Personen stattgefunden, das in vollem Einklang mit dem erwähnten Treffen „auf dem Berg“ war. Am 02.09.2006 wurde die Konferenz durchgeführt, auf der neue, fast sensationelle Informationen über den Meister mitgeteilt wurden und am 17.09.2006 fand die revolutionäre Hauptjahresversammlung der „Weißen Bruderschaft“ in Varna statt, als zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Porträts von Christus und dem Meister bewusst ausgetauscht wurden und Christus den Platz in der Mitte bekam, der Ihm zusteht. Zwischen beiden Ereignissen kam die lange erwartete Offenbarung über den Volkserzengel, denn es begann die bewusste Arbeit am Ätherleib durch den „Kreis der Tugenden“. Der Erzengel wirkt in unserem Ätherleib und die Tugenden werden durch die Transformation des Ätherleibes entwickelt, damit wir zu wahren Menschen werden. „Der Mensch ist die Summe seiner Tugenden“, sagte Beinsa Douno. Nur so können wir Christus „erlangen“ und Ihm dauerhafte Anwesenheit in uns gewähren. Dieser Kreis der Tugenden ist ein Miteinander in Christo, bei dem alle gleichgestellt sind und keinen Vermittler brauchen, und sei es sogar Beinsa Douno. Der zweite Impuls der Engel zu unserem Astralleib – das Miteinander von Seele zu Seele ohne eine Institution zwischen ihnen wird in die Tat umgesetzt. In dieser Form sehen wir sowohl die Manifestation des Erlösers und die Impulse des Herzens – dass Christus im Zentrum des menschlichen Leibes ist, als auch ein Nachhall der Konferenz in Helsinki, auf der alle europäischen Länder sich als gleichgestellt setzten und versuchten, ihre Unterschiede auszugleichen.

Natürlich ist wahres Einverständnis auf diesem Niveau schwer erreichbar, aber in kleinerem Rahmen und in Christo können wir das schaffen, denn der Zeitgeist verlangt das. Allen steht eine tiefe Katharsis bevor, die mit dem Abfall vieler „Hüllen“ beginnt, welche im Laufe der Jahre entstanden sind. Es ist deutlich sichtbar, wie manche Brüder und Schwestern dem neuen Christus-Licht nicht standhalten können, es kommen Probleme an die Oberfläche, die lange Zeit versteckt waren, es treten persönliche Mängel in einer scharfen Form zutage. Doch der Prozess ist im Gang und wenn wir ihn mit einem Zug vergleichen, können wir sagen, dass manche den Zug als Lokführer fahren, andere Fahrgäste sind, die alles beobachten und manche aus dem Zug herausfallen. Es werden auch neue Menschen zusteigen, andere herausfallen, da das Ich-Wachstum viele persönliche und kollektive Dramen verursacht.

Vier Hauptprobleme kennzeichnen unsere Zeit:

  1. Das Ich-Problem,
  2. Die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen, d.h. die Beziehungen von Ich zu Ich,
  3. Das Problem der bewussten Einstellung zum Karma,
  4. Das Problem des Bösen.

Wenn man sich diese Probleme besieht, müsste jedes Mitglied der „Weißen Bruderschaft“ feststellen, dass das Ich-Bewusstsein sehr schwach ausgebildet ist, dass das Miteinander von Ich zu Ich erst am Anfang steht und dass die karmischen Folgen aus den Handlungen nicht verstanden werden. Dadurch ist der Kampf mit dem Bösen bereits am Anfang dem Misserfolg geweiht. Das Böse kann man nicht richtig identifizieren, geschweige denn mit den Kräften des Zweiten Golgatha umwandeln. Wie viele der Brüder und Schwestern haben überhaupt von der Tatsache des Zweiten Golgatha gehört? Es kam sogar zum Aussprechen von Verwünschungen im Salon der „Weißen Bruderschaft“ des Varna-Zweiges, die eher bei einer Zigeunerin zu erwarten wären, als bei einem Leiter der Bruderschaft! Das Fehlen eines klaren Bewusstseins über die Ereignisse sticht ins Auge. Die neulich veröffentlichte Liste der einflussreichsten Bulgaren aller Zeiten zeigte auch die Einstellung vieler Mitglieder, dass Beinsa Dounos Name in einer solchen Liste nicht zu suchen hätte. Der zweite Platz, dem ihm das Volk zugesprochen hat, ist ein klares Zeugnis der guten Früchte, die aus der 1999 richtig ergriffenen Richtung stammen. Ganz Bulgarien hat gesehen, welche Spiritualität echt ist und die Kirchenväter waren natürlich erschüttert.

Die sog. Intellektuellen sind ihrerseits völlig unfähig, die aktuellen Fragen der Gegenwart zu beantworten, da sie nicht den Schlüssel besitzen. Doch die Reife des bulgarischen Volkes als das älteste Volk der Erde wurde sichtbar. Während in Deutschland, Frankreich, England den ersten Platz in der Liste ihrer einflussreichsten Personen von einem Politiker des 20. Jahrhunderts belegt wird und unter den ersten Zehn irgendwelche Pop-Stars auftauchen, haben alle zehn großen Bulgaren die Prüfung der Zeit bestanden. Die erste drei ist die Verkörperung der drei Rosenkreuzersätze – der Khan Asparuch symbolisiert den Vater, „von dem wir geboren sind“, Vassil Levski ist der Sohn – das Opferlamm, das „in Christo gestorben ist“ und Beinsa Douno ist der Heilige Geist, „in dem wir auferstehen“. Wir können also begründet behaupten:  Bulgarien begann aufzuerstehen!

Einer Generation entsprechen gewöhnlich 33 Jahre. Der Impuls von 1974-75, als neben dem stattgefundenen Prozess von Helsinki auch viele „helle“ Seelen inkarnierten, wird heute viel bewusster erneuert. Unsere heutigen Bemühungen werden in 33 Jahren Früchte tragen. Zu diesem Ziel müssen wir wachsen und „Bulgaren“ werden – Menschen des Geistes. Wir befinden uns am Anfang dieses Prozesses. Beinsa Douno sagte einmal: „Was bedeutet das Wort Israel? Israel ist derjenige, der aus dem Paradies herausgeht, und Bulgare – derjenige, der ins Paradies eingeht. Zuerst wart ihr Israel ihr habt das Paradies verlassen dann werdet ihr Bulgaren werden – ins Paradies kommen. So werden die Widersprüche versöhnt. Das Glück des Menschen liegt darin, Bulgare zu werden. Heute seid ihr alle in Israel, es gibt keinen, der nicht da ist. Ihr seid alle außerhalb des Paradieses und müsst da hineinkommen. Bisher werden als Erste die Bulgaren ins Paradies hineingelassen. Wie werden sie hineingelassen? –  Mit einer Geißel. Jeder Mensch, sei er Deutscher, Franzose, Engländer, der seine Hindernisse meistert, ist Bulgare.“[30]

Ja, es ist schwer „Bulgare“ zu werden, denn der Hüter der Schwelle sieht für jeden von uns entsetzlich aus, da er unsere niedere Natur darstellt. Ohne die Kenntnis von den eigenen Charakterschwächen würde unser Weg zum Geist äußerst gefährlich sein. In den Jahren bis 2012 erwartet uns das wahre Verstehen aller Ereignisse im 20. und an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, damit das Echo der Erden-Sonnengeburt in uns zu einer gedanklichen Erleuchtung wird. Dann werden wir den dritten Impuls der Engel zu unserem Astralleib verwirklicht haben – mit unseren Gedanken den Abgrund überwinden, der uns vom Geist trennt. Der Anthroposophischen Gesellschaft und der „Weißen Bruderschaft“ stehen Prüfungen bevor, damit ihre Aufmerksamkeit und Angemessenheit unter den Bedingungen des zweiten Jahrhunderts Michaels überprüft werden, denn die Zeichen einer schweren Krankheit sind bei beiden Gesellschaften offensichtlich. Ihre zukünftigen Vorsitzenden müssen innerlich ihren Weg zum Meister als Bodhisattva zurückgelegt haben, damit auch der Prozess der Synthese in Christo eine immer sichtbarere Tatsache werden kann. Nur das esoterische Christentum verwandelt den Nachfolger in einen Schüler, der mit seinem Leben die Prophezeiung über Bulgarien erfüllt: „Von Bulgarien wird die Liebe ausgehen und die Welt harmonisieren.“ Die Liebe begann auf Golgatha und sie erinnert uns jedes Jahr um das Pessachfest an sich. Dieses Jahr war das Osterfest früh, um uns zu „warnen“. Steiner sagte, dass das Osterfest das Fest der Warnung bleiben soll, nicht das Fest der Freude. Auf den ersten Blick ist das eine seltsame Äußerung, wenn man die Möglichkeit der Erlösung bedenkt, die wir mit Golgatha erhalten haben, aber wenn wir uns in die Osterimagination vertiefen, werden wir die Ernsthaftigkeit seiner Worte verstehen.

Unter der Erdoberfläche gibt es neben den anderen Ablagerungen auch Kalkablagerungen. Doch es ist völlig unterschiedlich, ob wir sie im Winter oder im Frühling betrachten. Im Winter leben Elementarwesen im Kalk und er stellt in gewisser Weise ein in sich befriedigtes Wesen dar, etwa wie der menschliche Kopf, der zufrieden ist, wenn er ein wichtiges Problem gelöst hat und sich freut, dass er die Gedanken besitzt, die diese Lösung zustande gebracht haben. Doch wenn der Frühling naht, trennen sich allmählich die Seele und der Geist der Erde vom planetarischen Leib und nehmen auch die Elementarwesen mit, was zum Reduzieren und Betäuben der gedanklich-geistigen Eigenschaften des Kalks führt. Stattdessen kommt im Kalk eine Art innere Lebendigkeit auf, die mit der Begierde zusammenhängt. Die wachsenden Pflanzen entnehmen ihm das Wasser und einen Teil des Kohlendioxids und der Kalk wird innerlich belebt. Doch gerade dies lässt eine kolossale Anziehungskraft für die ahrimanischen Wesen entstehen, die jedes Jahr im März die Hoffnung hegen, sich in der ganzen Natur auszutoben. Sie haben besondere Hoffnungen, was die Natur anbelangt, da sie sich nur in der Tiernatur des Menschen entwickeln können. Doch mit dem Frühlingsanbruch und den Veränderungen im Kalk entsteht in ihnen die Illusion, dass sie aus dem Weltall das Astralische anziehen und mit ihm diesen lebendigen Kalk beseelen können. Wenn der März naht, gleicht ihre Hoffnung einem überall wehenden geistigen Wind, mit dem sie den astralischen Regen hervorrufen wollen. Sollte es ihnen gelingen, so würden sie den Sommerkalk in ein Lebewesen verwandeln. Die Erde würde dadurch Schmerzen im Herbst empfinden, wenn Menschen und Tiere auf sie treten. Natürlich werden in der Natur diese Illusionen zerstört, doch um so mehr wird die Sehnsucht, dieses Ziel zu erreichen dort erweckt, wo es eine Seele gibt – im Menschen. Die Hoffnung finden sie in der alltäglichen Nahrung. Indem wir Nahrung zu uns nehmen, werden wir jedes Frühjahr der Attacke aller ahrimanischen Kräfte im Kosmos ausgesetzt und es besteht das Risiko, dass wir ihnen anheimfallen. Das reinigende Getreidefasten im Februar ist eines der Mittel der Gegenwehr[31].

Etwas anderes zeigt sich, wenn man den geistigen Blick nach oben richtet – dort, wo sich die irdischen ätherischen Elementargeister erheben. Oben vereinen sie sich mit den Wolkengebilden und erhalten innere Beweglichkeit, die dem planetarischen Leben unterordnet ist. In der Osterzeit wird alles ätherisch, doch oben sind die luziferischen Wesen, die die Macht über die Äthergeister erlangen und mit ihnen ihre astralische Natur durchdringen wollen. Auf diese Weise werden sie sich in die Ätherhülle der Erde ansiedeln und tatkräftig, beweglich werden. Doch sie wollen nicht nur das, sondern sie begehren auch das zusammen mit dem Wachstum der Pflanzen hinaufsteigende Kohlendioxid, das im Winter im Kalk befindlich ist. Wenn sie es anziehen könnten, würde auf der Erde das Atmen aufhören, denn sie würden alles außer unseren physischen Leib hineinsaugen und in unseren Ätherleib einziehen, wobei sie dadurch selbst zu Ätherwesen werden würden. Sie hegen den Wunsch, die ganze Erde zu einem feinen Kelch zu machen, in dem sie durch die ätherische Natur des Menschen verdichtet, sich mit dem eigenen Wesen beschäftigen könnten. Jedes Jahr wird im März diese Möglichkeit erneuert.

Wenn wir die Natur der ahrimanischen Wesen studieren, die Michael heruntergeholt hat, werden wir feststellen, dass sie ätherischen Charakter hat. Damit sie die Herrschaft über die Erde erlangen, brauchen sie den belebten Kalk, durch den sie die ganze Menschheit einsaugen wollen. Die Menschen würden sich auflösen und die Erde würde zu einem großen einheitlichen Wesen werden, dessen Entwicklung in der immer stärkeren Verkalkung und Sklerosierung des Menschen bestehen würde. Das ist Ahrimans Absicht, der uns zu seinem eigenen Ebenbild machen will, was bei den Pharisäern angedeutet wird, die Christus gekreuzigt haben. Der Erlöser nennt sie „geweißte Gräber“. Nur mit seinem Kopf erinnert Ahriman an einen Menschen, aber er hat einen überdimensionalen Unterkiefer, denn der ganze Weltmaterialismus drückt sich im Kauapparat aus. Ahriman besteht hauptsächlich aus einem Kopf, der ihm als Werkzeug des Verstandes, der Urteilskraft und der List dient. Er besitzt auch riesengroße Fledermausflügel und einen drachenähnlichen Körper. Wenn wir die herausragende Rolle des Opernsängers Nikolaj Gjaurov als Mephisto aus der Oper „Faust“ mit dem ausdrucksstarken Kopf und dem Umhang vor unserem Blick haben, werden wir den Hauch dieses mächtigen Wesens spüren, das eine kolossale dunkle Macht besitzt:

https://www.youtube.com/watch?v=ycjw7QqddJI

Zum großen Teil hat diese Macht auch die erwähnten Gesellschaften befallen.

Wenn andererseits die luziferischen Wesen das Ätherische im Menschen stehlen und sich darin verdichten, wird aus ihrer ätherischen Gestalt Luzifer selbst vor unseren geistigen Blick hervortreten. Bei ihm ist der ganze Kopfoberteil eine Bewegung des Geistigen und es gibt nichts, was uns erlaubt, die Umrisse der Stirn wahrzunehmen, so wie das beim Menschen der Fall ist. Es ist, als wäre der ganze Mensch zu einem Gesicht geworden, als hätte sich das Gesicht elastisch gedehnt und die Form des Körpers gebildet, die uns als große abgebrochene Flügel erscheint. Das sind jedoch keine Fledermausflügel. Dem luziferischen Prinzip ist das Gesicht weggenommen, das die Intellektualität symbolisiert, und das Gesicht ist verlängert, da Luzifer ganz Ohr ist. Hier wird auch die Verbindung der Ohren zum Kehlkopf sichtbar, die auf dem alten Mond ein einheitliches Organ bildeten und erst auf der Erde getrennt wurden. Die kleinen Kehlkopfflügel waren früher ein starkes Gebilde, das in den Unterteil der Ohrenmuscheln überging. Die Oberteile der Ohren haben die Stirn gebildet. Der ganze Mensch war ein Ohr, die Ohren waren Flügel. So hatten wir Ohren, einen Kehlkopf und Flügel, die sich mit den Schwingungen des Weltenäthers bewegt haben. Die Flügel spüren die Weltenkräfte, das Ohr verwandelt sie in Gedanken und der Kehlkopf drückt sie in schaffendes Wort ab, was in lebendigen Formen existiert.

So sehen die Gestalten Ahrimans und Luzifers aus, die in der berühmten Holzgruppe aus der kleinen Kuppel des ersten Goetheanum abgebildet sind. Sie stellen jeweils einen Endzustand der Menschheit dar, falls sie in die eine oder andere Extremität ausschlagen würde.

Wenn wir zum Ende der Erdentwicklung schauen, werden die ahrimanischen Wesen vielleicht nicht den Menschen in der Erde aufgelöst haben, doch sie wollen ihn dahin bringen, dass er mit der fortschreitenden Materialisierung nicht mehr wissen und spüren wird, dass in ihm die Materie denkt und fühlt und nicht seine Seele. Deshalb müssen wir spüren und verstehen, wie die luziferische und ahrimanische Versuchung besonders stark im März anwachsen und im ganzen Sommer weiterbestehen. Für denjenigen, der es kann, stellt sich Christus als der Vertreter der Menschheit und der Träger des makrokosmischen Ich-Prinzips zwischen Luzifer und Ahriman. Seine rechte Hand ist nach unten auf Ahriman gerichtet, den sie durch die Nähe der Liebe zur Verzweiflung führt. Christus tut Ahriman nichts, Ahriman bringt sich selbst zur Verzweiflung und brennt innerlich. Das Gleiche geschieht mit Luzifer. Die linke Hand des Erlösers erhebt sich zu ihm, doch Luzifer kann das, was aus der Hans herausgestrahlt wird – die Liebe – nicht ertragen und bricht seine Flügel selbst. Christus ist von der Materie völlig befreit und hat mit dem Ahrimanischen nichts zu tun. Er hat auch das Luziferische überwunden, was das Höhere im Menschen weit von der Erde zum Astralischen entführen will. Diese luziferische Macht, die in das Irdische hineingetrieben wurde, ist auf dem Gesicht des Erlösers mit den Linien, Flächen und Formen dargestellt. In Seinem Blick können wir den vollständigen Sieg über den Tod, der mit Ahriman zusammenhängt, und den Aufstieg des Auferstandenen zur Erleuchtung sehen, die von dem oben stehenden Luzifer ausgeht.

Das ist die Osterweltimagination, in der uns in der Osterzeit diese Dreiheit erscheint. Das Leben lässt sich erleuchten, nur wenn wir vom Grundsatz der Dreiheit ausgehen, in der Christus das Gleichgewicht erhält und Luzifer und Ahriman dieses Gleichgewicht in uns ständig verletzen. Ihnen muss sich das heilende Christus-Prinzip widersetzen. Wenn das Goetheanum fertig gestellt worden wäre, hätte dort in der Osterzeit die Mysterienvorstellung stattfinden können, deren Hauptfiguren der Mensch und Raphael mit dem Merkurstab sind. Die Vorstellung würde so aussehen – da das Ahrimanische und Luziferische den Menschen krank machen, führt Raphael, indem er den Menschen belehrt, durch seine Macht das heilende Prinzip in ihn ein, die große Weltentherapie, die im Christus-Prinzip lebt. Das Wesen des Christus-Prinzips ist die Liebe, die uns mit dem Ersten Golgatha gegeben wurde. Die neuen Kräfte, die uns die Umwandlung des Bösen in manichäischer Art ermöglichen, kamen mit den Zweiten Golgatha. Ihre Quelle ist ebenfalls die göttliche Liebe, doch an ihr nahmen auch die Menschen mit ihrem bewussten Opfer teil. Es ist vorbestimmt, dass von Bulgarien aus die Liebe auf dem Erdenplan ausgeht. Diese Liebe werden wir bei der größten Prüfung ausstrahlen, die der Menschheit bevorsteht – der Begegnung mit dem Antichristen. Dorthin führen unsere Anstrengungen und wir wollen mithilfe des Erzengels Raphael – dem bulgarischen Volksgeist -, mithilfe des Urengels Michael – des Antlitz Christi und mithilfe des Christus selbst, unseres höheren Ich, auf ewig unsere Namen in goldenen Buchstaben im Himmelreich aufschreiben!

[1] Bojan Boev, „Die gute Veranlagung“, „Der Meister über Christus“

[2] Ebd., „Die Arbeit am Johannes-Evangelium“

[3] Vgl. Anm.1

[4] Vgl. GA 169, Vortrag vom 11.07.1916

[5] GA 184, Vortrag vom 22.09.1918

[6] GA 284, Vortrag vom 24.08.1923

[7] Vgl. GA 182, Vortrag vom 29.04.1918

[8] GA 169, Vortrag vom 13.06.1916

[9] Vgl. GA 34, „Theosophie und moderne Naturwissenschaft“

[10] Vlad Paschov, „Vorträge des Meisters“ , „Die Geburt des Ich“, 10.01.1932

[11] GA 266, Bd.2, esoterische Stunde vom 20.09.1912

[12] Vgl. GA 116, Vortrag vom 09.03.1910

[13] GA 200, Vortrag vom 30.10.1920

[14] GA 185, Vortrag vom 25.10.1918

[15] GA 346, Vortrag vom 20.09.1924

[16] „Allgemeine okkulte Klasse“, 02.04.1924, „Das vernünftige Herz“

[17] Vgl. Sergej Prokofieff, „Die zwölf heiligen Nächte und die geistigen Hierarchien“

[18] Die vier Eigenschaften werden eingehend in GA 10, Kapitel „Über einige Wirkungen der Einweihung“ und GA 12, Kapitel „Die Stufen der höheren Erkenntnis“ behandelt.

[19] GA 10, „Über einige Wirkungen der Einweihung“

[20] Vgl. GA 121, Vortrag vom 17.06.1910

[21] GA 113, Vortrag vom 23.08.1909

[22] GA 180, Vortrag vom 23.12.1917

[23] GA 220, Vortrag vom 21.01.1923

[24] Vgl. ben-Aharon, Jesaiah, „The Spiritual Event of the 20th Century: The Occult Significance of the 12 Years 1933-45 in the Light of Spiritual Science“, 1993, Temple Lodge

[25] Vgl. „Der Aufgang“, Bd.7, „Die Mobilmachung“

[26] GA 121, Vortrag vom 10.06.1910

[27] Ebd.

[28] Ebd.

[29] Ebd., Vortrag vom 16.06.1910

[30] „Festvorträge“, Sofia, 08.09.1940, „Israel und Bulgare“

[31] Das Getreide für jeden Tag (ca. 12 Suppenlöffel rohes Getreide) wird am Vorabend mit heißem Wasser übergossen, zum Frühstück, Mittag und Abendessen nimmt man jeweils ein Drittel davon zu sich, indem man jeden Schluck 99mal kaut, danach isst man einen Apfel und drei Walnüsse, Honig ist erlaubt, mindestens 7-8 Glas Quellwasser trinken. Das Fasten beginnt bei abnehmendem Mond und dauert 10 Tage. Details in deutscher Sprache unter

http://jitenrejim.bratstvoto.net/de/Jiten_rejim_de.pdf

Der Übergang

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 16.04.2006 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

„Jede Seele ist ein Zustand des göttlichen Bewusstseins“[1]

Beinsa Douno

Mit dieser kurzen formelartigen Definition zeigt uns der Meister auf eine unnachahmliche Art die wahre Möglichkeit der Versöhnung mit unseren Mitmenschen. Gleichzeitig richtet er unseren geistigen Blick auf das große Geheimnis der Seele, das nach und nach enträtselt werden kann, wenn wir uns zu dem Sinn einer anderen Äußerung von ihm erheben – „Christus ist die Grenze, hinter der das menschliche Bewusstsein in einen anderen Zustand übergeht[2]… Als Er auf die Erde herabstieg, half Er den Seelen, denn jede Seele, die auf die Erde gekommen ist, hat eine wichtige Aufgabe, die sie selbst zu lösen hat“.[3] Nur in der Seele kann Gott in Seiner Vollheit in Erscheinung treten. Die Vollheit ist die Liebe, deren höchste Manifestation wir in Christus Jesus finden. Deshalb wird der Leib des Menschen dadurch bestimmt, „inwiefern er die Seele achtet. Wenn er Christus und den Gott nicht achtet, kann er keine Achtung vor sich selbst empfinden.“[4] Heutzutage kennen die Menschen die Seele nicht[5] und Beinsa Douno richtet folgende Warnung an sie: „Wenn die Menschen ihrem Bewusstsein nicht die Idee hineinlegen, dass sie lebendige, vernünftige Seelen sind, wenn sie sich immer noch als eine Persönlichkeit, ein Verstand oder Herz, ein Mann oder eine Frau betrachten, werden sie nichts erreichen. All diese Bewusstseinsformen wurden bereits erfahren.[6]

Warum kapituliert unsere „glänzende“ und auf ihre Leistungen so stolze Zivilisation vor dem großen Rätsel der Seele? Kurz und bündig warnte uns Beinsa Douno: „Der Stolz geht dem Sturz voraus“.[7] Warum ist das so? „Tritt der Stolz in den Menschen ein, lauert bereits eine Gefahr auf ihn – sein Bewusstsein erstarrt.“[8] Was gibt uns überhaupt den Grund zu denken, dass wir uns aufwärts bewegen, wenn der Bodhisattva unseren Fortschritt folgendermaßen einschätzt: „Erfindungen, Fabriken, Zivilisation – all das entstammt nicht dem positiven Verstand, sondern dem halbintelligenten Menschen. All das hängt mit dem Egoistischen in der Welt zusammen. Der Fortschritt ist nicht die Produktion materieller Güter. Die Menschheit hat sich durch ihre Gier zu viele Krankheiten und Katastrophen zugezogen“.[9] Der „positive Verstand“ ist die erlöste michaelische Intelligenz, mit deren Hilfe die drei Sphären unseres Lebens sich durchchristen lassen – Wissenschaft, Kunst und Religion. Wir haben bisher keine besonderen Fortschritte dabei gemacht. Woran liegt unsere Kraftlosigkeit und gibt es einen Ausweg aus ihr? Die Antwort aller möglichen Fragen liegt im Christus und deshalb müssen wir uns wieder und wieder auf Ihn richten.

Zu diesem Zweck seien andere Schlüsselworte des Meisters Beinsa Douno zitiert, die er 1916 gesagt hat: „Wenn ihr in die höhere Lage des Lebens eintreten wollt, müsst ihr den Heiligen Petrus finden – er wird euch den Schlüssel, das Buch Christi geben. Wollt ihr in die niederen Welten eintreten, müsst ihr hinuntersteigen und unten in der Hölle werdet ihr Christus finden. Den einen Schlüssel hat Petrus, den anderen – Christus.“[10]

In der Vorlesung „Das Zweite Golgatha und Beinsa Douno von September 2003[11] haben wir über den Schlüssel zur Hölle gesprochen, nun wollen wir uns Petrus zuwenden, der „den Schlüssel des Himmels“ für unsere Seele hat. Er wird uns auch das Buch Christi geben, in der unsere Seele sich selbst lesen wird!

Warum genießt Petrus dieses außerordentliche Privileg und nimmt eine zu Christus entgegengesetzte Stellung ein? Die geistige Welt sieht einem Gebäude mit drei großen Stockwerken ähnlich, die sich über das Erdendasein erheben. Das erste Stockwerk ist voll mit Bildern, das zweite – mit Worten und das dritte – mit Wesentlichem. Das Wort ‚Evangelium‘ bedeutet wörtlich „Botschaft aus dem Reich der Engel“. Die vier Evangelien sind das Ergebnis der Inspiration, also der Begeisterung. Doch während die ersten drei Evangelien vorwiegend einer imaginativen (bildhaften) Erkenntnis entstammen, ist das Johannes-Evangelium die Frucht einer Erkenntnis, die gleichzeitig Imagination, Inspiration und Intuition umfasst. Als der höchste Gipfel befindet sich die „Offenbarung“ logischerweise am Ende des Neuen Testaments. Bei Johannes herrscht das Engelhafte vor, er ist „der Adler“, der die Wohltat erhalten hat, alle drei Stufen bis zum Schluss zurückzulegen: Bild, Wort und Wesen. Das Matthäus-Evangelium beschreibt den Weg des Menschen-Petrus, der sich nicht sicher auf dem Weg seiner Erhebung bewegt – mal streift er das Hohe, mal stürzt er in das Tiefe. Und trotzdem besitzt Petrus den Schlüssel zur geistigen Welt und nicht Johannes -„der Jünger, den der Herr liebhatte“.

Petrus nimmt einen besonderen Platz unter den zwölf Jüngern ein. Bei ihrer Aussendung wird er „der Erste“ genannt. Ihm hat Christus auferlegt, zum „Felsen“ des zukünftigen Christentums zu werden. Dreimal ist ein großes Erlebnis des Erlösers zu einer Prüfung für Petrus geworden, die seine eigene Reifestufe an den Tag legt. Zuerst hat er das Bild des geistigen Wesens Christi beim Wandeln auf dem See erlebt. Dann hat er Seine erweckende Rede vor Cäsarea Philippi gehört und zuletzt erlebte er das sich aufopfernde Wesen des zum Geheimnis des Todes schreitenden Gottessohnes beim Letzten Abendmahl. Jedes Mal erwiderte die Seele des Petrus das mit einem großen impulsiven Willensflug. Doch weil er sich aus den unbewussten Tiefen erhob, konnte er das Licht des Bewusstseins nicht ertragen und ist wieder untergetaucht. Viel später wird Beinsa Douno sagen: „Im Licht, das Christus der Welt brachte, lässt sich das gewöhnliche vom erleuchteten Menschenbewusstsein unterscheiden.“[12]

Bei der ersten Prüfung wollte Petrus auf dem See wandeln, d.h. in das Gebiet des Geistes eintreten, doch seine Seele war noch nicht gereinigt, harmonisiert. Deshalb gab es hohe, ununterbrochene Wellen, die ein Spiegelbild seines ungestümen Charakters waren. Unter den zwölf Jüngern nimmt er den Platz zwischen Johannes und Judas ein und schwankt zwischen beiden. Der Umbruch tritt in Cäsarea Philippi in seine Seele ein, wenn der Erhebung zu den Höhen des Johannes ein Absturz in die Tiefen des Judas folgte. Die Frage des Christus Jesus zerriss plötzlich den Vorhang der Sinneswelt, die geistigen Augen des Petrus öffneten sich und durch den Spalt der Tür zum Himmel sah er für einen Augenblick die menschliche Gestalt des Christus-Wesens – des Gottessohnes. Petrus wurde wie Jona erleuchtet, weshalb ihn Christus den „Sohn des Jonas“ nennt. Seine willensstarke Natur bricht wie ein Vulkan zu den Höhen der Offenbarung aus, wenn er sagt: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matth.16:16). Christus antwortet darauf: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben“(Matth. 16:17ff.) Der Erlöser gab ihm nichts anderes als das, was Petrus selbst im Аugenblick der Bekennung Christi besaß – den Schlüssel, der die Tür der Erkenntnis, des Sehens aufschließen kann. Das Bild der Tür wird durch die Worte unterstrichen: „die Pforte der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ Die zukünftige Christus-Kirche sollte zwischen der Tür des Himmelsreichs und der Tür zur Hölle leben. Den Schlüssel der ersten Tür hat Petrus erhalten. Er hat nicht nur als Erster die Einweihung und den Auftrag des zukünftigen christlichen Priestertums in Empfang genommen, sondern er wurde auch zum Bürgen, dass die Kirche nicht von der Hölle besiegt wird. Nachdem sich der Spalt zur geistigen Welt geschlossen hat, trägt Petrus (und zusammen mit ihm die ihm gehörende Menschheit) das, was er dort vom Christus-Wesen zu sehen bekam, als die Kraft des Glaubens in seinem Herzen.

Doch nach dem Moment der Erleuchtung begann Christus, über Seinen bevorstehenden Tod zu sprechen und der Wille Petrus’ brach von neuem aus, doch nun als der Wille eines Kämpfers gegen den Tod: „Herr, schone Dein selbst, das widerfahre dir nun nicht.“ (Matt. 16:22). Er hat seinen Glauben an das Leben Christi bekannt, doch er konnte seinen Glauben an den Tod Christi nicht bekennen. Vorher sagte Christus: „Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Matth. 16:17). Nun sagte Er „Du meinst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist“ (Matth.16:23). Zuerst kam der Satz Christi „Die Pforten der Hölle werden sie nicht besiegen“, dann: „Hebe dich, Satan, von mir!“

Petrus glaubt, gegen einen feindlichen Willen zu kämpfen, doch in Wirklichkeit wendet er sich gegen den Christus-Willen, gegen den Willen nach dem heiligen Tod, dem die Auferstehung folgt. Petrus ist noch nicht reif für das Geheimnis von Lazarus-Johannes und daher scheitert er. Hier ist eine primär psychologische Erscheinung zu beobachten, die sich in Tausend Varianten im Leben wiederholt: Jene Seelen, die einen Willen und eine Stärke an den Tag legen, sind nicht die stärksten Seelen. Wie viele der heutigen Menschen, die „anerkannt“ und „erfolgreich“ sind, würden würdevoll eine dramatische Situation, gar den Tod annehmen?

Petrus ist schwach im Angesicht des Todes, während Johannes stark und ergeben ist. Und hier werden uns folgende Worte klar, die Christus laut Matth. (16:24) sprach: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“ Und Petrus hat sein Leben wirklich verloren, während Johannes es gefunden hat! Der Mensch Johannes konnte, nachdem sich Lazarus aus dem Grab erhoben hatte, mit gereinigtem und beflügeltem Geist einen neuen Adlerflug beginnen – zur Sphäre des Wortes Christi, die in der reinen und vollen Inspiration erklingt. Das wird in den aussagestarken Abschiedsworten des Erlösers im Johannes-Evangelium sichtbar.

Petrus gelingt der vollständige Übergang vom Bild zum Wort nicht und das Wort bewahrt seinen bildhaften Charakter, wie wir das in den sieben Gleichnissen zwischen dem 16. Kapitel und den Kapiteln über die Leiden im Matthäus-Evangelium finden. Sie sind das Christus-Wort, doch die Gleichnisse stellen grundsätzlich erzählte Bilder dar, sie sind keine reine Inspiration. Das Bild ist Nahrung für die Gefühle und diese machen die Schatzkammer des religiösen Erbes der Menschheit aus. Dagegen ist der Gedanke, das Wort Nahrung für das Ich, für den Geist. Zu den anderen Jüngern sprach Christus vorwiegend in Gleichnissen, während für den Kreis der Zwölf, die die Grundlage der geistigen Gemeinschaft um Ihn bildeten, das Wort vorgesehen war. Aber das Ich der Jünger war schwach, deshalb blieben die Worte unverstanden. Sehen wir nicht die gleiche Situation im Umfeld Beinsa Dounos? Gab es im 20. Jahrhundert Predigten, die bildhafter, Christus-ähnlicher waren als seine? Wie viele der Zuhörer konnten die Worte des Meisters in sich als Inspiration aufnehmen, oder gar als Intuition?! Warum haben seine Worte vor allem das Gefühl genährt und nicht das Ich der Zuhörer?

Die Antwort ist vielschichtig, doch sie ist in der Zeitenwende zu finden. Damals sagte Christus beim Geheimen Abendmahl zu den Jüngern, dass jemand von ihnen Ihn verraten werde. Am stärksten beschäftigte die Frage, wer das sein sollte, Petrus, doch er richtete sie nicht direkt an den Erlöser, sondern machte das über Johannes. Johannes war eine Art Spiegel für Petrus, der ihn vor der Gefahr warnte, die in Petrus selbst lauerte – das Bild des Verräters Judas. Das Abendmahl Christi rief bei Judas die größte Krise hervor. Nachdem er die Hand mit Christus in die Schüssel getauchte hatte, trat in ihn „der Satan“ ein, während sich Johannes zu seinem höchsten Flug emporhob. Matthäus berichtet in 26:31 über den Gang zum Ölberg: „Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen.“ Die Reaktion Petrus‘ ist am stürmischsten und er verspricht, sein Leben für Christus zu opfern und Ihn nie zu verleugnen. Als Wille ist die Stimmung des Lazarus-Johannes bei Petrus wach, doch er schläft ein – sein Bewusstsein wird besiegt. Dort, wo der dritte Kreis der Ereignisse beginnt, die nur mit der Intuition in richtiger Weise zu erfassen sind, versinkt Petrus in eine Art Schlaf, bei dem er die erhabenen Ereignisse von Leiden, Tod und Auferstehung nur als Bilder an sich passieren lässt – die Bilder eines Wachtraums. Die Ereignisse im Leben Christi schreiten voran, doch die Seele des Petrus kehrt noch einmal zum ersten Kreis des Bildes zurück und verweilt dort. Der im Garten Gethsemane schlafende Petrus ist eines der tiefsten Weltensymbole des schlafenden Felsens, was seine Verbundenheit mit dem Erdendasein zeigt. Die Sonne des Christus-Wesens hat die Wahrheit seiner menschlichen Erdennatur erhellt und von nun an ist er wie ein Schlafwandler. Er hat das Ohr des Dieners Malchus abgeschnitten – das ist ein Willensakt, der aber ohne das Licht des Bewusstseins vollbracht wurde. Im alten Ägypten und in Babylon in der Zeit des Stiers, der den Kehlkopf bildet, haben die Priester das magische Wort als ein Schwert zum Töten oder Wiederbeleben benutzt. In der Zeit des Widders und der Stirn (des Kopfes) war nun die Zeit der Gedanken gekommen, die aus der Stirn herausgehen. Doch Petrus hat sich nicht zu diesen Gedanken erhoben, sondern er ist in das Alte abgestürzt und hat sein Schwert genommen und das Ohr abgeschnitten. Alls er an Pfingsten erwachte, hat er die begeisterte Rede gehalten, wobei das alte Priesterwort umgewandelt und in den Dienst für Christus gestellt wurde.

Nachdem Christus gefangen genommen wurde, folgten drei Jünger der Prozession. Judas wurde besessen, sein Seelengehalt war nicht mehr menschlich, da sein Ich durch ein dämonisches Wesen entrückt wurde. So kam Judas zu seinem schrecklichen Ende. Der Seelengehalt des Johannes war auch nicht mehr menschlich, da in seinem Ich göttliche Wesen zur Geltung kamen. Lazarus-Johannes hatte vorher die wundersame Kraft der Christus-Taten erfahren und war in den Tempelschlaf des Todes geraten, der zur Auferstehung führt. Daher waren die geistigen Ereignisse, die nun vor sich gingen, für ihn vollständig beleuchtet, während die Prozesse der Außenwelt des Leibes vernebelt wurden. Er erlebte gnostisch das Golgatha-Geheimnis.

Dagegen befand sich Petrus, obwohl sein Seelengehalt noch menschlich war, in einem somnambulischen Zustand, denn an die Stelle seines Ich war eine dunkle, stumpfe Leere eingetreten. Das Bewusstsein der anderen Jünger befindet sich in den drei Grenzfällen des Judas, Johannes und Petrus. Das Evangelium sagt, dass sie davonliefen und stolperten. Das war eine Art geistiges Stolpern, ein Schockerlebnis, das das eintretende Mysterium von Golgatha hervorgerufen hat. Ihre Seelen wurden in alle Richtungen zerstreut.

Petrus war mit seiner konkreten Gestalt eine Prophezeiung für das Drama des ganzen zukünftigen Christentums, das vom Bild zum Wort und zur Intuition nicht aufsteigen konnte. Es gab den Glauben, die Verleugnung und den Verrat. Doch dürfen wir bei Petrus nicht auf die niederen Eigenschaften des Menschen schauen, sondern auf die großen Geheimnisse der Menschenseele. Das ist die Tragödie des Menschenwesens, das zu seiner Selbsterkenntnis im Licht Christi erwacht. Deshalb wäre es kein Zufall, wenn gerade Petrus demjenigen erscheint, der wirklich sein Kreuz auf sich nehmen und Christus nachfolgen will. Das geschah vor knapp zehn Jahren mit mir. Petrus hat den Schlüssel zum Himmel und keiner darf dorthin kommen, der nicht ganz gereinigt ist. Gerade davor wird uns Petrus warnen! Werden wir aber dem Weg zu Golgatha standhalten?

Nachdem Christus unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen war, sollte Simon-Petrus es auf sich nehmen, aber er war nicht wach. Deshalb erschien stattdessen Simon von Cyrene, der der Beschützer und das Urbild der „persönlichen Religiosität“ ist, des seelisch-moralischen Lebens, das zum Tod unseres Ich in Christo führt. Hier kommt die tief verborgene Schwäche des petrinischen Christentums, das danach entstanden ist. Simon von Cyrene trägt nicht freiwillig das Kreuz, wie das Christus verlangt, sondern er wird dazu von den römischen Soldaten gezwungen. So erfolgte später das Tragen des persönlichen Kreuzes zwanghaft und unter der Obhut der Kirche. Beinsa Douno hat diesbezüglich gesagt: „Christus hat nie das Christentum gepredigt. Die Heiden haben das Christentum erschaffen. Das Christentum ist eine Summe von Formeln, Regeln, die den Menschen auferlegt werden.“[13] Das petrinische Christentum hat sich beim Tragen des Kreuzes als machtlos erwiesen, denn es hat nur scheinbar das Geheimnis des Abendmahls gefunden. Anstatt des dritten Jüngers, der im Garten Gethsemane eingeschlafen war (Jakobus des Älteren) und das Abendmahl empfangen, d.h. das Blut Christi in den Kelch einsammeln und den Leib Christi vom Kreuz nehmen sollte, hat das Joseph von Arimathäa getan. Er ist der Mensch des Geheimen Abendmahls und der Beschützer des überpersönlichen (kosmischen) Christentums, bei dem wir zu einem vom Leib (Kreuz) freien kosmischen Bewusstsein kommen und in diesem Bewusstsein religiöse Handlungen in der geistigen Welt vornehmen können. Auf diese Weise wird die Liebe zu unserer Wirklichkeit. Mit Joseph von Arimathäa hat die Geschichte des Grals begonnen. Bemerkenswert ist, dass er nicht wie Simon von Cyrene den Namen desjenigen trägt, dessen Aufgabe er übernahm, sondern den Namen des Joseph aus dem Alten Testament. Letzterer war damals der Mensch des Abendmahls, der in Ägypten seinen elf Brüdern das Korn und den Becher gab.

Das Lukas-Evangelium schildert neben Simon von Cyrene eine Gruppe weinender Frauen. Auf dem Weg zum Hügel wandte sich Christus an sie mit apokalyptischen mächtigen Worten, die auf das bevorstehende Tragen des Kreuzes durch die Menschheit hinwiesen: „Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder! Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?“ (Lukas, 23: 28-31)

Als Christus gekreuzigt wurde, war der Baum des Lebens noch nicht völlig vertrocknet. Die Menschheit sollte dann gekreuzigt werden, wenn die Zeit des trockenen Baums gekommen war. Allmählich wurde die Zahl der Menschen wie Joseph von Arimathäa immer geringer und das mikrokosmische petrinische Christentum starrte wie die weinenden Frauen einzig auf den leidenden und sterbenden Christus und konnte das Kreuz nicht finden, geschweige denn das Reich des Makrokosmos, in das man nach der Auferstehung und Himmelfahrt kommt und wo das Gralsgeheimnis des Brotes und des Blutes lebendig ist. Beinsa Douno sagt, dass die Priester immer noch den Gekreuzigten beweinen, indem sie sich in Schwarz kleiden. Doch „die Leiden sind eine sekundäre Erscheinung im Leben Christi, die bei weitem nicht in der Lage ist, diesen wichtigen Moment in der Geschichte der Menschheit zu bestimmen“.[14] Anfang Februar 2005 wurden wir wieder daran erinnert: „Ihr müsst jenseits der Kreuzesleiden gelangen! Andernfalls ist die Seele nicht frei!“ [15]Joseph von Arimathäa erdreistete sich,  Pilatus um den Leib Christi zu bitten, da der Mensch des Abendmahls frei vom Kreuz ist, d.h. von jeglicher Nichtfreiheit. Das Johannes-Evangelium stellt Nikodemus neben Joseph, der ihm dabei hilft, den Leib vom Kreuz abzunehmen, einzusalben und ins Grab zu legen. Nikodemus befindet sich auch auf der Schwelle des Markokosmos und ist ein Mensch des Abendmahls. Nicht zufällig berichtet die Legende, dass das Geheime Abendmahl in seinem Haus stattgefunden hat.
In Anlehnung an diese von ihm nicht gelöste Aufgabe hat Jakobus das Evangelium später in den Westen verbreitet und ist zum heutigen Spanien gekommen – in die Stadt des Grals, wo er als Erster der Jünger seinen Märtyrertod gefunden hat. Sein Grab in Santiago de Compostela ist seit Jahrhunderten das Ziel von Pilgerfahrten.

Was geschah mit Petrus? Beim Abendmahl richtete er die Frage nach dem bevorstehenden Verrat an den Erlöser. Unter dem Kreuz stand Johannes als Einziger der Zwölf, aber da sein Bewusstsein viel schwächer mit dem Leib verbunden war, half ihm Petrus, drei Tage später vor dem leeren Grab auf die irdische Seite des Geheimnisses von Golgatha zu landen und dadurch zum vollständigen Verständnis des Todes Christi zu kommen.

Die beiden gehören zueinander. Die Zeit des petrinischen Christentums begann nach dem Aufruf des Christus zu Petrus „Folge mir nach!“ Petrus dreht sich um und als er sah, dass Johannes ihnen folgt, fragte er: „Herr, was geschieht denn mit dem?“ (Joh.21:21) Diesen Satz könnten man folgendermaßen deuten: Wird Johannes nur helfen oder hat er eine eigene Aufgabe? Johannes hatte eine Aufhabe für die Zukunft, deshalb schwieg er an Pfingsten – nicht weil er weniger als die anderen m Heiligen Geist war, sondern weil Petrus nach dem tiefen Schlaf im Garten Gethsemane heftiger aufwachte. Vom Heiligen Geist erfüllt, hat sich Petrus nun zu der Intuition emporgehoben und eine Rede gehalten, damit wir am Ende des 28. Kapitels des Matthäus-Evangelium die inspirierenden Worte des Auferstandenen Erlösers vom Berg zu finden:

„Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen d3s Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“.

Doch die Schwäche des Petrus wurde auch danach sichtbar. Er konnte keine positive Einstellung zum Schicksal bilden, welches auf den Thron in Rom den Kaiser gestellt hatte, denn in ihm sah er eine dämonische Form und gegen den Tod und den Teufel kämpfte er in jeglicher Form. Christus kämpft nicht gegen das Böse, sondern er stärkt das Gute, so dass das Böse an ihm zerschlagen wird. In Ihm lebt der unendliche Wille zum Opfer und Er besiegt die Widersachermächte, indem Er sich von ihnen kreuzigen lässt. Das erfüllt die Worte „Widersetzt euch dem Bösen nicht!“ mit einem tiefen und feierlichen Sinn. Wie oft können wir manche Zeitgenossen hören, die behaupten: „Ich bin Christ, doch wenn man mich auf die linke Wange schlägt, werde ich die andere nicht hinhalten.“ Die „Weisheit“ der Menschen ist kläglich im Angesicht der göttlichen Weisheit!

Petrus selbst sollte dem Kaiser Tribut zollen, um Kraft gegen die Dämonen zu erlangen und nicht blind gegen sie zu kämpfen. Die Legende, genauer genommen, die apokryphen Petrusakten besagen, dass er aus dem Kerker in Rom floh und auf dem Weg aus der Stadt der Via Appia entlangging. Auf einmal stand der Auferstandene vor ihm. Überrascht fragte Petrus: „Domine, quo vadis?“ (Herr, wohin gehst du?“) Darauf antwortete Christus: „Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen“. Nun sagte Petrus nicht mehr „Herr, schone Dein selbst, das widerfahre dir nun nicht“. Diesmal erkannte er, wie weit er von Christus und Seiner Opferbereitschaft entfernt war und ging in die Hölle Roms zurück, um gekreuzigt zu werden und als Märtyrer am Kreuz zu sterben. So hat er mit seinem Tod die Zukunft des Christentums besiegelt. Bei der ersten Kreuzigung Christi war Petrus nicht dabei. Nach Golgatha ging er nach dem Auftrag Christi nach Rom, wo er ein Zentrum des Christentums gründete, dem er als Bischof 25 Jahre lang vorstand. Der Erlöser sah, was passieren würde, denn mit dem Tod auf Golgatha wurden Ihm alle Geheimnisse bis zum Ende der Schöpfung offenbar. Aber Er wollte, dass es durch den Pakt zwischen den Nachfolgern des Petrus und den Zäsaren das römische Christentum existiert, was Seine zweite große Kreuzigung war. Solange Christus noch lebte, haben Ihm die Menschen fünf Einweihungswunden zugefügt: mit der Dornenkrone am Kopf und den Nägeln an beiden Händen und beiden Füßen. Nach dem Großen Opfer des Ich im Vater hat Er die sechste Einweihungswunde durch die Lanze des Longinus erhalten. Doch Christus hat auch eine siebte Wunde, die in den Evangelien nicht erwähnt wird. Der zweifelnde Thomas war das prophetische Bild des zukünftigen, sich immer weiter von Christus entfernenden römischen Christentums. Mit seinen Werken hat dieses Christentum die siebte geistige Wunde dem Erlöser zugefügt. Die halbmythischen Helden des Altertums hatten nur eine Einweihungswunde – etwa Achilles und seine ungeschützte Ferse. Und der Gottessohn hat sieben Wunden durch uns erhalten!

Warum haben wir das getan? Waren nur unsere Schwächen daran schuld? Waren die Seelen bereit, die feurigen Warnungen und prophetischen Worte Johannes des Täufers über den großen Umbruch auf dem irdischen und geistigen Plan mit der Ankunft des Erlösers zu hören? Bis zum Herabstieg Christi lebten die Menschen in der Zeit der Mythen und der Naturreligion. Damals suchten sie nach der Erde, deshalb ist es ungerecht, diese Zeiten für heidnisch zu halten. Doch nach Golgatha ist jeder, der zurückblickt, ein Heide! Die Entwicklung des Christentums, auf die wir später eingehen werden, bestätigt die Aussage Beinsa Dounos, dass „die Heiden das Christentum erschaffen haben“. Die Seelen waren einfach nicht für die Wandlung bereit und das Christentum wurde zu einer Religion, die laut Beinsa Douno ein „rein menschliches Werk“ ist – „Christus hat keine Religion gebracht, sondern eine große göttliche Lehre, die auf der Erde angewendet werden kann.“[16]

Bei der Taufe im Jordan hat Johannes die Menschen vollständig unter Wasser getaucht und dabei einen Prozess in ihnen ausgelöst, der dem Sterben ähnlich ist. Dabei traten der Äther- und  Astralleib und die Seele aus dem physischen Leib aus. Die Seele hat die Dreiheit ihres Daseins erlebt – sie sah zum physischen Leib herunter, der die Kräfte des Vaters trägt. Sie schaute zum geistigen Ich hinauf, das mit ihr im Erdendasein vereint war und hat es als eine Taube oder eine Feuerzunge kontempliert. Auf diese Weise hat die Seele all ihre Sünden und Fehler im Leben eingesehen, so wie das in den ersten Tagen nach dem Tod geschieht. Und nachdem sie eine Zeitlang mit dem über ihr schwimmenden Ich vereint war, ist sie wieder auf das Festland getreten. Nun war sie schon neugeboren, sie fühlte sich durch die Taufe wie der Sohn, der zwischen dem Vater und dem geistigen Ich steht.

Die Taufe des Johannes stellte eine Verkürzung des ganzen vorchristlichen Kultlebens dar und wurde eine Zeitlang im ursprünglichen Christentum praktiziert. Doch nach dem Eintreten des Ich in die leibliche und seelische Hülle verhärtete sich der Körper. Das Verhältnis der einzelnen Bestandteile des Menschenwesens zueinander hat sich gewandelt, obwohl äußerlich keine besondere Veränderung zu bemerken war. Heute wäre es jedoch völlig widernatürlich, die Johannes-Taufe vorzunehmen, da sich die seelisch-geistige Natur schwer vom Leib trennen würde. Vor allem könnte sie nicht wieder in den Leib eintreten und die nötige Elastizität der Organe vorfinden. An die Stelle der Taufe mit Wasser außerhalb des physischen Leibes sollte die Taufe mit dem Heiligen Geist und dem Feuer innerhalb des Leibes durch das Erleben des Christus treten! Als Jesus aus Nazareth in den Jordanfluss hineinwatete, haben sich die vorchristliche und die christliche Taufe vereinigt: die erste wurde äußerlich ausgeführt (das Ätherisch-Seelische ist aus dem Physischen ausgetreten), doch draußen hat sich in diesen Opferbecher das Christus-Wesen als Ich, das aus dem reinen Feuer der Liebe besteht, ergossen. Als das Ätherisch-Seelische wieder in den Leib eintrat, hat sich das Christus-Ich verkörpert – die Befreiung vom Leib und die Erfüllung des Leibes trafen aufeinander. Es wurde der Weg gebahnt von der Nichtfreiheit der ausgestrahlten Seele zur Erfüllung mit dem Geist und mit der Freiheit. An Pfingsten ist das von Christus erfüllte geistige Ich in den Menschen eingetreten und seitdem kann jeder von uns zum Menschen-Ich im christlichen Sinne werden, wenn er das niedere Ich (den kleinen Hüter der Schwelle bzw. den Engel des Todes) transformiert und seinem höheren Ich erlaubt, in ihm im Sinne der Worte „Nicht ich, sondern Christus in mir“ aufzugehen. Diese Entwicklung des Ich ist die Taufe mit dem Heiligen Geist als reine Seele und dem Feuer des Christus-Ich. Beide treten in den Menschen ein, ohne dessen Bewusstsein auszulöschen, sondern den Menschen – obwohl in einem Erdenleib lebend –  für die Geisteswelt zu erwecken.

Doch um den richtigen Rückweg zur geistigen Welt zu finden, sollten wir „auf das Festland“ herauskommen. So wie Christus aus dem Himmel (dem Meer des Geistes) auf die Erde herabstieg, haben die ersten Jünger – die Fischer – das Meer verlassen. Auf dem Festland beginnen nämlich das persönliche Leben, das persönliche Schicksal und die persönliche religiöse Einstellung zu Gott. Das Christentum gibt dem Menschen den Mut, eine Persönlichkeit zu sein, es sagt ihm: „Solange du von Natur aus reich am stärkenden seelisch-geistigen Lebensgehalt bist, stehst du noch im Vorraum des Christentums. Erst wenn du „arm wirst“ und in die Not des tatsächlichen Wandelns auf der Erde kommst, wirst die durch die Pforte gehen, die zum Christsein führt.“

Warum konnte Christus nicht die geistigen Kräfte verwenden, in denen die Jünger bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hatten? Das waren die Kräfte des Seelenlebens und der geistigen Sicht, die von der Natur ausgingen; diese Kräfte waren von außen geschenkt worden, während vor Christus nur das Geistige Geltung hat, das von innen heraus, vom Ich erworben worden ist. Zwischen der natürlichen und der Ich-Geistigkeit steht die „Armut“, so wie zwischen dem Leben und der Auferstehung der Tod steht. Diese Armut ist todbringend, doch sie führt auch zur Neugeburt. Wie viele der heutigen Extrasensheiler schmoren im Feuer der heidnischen Geistigkeit?! In der Bibel heißt es: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“(Matth.6:24). Der Mammon ist etwas mehr als der Gott des Geldes. Er ist der Gott der Hindernisse, der Bindung am Alten. Keiner kann gleichzeitig der Zukunft (Christus) und der Vergangenheit (Mammon) anhängen. Die Zukunft, die arm ist, erfordert Mut. Im Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium (16:19-31) ist der arme Lazarus der Mensch des Geistes, der sich zwar von den Brotresten des reichen Seelenmenschen ernährt, dem aber die Zukunft gehört. Nach dem Tod wird der alte seelische Reichtum zur Glut der Begierden, in der der Reiche verbrennt. Dagegen wird der Geistige, der zwar arm ist, in die reinen Gebiete des Geistes aufgenommen. Weh dem Reichen, da ihm Armut droht und Ehre dem Armen, da er reich sein wird! Jedem, der ein Nachfolger Christi werden will, gelten die Worte: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel haben ihre Nester, aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann“(Matth.8:20). Ohne die vaterlandslose Ich-Werdung gibt es kein wahrhaftes Christentum. Wer von Natur aus eine starke religiöse Veranlagung hat, also leicht in der Strömung einer Kirchengemeinschaft mitschwimmt, hat sich noch nicht zu dem festen Ufer der christlichen Nachfolge erhoben. Das sind all diejenigen, die sich in einer jeglichen Kirche, Religionsgruppe usw. wohlfühlen. In der Regel sind dort die Erscheinungen atavistischer Spiritualität besonders oft vertreten. Für die Nachfolger der östlichen Spiritualität sind diese Erscheinungen geradezu zum Zweck geworden!

Deshalb warnte der Apostel Paulus bereits am Anfang der christlichen Entwicklung, dass „die Frauen in den Gemeinden schweigen sollen“ (1. Korinther 14: 33). Paulus ist nicht gegen die Frau im Priesteramt, sondern gegen das naturmäßige sybillinische Element, das in der neuen Zeit keinen Platz mehr hat und das primär den Frauen im Altertum gelang, obwohl das Sybillentum nicht auf das Frauengeschlecht eingeschränkt war. Da es keinen Menschen gab, der die Botschaften der Geisteswelt deuten konnte, sollte über sie geschwiegen werden. Die Sprache der Geisteswelt zu verstehen war viel wichtiger als die Botschaft selbst, die sich sonst nicht als Inhalt und Quelle einschätzen ließ.

Die Menschen haben sich auf den Weg zum persönlichen Christentum erst mit der Reformation Luthers gemacht – vor 500 Jahren, als die Entwicklung der Bewusstseinsseele ihren Lauf nahm. Auf diesem Weg gibt es drei Gefahren, die zu überwinden sind:

  1. Die erste droht im menschlichen Umfeld, wo die Kräfte des Vergangenen wirken;
  2. Die zweite Gefahr liegt in der Gegenwart und kommt aus dem Inneren des Menschen;
  3. Die dritte bedroht seine Teilnahme an der Gestaltung der Zukunft und stellt seinen eigenen schöpferischen Beitrag in Zweifel.

Die drei Gefahren können wir nennen:

  1. a) Schwäche – Vergangenheit,
  2. b) Krankheit – Gegenwart,
  3. c) Tod – Zukunft.

Solange der Mensch nicht für die Persönlichkeit erwacht ist, stärken ihn in seiner Schwäche die Formen und Sitten der ihn umgebenden Welt, die die früheren Generationen geprägt haben. Es ist einfach, moralisch zu handeln, wenn man sich auf die Bräuche beruft, doch moralisch aus der persönlichen Sittlichkeit heraus zu handeln, ist schwierig, da hier der Mensch sich selbst überlassen ist. Er macht Fehler und es fällt ihm schwer, diese Fehler zu berichtigen. Das kommt besonders in der Periode der Geschlechtsreife zum Vorschein, wenn der Jugendliche seiner Zukunft entgegenschaut und die Umwelt ihn mit ihren Sitten enttäuscht. Heutzutage erlebt die ganze Menschheit diese Geschlechtsreife und sie sieht die völlige Schwäche und Geschmacklosigkeit der bürgerlichen und der sozialistischen Moral. Ob sich eine Strömung Liberalismus, Sozialismus, Konservatismus bzw. ein anderer „Ismus“ nennt, ist unbedeutend – sie alle wollen das Paradies auf die Erde gründen. Christus hat allerdings gesagt, dass Sein Reich nicht von dieser Welt ist. (Joh. 18:36), Diese Anstrengungen der Menschen führen zu großer Enttäuschung und zu einer furchtbaren moralischen Schwäche, die die zweite Gefahr des persönlichen Lebens mit sich bringt – die Krankheit. Der Mensch möchte zu einer Persönlichkeit werden, doch sein Ich ist schwach. In seiner Seele brennt die heiße Begierde, die Sünde, die vom schwachen Ich nicht gezügelt wird. Dieses Feuer trocknet die lebendigen Ströme der Aufbaukräfte aus, was zur Krankheit des Leibes führt. Der Mensch, der am Anfang seiner Ich-Entwicklung steht, hat ein schwaches Ich, eine brennende Seele, ein vertrocknendes Leben und einen kranken Körper. Natürlich gibt es auch Krankheiten, die an äußeren Ursachen liegen, doch die Krankheit als primäre Erscheinung beim Menschen ist auf die Schwäche des inneren seelisch-geistigen Kerns zurückzuführen – auf die Sünde. Und es folgt die dritte Gefahr des persönlichen Schicksals – der Tod der lebensbringenden Kräfte. Der Mensch arbeitet, doch es entsteht kein „Werk“. Das erste Goetheanum – das einzige Gebäude, das als Lebendiges Wort gebaut worden war -, ist wegen der Krankheit der Menschheit niedergebrannt.

Heutzutage sprechen alle, doch ihre Worte säen keinen lebendigen Samen in die Seele des Gegenübers ein, es wird keine Zukunft erschaffen. Wir können sagen, dass das Ewig-Weibliche, das Jungfräulich-Mütterliche in den Menschen ausstirbt. Wenn dieses heilige Prinzip der Zukunft in uns lebendig ist, dann werden bei einem Gespräch die Samen in die Seele des Zuhörers als eine reine unbefleckte Empfängnis von dem Sprechenden gesät. Im Schoß der Seele reifen diese Samen, aus denen dann ein Wesen erwächst – das ist das lebendige Schöpfertum des Sprechers!

Neulich wurde im Gespräch mit einer völlig verzweifelten Frau, die am Rand des Selbstmords stand, der Samen gesät, so dass sie am nächsten Tag ausrufen konnte: „Bei mir wurde der Chip ausgetauscht!“ Trotz des schrecklichen Lebens, das sie in den letzten Jahren geführt hatte, war die Jungfrau in ihr lebendig und nachdem die Seele-Jungfrau im Laufe unseres Gesprächs von den Dämonen im Leib befreit wurde, konnte sie sich zum Geist emporheben – Christus im Sprecher und Christus im Zuhörer konnten sich begegnen. Als Folge hat der Erlöser und der einzige Heiler ihre Seele belebt und die Frau ist zu neuem Leben auferstanden – „der Chip wurde ausgetauscht“. Das ist die wahrhafte christliche Heilung der Seele! Wenn die Jungfrau im Menschen tot ist, dann ist das Sprechen umsonst und der Zuhörer bleibt hart und verschlossen. Der Tod der Seele ist bereits eingetreten!

Doch das persönliche Christentum ist bei weitem nicht das ganze Christentum. Es ist eine Stufe, nach der das kosmische Christentum kommt, das heute noch nicht da ist. Die große Schuld daran trägt die Kirche in all ihren Variationen. In der Zeit vor der Ankunft des Ich war der Priester auch der Richter der Seelen – „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Durch die Strafen hat er die Sünden von den Menschen genommen. Nach der Ankunft Christi haben diejenigen, die von Ihm erfüllt sind, die Möglichkeit, allein die notwendige Korrektur des Schicksals vorzunehmen, indem sie Seine Kraft – die Kraft ihres höheren Ich – benutzen. Aus diesem Grund verlangte der Erlöser, dass die Sünden der Menschen beiseite gelassen werden sollten. Der Priester des Christus muss die Seelen stärken und nicht diese richten. Doch das petrinische Christentum verfiel bald in die alte Richtereinstellung, die das Ich schwächt. Das Heidentum hat die Oberhand bekommen, was beim Praktizieren der sieben Sakramente sichtbar wird – der Taufe, Firmung, Buße, Eucharistie, Ehe, Priesterweihe und Ölung. Bisher hat das Christentum seine Wirklichkeit nur in den ersten drei Sakramenten entfaltet, die die Stufen des „persönlichen Christentums“ darstellen. Die restlichen Vier, die zum überpersönlichen, kosmischen Christentum führen, haben zwar äußerlich existiert, doch sie wurden durch die Begriffe und Gefühle erlebt, die für die ersten drei geeignet waren und so wurde der christliche sakramentale Organismus dort aufgehalten. Das Prinzip des römischen Katholizismus wurde als heidnisch empfunden und es wollte den Menschen vor der allmählichen natürlich-geistigen Verarmung bewahren, die das persönliche Schicksal mit sich bringt. Wenn der typische Katholik hört, dass über Religiöses gesprochen wird, wird er in eine Art Entrückung der Empfindungsseele hinweggetragen. Geschieht das im Rahmen der katholischen Kirche selbst, gerät er in eine Frömmigkeit des alten Typs, in der das Ich noch nicht lebt. Der Verstand des einzelnen Menschen verstummt und nur der Verstand der Kirche, der im Dogma verkörpert ist, bleibt lebendig und spielt die Rolle des Vertreters der geistigen Welt. Wenn man außerhalb der katholischen Kirche über religiöse Themen spricht, geschieht die gleiche Entrückung, aber auf einer höheren Stufe, auf der die Gebetsstimmung weniger zur Geltung kommt. Nun wird durch die Empfindungsseele nicht das Gefühl, sondern das Denken hinaufgetragen und der Katholik erinnert sich daran, was „die Kirche“ sagt und lehrt. Diese Erinnerung bringt ihm Ruhe beim Hören fremder Gedanken, denn durch die in ihm überwiegende Empfindungsseele hat er sich über den Disput erhoben und es fällt ihm leicht, von Verurteilungen abzusehen.

Der Katholik ist noch „auf dem See“, während das Protestantentum der Anfang des „Wandelns auf dem Festland“ darstellt. Beim Protestanten ist durch die Verstandesseele das Denken vollkommen irdisch-ichhaft geworden, was am besten beim Halten von Predigten zum Ausdruck kommt. Das Ich ist allerdings noch schwach, um andere Ideen zu ertragen, was zu Nervosität bei Diskussionen führt. Die kritische Verstandesseele verfällt zu leicht ins Verurteilen. Selbstverständlich gibt es viele Abstufungen der Offenheit gegenüber dem Neuen unter den verschiedenen protestantischen Strömungen. Das am 07.01.2006 in der Methodischen Kirche in Varna stattgefundene Konzert mit Liedern Beinsa Dounos spricht Bände. Das ist sehr wichtig, denn von der Verstandesseele aus führen zwei Wege – der Rückweg zur Empfindungsseele durch die materialistische Elementarisierung der großen Christus-Geheimnisse, die zum „einfachen Glauben“ führt, und der Weg nach vorne zur Bewusstseinsseele. Das schmale Tor – „das Nadelöhr“ – das ist das Tor des Todes, das Tor des Ich. Zu diesem Tor kommt man auf dem schmalen Pfad und die Geister trennen sich, denn die auf dem breiten Weg wandelnde Seele erreicht dieses Tor nicht. Heute ist der breite Weg der Kirche oder einer religiösen Strömung eigentlich eine Handlung im Diesseits, die nichts anderes als die Früchte des Erkenntnisbaumes mitbringt – „Dornen und Disteln“ statt „Feigen und Trauben“ (Brot und Wein). Jenseits des Tors des Ich ist die Sonne und dort ist der Baum des Lebens, der Baum des Sohnes. Dieser Baum „wird nicht abgehauen und ins Feuer geworfen“ (Matth, 7:19), da dort nicht über das Ich und über Christus gesprochen wird, sondern vom Ich und vom Christus aus und solche Worte tragen lebendige Früchte. Vor der großen Gefahr, sich an eine Gemeinschaft zu heften, warnte uns Beinsa Douno mit den Worten „Lasst euch nicht irreführen. Hütet euch vor alten Angewohnheiten, alten Ansichten. Es gibt etwas Träges, Unbewegliches im Menschen, was ihn faul macht. Das ist nicht die eigentliche Natur des Menschen“.[17]

Diese Trägheit kommt auch in der orthodoxen Kirche zum Ausdruck, die in der Mitte zwischen der Empfindungs- und der Verstandesseele steht, zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus. Doch sie neigt mehr zum Alten, zum Vereinheitlichen des Denkens im Dogma und zur Vermischung mit alten Kultformen. Wir können nur einen Blick auf die schrecklichen Tieropfer werfen, um festzustellen, dass das Geheimnis der Eucharistie heute überhaupt nicht verstanden wird. Das ist im Protestantismus sogar mit der persönlichen Angst vor der Sünde verbunden, die den Menschen nicht zum kosmischen Sinn der Eucharistie mit dem Brot und Wein erhebt. Dadurch bleiben die Natur (das Brot) und der Wein (der Geist) von einem tiefen Abgrund getrennt. Die Eucharistie wird sogar als persönliches Heilmittel angesehen, statt als ein kosmischer Prozess erlebt zu werden, der die Welt umwandelt und geistige Gemeinden gründet.

Die gleiche Herabwürdigung sieht man auch beim Sakrament der Ehe. Wir können uns hier an die irdische Vormundschaft für die Ehe seitens der katholischen Kirche erinnern, an die Rolle der Frau im religiösen Leben, an die Brandmarkung der Sexualität als „Sünde“ usw. In der Zeitenwende machte der Heilige Geist durch die beiden Marien aus dem Lukas-Evangelium und dem Matthäus-Evangelium seine letzte naturgemäße Offenbarung als eine mütterliche Weltenseele, so wie er in der ganzen vorchristlichen Existenz pulsiert hatte. Christus hat das Fundament der christlichen Ära des Heiligen Geistes gelegt. Der Erlöser wurde der neue Geist, die neue Seele der Erde. Auf diese Weise wurde Er auch in Seiner ätherischen Neuerscheinung zum Träger des Ewig-Weiblichen. Dieses Geheimnis ist eines der wichtigsten Geheimnisse des zukünftigen Christentums. Der Heilige Geist hat seinen alten marianistischen Charakter  in einen michaelischen umgewandelt – Michael ist das Symbol der Männlichkeit. Aber das gehört nicht zu unserem Thema. Für uns ist es wichtig, dass mit ihrer Einstellung zur Frau die katholische und orthodoxe Kirche der Menschheit den kosmischen Christus entzogen, der den Menschen im Sakrament der Eucharistie nährt. Durch die Verunglimpfung des Geschlechtslebens wurde den Menschen der „auf dem See wandelnde“ und den Sturm beruhigende Christus entzogen, der der Menschheit wieder das Ewig-Weibliche mitgebracht hat.

Die sechste Stufe – die Priesterweihe – wurde als Macht über die Schlüssel des Himmelsreichs und als Vollmacht zur persönlichen Sündenvergebung aufgefasst. Und hier fängt der große Irrtum an. Mit der Entwicklung des Ich wird der Mensch allmählich zu seinem eigenen Beichtvater, da es keine fehlerfreien Menschen gibt. Es stimmt zwar, dass Petrus 25 Jahre lang der erste Bischof in Rom war, doch der Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes ist völliger Irrtum – die Worte „Hebe dich von mir, Satan!“ zeugen nicht nur von den Grenzen des Petrus, sondern von der Relativität des historischen petrinischen Christentums. Es stimmt, das Petrus den Schlüssel des Himmelsreichs bekommen hat und dadurch zum Träger eines allumfassenden sakramental-priesterlichen Auftrags wurde. Er hat von Christus das erhalten, was er damals erreicht hatte. Hier war Erreichen und Annehmen das Gleiche. Jeder kann zu einem solchen Priester werden, wenn er zum Gefäß und zum Werkzeug Christi wird, um dem Menschen, ohne etwas von ihm wegzunehmen, nur das zu geben, was man aufgrund der eigenen Reife erreicht hat. Doch unmittelbar nachdem Petrus den Schlüssel erhalten hatte, folgte der Aufruf an den Satan. Deshalb ist Petrus nicht der Mann der geöffneten Himmelspforte, sondern der irdische Felsen.

Es entsteht die Frage, warum zum ersten Apostel und Träger des Auftrags des christlichen Priestertums nicht Johannes – der Träger der christlichen Einweihung – gewählt wurde, sondern Petrus? Warum sollten der christliche Eingeweihte und der christliche Priester zuerst voneinander getrennt sein?

Eine Antwort, die direkt mit unserer Zeit zusammenhängt, erhalten wir durch die Worte „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Matth. 16:18). Aus dem esoterischen Christentum ist bekannt, dass die Himmelspforten oben nicht geöffnet werden, ohne dass auch die Pforten der Hölle unten als Widerspiegelung geöffnet werden. Derjenige, für den sich der Himmel öffnet, soll alles, was er mit den Engeln erlebt, von den Dämonen des Abgrunds erlangen! Seitdem sich vor Johannes das Grab öffnete, stand er jenseits der Pforte – für ihn ist das Himmelstor geöffnet. Wenn er zum Führer des Christentums geworden wäre, hätte die Menschheit bereits die Kraft zu den heftigsten Kämpfen gegen die Dämonen besessen, anderenfalls hätten die Pforten der Hölle die Kirche besiegt. Solange Petrus der Führer ist, hat die christliche Menschheit eine Frist zum Sammeln dieser inneren Kräfte. Der Materialismus der letzten Jahrhunderte, die dem 20. Jahrhundert vorausgingen, hat die Tür des Menschen zur Geisteswelt zugemauert und seine Abwehrkräfte gegen die Dämonen abgeschwächt. Doch 1879 begann das Zeitalter Michaels, Ende des 19. Jahrhunderts fand das Zweite Golgatha statt und 1899 war das Kali-Yuga zu Ende. Es begann die Zweite Wiederkunft. Mit Anbruch des 20. Jahrhunderts begann eine starke geistige Welle in unser Erdenleben einzuströmen, was in Wissenschaft, Kunst und Religion sichtbar ist. Petrus hat uns durch die dunkle Zeit hindurch geführt, doch das „Tausendjährige Reich“, bei dem der Satan hinter den geschlossenen Pforten der Hölle gefesselt war, ging zu Ende!!! Es begann das Zeitalter des Johannes. Doch uns erwartet kein „Tausendjähriges goldenes Zeitalter“, wie manche irrtümlicherweise denken, sondern dramatische Kämpfe mit den Dämonen. Durch diese Kämpfe werden sich die Himmelspforten immer breiter öffnen, d.h. der Ätherische Christus wird immer sichtbarer werden. Das petrinische Christentum trug einen seelischen Charakter und bei ihm hatten die vierte, fünfte und sechste Stufe der Sakramente die Tendenz, auf die dritte zurückzufallen – auf die Stufe des seelisch-persönlichen religiösen Lebens, die Stufe der Beichte und der Sündenvergebung. Das Johannes-Christentum wird geistigen Charakter tragen, denn sein Anker befindet sich oben – jenseits der Pforte der siebten Stufe. Das lässt sich durch Symbole folgendermaßen ausdrücken: Petrus hat den sechsten Rilasee erreicht – „Das Auge“ und hat kurz zum Himmel aufgeblickt, doch er konnte nicht den siebten See – „Den Kopf“ erreichen und eine Neugeburt wie Johannes erleben, um immer eine offene Pforte vor sich zu haben. Nur ein solcher Mensch schafft den Übergang vom Geheimnis der persönlichen Erlösung zum Verständnis der Umgestaltung des Ewig-Weiblichen und zum Geheimnis des neuen geistigen Priestertums. Hierbei können wir uns an die Worte Beinsa Dounos erinnern „In das Reich Gottes tritt man mit Weisheit ein.“ Er sagte auch: „Es wird zu euch von nun an mit dem Geist der Wahrheit gesprochen – dem höchsten Gipfel, der jemals gesehen sein wird.“[18]

Die Verarmung der seelischen Gleichheit im religiösen Leben hört auf, die geistigen Geheimnisse offenbaren sich. Diese Geheimnisse stellen das Rüstzeug im Kampf gegen die entfesselten Dämonen dar. Das christliche Priestertum und die christliche Einweihung müssen eine Einheit bilden, wie das bei Paulus prophetisch zur Geltung kam. Auf dem äußeren Plan war er Priester, doch er gründete auch die erste esoterische christliche Schule, an deren Spitze Dionysios Areopagita stand.

Sind die Menschen auf diesen gigantischen Übergang vorbereitet? Mit großer Besorgnis können wir feststellen, dass sie keinen Schutz gegen das Atavistisch-Magische, gegen die Hölle haben! Im 20. Jahrhundert hat sich Sorat selbst zweimal aus dem Abgrund erhoben – durch den Faschismus und Kommunismus. Am Ende des Jahrhunderts betraten auch die Asuras die Bühne, um sich dem Angriff gegen Christus und das Christentum in den drei Sphären des Lebens anzuschließen, nachdem mit wenigen Ausnahmen die drei Impulse der Engel, die sie in unseren Astralleib ergießen sollten, nicht richtig aufgenommen wurden. Wohin das führt, werden wir an einem Beispiel sehen: Neulich sagte die Schriftstellerin Vera Mutaftschieva völlig sorglos Folgendes: „Wenn ich diese Welt verlasse, möchte ich in die Hölle kommen und dort Jordan Raditschkov[19] antreffen. In der Hölle gibt es Action, dort ist es nicht so langweilig wie im Paradies“. Mit erstaunlichem Leichtsinn wird unser wertvollstes Gut – das Leben – als Vergnügen betrachtet! Der Wunsch Mutaftschievas wird zweifellos in Erfüllung gehen.

Während seiner Zeit als führender Zeitgeist hat der Erzengel Gabriel in unserem Gehirn ein besonderes Organ zum Verständnis der geistigen Wahrheiten ausgearbeitet. Wenn dieses nun nicht in den Gebrauch kommt, gerät man unter den Einfluss des Mammon, was zu entsetzlichen Epidemien von Nervenkrankheiten führt. „Zukünftig werden die Kinder mit einem zerstörten Nervensystem zur Welt kommen“, warnte uns Steiner.

Heute gibt es viel Geistigkeit in der Welt, aber der Mensch kann sie nicht aufnehmen und verfällt wie Petrus in einen somnambulischen Zustand, um auch zum Verrat Judas‘ zu kommen. Den Atheisten nannte Beinsa Douno „einen Wahnsinnigen“ und Steiner -„krank, organisch verstört“. Wer das Göttliche gespürt hat, hat nur den ersten Schritt zum Geist gemacht, der jedoch nicht ausreichend ist. Wenn wir in unserem Leben nicht Christus finden, fühlt sich unsere Seele unglücklich. Dann ist auch das Tor zum Geist geschlossen, was die Seele entartet und schwächt, deshalb kommt es zu schwachsinnigen Äußerungen wie die oben Angeführte. Diese Seelentragödie spielt sich überall um uns herum ab, denn nun ist die Zeit des trockenen Baums und das Golgatha ist für die Menschheit gekommen. Nun soll sich der Erdenmensch, der aus Seele und Leib besteht, mit dem Himmelsmenschen (dem höheren Ich) vereinigen. Doch das soll nicht durch die Übertragung des niederen Ich in die Höhen des Himmlischen über die Empfindungsseele geschehen, sondern durch die Verkörperung des himmlischen Ich unten, im Irdischen auf dem Weg der Bewusstseinsseele.

Das Johannes-Christentum steigt aus der Engelswelt auf die Erde herunter, doch es hat sich erwiesen, dass die Menschen Schwierigkeiten bei seiner richtigen Rezeption haben. Einerseits haben wir das Geld, das mit seiner unglaublich angewachsenen okkulten Kraft den Menschen einfach zerdrückt. Schon vor vielen Jahren warnte uns Beinsa Douno: „Sich in das Gold (das Geld) verlieben, ist eine besondere Art von Verbrechen“.[20] Hier ist Mammon in seinem Element und er vereint die Kräfte Ahrimans und der Asuras, wie auch Steiner sagte. Die Mammonisierung der Menschheit hat zum heutigen Terrorismus geführt. Dazu riet uns Beinsa Douno: „Um das Böse zu vermeiden, dürft ihr nicht dagegen kämpfen, sondern jeden Tag etwas Neues in euer Verständnis einbringen. Ihr dürft nicht lange in der alten Auffassung verbleiben“.[21]

Andererseits sind die Seelen, die nach den spirituellen Wahrheiten suchen, für das Johannes-Christentum nicht wach und stürzen in ihrer Mehrheit in den alten Auffassungen ab. So hatte Shirley McLaine auf dem Jakobsweg von Südfrankreich über die Pyrenäen und Nordspanien nach Santiago de Compostela viele okkulte Erfahrungen, die sie aber wegen der Unreife ihrer Seele nicht begriffen hat und zur Mittlerin stark entstellten Eingebungen „von oben“ wurde. Mariana Vezneva[22], die zweifellos übersinnliche Fähigkeiten besitzt, konnte auch nicht zum esoterischen Christentum heranreifen und bringt alles mit Shamballa in Verbindung. Als sie letztes Jahr ausführlich über die Kornkreise und ihre Figuren in England und anderen Ländern vortrug, hat sie diese wieder als das Werk Shamballas hingestellt. Auf die Frage, wo hier die Rolle des Christus ist, erwiderte Vezneva, ohne eigentlich gewahr zu werden, was sie sagte: „Also Christus ist hier nicht anwesend!“ Wenn Er nicht hier anwesend ist, wer ist dann anwesend?! Die Antwort ist klar! Kubrat Tomov[23] erklärte vor einigen Jahren öffentlich und scheinbar unvermittelt, dass Christus nicht gekreuzigt worden, sondern irgendwo im Himalaya gestorben wäre. Heute möchte er, dass wir „Bulgarien retten“, jedoch nicht im Namen Christi, sondern im Namen Tangras und der abstrakten Spiritualität. Man könnte viele weitere Beispiele anführen, die alle zu der Schlussfolgerung führen, dass die „alten Autoritäten“ einen offensichtlichen Bankrott erlitten haben. Was ist zu tun?

Aus der Zusammenarbeit des Petrus und Johannes soll die Gemeinschaft der Bewusstseinsseele – des Menschensohnes – erwachsen, der durch die Neugeburt den Gottessohn (das höhere Ich) annehmen soll. Das wird derjenige erreichen, der nicht nur sein Kreuz zum Golgatha trägt, sondern auch langsam das Kreuz der ganzen Menschheit auf sich nimmt, um voller Mut mit Christus zusammen in die dunkelste Ecke des Kreuzestodes einzugehen. Nicht das Mitgefühl zu einzelnen Menschen, und sei es zu Christus selbst, führt uns aufwärts, sondern das Mitgefühl mit der Menschheit, das Leiden zusammen mit Christus. Nur so kann das Christentum, ohne das Persönliche zu verlieren, zum Kosmischen und Geistigen emporsteigen, um in den Ereignissen auf Golgatha prophetische Bilder der Zukunft der Menschheit zu sehen.

Der Meister ist sich sicher, dass jeder, der in die Welt kommt, „um die göttliche Lehre hineinzubringen“, im Auge behalten soll, dass „Christus in uns ist“[24] Doch nur „reine und edle Seelen“ sind in der Lage, die Göttlichen Gedanken wahrzunehmen, „ohne deren Reinheit und Kraft zu beeinträchtigen“. [25]

Die Praxis zeigt aber, dass bei uns Menschen das religiöse Erbe immer mehr verloren geht, je intellektueller wir werden. Das religiöse Gefühl kommt abhanden. Das Kreuz ist zum Schmuck geworden und die Verhöhnung des Christus wird immer wahnsinniger und monströs. Der Wahnsinn hat alle erfasst! Wie können wir die Worte Beinsa Dounos verstehen, dass das Christentum wie „Sauerteig“ ist, der „die Menschheit säuert“?[26] Hier können wir uns an die Milch erinnern, die mit dem Laktobazillus bulgaricus angesetzt, zum gesunden Joghurt wird. Die Genesung kann nur durch Christus kommen, deshalb war die Entwicklung des Christentums in den letzten 2000 Jahren vor allem ein Gefühl, Ferment, es war wie Petrus. Es soll klar sein, dass ein Mensch, der nicht das Gefühl, die Stimmung eines Petrus zu Christus hat, nicht den Weg zu Johannes finden wird. Mit der Ankunft Beinsa Dounos im 20. Jahrhundert wurde ein sehr starker Impuls vor allem zum Herzen, zum Gefühl des Menschen hin ausgestrahlt und Rudolf Steiner hat uns das esoterische Christentum – das Johannes-Christentum enthüllt. Wenn Petrus und Johannes zusammengeführt werden, wenn Beinsa Douno und Rudolf Steiner unser Fühlen und Denken erfüllen, dann ist die Bewusstseinsseele ausgebaut. Sie kann das höhere Ich und die Offenbarungen des Geistes empfangen. Deshalb können wir sagen, dass bei der Vereinigung beider Impulse das vollständige esoterische Christentum geboren wurde, das für unsere Zeit angemessen ist und das uns zu Menschen macht! Und wenn die Bezeichnung für den Menschen ‚manu’ im Sanskrit vor allem das geistige, jedoch ichlose Element in ihm meinte, das griechische ‚anthropos’ – das Seelische und das lateinische ‚homo’ – das Physische, so wird der Name des zukünftigen Ich-Menschen des Geistes ‚Bulgare’ sein.

Was geht in Bulgarien vor sich, damit wir vor dem Volkserzengel und Michael selbst würdig werden, um hier geboren worden zu sein? Auf dem äußeren Plan verläuft ein Prozess unglaublicher Verhöhnung des Volks seitens der Regierenden, Geschäftsleute, Kulturträger, religiöser Führer usw. Andererseits werden die nationalistischen Stimmungen stärker, die ausschließlich auf der Grundlage des petrinischen Christentums erwachsen. Verbleiben sie in ihm, könnte das schlimme Konsequenzen haben. Doch im Hinblick auf die mächtige Attacke äußerer satanischer Mächte gegen das bulgarische Volk spielen diese Stimmungen momentan eine positive Rolle. Sie sind eines der Ergebnisse der Synthese des Christentums von Petrus und Johannes, die 1999 in der Zeit der Sonnenfinsternis begonnen hat. Der Mond (das Alte) hat zum zweiten Mal auch am 29.03.2006 versucht, die Sonne (das Neue) aufzuhalten, doch das wird ihm nicht gelingen! In diesem Jahr begann die zweite siebenjährige Periode dieser Synthese. Der nächste „kosmische Versuch“ wird erst 2081 stattfinden, wenn sich die Gründung des Asparuch-Bulgariens zum 1400. Mal jährt. Gibt es hier eine Beziehung zu folgenden Worten Beinsa Dounos: „Die vorbestimmte Zahl der Auferstehung der Bulgaren ist 1400. Das ist das bulgarische Volk, sie sind die Kraft. Sie sind diejenigen, in die der Geist inkorporiert ist und auf seine vollständige Geburt wartet“?[27]

Neulich sagte jemand im Fernsehen: „Ich bin Atheist. Der Nationalismus ist die höchste Manifestation des menschlichen Geistes“. Für den Menschen, der mit dem physischen Gehirn denkt, trifft das zu und das ist eine Art Berührung des Volkserzengels. Doch ein solcher Mensch wird niemals an Michael und den lebendigen Christus heranreichen. Er weiß nicht, dass mit dem Eintritt des Ich die Grenzen zwischen den Völkern wegfallen. Es sind nicht nur die Leiber verwandt, sondern durch das Ich hat der Mensch eine Verwandtschaft mit der Menschheit im Geist erlangt. Nun stehen an den Grenzen der Staaten nicht nur Völker, sondern einzelne Menschen.

In den Zeiten vor dem Eintritt des Ich stellten die Kriege Auseinandersetzungen der Erzengel untereinander und waren keine Frage der persönlichen Ethik. Der einzelne Mensch hat die Kriege als ein höheres Schicksal empfunden, etwa in der Art der Naturkatastrophen. Heutzutage beginnt der Mensch die Erzengel zu ersetzen, Einfluss über ihr Schicksal zu gewinnen, wenn er sich zur Fähigkeit erhebt, seinen Feind zu lieben. Doch zu diesem Ziel müssen der persönliche und nationale Egoismus verschwinden. Solange auf dem äußeren Plan die nationalistische Welle tobt, muss sich auch eine neue geistige Gemeinschaft um Christus bilden, in der jeder Teilnehmer über das Vorbild der Zwölf im Klaren ist, die um den Erlöser in der Zeitenwende versammelt waren. Die Zeit der äußeren Erscheinung dieser Brüder in Christo ist nah. Wenn sie erscheinen, werden sie ihren Weg zum Golgatha zurückgelegt und die Quelle des lebendigen Wassers, den Lebensbaum erreicht haben.

Beinsa Douno versicherte uns: „Vor deinem Blick werden sich Anblicke auftun, die noch nie gesehen wurden. Auf diesem Berg, wo die lebendige Quelle entstammt, wirst du die Stimme Gottes hören“.[28] Der Erlöser ist nach der Himmelfahrt nicht in das Himmelreich zurückgekehrt, sondern in die Hölle der Menschheit herabgestiegen. So wird auch der neugeborene Mensch dem Rat Christi lauschen, den der Bodhisattva aussprach: „Wünsche nicht, dort zu bleiben, sondern steig zu deinen Brüdern hinunter. Steig hinunter und wende als Schüler, Bruder und Mitarbeiter das lebendige Wort deines Himmelsvaters an, der dich durch die Fäden Seiner Liebe angezogen hat. Diese Fäden sind in den Händen Christi, des manifestierten Gottes der Liebe!“[29]

 

[1] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Die Seele“

[2] „Feste für die Jugend“, Sofia 09.07.1928, „Ohne Fesseln“

[3] Vgl. Anm.1

[4] „Sonntagsvorträge“, Sofia 26.01.1919, „Der Weinstock und die Reben“

[5] Vgl. Anm.1

[6] Ebd.

[7] „Der Aufgang“, Bd.5, „Der gelbe Kater“

[8] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia 31.08.1928, „Stolz und Eifersüchtigkeit“

[9] „Sonntagsvorträge“, Sofia 25.06.1933 „Die guten Gaben“

[10] „Sonntagsvorträge“, Sofia 29.10.1916  „Die Weisheit“

[11] https://derheiligeimpuls.files.wordpress.com/2018/07/das-zweite-golgatha-und-beinsa-dounos-opfer.pdf

[12] „Feste für die Jugend“, Sofia 09.07.1928, „Ohne Fesseln“

[13] „Okkulte Klasse für die Jugend“, 01.11.1922, „Anpassung der Kräfte“

[14] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Christus“

[15] Zum ersten Mal wurde die Botschaft am 06.02.2004 erhalten, was in der Vorlesung „Das Risiko Gottes“ vom 04.04.2004 erwähnt wird.

[16]  „Sonntagsvorträge“, Sofia, 11.04.1920, „Er folgte Ihm nach“

[17] „Vorträge im Rila“, 01.09.1940, „Die zehn Jungfrauen“

[18] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 02.05.1926,  „Die erlöste Seele“

[19] Jordan Raditschkov, bekannter bulgarischer Schriftsteller (1929-2004)

[20] „Morgenansprachen“, Rousse, 23.09.1934 „Studium und Arbeit“

[21] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia, 25.12.1927, „Energien des Menschen und der Natur“

[22] Mariana Vezneva, Jahrgang 1934, bulgarische Architektin und Autorin spiritueller Bücher, die sich intensiv mit den sog. Kornkreisen beschäftigt.

[23] Kubrat Tomov (1938-2016), bulgarischer Erfinder, Esoteriker und Ufologe

[24] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 03.12.1916, „Ich werde euch erheben“

[25] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia, 14.02.1926, „Die winzigkleinen guten Taten“

[26] Bojan Boev, „Das Stimmen der Menschenseele“, Bd. 1, „Die Gaben kommen nach dem Weinen“

[27] Protokolle der Jahrestreffen der synarchischen Kette, Veliko Tarnovo, 27.08.1910

[28] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, „Christus“

[29] Ebd.

Beinsa Douno und Rudolf Steiner als Teil des Christus-Impulses

 vorgetragen  von Dimitar Mangurov am 21.10.2001 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

Warum können die Nachfolger der beiden wahren esoterischen Impulse des 20. Jahrhunderts in Bulgarien nicht den Weg zueinander finden? Was bedeutet die Tatsache, dass nach dem Heimgang des Meisters Beinsa Douno in seinem Zimmer drei Bücher von Rudolf Steiner gefunden wurden? Wer ist eigentlich Beinsa Douno und warum kam er genau am Anfang des „Jahrhunderts der Liquidation“?

Bevor wir diese und weitere Fragen beantworten, müssen wir uns mit der heutigen Lage bekannt machen. Die Anthroposophen in Bulgarien sind nicht zahlreich und kommen aus den Kreisen der sog. Intelligenz. Ein Teil von ihnen behandelt die Anhänger der „Weißen Bruderschaft“ mit Geringschätzung, andere sind geradezu hochnäsig und halten den Meister für einen selbsternannten Lehrer, ja sogar für einen Bolschewiken. Es gibt wenige Anthroposophen, die beide Impulse gut kennen und eine lebendige Brücke zwischen ihnen errichten können. Die Anhänger der „Weißen Bruderschaft“ sind eine zahlenmäßig deutlich stärkere und in ihrer Zusammensetzung heterogene Gruppe. Sie alle kennen die Geschichte, nach der Bojan Boev – einer der engsten Schüler Beinsa Dounos, der während seines Studiums in München Vorträge von Rudolf Steiner besucht hat und von ihm zum „Weltlehrer“ nach Bulgarien geschickt wurde. Aus dieser Tatsache darf man aber nicht den falschen Schluss ziehen, dass Steiner ein weniger bedeutsamer Lehrer ist, der nicht beachtenswert wäre. Gerade wegen der Unterschätzung der Anthroposophie entstehen Behauptungen etwa in der Art, dass Beinsa Douno der von Christus im 14. Kapitel des Johannes-Evangeliums versprochene Geist der Wahrheit wäre. Wir wissen, dass Letzterer vor 2000 Jahren an Pfingsten nach dem Kreuzestod kam. Andere halten Beinsa Douno für einen Weltlehrer, obwohl dieser Begriff nicht klar definiert ist – sind etwa Rudolf Steiner oder Christian Rosenkreutz weniger wichtige Lehrer der Menschheit? Jemand nannte Beinsa Douno „den Rektor der Weltall-Universität“. Doch am absurdesten sind die Behauptungen, laut denen – und diese Worte werden Beinsa Douno selbst zugeschrieben! – vor 2000 Jahren der Sohn gekommen wäre und der Meister der Vatergott Selbst wäre! Es bleibt noch zu hören, dass er mit dem Absoluten identifiziert wird – über seine Gleichsetzung mit Krishna habe ich schon gehört.

In letzter Zeit erscheinen in Varna Bücher, die den Anspruch erheben, dass sie den neuen Herabstieg des Geistes Beinsa Douno auf die Erde schildern.[1] Diesen Büchern ist von weitem anzusehen, dass sie unter der Kontrolle eines luziferisierten Geistes entstanden sind und letztendlich Ahriman zuspielen. Wir sehen hier also die Folgen des fehlenden anthroposophischen Wissens über die Sprache, in der wir mit Christus kommunizieren können! Das eingehende Studium der geisteswissenschaftlichen Literatur bringt nicht nur Wissen mit sich, sondern stellt wegen des Charakters der Anthroposophie eine übersinnliche Tätigkeit dar, die die erste Stufe der zukunftsweisenden christlich-rosenkreuzerischen Einweihung darstellt. Wir lernen beim Lesen anthroposophischer Literatur die hierarchischen Wesenheiten kennen, verstehen ihre Eigenschaften und erfahren, warum wichtige Persönlichkeiten inkarnieren und welche Stelle sie in der Ordnung Christi einnehmen. Dabei durchchristen wir allmählich unsere Seele und stellen erste Kontakte zu den Göttern her, wobei unsere Sinne spüren, wann diese Geister zurückbleibend sind und uns irreführen wollen. Wir werden von tiefer Seligkeit und Dankbarkeit gegenüber dem Opferaltar erfasst, der sich in der Astralwelt befindet. In der Mitte dieses Altars steht Christus, der das Karma der ganzen Menschheit trägt und zu seinen beiden Seiten befinden sich seine größten menschlicher Helfer bei diesem Werk. Rechts steht Christian Rosenkreutz in einem blauen Gewand als der Träger des Menschheitskarmas, das aus der gängigen spirituellen Passivität gegenüber der Geisteswelt herrührt. Links steht Rudolf Steiner in einem roten Gewand, der die andere Seite dieses Prozesses übernommen hat, also alle karmischen Folgen der ungereinigten und unerleuchteten Bestrebungen zur geistigen Welt, die von persönlichen Ambitionen und egoistischen Verlangen durchzogen sind.

Diese Teilnahme am Tragen des menschlichen Karma begann für Steiner bei der Weihnachtstagung 1923, die für ihn zu einer Art Golgatha wurde. Die Worte des Apostels Paulus „Nicht ich, sondern Christus in mir“ wurden für Steiner zur Wirklichkeit. Im Zentrum seines kolossalen irdischen Werks steht (der esoterische) Christus als unser höheres Ich und als Schöpfer unseres Weltalls. Nur mit Seiner Hilfe können wir uns in den äußerst komplizierten Beziehungen zwischen dem historischen, mystischen und kosmischen Aspekt des Lebens zurechtfinden.

Die Frage, wer Christus ist, beantwortet Beinsa Douno folgendermaßen: „Christus war es, der das historische, kosmische und mystische Leben des Menschen und der Menschheit in der Vergangenheit angetrieben hat, heute antreibt und zukünftig antreiben wird. Ohne Christus gibt es keine Geschichte, ohne Ihn gibt es keinen Kosmos, also keine organisierte und geregelte Welt, ohne Christus gibt es kein mystisches Leben. Er ist der große Inspirator aller Offenbarungen aller Zeiten und Epochen. Er ist das unsichtbare Triebwerk des ganzen geistigen Lebens und der geistigen Erfahrung des Menschen und der Menschheit. Zwischen uns und die Erste Ursache können wir nur Christus stellen. Diesen Christus haben die heutigen Menschen zu erkennen! Wenn der Mensch den Christus (den ätherischen Christus) nicht sieht, kann nichts aus ihm werden.“[2]

Das sind wahrhaftig starke Worte, die für die Ausdrucksweise des Meisters charakteristisch sind. Was bedeuten sie? Christus ist das Haupt der Weißen Bruderschaft, zu der die drei Hierarchien gehören:

  • Erste Hierarchie – Seraphim, Cherubim, Throne;
  • Zweite Hierarchie – Herrschaften, Mächte, Gewalten (Elohim)
  • Dritte Hierarchie – Archai, Erzengel, Engel.

Zu diesen neun Typen von Göttern wird ein zehnter Typ hinzutreten – die zehnte Hierarchie der fortgeschrittenen Menschen.

Zur größeren Anschaulichkeit wollen wir uns eine Hierarchieleiter vorstellen, bei der die erste, niedrigste Stufe die sichtbare materielle Welt darstellt. Ihr folgen sieben Sphären der Seele und sieben Sphären des Geistes – insgesamt 15. In der östlichen Terminologie heißt die 16. Stufe Buddhi, die 17. – Nirvana, die 18.- Parinirvana und die 19. – Mahaparinirvana. Dabei interessieren uns zwei Stufen – Buddhi, die die Wohnstätte von zwölf Wesen ist und Mahaparinirvana, wo sich das Ich Christi befindet. Unser Ich befindet sich auf der ersten Stufe und das Christus-Ich – auf der neunzehnten.

Natürlich besitzen wir neben dem niederen Ich (dem Ego) auch ein höheres Ich, aber um uns in diesem Stoff zurechtzufinden, müssen wir den Menschen als ein Spiegelbild der Heiligen Trinität betrachten. Der Mensch besteht aus einem dreifachen Leib – dem physischen, ätherischen und astralischen Leib. Die Seele ist ebenfalls dreigliedrig, wobei eine Empfindungs-, eine Verstandes- und eine Bewusstseinsseele unterschieden werden. Der Geist unterteilt sich nach der östlichen Terminologie in Manas, Buddhi und Atma und im Christentum ist er bekannt als Name, Reich und Wille. Steiner hat die Termini Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch geprägt. Das Ich als das Heiligtum des Menschen und seine „Visitenkarte“ im Weltall, als das, was ihn von allen Wesen in der Schöpfung unterscheidet, ist ebenfalls dreifach. Aus dem Buch Juan José Benítez‚ „Das Vermächtnis des Heiligen Johannes“ erfahren wir, dass das Ich, das dort ‚Individualität‘ heißt, einen himmlischen Namen, ein Schicksal und eine Vollmacht (Kraft) enthält[3]. Keiner darf seinen himmlischen Namen erfahren – es sei denn, er ist eingeweiht – um ihn nicht als eine Waffe für schwarzmagische Ziele zu benutzen. Nach diesem Namen erkennen uns Christus und der Vater wieder. Das zweite Element ist das Schicksal, das auch für jedes Wesen einmalig ist. In der ganzen Ewigkeit gibt es keine zwei Wesen mit dem gleichem Schicksal, so wie es keine zwei Menschen mit identischen Fingerabdrücken gibt. Schließlich haben wir die Kraft als Ergebnis der Schicksalserfüllung.

Das Ich wurde uns vom Vatergott geschenkt, so wie der Geist und die Seele, doch im Namen spiegelt sich der Heilige Geist, im Schicksal – der Sohn und in der Kraft – der Vatergott. Zusammenfassend können wir sagen, dass im Zentrum des Menschen der Geist steht, der vom Ich wie von einem Kleid umhüllt wird, um das Ich ist die Seele und ganz außen – der dreifache Leib. All diese Wesensglieder muss das Ich bewusst steuern, was zukünftig immer sichtbarer werden wird. Die Seele ist das Kampffeld und fungiert als Mittlerin zwischen Leib und Geist, aber sie ist dem Ich unterordnet. Im Vaterunser, das Christus persönlich gegeben hat, lässt sich der ganze Mensch mit seinen Bestandteilen finden. Die Bitten im Vaterunser werden an alle sieben verallgemeinerte Wesensglieder gerichtet – physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Deshalb nennen wir es ‚das Gebet des Menschen’.

Nach diesen Erläuterungen wollen wir zum Christus-Wesen zurückkommen. Sein Ich befindet sich auf der 19. Stufe, die niedrigeren Glieder sind auf niedrigeren Stufen und die höheren Glieder (der dreifache Geist) grenzen an den Gipfel der im Weltall möglichen Evolution – an die Heiligen Trinität. Dort, im Mahaparinirvana begann der lange Weg der Verbindung Christi mit der Menschheit. Wann war der Beginn? Wir wissen, dass die Erde bisher drei Bewusstseinsstufen durchlaufen hat – den alten Saturn, die alte Sonne, den alten Mond. Jetzt befinden wir uns in der vierten Bewusstseinsstufe – im Erdenäon. Es stehen drei weitere Bewusstseinsstufen bevor – die zukünftigen Jupiter, Venus und Vulkan. Danach wird unser Sonnensystem in den Pralaya-Zustand übergehen, damit irgendwann wieder ein neuer Anfang auf einer höheren Bewusstseinsstufe folgen kann.

Beinsa Douno erwähnte an einer Stelle die Zahl 250 Milliarden Jahre und das ist m. E. der Beginn der alten Saturnzeit. Christus begann seinen Herabstieg zum Menschen auf der alten Sonne – vor ca. 150 Milliarden Jahren. Damals durchliefen die Erzengel ihre Menschenstufe der Evolution, was in einer völlig anderen Form und unter anderen Bedingungen geschah. Aus diesem Grund wird der fehlerhafte Schluss gezogen, dass Christus ein Erzengel wäre. Sein Herabstieg und seine Reduzierung dauerten während der alten Mondenzeit und der ersten Epochen des Erdenäons an. In der lemurischen Zeit opferte Er sich zum ersten Mal für die Menschen, indem Er deren Sinne rettete. Am Anfang der atlantischen Zeit folgte das zweite Opfer, durch das die sieben lebenswichtigen Organe des Menschen gerettet wurden. Gegen Ende der Atlantis wurde durch ein drittes Opfer unser Astralleib gerettet. Alle drei Opfer fanden in der Geisteswelt statt. Vor 8000 bis 9000 Jahren haben die sieben heiligen Rishi in der urindischen Kultur über das Wesen Vishva Karman gesprochen, das eines Tages in Fleisch auf die Erde kommen sollte. Später sah der große Zarathustra Christus in der geistigen Aura der Sonne als Ahura Mazdao und für Hermes hieß der Sonnengott Osiris. Danach strömte das Christus-Wesen in die Erdensphäre ein und erschien Moses im brennenden Brombeerbusch (Imagination) in den Blitzen auf Sinai, um ihm die Zehn Göttlichen Gebote zu diktieren (Inspiration), wobei der Führer der Israeliten Ihn nicht erkannte. Die Erscheinung Christi im Feuer heißt, dass im Urbeginn das Wort steht, was für unsere Evolutionswelle den alten Saturn bedeutet, als alles aus Feuerwärme bestand. Die Wärme unseres Bluts ist auch ein Rest aus der alten Saturnzeit, als die ersten Keime unseres physischen Leibes angelegt wurden. Der Körper ist als einziges Wesensglied unserer ganzen Struktur heutzutage vollständig entwickelt. Deshalb müssen wir ihn sorgsam und respektvoll behandeln, mit Rücksicht darauf, dass er das Ergebnis der Tätigkeit aller Hierarchien im Laufe von mehreren Milliarden Jahren darstellt.

Nach seinem langen Weg zum Menschen kam Christus zum großen Moment der Taufe im Jordan, als Er in den 35000 Jahre lang vorbereiteten Leib Jesu herabstieg und das Ich Zarathustras vollkommen verdrängte, das bis dahin in Jesus war. Wir haben es also bei Christus und Jesus mit zwei verschiedenen Ichen zu tun. Christus wurde nicht an Weihnachten, sondern bei der Jordantaufe geboren. Am 25. Dezember kam Jesus zur Welt, und zwar das eine Kind mit dem Namen Jesus, doch bei dieser Erörterung werden wir nicht auf das Mysterium der beiden Jesusknaben eingehen. Im Augenblick der Inkarnation im Jordan kam es zu einer temporären Verschiebung des Ätherleibes Jesu außerhalb seines physischen Leibes und in ihn kam das hinein, was ‚das Wort‘ genannt wird, genauer gesagt die beiden höheren Ätherarten – der Tonäther (die Sphärenmusik) und der Lebensäther. Deshalb ist im Johannes-Evangelium davon die Rede, dass das Wort Fleisch wurde und unter den Menschen lebte (die drei Jahre bis zum Golgatha-Ereignis). Unter dem Begriff ‚Wort‘ ist die Gesamtheit der sechs Elohim zu verstehen, die nach der Trennung der Sonne von der Erde die Sonne zu ihrer Wohnstätte machten und zusammen mit Christus in den Ätherleib Jesu herabstiegen. Sie sind das Leben! Deshalb sprach Beinsa Douno darüber, dass Christus der Baum des Lebens ist.

Vor ca. 35000 haben wir wegen der luziferischen Versuchung begonnen, von den Früchten des Baums der Erkenntnis zu essen, aber die Götter haben uns den Zugang zu den Früchten des Lebensbaums – also zu den beiden höheren Ätherarten – abgeschnitten. Deshalb wurden wir sterblich. Mit der Ankunft Christi ist das Wort Fleisch geworden, so dass jeder, der Christus kennt und mit Ihm durch die siebenstufige christlich-rosenkreuzerische Einweihung verbunden ist, vom Lebensbaum essen, also Mensch nach den oben angeführten Kriterien Bensa Dounos werden kann.

In den drei Jahren, in denen Christus Jesus auf der Erde wandelte, hat Er zahlreiche Wunder und Opfer vollbracht und äußerst starke, ständig wachsende Schmerzen infolge der immer engeren Verbindung mit den Leibern Jesu erlitten. Im ersten Jahr hat Er sich mit dem Astralleib, im zweiten – mit dem Ätherleib und im schwierigsten dritten Jahr – mit dem physischen Leib, der am dichtesten ist, verbunden. Beinsa Douno hat über eine 78 millionenfache Reduzierung berichtet, was die Verringerung eines Ich ausmacht, das von der höchsten auf die niedrigste Stufe heruntergestiegen ist. Dieses Ich hat in den drei Jahren allmählich die drei Leiber Jesu vollkommen durchzogen und ist zu ihrem Herrn geworden, was von fürchterlichen Schmerzen begleitet wurde. Aus diesen Leiden, die mit dem Passionsweg auf Golgatha endeten und die größten im Kosmos waren, sprudelte jener Impuls hervor, der als einziger den Menschen retten kann – der Christus-Impuls. Christus hat uns durch sein Wirken die siebenstufige christliche Einweihung vorgeführt, die mit der Fußwaschung beginnt und mit der Himmelfahrt endet. Danach kehrte Er nicht in die devachanische (göttliche) Welt zurück, der Er entstammte, sondern Er holte sein Devachan auf die Erde herunter. Christus wurde zur Aura der Erde und die Erde wurde zu seinem Leib. Mit den ersten Bluttropfen, die auf Golgatha herunterflossen, ist eine vollkommene Wandlung in die Aura der Erde eingetreten, so dass sie jetzt in Astrallicht erleuchtet. Zukünftig wird die Erde langsam zu einem Stern werden – dem geistigen Jupiter.

Diese Verbindung kostete Christus immense Leiden, aber sie hat Ihm auch „alle Macht im Himmel und auf Erden“ gegeben. Zum ersten Mal ist nach Golgatha ein Gott in das Innere der Erde eingedrungen und hat eine Revolution in der sog. Hölle (der achten Sphäre) vollbracht. Christus ist der neue planetarische Geist und wir treten jeden Tag auf Ihn, wir essen, trinken und atmen Ihn im wörtlichen Sinne. Deshalb rief Beinsa Douno immer davon ab, auf die Erde zu spucken. Wir sind von Christus vollkommen abhängig und der Christus-Impuls ist wie eine Gruppenseele für uns.

Bekanntlich werden die Tiere, die auf dem physischen Plan kein eigenes Ich haben, von einem Wesen in der Astralwelt gesteuert, das als ihre Gruppenseele, ihr Ich fungiert. Der Mensch besitzt aber ein eigenes Ich auf dem irdischen Plan. Wenn wir behaupten, dass der Christus-Impuls für den Menschen wie eine Gruppenseele ist, bedeutet das, dass wir von diesem Impuls auf der Erde auch abhängig sind wie die Tiere von ihrer Gruppenseele. Doch auf einer höheren Stufe wird der Christus-Impuls für den Menschen zu seinem höheren Ich, im Unterschied zum individuellen niederen Ich. Das hat Paulus mit seinen bemerkenswerten Worten „Nicht ich, sondern Christus in mir“ zum Ausdruck bringt. Deswegen sprach Beinsa Douno über Christus als eine Summe der Iche aller Wesen im Weltall. Je höher sich ein Wesen in seiner Evolution befindet, desto mehr lässt es das Christus-Ich freiwillig in sein eigenes Ich herein. Christus ist das einzige Wesen, das in das Ich, in das menschliche Innere eintreten kann – allerdings nur, wenn Er von uns freiwillig hereingelassen wird. Deshalb ist Christus die persönliche intime Errungenschaft jedes Menschen. Der Weg zu Ihm ist ein individueller Akt freiwilliger Hingabe. Wichtiger als das, was Er gesagt hat, ist das, was Er getan hat, als Er durch sich selbst unseren zukünftigen Weg zur Ewigkeit zeigte.

Damit wir zu Christus kommen konnten, war die Erscheinung des Heiligen Geistes an Pfingsten erforderlich. Während die Botschaft über den Heiligen Geist und seine Erscheinung bei der Jordantaufe vom Vater kam, waren die Botschaft über Pfingsten und das Herabströmen des Geistes selbst das Werk des Sohnes. Wegen des Ereignisses von Golgatha konnte das geschehen! Das Mysterium des Heiligen Geistes ist eines der meistgehüteten Geheimnisse in unserem Kosmos, das wir zukünftig begreifen werden. Das Mysterium von Golgatha wird uns in den nächsten 3000 Jahren klar werden. Beinsa Douno und Rudolf Steiner, die das Christus-Ich in sich aufgenommen haben und zum Christus-Impuls gehören, befolgen den Weg des Opfers, weshalb sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer auf die Menschheit gerichtete Mission in Erscheinung traten.

Nach dem Mysterium von Golgatha – dem Hauptereignis des irdischen Äons – ist das 20. Jahrhundert die nächste wichtige Zeit des Umbruchs. Was ist das Besondere dieses Jahrhunderts? Mit seinem Beginn ging eine kosmische „Instanz“, die mit dem menschlichen Karma zusammenhängt, in die Hände Christi über. Seitdem ist Christus unser karmischer Richter, vor dem wir für alles Rechenschaft ablegen sollen. Wenn wir diese Welt verlassen, wird Christus derjenige sein, der uns mit endloser Liebe die Frage stellen wird, was wir aus unserem Leben gemacht haben.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann das Hauptereignis der nächsten 3000 Jahre – die Erscheinung Christi im Ätherleib in der uns nächstgelegenen Geisteswelt – der Astralwelt. Wenn wir im Evangelium über die Zweite Ankunft Christi lesen, so müssen wir wissen, dass es um seine ätherische Wiederkunft geht, die im Laufe der Zeit immer bemerkbarer wird, wobei der Höhepunkt ca. um das Jahr 5000 erreicht sein wird. Die Zweite Wiederkunft ist ein persönlicher Akt der Begegnung mit Ihm für jeden Menschen und die höchste Offenbarung im Leben, ohne Rücksicht auf die konkrete Religionszugehörigkeit. Aber für einen Hindu, Moslem, Buddhisten ist es viel schwieriger, Christus zu erreichen im Vergleich zu demjenigen, der vom Verständnis unseres Erlösers und dem Gefühl für Ihn durchtränkt ist.

Doch die Begegnung mit Christus hängt von etwas ab, was in den nächsten Jahrtausenden und sogar Äonen vorbestimmend sein wird – der Begegnung mit dem Bösen. Diese Prüfungen stehen der Menschheit noch bevor und die Schrecken des 20. Jahrhunderts werden entscheidend sein, wenn man festzustellen versucht, inwieweit die Menschheit fähig ist, sich Christus durch die Begegnung mit dem Bösen und durch gute Taten zu nähern. Heutzutage ist es nicht mehr möglich, nur ein guter Mensch zu sein und zu vergeben, sondern man muss das Böse in sich aufnehmen, mithilfe des höheren Ich (des Geistselbst) transformieren und Gutes gegenüber der Menschheit ausstrahlen. Je größere Teile des Bösen wir im Sinne der erneuerten manichäischen Mysterien umwandeln, desto sichtbarer wird Christus im Ätherischen sein – beides ist nämlich eng miteinander verbunden!

Der Christus-Impuls beginnt sich erst jetzt – 2000 Jahre nach dem Mysterium auf Golgatha – in seiner wahren esoterischen Form zu entfalten. Wegen der Begegnung mit dem Bösen und des ätherischen Christus kamen Beinsa Douno und Rudolf Steiner. Wer sind die beiden?

Die Anthroposophie sagt uns, dass das Ich Zarathustras, des berühmten Altpersers viel später in Babylon als der Lehrer Nazarathos inkarnierte. Bei einem seiner Schüler drang die Lehre Zarathustras bis zum physischen Leib ein. Im alten Griechenland kam dieser Schüler als Pythagoras zur Welt und war später einer der drei Könige, die aus dem Osten kamen, um sich vor dem Jesuskind der salomonischen Linie zu verbeugen, in dem das Ich Zarathustras inkarniert war. Auf diese Weise hat Pythagoras als einer der drei Könige seinem alten Lehrer Nazarathos aus Babylon die Ehre erwiesen. Als das Jesuskind (aus dem Matthäus-Evangelium) zwölf wurde, hat es das mächtige Ich Zarathustras verlassen, das Kind kränkelte und starb bald danach. Das freie Ich trat in den Leib des anderen Jesuskindes der nathanischen Linie (aus dem Lukas-Evangelium) ein, das sich von Grund auf verwandelte und die Anwesenden im Tempel von Jerusalem mit seiner Weisheit verblüffte. Dieses Jesuskind ging als Erwachsener zum Jordanfluss, um getauft zu werden. Dort trat das Ich Zarathustras aus, um den Platz dem herabströmenden Ich des Christus-Wesens selbst frei zu machen. Bald danach hat sich das Ich Zarathustras zusammen mit dem hervorragenden Ätherleib des gestorbenen zwölfjährigen Jesuskindes einen neuen Körper aufgebaut – das ist der Meister Jesus, der seit 2000 Jahren ständig inkarniert und gemeinsam mit Christian Rosenkreutz an der Spitze der westeuropäischen Esoterik steht. Der Meister Jesus (mit dem Ich Zarathustras) und Christus Jesus (mit dem Christus-Ich) sind also zwei völlig verschiedene Wesenheiten. In der Zeit Steiners war der Meister Jesus in den Karpaten inkarniert und die beiden unterhielten zweifellos eine geistige Beziehung. Was den Meister Beinsa Douno betrifft, kann man mit Sicherheit verkünden, dass er der Bodhisattva des 20. Jahrhunderts und der zukünftige Buddha-Maitreya ist!

Was gibt mir den Grund für diese äußerst wichtige Behauptung? Wir haben vorhin über die 16. Stufe (die Buddhi-Stufe) gesprochen, die drei Stufen tiefer liegt als das Christus-Ich. Dort befinden sich die Iche der zwölf Wesenheiten, die im Kreis stehen und die kolossalen Vibrationen des Christus-Ich in Seinem wahren Wesen als die Christus-Sonne kontemplieren. Einer der Zwölf schöpft Kraft aus Ihm und steigt zu den Menschen hinunter, um sich in einen Leib als Lehrer zu inkarnieren – Zarathustra, Orpheus, Skythianos … Diese Inkarnationen, die ca. 50 an der Zahl sind,  umfassen eine Zeitspanne von ca. 5000 Jahren, in der der Bodhisattva zwar nicht immer in einen physischen Leib inkarniert, doch immer in einem Jahrhundert in einer oder anderer Art zur Geltung kommt. Inoffiziell soll Beinsa Douno gesagt haben, dass er für 100 Jahre da ist und Steiner – für 1000 Jahre. In seiner letzten Inkarnation wird sich der Bodhisattva nach der Erfüllung seiner Mission zur 17. Stufe (zum Nirvana) erheben und zum Buddha werden. Danach wird er nicht mehr auf die Erde kommen. Genau das ist mit Gautama Buddha unter dem Bodhibaum geschehen, als er im Alter von 29 Jahren vom Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen ist – in einer bemerkenswerten Mondennacht am 14.10.483 v.Chr. ist er in den Himmel aufgestiegen und zur lebendigen Kraft geworden.

Die Bodhisattvas erhalten ihre Aufgaben lange vor ihrer ersten Inkarnation. Bei Buddha erfolgte das schon in der vorlemurischen Zeit. Wenn der Bodhisattva auf die Erde als Lehrer kommt, wird er zum Begründer einer Lehre und wenn er zum Buddha aufsteigt, verwandelt er sich in eine lebendige Kraft. Die alte buddhistische Legende besagt, dass er die Himmelstiara dem nächsten Bodhisattva aus dem Kreis der Zwölf übergibt, der seine Mission unter verschiedenen Völkern zu erfüllen hat. Bisher ist der jetzige Bodhisattva knapp 25 Mal auf der Erde gewesen und in 3000 Jahren wird er der zukünftige Buddha Maitreya werden – „der Buddha der guten Überzeugungen“. Er wird dann in einer solchen Sprache sprechen, die heute keiner kennt und sein Wort wird eine Quelle guter Taten sein, die dem Christus-Impuls dienen werden. Bis dahin wird der Christus-Impuls für eine ausreichende Zahl von Menschen zur Lebensnotwendigkeit geworden sein.

Im 20. Jahrhundert war dieser Bodhisattva als der Meister Beinsa Douno inkarniert. Sein Ich, das sich auf der Buddhi-Stufe befindet, ist bis zum Boden der Welten (bis zur physischen Welt) hinuntergestiegen und partiell in den vorbereiteten Leib des Menschen Peter Danov eingedrungen. Der vorher unscheinbare Petar Danov ist dabei gleichsam aus dem Nichts herausgewachsen, ohne mit einer Lehrer-Schüler-Kette verbunden zu sein, wie das im Osten oder bei Castaneda der Fall ist. Dieser neue Eingeweihte scheint allein in der Welt zu stehen. Seine Worte besitzen eine außerordentliche moralische Kraft, er spricht in einer kategorischen, überzeugenden Art wie ein Wesen, das aus schwindelerregenden Höhen kommt. Und das stimmt wirklich, denn die Bodhisattvas kommen aus der göttlichen Welt.

Wir wissen, dass bei der Jordantaufe das Ich Christi das Ich Zarathustras völlig verdrängte. Das Ich Zarathustras lebte vorher im Leib des Menschen Jesus, der die dritte Einweihungsstufe hatte. Der Leib Jesu war der einzige Leib in der Menschengeschichte, der fähig war, das Ich Christi vollständig aufzunehmen, in ihn war alles konzentriert, was vorher Krishna, Buddha und Zarathustra erreicht hatten. Als der Bodhisattva in Peter Danov eintrat, hat er das Ich des Menschen Danov nicht vollständig verdrängt. Im Gegenteil – nur ein kleiner Teil des Ich des Bodhisattva war in diesem Leib anwesend. Der Rest befand sich in der göttlichen Welt.

Im Jahre 1897 gab es in Peter Danov zwei Iche – das Ich des Menschen sowie ein Teil des Ich des Bodhisattva. Zu vermerken ist, dass Peter Danov damals 33 war. Ein typisches Merkmal der Inkarnationen der Bodhisattvas ist es, dass sie zwischen dem 30. und dem 33. Lebensjahr des vorher vorbereiteten Gefäßes (des aufnehmenden Leibes) erfolgen. Zu Beginn waren das Ich und die Seele Peter Danovs trotz ihrer zweifellos langen Evolution vom Zusammenleben mit dem mächtigen Ich stark verwirrt. Aus diesem Grund erhielt er Unterstützung von vielen Geistern, was in Schriften aus jener Zeit zum Ausdruck kommt – in den „Sieben Gesprächen mit dem Geist der Wahrheit“, „Hio-Eli-Meli-Messail“ (hier sprechen Christus, Jehova, der Heilige Geist), im „Aufruf an mein bulgarisches Volk – Söhne der slawischen Familie“ u.a. Das kommt auch im Brief an Penjo Kirov zum Ausdruck, in dem Peter Danov von der Notwendigkeit schreibt, die Geister zu erkennen – vor 2000 Jahren hat Paulus das Gleiche gesagt. Das Ich des Bodhisattva begann, den Astralleib des Menschen Peter Danov mit Christus-Licht zu durchströmen und wurde allmählich zu dessen Herrn. Der Träger dieses Lichtes ist der Heilige Geist (der Geist der Wahrheit), den Christus vor 2000 Jahren den Jüngern herabsandte.

Im Jahre 1900 war der Prozess dermaßen fortgeschritten, dass der Bodhisattva auf die „Bühne“ treten konnte. Das geschah in Varna! Bis 1912 hat er den Ätherleib Peter Danovs mit dem Leben Christi durchströmt und 1922 hat er den physischen Leib Danovs mit der Liebe Christi durchzogen. Auf diese Weise ist es dem Ich des Bodhisattva, der Kräfte aus dem Christus-Ich in seinem Ich schöpfte (Nicht ich, sondern Christus in mir), gelungen, zwischen 1897 bis 1922 mit seinem Willen die drei Leiber Peter Danovs zu beherrschen. Seit diesem Zeitpunkt gab es keinen Peter Danov mehr, sondern den Meister Beinsa Douno, der seine Schule eröffnete! Durch die Kraft des Geistes der Wahrheit wurde der Astralleib in das Geistselbst verwandelt, mit der Kraft des Sohnes wurde der Ätherleib zum Lebensgeist und durch die Kraft des Vaters wurde der physische Leib zum Geistesmenschen. Christus hat das mit Jesus im Laufe von drei Jahren bei einem vollständig inkarnierten Ich getan!

Es gibt einen weiteren Unterschied – Christus ist nur einmal heruntergestiegen und zwar aus dem Makrokosmos, während die Bodhisattvas sich in ständiger Beziehung mit der Erde bedinden. Ein vollständig inkarniertes Ich gibt es bei ihnen nur in der letzten Inkarnation, so wie dies bei Gautama Buddha der Fall war. Buddha ist als Bodhisattva geboren worden und wurde mit 29 Jahren zum Buddha. In 3000 Jahren wird Beinsa Douno – wohl unter einem anderen Namen – als Bodhisattva zur Welt kommen und zum Maitreya Buddha aufsteigen (Buddha des Guten, der das Böse umwandelt).

Doch der Meister unterrichtet nicht nur Menschen, sondern auch Wesen höherer Hierarchien. Bei seinen Vorträgen waren in übersinnlicher Art Engel, Erzengel, Archai anwesend. Er ist stark genug und bleibt nicht ständig in seinem Leib. Oft befindet er sich nicht im Leib und kann daher von einem anderen Menschen aus sprechen (Christus hat das mehrmals gemacht), doch er kommuniziert immer mit Christus. Er lebt ständig in Inspiration durch Christus! Das, was durch Beinsa Douno heruntersteigt, ist die Stimme Christi, die das Notwendige für die jeweilige Zeit mitteilt. Deshalb waren die Engelshierarchien bei seinen Vorträgen anwesend. Die Bodhisattvas erfüllen immer die Gebote Christi und gehören nach dem Mysterium von Golgatha zum Christus-Impuls, der aus der aufopfernden Liebe unseres Erlösers hervorsprudelte.

Etwas Wichtiges muss unterstrichen werden: Gemäß dem okkulten Gesetz darf die Identität des Bodhisattva, wenn er auf der Erde inkarniert ist, nicht aufgedeckt werden, damit er nicht vergöttert wird. Beinsa Douno betonte aus diesem Grund: „Ich werde euch nicht eröffnen, wer ich bin, damit ihr kein Karma auf euch ladet!“. Christus hat sich als der Gottessohn gezeigt und wurde nicht erkannt, wofür die Juden bis heute leiden. Wenn man über eine hohe Identität Bescheid weiß und den Menschen trotzdem schändet, sind die Konsequenzen gravierend. Deshalb darf die Aufdeckung der Identität des Bodhisattva im nächsten Jahrhundert erfolgen. Und genau das ist im Sommer 2000 geschehen, als vier Personen aus Varna, die die zwei christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts kennen, unabhängig voneinander in der gleichen Zeit die Idee ergriffen haben, wer Beinsa Douno ist. Die Verkündung des Geheimnisses wurde bis zum Eintritt des neuen Jahrhunderts verschoben, so dass die offizielle Vorstellung vor dem breiteren Publikum auf diesem Forum geschieht. So wurde ein Jahrhundert nachdem der Meister von Varna aus seine Schule begründete, wieder hier verkündet, wer er ist!

Denjenigen, die den östlichen Lehren anhängen und einwenden, dass Beinsa Douno nicht der zukünftige Buddha Maitreya sein kann, werde ich folgendermaßen antworten: Wer das bemerkenswerte Buch Lama Anagarika Govindas „Der Weg der weißen Wolken“ gelesen hat, weiß, dass dort von vielen Buddhas, Bodhisattvas, Lamas usw. die Rede ist. Die Inkarnationen der Bodhisattvas, auf die wir jetzt eingegangen sind, begannen Mitte der Atlantis – also vor ca. 16000 Jahren. Deshalb haben bisher drei der zwölf Bodhisattvas die Buddhastufe erreicht, Beinsa Douno wird der vierte sein und bis zum Ende des Erdenäons werden das alle Zwölf gemacht haben. Im Osten wird in den Büchern nicht nur über sie berichtet, sondern auch über den Herabstieg eines Erzengels bis zum menschlichen Ätherleib. In den alten Zeiten war das Ich nicht vollkommen ausgebaut und deshalb konnten hierarchische Wesenheiten in menschliche Leiber herabsteigen und die Menschheit führen. Wenn ein Arche bis zum physischen Leib heruntersteigt, entspricht das dem östlichen Begriff ‚Dhyani-Buddha’. Ein Erzengel, der bis zum Ätherleib heruntersteigt, verwandelt den Menschen in einen Bodhisattva und ein Engel, der bis zum astralen, ätherischen und physischen Leib heruntersteigt, macht den Menschen zum Buddha. Jetzt ist es aber nicht mehr so, und wir müssen differenzieren zwischen den Inkarnationen der Zwölf von der Buddhistufe und den Inkarnationen von Wesenheiten aus den Engelshierarchien, die obendrauf nach der Inkarnation Luzifers vor 5000 Jahren in China luziferisiert wurden.

Beinsa Douno ist ein esoterischer Christus-Bote und in dieser Funktion hat er unmissverständlich erklärt: „Euer Weg geht vom Erzengel Michael über Christus zum Vatergott“. Er verwies auf den Weg des Schülers, denn am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein neuer Schulungsweg notwendig. Jahrtausende lang wurden im Osten viele Wege aufgezeigt, aber Beinsa Douno erklärte in kategorischer Art, dass die Wege des Orients nicht mehr dieser Aufgabe gerecht werden. Warum hat er diese Aussage gemacht?

Die Antwort hängt mit der Lösung der Hauptfragen zusammen, die vor den Menschen stehen – die Begegnung mit dem ätherischen Christus, die Transformation des Bösen und die wichtigste Frage des Erdenäons – die Überwindung des niederen Ich mit den Kräften des höheren Ich (des Geistselbst, des Heiligen Geistes oder Christus). Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir die Sprache lernen, in der wir uns an Christus und sein Sonnenantlitz Erzengel Michael wenden können. Diese Sprache ist die Anthroposophie! Nur durch sie können wir zu bewussten Mitarbeitern Michaels werden und den Weg besteigen, auf den Beinsa Douno hinweist. Nur in der Geisteswissenschaft zeigt sich das Mysterium von Golgatha in ihrer wahren Größe und Bedeutung, als Christus die Kräfte des Todes besiegte und uns zeigte, wie wir es auch machen können. Ohne Golgatha zu verstehen und anzunehmen, können wir nicht in richtiger Weise auf dem spirituellen Weg gehen, der unvermeidlich von großen Schwankungen begleitet wird. Der russische Philosoph Wladimir Solowjow hat diese selbst erlittene Wahrheit folgendermaßen formuliert: „Wenn die menschliche Seele sich anstrengt, um ihr eigenes Dasein zu gewährleisten, wendet sie sich unumgänglicherweise an den historischen Christus“. Und der Höhepunkt des „historischen“ Christus ist Golgatha, wenn überhaupt Christus als ein vergangenes Ereignis betrachtet werden kann – Er war, Er ist und Er wird unsere Gegenwart sein.

Es gibt aber auch ein Zweites Golgatha, das allerdings in der übersinnlichen Welt stattgefunden hat, die uns am nächsten liegt. Nur die Anthroposophie spricht über dieses Zweite Golgatha. Warum war dieses Ereignis notwendig? Nach dem 16. Jahrhundert gingen immer mehr Seelen über die Schwelle, die auf der Erde rein materialistische Impulse in sich aufgenommen hatten. Deshalb bildete sich eine dunkle materialistische Sphäre in der uns nächsten Geisteswelt, die die Erde wie ein Ring umhüllt. Es bestand die Gefahr, dass die dunkle Kali-Yuga-Zeit, die 1899 hätte zu Ende sein sollen, während des kommenden Wassermann-Zeitalters künstlich verlängert worden wäre. Der starke Strom der neuen geistigen Impulse, der sich über die Menschheit seit Anfang des 20. Jahrhunderts ausgießen sollte, wäre dann von diesem Ring geistiger Finsternis aufgehalten worden.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hat Christus das Mysterium von Golgatha quasi wiederholt, doch auf dem geistigen Plan. Er hat in sein Wesen die dunkle Sphäre aufgenommen und umgewandelt und geistiges Licht ausgestrahlt. Das ist die Zweite Kreuzigung Christi, diesmal in seinem Ätherleib in der Astralwelt. Während Er uns mit dem ersten Golgatha zeigte, wie die Kräfte des Todes besiegt werden können, hat Er uns diesmal gezeigt, wie wir die Kräfte des Bösen bewusst in Gutes im Sinne der erneuerten manichäischen Mysterien umwandeln können.

Vor 2000 Jahren ist Sein Leib auferstanden und hat den Tod besiegt, nun ist Sein Bewusstsein auferstanden und hat die Kräfte des Bösen besiegt. Deshalb wird das Leben Christi vom Anfang des 20. Jahrhunderts an immer mehr in den menschlichen Seelen als eine unmittelbare persönliche Erfahrung zu spüren sein. Die Hauptbesonderheit unserer Zeit besteht darin, dass die Kräfte des Bösen in die innere Welt der Menschen eintreten sollen, allerdings nicht, um sie zu verführen und zu bösen Taten zu zwingen, sondern damit der Mensch in der Lage ist, wahres geistiges Leben in sich zu entwickeln, das geistige Leben nicht instinktiv, sondern durch die Bewusstseinsseele zu erleben, in deren Zeitalter wir leben. Das werden wir erreichen, wenn wir die Sprache Christi lernen und das Christus-Bewusstsein entwickeln. Er möchte, dass wir Ihn als unseren größten Freund und Bruder nach allem fragen. Das ist der grundlegende Unterschied zu allen anderen Lehrern!

Wir sind nicht in der Lage, das Böse zu überwinden, wenn wir uns nicht auf die Hilfe unseres Schutzengels, des Volkserzengels und des Zeitgeistes Michael sowie aller Hierarchien aufwärts bis hin zu Christus verlassen können. Das Zweite Golgatha ist eine übersinnliche Quelle der Erscheinung Christi im Ätherleib in den nächsten 3000 Jahren und von diesem Ereignis kommt die geistige Kraft, mit deren Hilfe das von uns aufgenommene Böse im Prozess des Erwachens in eine völlig andere Fähigkeit im Seeleninneren umgewandelt werden kann. Mit dieser Fähigkeit kann der aus dem Kosmos kommende Geist wahrgenommen werden, und er wird in der Lage sein, in die ganze Kultur der Gegenwart einzudringen und sie zu vergeistigen. Wenn der Mensch diese Neigung zum Bösen nicht in sich aufgenommen hätte, wäre er nicht soweit sein, seiner Bewusstseinsseele jenen Impuls zu entnehmen, mit dem er – wenn er lebendig bleiben möchte – direkt aus dem Kosmos den Geist aufnehmen wird, der für den Aufstieg der Kultur notwendig ist. Dieser Geist, der aus dem Kosmos kommt, trägt jene Offenbarung, die nach dem Ende des Kali-Yuga in die Menschheit einströmt. Die Möglichkeit dazu wurde durch das Zweite Golgatha gegeben, das im Sinne des manichäischen Prinzips vollzogen wurde – nicht dem Bösen auszuweichen, sondern es vollständig in die Seele aufzunehmen und in Gutes umzuwandeln. Das kann durch die Kräfte geschehen, die aus dem neuen hellseherischen Erlebnis Christi hervorkommen.

Wie naiv und traurig klingen die Äußerungen vieler aufrichtiger spiritueller Sucher, dass sie sich mit dem Bösen nicht befassen wollen, sondern nur mit dem Guten! Die Götter steigen herab, um sich mit dem Bösen zu beschäftigen und wir Menschen wollen wie die Essäer oder die Yogins das Böse meiden! Der kolossale Manes, der im dritten Jahrhundert n.Chr. die manichäischen Mysterien begründet hat, deren Fortsetzung das Bogomilentum ist, konnte im 20. Jahrhundert kein passendes Gefäß für seine Inkarnation finden – unsere Leiber sind inzwischen sehr hart geworden. Hoffentlich gelingt ihm das im 21. Jahrhundert, so dass er einen neuen Impuls zur Wiederbelebung der erneuerten manichäischen Mysterien geben kann. Diese Mysterien werden in der sechsten Kultur breite Anwendung finden, die in ca. 1500 Jahren beginnen und ihre volle Blüte in der zukünftigen sechsten Periode (nicht Rasse, da dieser Begriff keinen Sinn mehr hat) erreichen wird. Die sechste Epoche der Gottessöhne (der leuchtenden Menschen) wird sich in der weiten Zukunft auf einem neuen Kontinent im Stillen Ozean entfalten.

Aber uns interessiert mehr, was im 20. Jahrhundert geschehen ist und was im 21. Jahrhundert geschehen wird. Wir haben gesehen, dass in der Umbruchzeit des 20. Jahrhunderts viel Spiritualität aus der Geisteswelt herabgestiegen ist. Zuerst hat Helena Blavatsky schon Ende des 19. Jahrhunderts „den Schleier der Isis“ leicht angehoben, dann kam die Lehre Agni-Yoga. Die tibetische Weisheit ist vom „Dach der Welt“ heruntergestiegen, Yogananda hat der Welt die Errungenschaften der indischen Spiritualität gezeigt, Castaneda hat uns die Mysterien der Magier des alten Mexiko vorgeführt – das geschah zuletzt, da es nicht mehr fruchtbar ist. Doch am wichtigsten sind die beiden esoterischen christlichen Impulse, die durch Beinsa Douno und Rudolf Steiner kamen. Als aber letztes Jahr die Umfrage über den bedeutendsten Bulgaren des vergangenen Jahrhunderts gemacht wurde, war Beinsa Douno nicht unter den wichtigsten Personen. Was für Finsternis und Schande!

„Einst haben die Bulgaren ein gutes Werk für Gott getan. Nun will Er sich bei den Bulgaren durch mich revanchieren. Ich tue Gutes für sie und sie beschmutzen mein Gesicht. Aber trotzdem werde ich diese gute Tat für sie tun, da ich den Willen Gottes erfülle!… Wenn es sein muss, bleiben nur 300000 Bulgaren, aber sie werden das erfüllen, was Gott von ihnen will.“[4]

In diesen Worten des Meisters sind 35000 Jahre der Geschichte der Bulgaren und Tausende von zukünftigen Jahren enthalten. Wenn wir die Impulse des 20. Jahrhunderts nicht verstehen, werden die Impulse des 21. Jahrhunderts für uns Terra incognita bleiben. Die ganze Weisheit des Menschentums, die seit Jahrtausenden angesammelt worden war, wurde der Welt vorgestellt. Sie ist in die Anthroposophie eingegangen und wurde zum Bestandteil des esoterischen Christentums, das zukünftig die einheitliche Religion der Welt sein wird.

Mit Rücksicht auf die Behauptung, dass die Impulse, die von Christus kommen, am wichtigsten sind, taucht die Frage auf, warum auch Impulse im Osten notwendig sind, die von den christlichen Impulsen stark abweichen. Das liegt daran, dass nicht jede Seele herangewachsen ist – das darf nicht als Vorwurf aufgefasst werden – um die westliche Esoterik zu berühren, die heute führend ist. Auf einer höheren Stufe bestehen keine Unterschiede zwischen Mahatma Moria und Beinsa Douno, zwischen Kuthumi und Rudolf Steiner – sie alle sind die Boten Christi, aber die Adressaten ihrer Offenbarungen sind jeweils unterschiedlich. Doch jede Seele muss in einem ihrer Leben den esoterischen Christus berühren, denn es heißt „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh.14:6). Auf diesem Weg wird der Zusammenprall mit dem Bösen auf immer höheren Stufen erfolgen und die Versuchungen werden immer tückischer und stärker sein.

Die traditionellen Religionen helfen nicht mehr, von den äußeren Wissenschaften, etwa der Psychologie, Politologie, der Militärwissenschaft ganz zu schweigen. Sie alle sind heute kraftlos, doch wo ist der Ausweg? Er ist in der tiefen Kenntnis des Bösen und seiner Transformation in Gutes durch die Kraft Christi in unserem Ich. Dazu sind die Erkenntnis, die Annahme und die Anwendung erforderlich – in dieser Reihenfolge, denn man kann nicht etwas anwenden, was man nicht kennt.

Das Böse ist kein unpersönlicher Begriff, sondern die Summe von Wesenheiten, die konkrete Namen tragen. Sein Hauptvertreter in unserem Kosmos und erster Widersacher Christi (des Lamms) ist das Tier aus der Apokalypse des Johannes mit der Zahl 666 und dem wahren Namen Sorat, den Steiner zum ersten Mal verkündet hat. Sorat ist der ärgste Gegner des Ich-Prinzips selbst in jedem und überall, was die Hauptaufgabe des Erdenäons ist – die Ausbildung eines bewussten Ich, mit dem wir uns selbst und die Erde vergeistigen und zum geistigen Jupiter übergehen werden. In diesem Sinne ist Sorat die Macht, die die Entwicklung überhaupt zurückhält. Christus ist Licht, Leben, Liebe, Sorat ist der Sonnendämon, der Finsternis, Tod und Böses bringt. Er ist ein Wesen, das nicht mit unserer Evolutionswelle verbunden ist. Unsere Entwicklung begann auf dem alten Saturn und Sorat hat einen anderen Ursprung. Wir wissen noch nicht, warum ein so mächtiges Wesen zum Hauptvertreter des Bösen in unserem Kosmos wurde und auf welcher Stufe der Evolution er sich befindet (in allen Fällen steht er mindestens auf der Ebene der Elohim). Es ist noch nicht an der Zeit, diese Fragen zu beantworten, da wir noch schwach sind – Sorat wird noch künftig seine dämonischen Fähigkeiten zeigen[5]. Bisher bedient er sich einer Armee dunkler Geister, die die Menschheit verführen. Ihre Namen sind in der Zahl 666 verschlüsselt. Wir wissen, dass die Zahl 7 die vollendete Evolution symbolisiert. Die Evolution entwickelt sich als siebengliedrig und nicht als zehn- oder zwölfgliedrig. Die Sechs beinhaltet ein Zurückbleiben und eine Unvollkommenheit, die für Sorats Dämonen charakteristisch sind. Es gibt drei Typen von ihnen, die ‚Geister der Hindernisse‘ genannt werden.

Hinter der ersten Sechs stehen die auf dem alten Mond zurückgebliebenen luziferischen Engel, hinter der zweiten Sechs stecken die auf der alten Sonne zurückgebliebenen ahrimanischen Erzengel und hinter der dritten Sechs lauern die mächtigsten asurischen Archai, die bereits auf dem alten Saturn zurückgeblieben sind. Sie verführen uns nicht nur mit ihren eigenen Möglichkeiten, sondern auch durch andere Wesen niederer Stufen (etwa die Naturgeister), die sie ihrem Willen unterworfen haben.

Die Versuchungen der luziferischen Engel in der Empfindungsseele und dem mit ihr zusammenhängenden Astralleib können wir mit hoher Sittlichkeit überwinden. Die Überwindung der ahrimanischen Wesen in der Verstandesseele und dem mit ihr zusammehängenden Ätherleib wird möglich sein durch die Zusammenwirkung der Menschen in der sozialen Sphäre, die auf geistigen Prinzipien beruht. Doch um uns den zurückgebliebenen Archai (den Asuras) in der Bewusstseinsseele und dem mit ihr zusammenhängenden physischen Leib entgegenzustellen, müssen wir den Weg der gegenwärtigen christlichen Einweihung antreten, über die Beinsa Douno und Rudolf Steiner berichtet haben. Nur die strenge geistige Schulung kann dem Ich die innere Kraft geben, die mit den starken asurischen Versuchungen fertig werden kann. Deshalb hat Beinsa Douno den Schulungsweg gegeben, der sich nicht wesentlich vom in der Anthroposophie beschriebenen Schulungsweg unterscheidet. Doch beide unterscheiden sich wesentlich von den östlichen Schulungswegen! Der Meister Beinsa Douno hat immer kategorisch behauptet, dass die östlichen Lehren nicht mehr hilfreich sind. Er hatte immer eine entschiedene Art, denn dort, woher er kommt, bestehen keine zwei Meinungen über eine Frage. Alle vorherigen Wege beruhten auf der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, für den Schüler war die Autorität des Lehrers absolut. Der Lehrer nahm den Schüler unter seine „Fittiche“, der Schüler befragte ihn über alles und musste sich oft von der eigenen Familie und dem eigene  Heim trennen, wobei der Lehrer sich um seinen Alltag kümmerte. Dagegen unterscheidet sich der Schüler, von dem Beinsa Douno und Rudolf Steiner sprechen, grundsätzlich von der beschriebenen Sorte. Beim neuen Schüler ist das Ich (das höhere Ich) bestimmend. Indem er von Christus in seinem Ich Kraft schöpft, weiht sich der Schüler der Zukunft selbst ein. Der Lehrer erscheint gelegentlich, wenn es notwendig ist (wenn der Schüler reif sind), und zwar in seiner Eigenschaft als Freund und Berater und nicht als eine absolute Autorität. Zudem gibt es mehrere Lehrer.

Man kann Christus annehmen und frei sein, nur wenn man sich freiwillig dazu entschließt und wenn man eine Wahlmöglichkeit hat. Die Freiheit der Wahl wurde uns von Luzifer geschenkt und die Geburt des Ich, das Liebe schafft, haben wir Golgatha zu verdanken. Nur so kann der Mensch die Erde in einen Kosmos der Liebe verwandeln. Die rechtmäßig entwickelten Engel haben aus dem alten Mond einen Kosmos der Weisheit gemacht, die rechtmäßig entwickelten Erzengel haben aus der alten Sonne einen Kosmos der Kraft gemacht. Nun sind wir dran! Erst im Erdenäon hat der Mensch sein Ich erhalten, mit dem er den Willen Gottes erfüllen wird. Sehen Sie, wie in der tibetischen Weisheit die Frage nach dem Ich fast vollständig fehlt! Dort wird über das Ich so gesprochen, dass der Eindruck vermittelt wird, das Ich würde nicht von der einen in die andere Inkarnation übergehen, sondern nur in diesem Leben vorhanden sein. Was würde vom Menschen bleiben, wenn wir das Ich wegnehmen, was würde ihn auszeichnen? Das Streben vieler Yogins, sich von den äußeren Hüllen zu befreien und im Nirvana aufzulösen, ist das größtmögliche Verbrechen, dass sie sich selbst und auch Gott antun können.

Milliarden Jahre lang hat die Große Weiße Weltallbruderschaft an der Schaffung der Erde gewirkt und die Elohim haben zuletzt den Menschen als die Krönung geschaffen. Und manche spirituellen Sucher wollen die Arena verlassen, auf der sie zu Göttern werden können. Die Flucht ins Nirvana, ohne den Weg zurückgelegt zu haben, den Gott uns vorgezeichnet hat, zieht fatale Folgen mit sich für denjenigen, der eine solche Dummheit begeht. Wie uns Beinsa Douno informiert, wird im Nirvana, in der göttlichen Welt der ganze bisherige Evolutionsweg desjenigen ausgelöscht, der sein Ich verachtet und die Götter bringen ihn auf die Erde zurück, damit er von neuem anfängt. Es gibt kein größeres Unglück als das! Jeder, der den spirituellen Weg besteigen und schnell in die astralische und in die höheren Welten eingehen möchte, soll bedenken, ob er das gefahrlos verwirklichen kann, ohne die große Offenbarung in Details zu kennen, die uns durch Beinsa Douno und Rudolf Steiner gesandt wurde. Die Gefahren, die von den drei Sechsen ausgehen, stehen uns noch bevor. In Zukunft wird sich Sorat selbst einmischen, gegen den nur dann unser Widerstand möglich sein wird, wenn wir ihm Christus entgegenhalten können. Gegen den Sonnendämon ist selbst der Weg des Schülers nicht ausreichend! Es ist Christus notwendig, der die Fäden hält, welche die Menschenseele mit Gott verbinden. Wenn wir in der Seele die beiden Golgathas bewusst erleben, können wir den Erlöser in unser Ich hereinlassen und Ihn Sorat gegenüberstellen. Eine andere Möglichkeit ihm entgegenzutreten gibt es nicht!

Der erste Helfer, der uns auf dem Weg zu unserem direkten Gott begleitet, ist der Zeitgeist – der Arche Michael. Er hat die Anthroposophie inspiriert. Von 1841 bis November 1879 hat Michael in der Astralwelt gegen Ahriman und seine Scharen gekämpft und ihn besiegt. Als Folge ist er zu einem Archen aufgestiegen und wird bis 2300 der Zeitgeist, die Zeit selbst für uns sein. Michael ist ein schwer zugängliches Wesen. Vor Golgatha war er das Mondenantlitz Jehovas, der auf dem Mond weilte und nach Golgatha folgte er Christus und wurde Sein Sonnenantlitz. Michael ist das Tor zu Christus und der mächtigste von allen sieben Erzengeln, der in Opposition zu den restlichen Sechs steht. Michael schmiedet sein Schwert und sucht Mitkämpfer, wobei er sich nur den Fortgeschrittensten zeigt. Der michaelische Impuls wendet sich immer an das Ich des Menschen und niemals an seine Hüllen, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe (der Astralleib), zu einem Volk (der Ätherleib) und einer Rasse (der physische Leib) bestimmen. Nur wenn wir fleißige geistige Arbeit entgegenbieten, die von der Fähigkeit zu jenem reinen Denken begleitet wird, das Hegel sein ganzes Leben lang anstrebte, können wir damit rechnen, dass Michael sich uns offenbart.

Doch wie viele Menschen gibt es, die dessen fähig sind? Wir haben gesehen, was im 20. Jahrhundert passierte. Nach dem Sieg über Ahriman und seine Scharen wurde die Astralwelt von den Widersachergeistern am 22.03.1914 endgültig gereinigt, was uns Beinsa Douno mitteilte. Wohin sind diese Geister verschwunden? Auf die Erde, unter die Menschen und in die Menschen! Die Geister der Finsternis (die ahrimanischen Wesen) haben den Ersten Weltkrieg angezettelt. Sie haben die Oktoberrevolution mit der entscheidende Hilfe der westlichen Geheimlogen verursacht und danach den Zweiten Weltkrieg entfacht. Sie sind in die Maschinen eingegangen, in den menschlichen Ätherleib, indem sie den Nationalismus und die Spaltung in immer kleinere Völker verursachten. Während sich die luziferischen Geister in unseren Astralleib (Gedanken, Gefühle und Begierden) einnisten, dringen die ahrimanischen Geister in den Ätherleib ein, wo die zugefügten Schäden größer sind.

Im 20. Jahrhundert hat sich Sorat zweimal aus dem Abgrund erhoben – durch den Bolschewismus und Nationalsozialismus. Die Folgen kennen wir. Seine Geister haben allein im russischen Volk 100 Millionen Opfer verursacht. Trotz des ganzen Schreckens war das eher die Frucht des Bösen, die mehrere Jahrhunderte lang gereift war. Seit 1998, als die Zahl 666 sich zum dritten Mal jährte, begann der Eingriff der dritten Sechs – der Asuras, die am mächtigsten sind. Sie greifen nach dem physischen Leib, ohne den kein Ich ausgebaut und das Ziel des Erdenäons verhindert werden kann. Die Asuras sind so mächtig, dass sie ganze Kulturen zerstören, indem sie versuchen, das menschliche Ich durch ein ihnen unterordnetes dämonisches Wesen zu ersetzen. Es erschienen die Drogen, die den physischen Leib unmittelbar zerstören, das Böse ist in bisher nicht gekannte Arten eskaliert – als die Gewalt an Kindern und der Terrorismus. Hinzu kommt das Klonen, das zum Ziel hat, Menschenwesen zu erzeugen, in die statt des Ich ein Sorat unterworfenes dämonisches Wesen einziehen soll. So etwas hat es selbst in den düstersten Jahren der Atlantis nicht gegeben, als die schwarze Magie auf ihrem Höhepunkt war. Während der terroristische Akt gegen Amerika am 11.09.2001 immer noch unter der Maske des islamischen Fundamentalismus stand, werden künftig noch mehr Formen des Bösen auftauchen, die durch nichts motiviert sind – Böses um seiner selbst willen, Dämonen mit Menschengesichtern, die uns als die „Heuschrecken“ aus der Apokalypse des Johannes gezeigt wurden. Unsere Phantasie reicht nicht aus, um zu beschreiben, wozu sie fähig sein werden!

Der Bolschewismus und der Nationalsozialismus wurden jeweils in 72 und 12 Jahren durch äußere Mittel besiegt – der Erstere durch Wirtschaftsmittel, der Letztere durch einen Krieg, wobei die Zahlen 72 und 12 okkult sind. Das wurde möglich, da die ersten Sechsen hinter ihnen standen. Aber dem Terrorismus, hinter dem die Asuras stecken, können wir nur mit Liebe entgegentreten, indem wir das Böse in uns aufnehmen und es in Gutes im Sinne der manichäischen Mysterien transformieren. Das ist keine passive, sondern eine aktive Tat, die darin besteht, dass man soviel Gutes tut, wie Böses getan wurde, damit im Karma eine leere Stelle befreit werden kann, in die der Herr des Karmas Christus das ergießen kann, was ‚Wohltat’ genannt wird.

Nur durch eine wahre Vergebung und durch das aktive Vollbringen guter Werke können wir gegen den Terrorismus kämpfen und die Götter von der Pflicht befreien, Riesenkräfte zu verbrauchen, um karmische Situationen zu schaffen. Amerika hat sich nicht zu dieser manichäischen Höhe erhoben und hat auf diesen Terroranschlag nach dem mosaischen Gesetz erwidert. Im Augenblick des Gegenschlages begann Amerikas Fall. Doch wenn etwas zu verfallen beginnt, geht anderswo etwas anderes auf. Bulgarien wird aufgehen! Von uns werden Verstehen, Abnehmen und Anwenden verlangt, damit wir den Göttern helfen können, statt ständig zu jammern, dass uns jemand heute oder in der Vergangenheit verhindert hat. Es gibt immerhin ein Karmagesetz und nichts geschieht zufällig. Die sich momentan erhebende Welle der Hinwendung zur Geschichte wird ohne eine spirituelle Durchdringung früher oder später in Nationalismus ausarten. Dahinter steht Ahriman! Laut Steiner ist der Nationalismus das Ergebnis der Machtlosigkeit der Ideen. Er ist der letzte Unterschlupf des Bolschewismus und Pseudosozialismus.

Von Bulgarien wird die sechste Kultur ausgehen, ‚Bulgare‘ bedeutet ein Mensch des Geistes und einen Menschen des Geistes ohne die Geisteswissenschaft kann es nicht geben. Bulgare ist – obwohl wir einen gemeinsamen Erzengel haben – kein Begriff der ethnischen Zugehörigkeit, sondern eine geistige Kategorie – so wie Slawe. Es können viele Bulgaren und Slawen auf der Erde leben, die solche geworden sind. Und das ist im Angesicht der mächtigen Attacke durch Sorat und seine Scharen auf die Menschheit äußerst schwierig. Nicht nur haben sich die Asuras eingemischt, sondern am Ende jedes Jahrtausends unternehmen Luzifer und Ahriman eine gemeinsame Attacke auf uns, obwohl sie grundsätzlich in entgegengesetzte Richtungen wirken – Luzifer zieht uns nach oben in das Astralische, Ahriman will uns für immer an die Erde binden. Es steht zudem ein Ereignis bevor, dessen Folgen den zukünftigen Lauf unserer Evolution bestimmen werden – die Inkarnation Ahrimans in menschlichem Leib, die höchstwahrscheinlich in Amerika stattfinden wird. Nachdem Luzifer vor 5000 auf der Erde inkarniert war, ist jetzt Ahriman an der Reihe.

Michael hat die Macht, die Verkörperung spätestens bis 2300 aufzuhalten, doch Ahriman beeilt sich, da es günstige Bedingungen gibt – eine allgemeine Unsicherheit, Konflikte, das Internet, die Macht des Geldes und der Maschinen, der Terrorismus, Menschen werden massenhaft durch Dämonen besessen und nur Wenige verfügen über anthroposophische Kenntnisse verfügen, um das Böse wiederzuerkennen und zu benennen. Das ist das ideale Medium für Ahriman, der auch unter den Namen ‚Satan, Mephistopheles‘ bzw. der vom Heiligen Georg/Erzengel Michael besiegte Drache begegnet. Er unterscheidet sich also vom Teufel, der in der Gestalt der Schlange Eva verführte. Wir sehen, was für ein Chaos erst einmal in der richtigen Benennung des Bösen herrscht, geschweige denn in seiner Identifizierung und Bekämpfung. Wenn Ahriman inkarniert, werden zusammen mit ihm so starke Versuchungen erscheinen, dass wir ein Höchstmaß an Anstrengungen brauchen werden, um sie zu entschlüsseln und zu neutralisieren. Von der Art, wie wir damit fertig werden, hängen die Zukunft und unsere Begegnung mit Sorat ab, die in ca. 600 Jahren stattfinden wird, wenn die Zahl 666 sich zum vierten Mal jährt.[6]

Natürlich sind wir noch sehr schwach, um Sorat gegenüberzutreten. Er wird seine Möglichkeiten in der fernen Zukunft zeigen, wenn seine Schwarzmagier gegen hochentwickelte Menschen kämpfen werden, die zu Weißmagiern geworden sind. Im Erdenäon werden uns die drei Sechsen verführen, die in unseren Leib und unsere Seele eintreten können. Doch in der Geisteswissenschaft ist auch von luziferisierten (zurückgebliebenen) Wesenheiten die Rede, die zu höheren Hierarchien gehören, etwa Gewalten, Mächte und Herrschaften, selbst Throne sind dabei. Die nach der Vorsehung Gottes zurückgebliebenen Geister der zweiten Reihe (Gewalten, Mächte und Herrschaften)  sind so stark, dass sie bisher nicht direkt in den Leib und die Seele des Menschen eintreten können – wir würden dem nicht standhalten. Sie wirken äußerlich und indirekt durch Erdbeben, Orkane, Überschwemmungen, also als Naturgewalten, die Zerstörung mit sich bringen. Erst in den zukünftigen Äonen des Jupiter und der Venus werden wir ihre wahren Möglichkeiten erleben. In Hinblick auf die Zukunft, auf die unsere Seele schaut, müssen wir folglich unsere heutigen Aufgaben meistern.

Bei der Begegnung mit dem Bösen wachsen wir und erlösen auch die Verführer. Als sie in den Urzeiten zurückblieben, haben sie ein Opfer vollbracht, indem sie vom richtigen Ablauf ihrer Evolution zur Erfüllung des göttlichen Willens abwichen. Der Sündenfall des Menschen war vorher zwischen Luzifer und den Göttern abgesprochen, damit wir die freie Wahl erhalten. Im „Krieg im Himmel“, über den alle Religionen erzählen, haben „deklassierte“ Wesen aus der Gruppe der Mächte (Dynamis) gegen die rechtmäßigen Mächte gekämpft. Die heutigen Meteoriten zwischen Mars und Jupiter sind der entfernte Nachhall dieses Krieges. Indem die luziferischen und ahrimanischen Wesen ein Opfer durch ihr Zurückbleiben vollbrachten, waren sie gezwungen, ihr Wirkungsfeld auf ein anderes kosmisches Gebiet zu verlegen, wo ihre weitere Entwicklung unmöglich war. Sie ist nur durch ihre Verbindung mit dem Hauptimpuls unseres ganzen Kosmos möglich – dem Christus-Impuls. Aber die zurückgebliebenen Wesen können das nicht allein erreichen. Die einzige Möglichkeit, auf das Feld der richtigen Evolution zurückzukommen, besteht darin, durch den Menschen einen Zugang zum Christus-Impuls zu finden. Indem die zurückgebliebenen Geister das innere Wesen des Menschen erobern, während er auf der Erde in Fleisch inkarniert ist, sichern sie sich auch die Macht über den ganzen Kosmos, denn unser Inneres wird bekanntlich nach dem Tod zum äußeren Kosmos. Und hier steckt eine große Gefahr, so dass wir uns diesen Verführern entgegenstellen müssen, um die Luziferisierung und Ahrimanisierung des Kosmos zu vermeiden. Wie kann das geschehen?

Die Widersachermächte haben auch eine rechtmäßige Wirkung, Luzifer entfaltet seine rechtmäßige Wirkung auf dem Gebiet der Phantasie und Künste und Ahriman – in den Grenzen, in denen die tote Materie wirkt – in der Sphäre der Wissenschaft und Technik. Da sie gezwungen sind, diese unerträglichen Leiden im eigenen Reich zu ertragen, suchen sie nach jeder selbst temporären Möglichkeit, ihr Leid zu vermeiden, und wenigstens teilweise Erleichterung zu finden. Sie streben danach, die Grenzen des eigenen Reiches, das ihnen die höheren Götter ursprünglich gegeben haben, zu überschreiten, wobei sie sich überall in die menschliche Evolution einmischen und dort als Verführer und Geister aller möglichen Hindernisse wirken.

Doch gerade in der Sphäre ihrer rechtmäßigen Wirkung haben sie die höheren Götter zu ständigem und unermesslichem Leid verurteilt, was in der völligen Unmöglichkeit jeglicher Entwicklung besteht. Vorübergehend von ihren Leiden erlöst, zeigen sie sich hier entweder als unrechtmäßig stolze oder überintelligente Wesen, die dem Menschen überall ihre verführenden „Gaben“ anbieten, die nur Zerstörung und Tod bringen. Das bedeutet, dass außerhalb des Reichs Ahrimans, also auf dem Feld der menschlichen Evolution, der Mensch sich sowohl Ahriman als auch Luzifer widersetzen soll. Dadurch retten wir sie nicht nur vor ihnen selbst, sondern wir erlösen diese Geister. Das ist unsere Gegenleistung für das Opfer, das sie einst dargebracht haben.

Wie gestaltet sich diese Erlösung? Die Lehrer der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen zeigen uns das – indem sie ihren Astralleib mit dem Christus-Licht (den vom Christus-Impuls durchzogenen Kräfte des Geistselbst) durchdringen, erlösen sie Luzifer und seine Scharen. Indem sie ihren Ätherleib mit dem aus der Christus-Sonne in ihr Ich einströmenden Leben (dem Ergießen der von Christus durchzogenen Kräfte des Lebensgeistes) durchziehen, erlösen sie Ahriman und seine untergeordneten Geister. Zukünftig werden sie durch die Durchdringung ihrer physischen Leiber mit den Kräften der Liebe, die aus der Christus-Sonne in ihr Ich einströmt (dem Ergießen der von Christus durchzogenen Kräfte des Geistesmenschen) werden sie auch die Asuras erlösen. Die Erlösung der Asuras ist am schwierigsten und sie wird durch die Kräfte des Auferstehungsleibes erfolgen. Der Sinn der Erlösung besteht im Folgenden: die Engel sind bekanntlich die Träger des vollkommen entwickelten Geistselbst, der Ätherleib ist der äußerste für sie und ihr höchstes Wesensglied – das achte – befindet sich über dem Geistesmenschen. Die Erzengel tragen den vollkommen entwickelten Lebensgeist in sich und ihre äußerste Hülle ist der Astralleib und das höchste Wesensglied – das neunte. Die Archai tragen den vollkommen entwickelten Geistesmenschen und ihr niedrigstes Wesensglied entspricht dem menschlichen Ich und das höchste Wesensglied ist das zehnte. Diese drei erhabensten Wesensglieder – das achte, neunte und zehnte – bilden das höchste Ideal der Wesen der dritten Hierarchie so wie das höchste Ideal der irdischen Menschheit das Erreichen der Geistsmenschen-Stufe (des siebten Wesensgliedes) ist. Sie können im Sinne der christlichen Esoterik als der Heilige Geist, der Sohn und der Vater bestimmt werden. Natürlich ist das nicht die Heilige Trinität selbst, sondern nur ihr Spiegelbild auf der hierarchischen Ebene. Daraus folgt, dass die Engel Wesen sind, die in ihrem Geistselbst ständig in den Bildern (Imaginationen) des Heiligen Geistes leben, die Erzengel sind in ihrem Lebensgeist vom Wort (den Inspirationen) des Sohnes erfüllt. Die Archai sind in ihrem Geistesmenschen von den Intuitionen des Vaters erfüllt. So sind sie die Diener und Boten der Heiligen Trinität in der Geisteswelt. Die zurückgebliebenen Engel, Erzengel und Archai sind ihnen ähnlich auch die Träger von entwickelten Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch, aber die Beziehung dieser Wesensglieder mit dem höheren Spiegelbild der Trinität, also mit dem achten, neunten und zehnten Wesensglied ist abgebrochen. Deshalb strebt Luzifer mit seinem Geistselbst nicht zu seinem achten Wesensglied, sondern wendet sich von ihm ab und wird dadurch zum Gegner des Heiligen Geistes im Kosmos. In analoger Weise wendet sich Ahriman von seinem neunten Wesensglied ab und wird zum Gegner des Sohnes (des Christus). Die Asuras, die sich von ihrem zehnten Wesensglied abwenden, werden zu Gegnern des Vatergotts. Deshalb ist die Erlösung der drei Kategorien von Widersachergeistern erforderlich.

Während die luziferischen Geister im menschlichen Astralleib dem Geistselbst Christi begegnen, das die Kräfte des Heiligen Geistes enthält, finden sie wieder die richtige Beziehung zu ihrem achten höheren Wesensglied und dadurch auch zum ganzen richtigen und guten Kosmos, der uranfänglich die Widerspiegelung der Heiligen Trinität in seinem Wesen ist. Während die ahrimanischen Geister im menschlichen Ätherleib dem Lebensgeist Christi begegnen, der die Kräfte des Sohnes trägt, erhalten sie ihre Beziehung zu ihrem neunten Wesensglied zurück und dadurch die Beziehung zum ganzen guten Kosmos. Mit anderen Worten wenden sie sich wieder den Kräften der hohen Trinität zu und werden zu ihren Dienern wie alle rechtmäßig evolvierenden Hierarchien.

Alles bisher Gesagte hängt mit der Verkörperung, dem irdischen Leben, Tod und mit der Auferstehung des Christus-Sonnenwesens zusammen. Die Möglichkeit selbst, an der Erlösung der Widersachergeister zu arbeiten, wurde der Erdentwicklung dank dem dreijährigen Leben Christi auf Erden und dem Mysterium von Golgatha hineingelegt. Als Ergebnis gingen die Früchte dieses dreijährigen Lebens in die ganze Erdenevolution über. Im Laufe des ersten Jahres hat Christus den Astralleib Jesu aus Nazareth in ein Geistselbst durch sein kosmisches Ich vollkommen umgewandelt. Im Laufe des zweiten Jahres hat Er den Ätherleib Jesu in einen Lebensgeist umgewandelt und im dritten Jahr, das mit der Kreuzigung auf Golgatha ausging, hat Er Seinen physischen Leib in den Geistesmenschen umgewandelt, der aus dem Grab als der neue Auferstehungsleib auferstand. Dieser Auferstehungsleib ist eigentlich das unsterbliche Phantom des menschlichen Leibes aus der Zeit vor dem Sündenfall (vor ca. 35000 Jahren), den uns die Throne in der alten Saturnzeit geschenkt haben.

Das ist „der neue Adam“, über den Apostel Paulus und Beinsa Douno gesprochen haben. Eine solche Durchdringung mit den Kräften des Christus-Ich in seinem Ich hat Beinsa Douno an den drei Leibern Petar Danovs im Laufe von 25 Jahren vorgenommen, damit er seine Mission als Teil des Christus-Impulses erfüllen konnte.

Im 21. Jahrhundert wird es einen neuen anthroposophischen Impuls geben, der Bodhisattva wird wieder in einer bestimmten Art in Erscheinung treten. Um sie zu verstehen, müssen wir die Anthroposophie kennen, in der die Erlösung der Dämonen zu den wichtigsten Inhalten mitgehört. Die Erlösung Luzifers ist in unserer Zeit erstrangig. Indem die Lehrer der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen (Buddha, Zarathustra, Skythianos u.a.) im Laufe von 2000 Jahren das Licht der Christus-Sonne, das in ihren Ichen erstrahlt, in ihre Astralleiber ergießen lassen, schaffen sie die Bedingungen des direkten Kontaktes zwischen diesem Licht und Luzifer in sich selbst. Auf diese Weise wird Luzifer zum neuen Träger des Christus-Lichtes im Kosmos, was die ursprüngliche Bedeutung seines Namens ist – Phosphorus ‚Lichtträger‘. Indem sich Luzifer Christus zuwendet, wird er zu einem vollkommen neuen Wesen, das vom Heiligen Geist erfüllt wird. Er wird zum Führer jedes Menschen, der zu den verborgensten Geheimnissen des Kosmos strebt, die mit dem Christus-Mysterium zusammenhängen – dem wichtigsten von allen Mysterien. So ist der tröstende Geist aus dem Johannes-Evangelium schon Luzifer, der Christus dient und den Menschen den erneuerten Impuls des Heiligen Geistes trägt. Die wichtigste Rolle bei der Erlösung Luzifers spielen die Teilnehmer am geistigen Konzil, das im vierten Jahrhundert stattgefunden hat – Manes, der das Konzil berief, Skythianos, Zarathustra und Buddha sowie Christian Rosenkreutz (der Evangelist Johannes), der sich später angeschlossen hat. Die weitere Arbeit an der Erlösung der luziferischen Wesen nach Ende des Kali-Yuga 1899 müssen de Nachfolger der Geisteswissenschaft erledigen. Durch das Wissen über Christus und die Bildung einer Kombination aus Tugenden erlösen wir uns selbst und die luziferischen Dämonen. Die ahrimanischen Wesen können individuell nur durch die Lehrer erlöst werden und die nicht Eingeweihten (im christlichen und nicht im östlichen Sinne) können das nur in geistigen Gemeinschaften machen, die um Christus entstehen – „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matth.18:20). Mit der Erlösung der Asuras haben nicht mal die christlichen Lehrer tatkräftig begonnen, da die asurische Wirkung in der Zukunft erlebt werden soll. Die Möglichkeit selbst, ihnen entgegenzutreten, hängt von der Richtung, die die Erdentwicklung nach der Inkarnation Ahrimans nehmen wird und den damit zusammenhängenden starken Versuchungen ab, die ihm entspringen werden. Die vollständige Erlösung der drei Widersacherarten wird dann eintreten, wenn die ganze Menschheit sich auf die Stufen erhebt, auf denen sich die heutigen Eingeweihten befinden. Die Menschheit wird diese Wesen durch die Anwendung der paulinischen Worte „Nicht ich, sondern Christus in mir“ erlösen.

Diese Erlösung hat auch einen anderen wichtigen Aspekt. Nur die Menschen sind in der Lage, da sie in Fleisch inkarniert sind, die Geheimnisse der Dämonen zu erkennen. Die Götter erwarten diese Geheimnisse von uns! Wenn die Menschen den Göttern aufopfernd diese von den Dämonen erkämpften Geheimnisse darbringen, dann können die Götter die dunklen Taten der Dämonen verhindern, so dass das geistige Licht dort erstrahlt, wo es finster ist. Durch das Erleben des Bösen und nicht durch sein Vermeiden wird die neue Erscheinung Christi bewirkt werden. Das ist von uns erzeugte Liebe!  Das ist jener Nektar in der menschlichen Seele, über den Beinsa Douno sprach, aus dem nur die Götter trinken. Sie haben ihn nicht gekostet, da sie keine Liebe erschaffen, sondern sie nur weiterleiten. Der Mensch kann den Tod wie Christus besiegen, da er sterblich ist. Das kann geschehen, wenn er zu Liebe wird. In der Welt der Götter existiert die Liebe nicht! Christus kam auf die Erde, um sie zu erkennen. Beinsa Douno kommt auch ständig wegen der Liebe. Christus wurde „die ganze Macht im Himmel und auf Erden gegeben“. Indem wir das Böse in uns aufnehmen und in Liebe transformieren, gießen wir diese Liebe in die Welt der Götter ein, die sie als das seelische Liebesopfer der menschlichen Seele empfinden. Als Antwort darauf werden viel mächtigere Kräfte über den Menschen herunterströmen – magische Kräfte, durch die wir bewusst Welten schaffen und zu bewussten Mitarbeitern Gottes werden. Bisher sind wir noch nicht solche Mitarbeiter.

Die Liebe ist die schaffende Kraft, das Böse wirkt nur zerstörend, aber die Liebe entsteht in der Überwindung des Bösen. Wir werden allmählich lernen, wie die Pflanzen Kohlendioxid einzuatmen und Sauerstoff auszuatmen. So werden wir unseren physischen Leib immer durchsichtiger machen, bis wir ihn am Ende des irdischen Äons vollkommen geschmolzen haben werden, damit wir mit unserem neuen Leib – dem Auferstehungsleib – zum geistigen Jupiter übergehen – „dem neuen Himmel und der neuen Erde“. Deshalb nimmt der Mensch den zentralen Platz im Kosmos ein und die Götter schauen auf ihn mit Hoffnung und großem Interesse.

In der Überwindung des Bösen wird sich die Liebe in unseren Seelen erhöhen, denn das wahre Wesen der Menschenseele ist die Liebe. Beinsa Douno nennt den Prozess „das Aufblühen der Menschenseele“, bei dem der göttlich-irdische Nektar – die Liebe – abgesondert wird. Die Götter wissen, dass das vom Vater vorbestimmt wurde. Andererseits sehen sie, wie unvollkommen wir sind. Doch der göttliche Wille ist unverletzlich! Wie soll das alles geschehen? Das Interesse und die Neugier sind wirklich groß, im Konkreten das Interesse für das bulgarische Volk als den Herd des Übergangs. Nicht zufällig haben wir einen König as Premier und einen Sozialisten als Präsidenten. Künftig wird sich noch Vieles zutragen, wenn die Zeit kommt. Doch damit alles ohne besondere Kataklysmen geschehen kann, sind Erkenntnisse und Weisheit notwendig. Die Weisheit ist die Vorbedingung der Liebe, die als das Resultat der im Ich neugeborenen Weisheit kommt. Die geistige Kenntnis der Anthroposophie wird durch ihr eigenes Wesen zur Liebe. Wenn wir die Impulse des Zeitalters nicht annehmen, wird das, was dieses Zeitalter trägt, nicht in das Blut einströmen, das der materielle Ausdruck des Ich ist. Das wird die Entstehung von Giften in unserem Blut und die Ausbildung fehlerhafter Form-Phantome, fehlerhafter Bilder hervorrufen. Wie viele geistige Sucher sind zu Opfern dieses Prozesses geworden? Die Menschheit geht den Berg hinunter, da sie in ihrem Denken und Fühlen faul ist. Se möchte nicht die wertvolle Gabe berühren, die Christus vom Kreuz aus seine, Lieblingsjünger Johannes gegeben hat. Johannes ist der Lieblingsjünger, da er der von Christus der persönlich eingeweihte Lazarus ist. Die Gabe ist die Jungfrau Sophia – der gereinigte und von der abstrakten kosmischen Weisheit erleuchtete Astralleib, der vom persönlichen Element des Denkens und Fühlens nicht verschmutzt worden ist. Deshalb sagte Johannes (der zukünftige Christian Rosenkreutz), dass die Zahl des Tieres die Zahl eines Menschen ist, denn in ihr ist Weisheit verborgen.

Die Liebe ohne Weisheit ist nur die Halluzination von Liebe, was auch die Praxis zeigt. Zuerst ist Weisheit notwendig, dann Liebe und zuletzt – von Liebe durchdrungenen Weisheit. Das haben die Jünger vor 2000 Jahren vorgeführt. Sie hatten aus vorigen Inkarnationen als Eingeweihte angehäufte Weisheit und erkannten in Christus die Liebe. An Pfingsten erfolgte die höhere Synthese der Liebe und Weisheit. Von Liebe durchströmte Weisheit – das ist der Heilige Geist, der sich dem Menschen als sein Geistselbst zeigt. Indem wir uns auf die Weisheit stützen, werden wir künftig die Möglichkeit haben, die Kräfte des Todes und des Bösen zu besiegen, wie es uns Christus vorführte. Wir leben in einem Land, das als einziges in der Welt seine Hauptstadt Sofia (Sophia ‚Weisheit’) genannt hat. Am Ende des Jahrtausends wurde dort auch das Denkmal der Jungfrau Sophia errichtet.[7]

Das ist ein klares Zeichen für die eintretenden entscheidenden Ereignisse im dritten Jahrtausend. Nur mit Sophia in uns werden wir jene Liebe ausstrahlen können, die uns gottgleich machen kann, was wir uranfänglich sind. Gott ist seinem Wesen nach Liebe! Und wir wollen Ihm gleich werden!

               Liste der verwendeten Literatur in Auswahl

Бенитес, Хуан Хосе, „Завещанието на Свети Йоан“, Benítez, Juan José, „Das Vermächtnis des Heiligen Johannes“

Бенитес, Хуан Хосе, „Бунтът на Луцифер“, Benítez, Juan José, „Luzifers Revolte“

Бенитес, Хуан Хосе, „Операция „Троянски кон“, Benítez, Juan José, „Das Trojanische Pferd“

Бондарев, Геннадий, „Энциклопедия Духовной Науки“, Bondarew,

Gennadij, „Enzyklopädie der Geisteswissenschaft“

Говинда, Лама Анагарика Говинда, “Пътят на белите облаци“, Govinda, Lama Anagarika, „Der Weg der weißen Wolken“

Дуно, Беинса, “Учителят говори“, Douno, Beinsa, „Der Meister spricht“

Дуно, Беинса, „Българската Душа“, Douno, Beinsa, „Die bulgarische Seele“

Дуно, Беинса, „Изворът на Доброто“, Douno, Beinsa, „Die Quelle des Guten“

Дуно, Беинса, ”Разговорите при седемте Рилски езера“, Douno, Beinsa, „Die Gespräche an den sieben Rilaseen“

Дуно, Беинса, „Дневник на Учителя Беинса Дуно“, Douno, Beinsa, „Das Tagebuch des Meisters Beinsa Douno“

Йогананда, Парамаханса, „Автобиография на един йогин“, Yogananda, Paramahansa, „Autobiographie eines Yogins“

Прокофиев, Сергей, „Окултното значение на прошката“, Prokofieff, Sergej, „Okkulte Bedeutung des Verzeihens“

Прокофиев, Сергей, „Срещата със Злото“, Prokofieff, Sergej, „Die Begegnung mit dem Bösen und seine Überwindung in der Geisteswissenschaft“

Щайнер, Рудолф, „Въведение в тайната наука“, Steiner, Rudolf, „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ (GA 13)

Щайнер, Рудолф, „Духовните йерархии и тяхното отражение във физическия свят“, Steiner, Rudolf, „Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt“ (GA 110)

Щайнер, Рудолф, „Петото Евангелие“, Steiner, Rudolf, „Das fünfte Evangelium“ (GA 148)

Щайнер, Рудолф, „Духовете на мрака“, Steiner, Rudolf, „ Der Sturz der Geister der Finsternis“, (GA 177)

Щайнер, Рудолф, „Апокалипсиса на Йоан“, Steiner, Rudolf, „Die Apokalypse des Johannes“, (GA 104)

Щайнер, Рудолф, „Евангелието на Йоан“, Steiner, Rudolf, „Das Johannes-Evangelium“, (GA 103)

Щайнер, Рудолф, „От Исус към Христос“, Steiner, Rudolf, „Von Jesus zu Christus“, (GA 131)

Щайнер, Рудолф, „Евангелието на Матей“, Steiner, Rudolf, „Das Matthäus-Evangelium“, (GA 123)

Стария и Новия Завет, Das Alte und das Neue Testament

Уолш, Нийл Доналд, „Разговори с Бога“, Walsch, Neale Donald, „Gespräche mit Gott“

 

[1] Ihr Autor ist Eleasar Harasch.

[2] Georgi Radev, „Der Meister spricht“, 1939 „Christus“

[3] In dieser Zeit befand sich der Autor noch unter dem Einfluss der Ideen, die dem zweibändigen Buch Juan José Benítez‚ „Das Vermächtnis des Heiligen Johannes“ zugrunde liegen, dessen Autor seinerseits vom Urantia-Buch beeinflusst wurde.

[4] „Petar Danov – der Meister, der Heiler, der Prophet“, Bd.3, Stara Zagora, 2009

[5] In Mangurovs Vorlesung vom 25.09.2016 (https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2017/03/03/die-geheimnisse-des-willens-und-das-siegel-des-menschen-teil-1/) gibt es schon die Antwort auf die Frage, wer Sorat ist.

[6] In der Vorlesung vom 31.05.2015 (https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2016/11/23/die-weltanschauung-des-menschen/) ist auf dem Schema die Zeit des Zusammenstoßes mit Sorat gekennzeichnet – im siebten Globus, wenn wir astralisiert sein werden. Bis dahin müssen wir mehrmals mit dem Bösen konfrontieren, um um uns auf diese Hauptbegegnung vorbereiten.

[7] An der Stelle, wo sich im Altertum das westliche Haupttor der Stadt befand, wurde in der Weihnachtszeit 2000 die Sophia-Statue des Bildhauers Georgi Tschapkanov aufgestellt.

Das Zweite Golgatha und Beinsa Dounos Opfer


   vorgetragen von Dimitar Mangurov am 25.09.2003 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

1916 sprach der Bodhisattva Beinsa Douno folgende mysteriöse Worte: „Wenn ihr in die höhere Lage des Lebens eintreten wollt, müsst ihr den Heiligen Petrus finden – er wird euch die Schlüssel, das Christus-Buch geben. Wenn ihr in die Unterwelten gehen wollt, müsst ihr hinuntersteigen – in der Hölle werdet ihr Christus finden. Den einen Schlüssel hat Petrus, den anderen – Christus.“[1] Später fuhr er fort: „Ihr müsst Christus wecken, der in euch schläft. Nur so werdet ihr den inneren Sinn eures Lebens verstehen. Jeder hat einen Christus in seinem Inneren. Er ist der Gott, nach dem ihr sucht.“[2] Auch sagte er: „Ohne Christus lässt sich nichts machen. Wer Christus nicht erweckt hat, weiß nicht, wie er leben soll. Doch damit Christus erscheint, muss unbedingt ein Gewitter aufkommen.“[3] Denn „es gibt zwei Typen von Lebendigen – lebendige Tote und tote Lebendige. Ihr gehört zur ersten Gruppe.“[4]

 

Die angeführten Worte verblüffen mit ihrer Kraft und Entschiedenheit. Die Einschätzung des Meisters über die heutige Menschheit ist vernichtend – die Menschen gelten als lebendig, doch in Wirklichkeit sind sie wandelnde Tote. Die einzige Möglichkeit der Auferstehung ist durch Christus, den wir in der Hölle bei dem Bösen finden werden. Diese Hölle ist in jedem Menschen als ein loderndes Zentrum der Materienvernichtung zu finden, das sich über den ganzen Körper erstreckt. Wenn wir dem inneren Chaos erlauben, dass es sich auf die ganze Welt ausbreitet, dann wird das Böse durch den Menschen herrschen. Das Böse ist das nach außen herausgebrachte Chaos, das im Menscheninneren notwendig ist und der Erfüllung seiner Hauptaufgabe auf der Erde dient – dem Aufbau des Ich. Wenn wir bewusst in dieses Zentrum eintauchen und höhere moralische und ethische Ideale dareinbringen, werden wir nach und nach Christus finden und annehmen und durch Ihn die Kraft erlangen, Gutes zu schaffen. Hier entstehen die Keime der zukünftigen Welt, die aus der Transformation des Bösen unter den Bedingungen apokalyptischer Stürme hervortreten wird. Die Menschen waren so niederträchtig, dass sie das größte Wesen ans Kreuz geschlagen haben, das auf die Erde erschienen war, obwohl dieser Tod den Inhalt des Christentums, unseres Schicksals darstellt und große Kraft verleiht. Deshalb wird die Hinwendung an den Geist und die Suche des Erlösers jetzt in Seiner neuen Form durch Kataklysmen und Unglück begleitet. Entweder wird sich die Menschheit zum Christus wenden oder sie wird zugrunde gehen. Damit Ersteres geschehen kann, sind tiefe Erkenntnisse über das Böse erforderlich. Die leichtsinnigen Erklärungen vieler der heutigen spirituellen Sucher, dass sie sich nicht mit dem „Dunklen“ beschäftigen wollen, sind lediglich ein Zeugnis geistiger Hilflosigkeit und voller Unangemessenheit gegenüber der Zweiten Wiederkunft Christi und dem großen Kampf Michaels mit dem Drachen, der noch Jahrtausende lang dauern wird.

 
Wenn wir nach den Anfängen des Bösen in unserem Kosmos suchen, müssen wir bis zum alten Saturn zurückkehren, als ein Teil der Cherubim das Opfer der Throne nicht angenommen hat. Das abgelehnte Opfer und die bei den Thronen aufgekommene „feine Spannung“ sind natürlich keinesfalls böse, aber sie stellen trotzdem den Keim einer Disharmonie im Kosmos dar, die sich weiter vertiefte durch den Krieg im Himmel und die Entscheidung einiger Engel, sich an die Seite der „deklassierten“ Wesen der fünften Hierarchie (Dynamis) zu stellen. Für uns ist jedoch die Zeit vom Sündenfall bis zum heutigen Tag am wichtigsten.

 

In der lemurischen Zeit schenkten uns die Geister der Form unser Ich, damit wir von der uns umgebenden Welt unabhängig werden. Aber wir sind trotzdem völlig abhängig von unseren „schaffenden Vätern“ geblieben. Damals haben sich die luziferischen Geister den Elohim widersetzt, indem sie dem Menschen Freiheit schenkten. Doch damit gaben sie ihm gleichzeitig die Möglichkeit, Böses zu begehen,  Leidenschaften und Begierden in der Welt der Sinne anheimzufallen. Diese Leidenschaften und Begierden nisteten sich in den Astralleib und genauer gesagt in die Empfindungsseele ein. Als Folge sehnte sich der Mensch immer mehr nach Eindrücken von der Erde. Die führenden Geister haben dann Gegenmaßnahmen getroffen, indem sie in uns die Krankheiten, Leiden, den Schmerz und den Tod hineinbrachten. So haben wir in der einen Schale der Waage bestimmte Leidenschaften und Begierden nach dem Materiellen und in der anderen Schale – genau so viele Krankheiten und Schmerzen. Hätten sich die Versucher uns in Lemurien nicht angenähert, so hätten wir die materielle Welt erst gegen Mitte der atlantischen Zeit zu sehen begonnen – und zwar geistig. Das sah der Plan vor, doch in der Praxis sind wir auf die Erde vorzeitig heruntergestiegen und unter anderen als den vorgesehenen Bedingungen. Die Folge davon war, dass in der Mitte der atlantischen Zeit sich die ahrimanischen Geister mit Jenem vermischten, was der Mensch sehen und wahrnehmen konnte. Sie krochen in seine Verstandesseele hinein und flüsterten ihm zu, dass die Materie die einzige Wirklichkeit sei. So haben wir die Lüge, die Angst und die „bewusste Sünde“ kennengelernt. Dann gaben uns die führenden Geister durch das Karma die Möglichkeit, unsere Fehler bezüglich der Sinneswelt und des von uns verrichteten Übels zu berichtigen. Wenn uns der Segen des Karmas nicht gegeben worden wäre, wären wir eins mit dem Übel geworden, ohne dass wir die Möglichkeit gehabt hätten, zu unserem wahren Ziel fortzuschreiten. Das Karmagesetz trat für uns bereits Mitte der Atlantis in Kraft. Es kam von keinem anderen als von Christus selbst, der sich immer noch in der geistigen Sphäre der Erde befand. Seitdem ist auch Ahrimans Karma mit dem menschlichen Karma verbunden, das eine indirekte Folge seiner Taten ist.
Luzifer und Ahriman muss man sehr gut auseinanderhalten. Luzifer trennte sich von den geistigen Scharen des Himmels nach der Abtrennung der Sonne, während Ahriman sich bereits vor der Abtrennung der Sonne in der hyperboräischen Zeit abgesondert hatte. Er stellt die Verkörperung ganz anderer Kräfte dar. Daher kommt die gegensätzliche Wirkung der beiden Widersacher auf den Menschen.

 

Das alte Lemurien wurde zerstört durch das Feuer der menschlichen Leidenschaften und der Möglichkeit der Manipulation durch die Kräfte der Erde (die schwarze Magie). Die Atlantis ging infolge des Missbrauchs der Kräfte der Luft und des Wassers zugrunde. Damals war die Menschheit in der Lage, die Wachstumskräfte in den Pflanzen- und Tiersamen in einer ähnlichen Art zu beeinflussen, wie wir heute z.B. die Kraft der Kohle entziehen, um eine Dampfturbine im Wärmekraftwerk in Bewegung zu setzen. Auf diese Weise wurden die Dinosaurier vor ca. 15000 Jahren geschaffen, und nicht vor 200 oder 300 Millionen von Jahren, wie die heutige materialistische Wissenschaft behauptet. Wenn diese Kräfte entzogen werden, verbinden sie sich in einer geheimnisvollen Art mit den Naturkräften des Windes, Wassers u.a. Wenn sie zu bösen Zwecken eingesetzt werden, wenden sie sich gegen den Menschen um. Aus diesem Grund ist die Atlantis zugrunde gegangen und die Katastrophe führte zur Vereisung der zivilisierten Welt.
Seit dem Ende der atlantischen Zeit begann der dem Kopf entsprechende Ätherleib, sich in den physischen Kopf im Punkt des dritten Auges zurückzuziehen. Deshalb verloren wir allmählich die Beziehung zur geistigen Welt. Der „große Schlaf“ des Menschen begann bereits Mitte der Atlantis und wurde nach der Sintflut tiefer. Es kam zur unbewussten Transformation des physischen Leibes und zur  Entstehung einer Bewusstseinsseele. Doch wurde die schwarze Magie immer noch von den Nachkommen der Atlantier im alten Persien praktiziert und es ist ausschließlich Zarathustras Verdienst, dass die Machenschaften Ahrimans aufgedeckt wurden und die Menschheit auf Ahura Mazdao, d.h. Christus gelenkt wurde. Aber trotzdem und trotz der Wirkung des Karmagesetzes ging das direkte Schauen in die geistige Welt und dessen Verstehen den Menschen verloren.

 

Die „Götterdämmerung“ wurde vollzogen. Auf dem Erdenplan herrschte entsetzliche Angst vor dem Tod und nach dem Sterben gerieten die Seelen in Finsternis und Isolation. Die Menschen stürzten halsbrecherisch immer tiefer ab. Durch das Mysterium von Golgatha gab Christus dem Karma sein wahres Aussehen und der Mensch erhielt die Möglichkeit, die Erdenexistenz schließlich zum Guten zu wenden. Die Fähigkeit, in die geistige Welt zu sehen, kann nur in der physischen Welt erlangt werden, anderenfalls sind wir nach dem Tod Blinden ähnlich, wenn wir uns emporheben.

 

Christus ist das Licht der Welt und mit seiner Kraft werden wir volles Verständnis haben und uns in die geistige Welt erheben. Auf diese Weise werden wir mit der Weisheit des Erlösers uns selbst und auch die luziferischen Wesen retten, die zusammen mit dem von ihnen verrichteten Übel geläutert werden durch das Feuer des Christentums. Christus will nicht nur auf der Erde wirken, sondern auch durch den Heiligen Geist verstanden werden. Dieser „Heilige Geist“ ist der luziferische Geist, der schon in reinem Ruhm auferstanden ist – der Geist des unabhängigen Verständnisses, das von Weisheit durchdrungen ist. Die Fackel des auferstandenen und zum Guten gewendeten Luzifers beleuchtet heute den Weg Christi. Der „Heilige Geist“ regiert als Licht die Loge des zwölf Bodhisattvas und ergießt Weisheit in die Erdenmenschen, die wieder hinaufsteigt, wenn sie von der eigenständig im Kampf erlangten menschlichen Weisheit zurückgespiegelt und bereichert worden ist. Mit dem Heiligen Geist werden wir sowohl Christus als auch das Böse verstehen – dieses Verständnis und die menschliche Evolution sind zueinander direkt proportional, was mit jedem Tag immer sichtbarer wird.
Während Luzifer in der lemurischen und atlantischen Zeit die Verdichtung des Menschenleibes bewirkte und die Sinneswelt zu einer Art Schleier der geistigen Welt wurde (Die Atlantier haben die luziferischen Scharen gesehen und die Eingeweihten sahen Luzifer selbst), so hat Ahriman unseren Leib vollständig in die materielle Welt hineingezwängt, die zu einer harten Schale wurde, welche die geistige Welt völlig verdeckt. Während Luzifer den Menschen nur dem Einfluss der Kräfte, die mit Luft und Wasser zusammenhängen, unterwarf, so unterwarf ihn Ahriman viel tödlicheren Kräften. Die Folgen davon sind für jeden sichtbar. Die ahrimanischen Einflusskräfte gehören zu einer viel niedrigeren Natur als Luzifers Einflüsse.

 

Das ursprüngliche Feuer, das während der lemurischen Zeit oberhalb der Erde war und ihre Vernichtung wegen des schrecklichen Missbrauchs verursachte, ist nun in der sechsten Feuerschicht der Erde eingeschlossen worden. Das heutige anorganische, mineralische Feuer ist eine Art Extrakt des ursprünglichen Feuers. Die sechste Schicht ist das Reich Ahrimans, der auch in einem gewissen Sinne von Christus dorthin verbannt wurde, nachdem Er während des Mysteriums von Golgatha in die Hölle hinuntergestiegen war. Die heutigen Vulkanausbrüche und Erdbeben sind in einem hohen Maße der Nachhall der atlantischen Katastrophe und des Karmas Ahrimans, das mit unserem Karma zusammenhängt. Diese Kataklysmen hängen mit dem kollektiven Karma der Menschheit zusammen. Deshalb müssen wir Mitgefühl mit den Opfern empfinden und ihnen in jeder Art helfen. Alle Kategorien von Wesen haben ihr eigenes Karma, aber hinter jedem individuellen Karma existiert ein Weltkarmagesetz. Unter bestimmten Umständen kann das Individuum von der Macht des kollektiven Karmas angezogen werden und wenn es diesem Karma gegenüber vollkommen unschuldig ist, wird es in einer nächsten Inkarnation einen Ausgleich erhalten.

 

Unter Ahrimans Einfluss hat der Mensch heutzutage eine bestimmte Macht über die Kräfte des Feuers und der Erde bekommen, was zum Erscheinen der Nuklearwaffen und des außerordentlichen Anwachsens der Wirkung schwarzer Magie geführt hat. Wenn die menschlichen Begierden und Leidenschaften auf falschen Wegen fließen und gleichzeitig okkulte Praktiken ausprobiert werden, dringen die erweckten okkulten Kräfte in den Ätherleib ein und erscheinen als die übelsten Korruptionskräfte unter den illusorischen Bildern, die oft sehr majestätisch und Verehrung einflößend sein können. In manchen schwarzmagischen Schulen werden als Ausgangspunkt der okkulten Unterweisung die Kräfte des physischen Leibes angewendet – dieser Missbrauch ist die entsetzlichste Entartung, die die schwarze Magie verursachen kann.

 

In unserer Zeit begann auch die Wirkung der Asuras, die in die Bewusstseinsseele hineinkrochen und durch diese – in das Ich, denn das Ich beleuchtet die Bewusstseinsseele. Sie werden ein Übel mit viel stärkerer Macht als das bisher Gekannte hervorrufen. Stücke von unserem Ich werden abgetrennt und für uns unwiderruflich verloren sein. Sie flößen unserer Seele und unserem Ich ein, völlig dem Irdischen, dem Materiellen anheimzufallen, indem sie uns mit der irdischen Unsterblichkeit anlocken. Nichts hilft den Asuras mehr als die Ansicht, dass der Mensch vom Tier stammt. Und das ist es gerade, was in den Schulen und Universitäten der Erde unterrichtet wird! Der Mensch identifiziert sich mit dem Tier und versinkt in die tierischen Leidenschaften und Impulse. Die Asuras wirken hauptsächlich im sexuellen Leben, also im physischen Leib. Die vielen sexuellen Irrtümer, die selbst bei spirituellen Menschen anzutreffen sind, werden durch die Asuras inspiriert, etwa dass man sich geistig erheben würde, wenn man sich der Sexualität enthält. Entscheidend ist nicht die Enthaltung, sondern mit wem man intim ist. Wenn eine physische, seelische und geistige Harmonie mit dem Partner besteht, ist die intime Nähe gesegnet. Die Reproduktionskraft ist die höchste unter den Kräften, die wir beherrschen, denn sie ist unmittelbar göttlicher Herkunft. Je mehr wir sie unterdrücken, desto größer ist die Sünde. Die Askese in ihren äußersten Formen ist heutzutage für den Menschen ungeeignet, denn der physische Leib wird unterdrückt und gelähmt, weshalb der Mensch nicht frei und bewusst mit dem Christus-Impuls verschmelzen kann. Die seelischen und geistigen Fähigkeiten müssen in ihrem reinen Zustand verstärkt werden, so wird die Seele nicht vom Leib getrennt, sondern sie dringt allmählich in die geistigen Welten ein.
Selbstverständlich muss man sich vegetarisch ernähren, jedoch nicht so, dass man sich vor Schwäche nicht auf den Beinen halten kann. Der Körper ist das Werkzeug zum Erreichen des Geistes und die Frucht der intensiven Arbeit der neun Hierarchien von Göttern. Die egoistische Askese, die zum Selbstzweck geworden ist und nur äußeren Vorschriften und Diäten folgt, führt nicht zur Verwandlung, sondern zum Exzentrischen, zu Phobien, Komplexen, Neurosen usw. Hier ist jegliche Gurutätigkeit besonders schädlich und gefährlich. Das Fehlen einer ausgebauten Bewusstseinsseele führt oft zu schrecklichen Folgen in den „spirituellen“ Gesellschaften und im äußeren Leben. Das Leben zu einer ständigen Vergnügung zu machen ist eine der geschicktesten Methoden des Mammon. Aus der schmutzigen Sexualität der Orgien in den Großstädten vernimmt man das höllische Geschrei der Asuras. Wenn man etwa sagen will, dass etwas schön, gut ist, benutzt man Wörter wie ‚geil’, zur Verstärkung der Eigenschaft dienen Adjektive wie ‚saumäßig’, ‚brutal’, ‚tierisch’ usw.

 

Die Tattoos sind heutzutage sehr modern, und zwar in Form von Drachen, Schlangen, Skeletten… Es kam neue „Musik“ als Techno oder Rap auf. Der „amerikanische Traum“ wurde zum Ideal der heutigen Menschheit. Der heutige moralische Verfall ist riesig!

 

Die jungen Leute ahmen alles nach und Sorat sucht gerade sie zu erreichen, wenn er die böse Menschenrasse vorbereitet. Das macht er in drei Richtungen – in der wissenschaftlich-technischen Sphäre (dem mechanischen Okkultismus), der sexuellen Sphäre (dem Ich-Vampirismus) und der Medizin (dem physiologischen Dämonismus). Deshalb ist viel Askese notwendig, aber im gegenwärtigen Sinne bedeutet das erhöhte Wachsamkeit als ein innerer Zustand des Gleichgewichts und gleichzeitig einer möglichst offenen Weltanschauung (Universalismus). Das Schlüsselwort unseres Zeitalters in der Apokalypse des Johannes ist Wachsein. Die „drei Sechsen“ werden uns künftig immer stärker mit allem Möglichem angreifen. Wir müssen diese Angriffe verstehen und ihnen entgegenwirken, denn die materialistische Denkweise wird noch drei bis vier Jahrhunderte lang im Wachstum begriffen sein. Das Chaos wird nicht aufhören, solange nicht eine ausreichende Anzahl von Menschen die anthroposophischen Wahrheiten angenommen haben. Das ist das welthistorische Karma! Nie bisher war die Einmischung der übersinnlichen Welt in unsere sichtbare Welt so intensiv wie heute. Uns beeinflussen sowohl die hellen als auch die dunklen Wesen der verschiedensten Ordnungen. Die wichtigsten Weltereignisse sind die Folgen dieser Beeinflussung und sie müssen richtig verstanden werden.

 

Während im alten Griechenland die Seele den Menschenleib vollständig ausfüllte, ist das nicht mehr der Fall. In einem gewissen Sinne sind die Leiber leer und in sie dringen dämonische Kräfte ein, falls sich die Seele nicht mit der geistigen Welt verbinden möchte. Deshalb sind die Wahrheiten über die geistige Welt lebenswichtig, doch ist das Entsetzen im Angesicht deren Größe die Ursache, dass die Menschen sie ablehnen. Auch diejenigen, die sie annehmen, sind sich uneinig – manche nehmen diese Wahrheiten in einer tiefen und verantwortungsvollen Art an, bei anderen werden die niedrigstmöglichen Instinkte erweckt. Diese Gruppe sucht das Persönliche, Elitäre und empfindet Eifersucht gegenüber der ersten Gruppe. Solche Personen suchen eine bestimmte Geregeltheit, Bequemlichkeit im Leben, die fast immer an der Verführung durch das Geld gekoppelt ist. Allerdings ist das wahrhaftige Durchdringen mit den anthroposophischen Wahrheiten erschreckend für das bequeme Leben! Es gibt nichts Absolutes auf der Welt und die Anstrengungen müssen ständig erneuert werden. Jeglicher Stillstand erlaubt den Dunklen, in den Menschen einzudringen – egal, ob man als „spirituell“ zählt, man versinkt automatisch in eine Art Abstraktion. Alles, was die großen Lehrer früher gesagt haben, ist heute tot! Wir müssen es persönlich beleben und schöpferisch fortsetzen!

 

Mit dem leeren Geschwätz von der allgemeinen Liebe und den kindischen Vorstellungen, mit überheblicher Anmaßung und „Verknöcherung“ ist es ausgeschlossen, dass man in die Zukunft eintritt.

 

Wo ist der Ausweg? Heute gibt es zwei Wege vor uns – den rosenkreuzerischen und den manichäischen Weg. In ihrer inneren Natur sind sie eng verwandt und können mit den beiden Schlangen verglichen werden, die sich um den Merkursstab winden. Alle Hauptelemente des einen Weges lassen sich beim anderen wiederfinden und umgekehrt. Der Unterschied besteht bezüglich der abweichenden inneren Akzente und des Ausgangspunktes. Der rosenkreuzerische Weg ist der Willensweg zu Christus und bringt schon mit den ersten Schritten den Willensimpuls in den Erkenntnisimpuls ein –  durch das Studium, die imaginative, inspirative, intuitive Erkenntnisstufe usw. Dagegen ist der Manichäismus der gedankliche Weg zu Christus und er beginnt mit der Duldung, also mit dem Einbringen des Denkens (des Verständnisses) in das Gebiet des Willens, der zuerst für das normale Bewusstsein unklar ist – etwas, was durch die Bewusstwerdung der Willensimpulse sofort erlaubt, mit der Schöpfung der äußeren Form der Organisation anzufangen, in der künftig alle neuen und immer höheren Offenbarungen Christi empfangen werden können. Deshalb sind für den Manichäismus die Brüdergemeinden, die gemeinsamen Mittagessen usw. typisch. Nicht so sehr die Bewusstwerdung des inneren Lebens ist charakteristisch, sondern die Bestrebungen, die auf die äußeren Lebensformen ausgerichtet sind. Die Seelenkräfte, auf deren Grundlage künftig diese äußeren Lebensformen aufgebaut werden, sind die Duldung, die Übernahme fremden Karmas, die Vergebung, Opferbereitschaft, Gütigkeit usw.

 

Die manichäische Strömung wurde von Manes im dritten Jahrhundert n.Chr. gegründet und ist laut Steiner wichtiger als das Rosenkreuzertum. Im zehnten Jahrhundert wurde sie im Bogomilentum wiederbelebt, von dem im Westen die Bewegungen der Albigenser, Katharer usw. hervorgingen. Obwohl bei ihnen auch viel Weisheit vorhanden war, bestand die Hauptbestrebung darin, Gemeinden aufzubauen, wo alle ursprünglichen evangelischen Gebote verwirklicht werden – der Verzicht auf Widerstand gegen das Böse durch Gewalt, Liebe zu den Feinden usw. Dafür wurden sie von den Kirche und der weltlichen Macht grausam verfolgt und vernichtet.

 

Während der Manichäismus offen für die Gesellschaft war, entstand das Rosenkreuzertum nach 1250 in völliger Geheimhaltung vor der Außenwelt und war das Ergebnis des bereits im vierten Jahrhundert durch Manes berufenen hohen Konzils der wichtigsten christlichen Eingeweihten des Westens. Das Rosenkreuzertum übernahm viel von der manichäischen Weisheit und der Weisheit der im achten bis neunten Jahrhundert entstandenen Gralsmysterien. Manes selbst hat im neunten Jahrhundert an der Weiterentwicklung der Gralsmysterien teilgenommen. Später war er im Laufe von Jahrhunderten einer der führenden Lehrer der rosenkreuzerischen Mysterien.1459 weihte er Christian Rosenkreutz in die manichäischen Mysterien zur Erkenntnis des Bösen ein. Der rosenkreuzerische Weg wurde lange vorbereitet und er hat seine besondere Prägung durch zwei Persönlichkeiten erhalten, die wenig bekannt sind. Der erste ist Dionysios Areopagita – der Schüler des Paulus, der im Auftrag seines Lehrers eine esoterische Schule in Athen gründete, in der dasjenige unterrichtet wurde, von dem die spätere esoterische Weisheit und Unterweisung hervorgegangen sind. Er hat als Erster über die himmlischen Hierarchien gesprochen und alle von ihm eingeweihten Schüler haben bis zum vierten Jahrhundert den Namen ‚Dionysios‘ getragen. Er ist der Vorläufer des Rosenkreuzertums.
Zehn Jahrhunderte später hat der mächtige Geist des Bojan Maga, der seiner Zeit weit voraus war, zum ersten Mal in sich den Manichäismus und die Hauptzüge des noch nicht entstandenen Rosenkreuzertums vereinigt. Es gibt bestimmte Gründe, die die Auffassung stärken, dass Dionysios Areopagita und Bojan Maga dieselbe Individualität sind. Sie inkarnierte im 20. Jahrhunderte mit einer wichtigen Aufgabe wieder.

Rudolf Steiner hat sehr wenig über die manichäischen Mysterien gesprochen, da schon die ersten Schritte auf diesem Weg für den heutigen Menschen sehr schwierig sind. Die „moralische Atmung“, deren Urbild im Zweiten Golgatha besteht, wird erst in der sechsten Kulturepoche entwickelt werden und auf dem Höhepunkt des Krieges aller gegen alle wird der Anfang der allmählichen Überwindung des Bösen gemacht werden. Das wird eine Aufgabe der sechsten Kultur sein, wenn die manichäischen Mysterien einen Höhepunkt und eine Verbreitung in die Welt erleben werden. Das manichäische Prinzip lautet, dass man nicht vor dem Bösen flieht, sondern es vollständig annimmt und in der Seele durch die Kräfte umwandelt, die aus dem hellseherischen Erleben des Christus in den nächsten 3000 Jahren entstehen werden. Auf diese Weise wird das Böse in die Welt durch die Gnade, Gütigkeit integriert. Doch die wahre Manifestation in der Zukunft erfordert die allmähliche Beherrschung magischer Kräfte, worauf wir uns schon jetzt vorbereiten können.

 

Es stimmt, dass für den heutigen Menschen der rosenkreuzerische Weg der geeignetste ist. Es stimmt, dass in die Anthroposophische Gesellschaft sowohl der Manichäismus als auch das Rosenkreuzertum eingegangen sind, aber Letzteres ist immerhin führend. Deshalb hat Steiner ausdrücklich unterstrichen, dass die Anthroposophische Gesellschaft den Manichäismus immer dringender brauchen wird, da seine Hauptaufgabe darin besteht, nicht nur tief in das Verständnis des geistigen Lebens einzudringen, sondern auch dieses in der gegenwärtigen Zivilisation tatsächlich zu entwickeln. Nur so lassen sich die Hauptprobleme der heutigen Zeit lösen – das Ich-Problem, das soziale Problem und das Problem des Bösen. Die Anthroposophie ist nicht die Emanation der Bewusstseinsseele, sondern der Keim des Geistselbstes, der Ich-Impuls des Anthropos, wie ein geistig Suchender aus Gabrovo sehr genau bemerkt hat. Manes konnte im 20. Jahrhundert nicht inkarnieren und den Manichäismus erneuern, diese Aufgabe ist für das 21. Jahrhundert geblieben. Aber die geistige Welt hat uns nicht vergessen, sondern uns statt eines gewöhnlichen Boten den größten Lehrer des Christus-Impulses geschickt – den Bodhisattva selbst! Ohne sein Opfer kann sich der Keim des Geistselbstes heute nicht entwickeln, so dass wir die menschlichen Sünden im Namen Christi verzeihen können. Genau wegen unseres ersten geistigen Wesensgliedes kamen sowohl Steiner als auch Beinsa Douno im 20. Jahrhundert.
In Bulgarien gründete Beinsa Douno die geistige Schule „Izgreva“[5], deren Name eine Prophezeiung und das Erdenbild jener Brüderlichkeit ist, die in der sechsten Kulturepoche auf der Erde herrschen wird. Im Impuls des Izgreva verschmolzen der Manichäismus und das Rosenkreuzertum auf eine einmalige Art, wobei der Manichäismus im Vordergrund stand. Doch will man vollständig sein und im selben Rhythmus wie der Zeitgeist Michael leben, muss man fest auf beiden Beinen stehen – also die Anthroposophie und die Schule Beinsa Dounos erlernen. Sonst ist man geistig lahm und kann keine anderen Menschen führen. Die Anthroposophie gibt uns das Alphabet der geistigen Welt und der „Aufgang“ bereitet uns prophetisch auf die Transformation des Bösen vor, wenn das persönliche Beispiel Beinsa Dounos erkannt, erlebt und geliebt wird. Nur Menschengemeinschaften einer vollkommen neuen Art, denen rein geistige Impulse zugrunde liegen, werden sich Ahriman bei seiner Inkarnation auf der Erde widersetzen können. Keine vererbten geistigen, sozialen und kulturellen Werte, die aus der Vergangenheit stammen, können dem Menschen Unterstützung geben oder ihn zur Zukunft führen. Alles Alte muss sich in ein „Nichts“ verwandeln und diesem „Nichts“ muss man die eigene wahre Freiheit entnehmen und damit dem ätherischen Christus begegnen. Die Vereinigung der Schule Beinsa Dounos mit der Anthroposophie führt zur Kreuzung von Denken und Willen, so dass der Wille das Denken vollkommen erfüllt und ihm erlaubt, zu einer wirksamen schöpferischen Kraft zu werden. Der aktive Wille wird vollkommen denkerisch, indem er mit der Ruhe und Beständigkeit des Denkens erfüllt wird.
Auf diese Weise werden die üblichen Polaritäten umgedreht – beim Willen von innen nach außen und beim Denken – von außen nach innen. Das im Denken versteckte Willenselement wird vergeistigt und verwandelt sich in die Peripherie des Denkens; das im Willen versteckte Denken wird kondensiert und zum Zentrum des Willens umgewandelt. „Die Freiheit“ ist das Ergebnis des ersten Prozesses und die „Liebe“ – der zweiten Umbildung. Wenn beide Ergebnisse gekreuzt werden, entstehen die Erkenntnis und die moralische Grundlage des Menschenlebens in der heutigen und in der nächsten Evolutionsstufe. Die Bewusstseinsseele – die seelische Blume und der geistige Samen des gegenwärtigen Menschen – wächst gesund, sie reift und trägt nahrhafte und Leben bringende kulturelle und gesellschaftliche Früchte. Nur in dieser Weise kann sich das Geistselbst als Liebe, Weisheit und Wahrheit manifestieren. Anderenfalls vertrocknet die Bewusstseinsseele, sie geht ein und stirbt und die niedrigeren Seelenanteile entarten und verwildern. Die Verstandesseele erobert das Denken, materialisiert es und erstickt sein lebendiges Wesen und die Empfindungsseele wird entweder von primitiven Gefühlen erobert oder geht ein. Beispiele für diese angeführten Prozesse sind in großer Zahl zu finden, sogar unter den Vertretern der Anthroposophischen Gesellschaft, wo die Wärme der Brüderlichkeit fehlt, die bei den Nachfolgern Beinsa Dounos weitaus verbreiteter ist. Aus Dornach weht der kalte Wind der Elitarität herüber und vertreibt die wahrhaftig suchenden Seelen, die sich nach Verschmelzung mit anderen Impulsen sehnen. Der „berühmteste“ Anthroposoph[6] hat es nicht für nötig gehalten, auf die zahlreichen anthroposophischen Beweise zu antworten, die wir ihm in der Begründung der These zuschickten, dass Beinsa Douno der Bodhisattva ist. Fast 80 Jahre nach dem Tod Rudolf Steiners haben seine Nachfolger noch nicht auf die Frage geantwortet, wo der Bodhisattva des 20. Jahrhunderts inkarniert war. Vielmehr behaupten sie, dass diese Frage vor ihnen nicht stehe?! Das beweist lediglich ihre vollkommene Hilflosigkeit und Verknöcherung!
Nicht besser steht es jedoch um die vor zwei Jahren gegründete Anthroposophische Gesellschaft in Bulgarien. In der Imagination einer Anthroposophin aus Varna ist diese Gesellschaft als ein großes, schönes Baby geboren worden, das leider tot ist. Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine Totgeburt, da ein Teil seiner „namhafteren“ Begründer „Lebendige Tote“ sind. Nur Christus kann sie auferwecken, und zwar nicht direkt, sondern durch den Heiligen Geist. Wer ist aber dessen Vertreter auf Erden?
Im März 1936 wurde auf Beinsa Douno mit politischen Motiven zusammengeschlagen (Ahriman). Als Folge der physischen Gewalt trug er einen Bluterguss im Gehirn und eine Parese der ganzen rechten Seite des Körpers (Ahriman) davon. Bei Christus floss das Blut auf Golgatha nach draußen in den Makrokosmos, bei Beinsa Douno gab es einen inneren Bluterguss. Nach 1879 wurden die besonders starken ahrimanischen Geister der Finsternis aus dem menschlichen Nervensystem herausgeworfen und nun kann man ihr Dröhnen in unserem Blut vernehmen –  dem Ausdruck unseres Ich, in dem wir das Böse transformieren werden. Um den Petrustag (29. Juni) herum war der Meister gelähmt, aber trotz des erschwerten Ganges führte er seine Nachfolger ins Rilagebirge, wo er wegen der Probleme mit dem Sprechen keine Vorträge hielt. Am 12. August wurde er aber auf einmal munter und von Energie erfüllt, er ist vollständig genesen. Am 15. August sprach er die mysteriösen Worte aus „Das war mehr als ein Golgatha“. Am 19. August war er bereits zurück in Izgreva und hielt den Vortrag mit dem Titel „Um ihnen Leben zu geben“. Über welches Golgatha, über welches Leben sprach Beinsa Douno, und warum wurde der Körper von Petar Danov auf magische Art wieder gesund?

 

Das Mysterium von Golgatha wird natürlich für immer das Hauptereignis im Kosmos bleiben, zu dem selbst die Seraphim mit Ehrfurcht und Zuversicht hinaufschauen. Aber es war eine Wohltat, die von oben kam und eine ausschließliche Tat der Götter. Es waren 33000 Jahre seit der luziferischen Versuchung vergangen und der Mensch empfand solches Entsetzen im Angesicht des Todes, dass eine Gottheit uns ähnlich werden sollte, um den Tod zu besiegen und uns vor seinem furchtbaren Schatten zu retten. Doch 2000 Jahre später waren die Kräfte des Bösen so stark gewachsen, dass ein neues Opfer notwendig wurde, das genauso schwer zu verstehen wie das erste war. Diesmal geschah dieses Opfer in Zusammenarbeit mit den Menschen. Diese haben sogar den ersten Schritt gemacht, den Christus fortgesetzt hat. Jesajah Ben-Aharon hat das Zweite Golgatha auf eine bewundernswerte Art beschrieben, das in den wichtigsten Jahren des 20. Jahrhunderts zwischen 1933 und 1945 stattgefunden hat. Eine kleine Gruppe von Michaeliten, die die Menschheit vertrat und in jener Zeit in der übersinnlichen Welt war, hat ein bewusstes Opfer vollbracht, indem sie eine Brücke von der geistigen Welt zur Erde schlug, wo in diesem Augenblick die Menschen die Schrecken eines nie dagewesenen Übels erlebten. Das „Tier aus dem Abgrund“ Sorat hatte seinen Rachen aufgemacht, um Menschenblut zu trinken und untergrub die Grundlagen der menschlichen Existenz. Die durch die Michaeliten aufgebaute Brücke benutzte Christus, um in den Abgrund hineinzusteigen. Dazu bediente Er sich der emporsteigenden Ströme ätherisierten Blutes. Der Erlöser verschmolz freiwillig mit dem bösen Wesen der in zwei Teile getrennten Menschheit. Dabei führte Er die höchstmögliche Form eines manichäischen Opfers vor, durch das die Erde zu einer Sonne wurde. Das höhere Reich (Shamballa) kehrte sein Inneres heraus und umschlang seine verlorene niedrige Hälfte, in die es seine energiespendende Sonnenkraft ergoss. Die Erde begann mit bescheidenem jugendlichem innerem Licht zu leuchten, wie ein Sonnenwesen, das sein „niederes Ich“ bewusst und unabhängig durch die Liebe und Weisheit des höheren Ich tragen und leiten kann. Das Karma der Erde wurde allmählich durch die Umwandlung des Übels korrigiert. Aus einem nehmenden Wesen wurde die Erde zu einem gebenden Wesen, aus einem Wesen, das vom fremden Leben und Licht abhängig war, wurde sie zu einer Quelle von Licht und Leben für andere Wesen und Welten. So wurden die Michaeliten Zeugen der Zweiten Wiederkunft Christi und der Geburt der neuen Sonne im ätherischen Kosmos als ein heiliger Planet, der infolge der freien Mitarbeit der Menschheit mit ihrem höheren Ich – Christus durchzogen wurde.

 

Hier taucht eine Frage auf: Die Michaeliten schufen die Brücke, die sie aus der übersinnlichen Welt herunterließen und auf einem Ihrer Enden standen. Aber wer stand am anderen Brückenende – unten auf der Erde? Das war der Vertreter der Menschheit, das erhabenste Wesen der Menschenevolution – der Bodhisattva Beinsa Douno. Unten erlebte er auf dem physischen Plan den Prügel, der ihn auf dem Ätherplan vorübergehend lähmte, denn der Ätherleib war partiell auf seiner rechten Partie ausgetreten. Der Schläger bat später um Vergebung, worauf der Meister antwortete, dass er dem Täter bereits verziehen habe, aber dieser die geistige Welt um Vergebung bitten solle. Diese Vergebung war eine wahre manichäische Tat. Der wahre Täter war Ahriman, der durch ein Erdenwesen wirkte. So wie diejenigen, die Christus kreuzigten, ein kolossales Karma übernahmen, lud dieser Mensch auch ein Riesenkarma auf sich, obwohl er nicht wusste, auf wen er einschlug. Als ein Wesen der Menschenevolution verband Beinsa Douno im manichäischen Sinne sein eigenes ätherisches Blut, das vom Herzen zur Epiphyse im Kopf fließt mit dem makrokosmischen Ätherblut Christi. Aus dem gemeinsamen Opfer, an dem Christus, der Bodhisattva und die Michaeliten beteiligt waren, begann die tatsächliche Evolution im Kosmos. Vor 2000 Jahren wendete Christus die Involution in Evolution um, aber erst im 20 Jahrhundert begann die Evolution durch das bewusste und vorausgehende Opfer der Menschheit mit ihrem Hauptvertreter dem Bodhisattva in Wirklichkeit.
Nur in diesem Sinne müssen seine Worte „Das war mehr als ein Golgatha“ verstanden werden. Der Meister vollbrachte ein inneres manichäisches Opfer und wandelte durch die Christus-Kraft in seinem Ich das Böse in Gutes um. Diese Kraft kommt vom Ersten Golgatha und sie heißt Liebe. Der Bodhisattva hat mit ihr den Ätherleib Petar Danovs durchdrungen, der seinerseits den physischen Leib belebt hat. Die vereinigten ätherisierten Blutströme vollbrachten die Genesung des Ätherleibes, denn Christus ist das Leben. Obwohl der große Мanes im 20. Jahrhundert nicht inkarnieren konnte, hat er sich durch den Bodhisattva auf eine glänzende Art manifestiert, wobei Beinsa Douno sein menschliches Urbild wurde.

 

Um uns vorzubereiten, begann er bereits 1934 etappenweise die Übungen der Paneurhythmie zu geben, die er 1941-1942 mit den zwölf Strahlen beendete, die die große Bodhisattva-Loge symbolisieren.

Es passierte noch etwas – nach dem Ersten Golgatha drang Christus in die Menschenseele ein und Er kann nur durch den Heiligen Geist gefunden werden, der das lodernde Wesen über der Bodhisattva-Loge ist. Nach seiner direkten Teilnahme am Zweiten Golgatha, für die er hauptsächlich auf die Erde gekommen war, wurde Beinsa Douno zu dem Menschen, zu dem wir mit Liebe und Verständnis schauend den Heiligen Geist selbst sehen können! Der Meister ist der Erdenvertreter des Pfingstgeistes und der herausragendste Ausdruck des ätherischen Christus, der für unsere physischen Augen sichtbar ist.
Vor 2000 Jahren hat sich der Sohn aus der Trinität vollständig in Jesus inkarniert, im 20. Jahrhundert hat sich der Heiliger Geist partiell im Menschen Petar Danov geoffenbart. Nach diesem Opfer und dieser Wohltat bedeutet eine Leugnung Beinsa Dounos auch eine Leugnung des Heiligen Geistes und des Christus selbst. Dadurch lädt man nicht nur schweres Karma auf sich, sondern man verschließt sich gegenüber den wohltätigen und belebenden Impulsen, die aus dem Heiligen Geist und Christus hinausströmen. Man wird zu einem Toten! Die Leugnung Beinsa Dounos ist die wahre Ursache dafür, dass die Anthroposophische Gesellschaft in Bulgarien eine „Totgeburt“ war.
1909 sagte Steiner voraus, dass die Geisteswissenschaft durch viele Schicksale gehen wird. Ihr Einfluss könnte sogar verstümmelt werden, wenn sie in engen und eingeschränkten Kreisen bleibt. Trotz allem wird sie ihren Weg zur Menschheit bahnen, sie wird mit dem Karma der Menschheit vereinigt werden, woraus die Möglichkeit entstehen wird, dass die Individuen selbst auf das Karma der Menschheit als Ganzes Einfluss nehmen können. Damit das geschehen kann, sind Menschen mit einem michaelischen Aufschwung notwendig und keine Menschen mit Scheuklappen!

 

Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Menschheit, unbewusst über die Schwelle zur geistigen Welt zu gehen und zum kollektiven Eingeweihten zu werden. Seit 1879 wurden die starken Geister der Finsternis aus der geistigen Welt vertrieben und auf die Gebiete der Menschen hinausgejagt. Dadurch und durch das Zweite Golgatha kann immer mehr Weisheit zum Menschen herunterfließen. Die dunklen Mächte können sich dem Prozess nicht widersetzen, aber sie können eine Verirrung und Verdunkelung der Seele hervorrufen. Außerdem hörte Mitte des 19. Jahrhunderts Jehova auf, der durch den Blutstrom wirkte, Luzifer und Ahriman zu regieren und die beiden Widersacher erlangten eine außerordentlich große Macht. Das heutige Chaos, an dem die beiden beteiligt sind, ist für unsere Evolution notwendig, aber es ist stark gegen die Gesellschaft gerichtet. Die beiden rufen unter den Menschen (insbesondere unter denjenigen, die einen Hang zur östlichen Spiritualität haben) die trügerische Überzeugung hervor, dass keine inneren Widersprüche und kein innerer Kampf bestehen dürfen. Dadurch wird jedoch auch die Möglichkeit zu der Lösung dieser Widersprüche beseitigt. Die seelischen und gedanklichen Kombinationen des Typs „im Einklang“, „in Harmonie mit dem Endlosen“ sind eine Frucht der Angst vor der Konfrontation mit den Widersprüchen und sie führen dazu, dass man sich freiwillig „die Augen verbindet“. Nur im inneren Kampf kommt man zur Wahrheit!

 

Nach dem unbewussten Überschreiten der Schwelle sind die Seeleneigenschaften, das Denken, Fühlen und Wollen im Menschen nicht mehr vollkommen abgestimmt. Es gibt zweierlei Folgen davon – einerseits kommt es zu diversen Seelenerkrankungen, zu Terrorismus, Drogensucht u.dgl., da die Gesundheit des Körpers von der Gesundheit der Seele abhängt. Andererseits kann sich dieser Prozess auch zum Guten wenden, wenn wir unsere Anstrengungen auf die geistige Wahrnehmung im wachen Bewusstsein richten. In der Vergangenheit war unser Ich von atavistischem hellseherischem Inhalt erfüllt, was ihm die Verbindung zum Göttlichen sicherte; Heute muss es sich mit neuem geistigem Inhalt erfüllen, welcher bei vollem Bewusstsein erlangt wird. Dieser Inhalt muss unsere Seele mit dem Göttlichen vereinigen – folglich ist eine Art neue Theurgie notwendig. Wir sollten mit Freude die geistigen Offenbarungen empfangen und sie in Begriffe einkleiden, durch die sie den Menschen mitgeteilt werden können. Das wird unsere Kräfte zur künftigen Überwindung der geistigen Schwellen stärken. Früher hatte der Mensch hellseherische Offenbarungen, die er nicht verstehen konnte. In unserem Zeitalter muss er sich daran gewöhnen, das Spirituelle bis zu einem gewissen Grade mit dem Intellekt zu begreifen. Das Denken ist die höchste Fähigkeit, die der Mensch in der sinnlichen Welt besitzt. Keiner kann im höchsten, wahren Sinne des Wortes hellseherisch werden, wenn er keine vollkommen gesunde Seele besitzt. Eine solche Seele erreicht man nur mit einem wahrhaftigen Gedanken und dieser Gedanke stellt die tatsächliche Hygiene der Seele dar.

 

Wenn wir mit einem streng richtigen Leitgedanken bewaffnet in die geistige Welt eindringen, müssen wir zulassen, dass unsere Taten den ewigen Gesetzen der Schönheit und Wahrheit unterordnet sind und nicht durch die Persönlichkeit gestört werden. Anderenfalls gehen wir zu den Illusionen über und unterliegen nicht mehr den Gesetzen der geistigen Welt. Buddha Maitreya – „der Buddha des richtige Denkens“ – wird derjenige sein, der den Menschen die Bedeutung des richtigen Gedankens klarmachen wird. Doch um das Geistige mit dem Intellekt zu erfassen, sind ständiges inneres Feuer und die höchstmögliche Anstrengung der intellektuellen Kräfte notwendig. Christus ist in der vierten Kulturepoche erschienen, aber das Mysterium von Golgatha lässt sich in der fünften Kulturepoche durch unseren Intellekt erfassen. Das gilt auch für das Zweite Golgatha! Jetzt ist die Zeit für unser Erwachen aus dem tausendjährigen Schlaf, der in der Mitte der atlantischen Zeit begonnen hat. Bei diesem Erwachen müssen wir die schöpferische und leitende Instanz des Menschen mitnehmen – das Ich – das Ergebnis des entwickelten Denkens und der entwickelten Intelligenz. Wenn das nicht geschieht, werden wir in dekadente Bewusstseinszustände geraten, die der Vergangenheit angehören. Alles, was heute den Charakter von Visionen trägt, ist pathologisch. Wir müssten uns stattdessen aus eigener Anstrengung heraus imaginäre Visionen bilden – die gegenwärtige Geisteswissenschaft ist die beste Vorbereitung hierauf – und dann es den Archai überlassen, diese zu konkretisieren, was sie durch das Hineinbringen von Inspirationen und Intuitionen tun. Die Archai ersetzen allmählich die Elohim, die früher die imaginären Visionen denjenigen gaben, die danach suchten. Auf diese Weise wird auch das Böse in den Dienst des Guten gestellt, ohne das der Eintritt in die sechste Kultur unmöglich sein würde. Die sechste Kulturepoche wird die Aufgabe haben, ein Leben in ständigem Nachdenken über die geistige Welt und die geistigen Impulse zu ermöglichen, obwohl dieses Leben immer noch mit der Erde verbunden sein wird. Michael ist der stärkste der Archai, der als Einziger Christus direkt in das Angesicht schauen kann, obwohl er auf seine eigene Evolution verzichtet hat und in die Sphäre der Erzengel geblieben ist, um am besten als Zeitgeist zu wirken. Wenn man also eine richtige Einstellung zum Erzengel seines Volkes hat, wird man auch unvermeidlich die mächtige Unterstützung Michaels genießen können. Als Feuerfürst der Gedanken löst er sie aus dem Bereich des Kopfes und bahnt ihren Weg zum Herzen. Er arbeitet nicht so sehr für den Eingeweihten, sondern eher für diejenigen, die die geistigen Forschungen verstehen wollen. Wenn man Michael treu ist, hat man in seinem Ätherleib sein Ätherbild. Dieses Ätherbild führt den Kampf, durch den wir frei werden können. Für die zukünftige Weisheit muss man kämpfen. Die Menschheit muss sie sich erarbeiten, die Verantwortung für die Rettung der irdischen Kultur übernehmen, sie für Christus retten, so wie früher die alten Rishis und Eingeweihten die Verantwortung übernommen hatten, nicht Luzifer in seinen Ansprüchen zu folgen, die Menschheit von der Erde herauszuführen. Während alle anderen Zeitalter einen Abklang der ihnen vorausgegangenen Zeiten enthielten, muss unser Zeitalter neue Weisheit hervorbringen und prophetisch-apokalyptisch auf die Zukunft hinarbeiten.

 

Nun balanciert der Mensch zwischen der ihn ahrimanisch verblendenden Wissenschaft und dem luziferisch halluzinierenden Erleben des Inneren. Es ist ein Gleichgewicht der beiden Aspekte notwendig. Wenn wir Ahriman in einer menschlichen Imagination darstellen wollen, müssen wir ihm eine nach hinten abgeschrägte Stirn und einen frivol-zynischen Gesichtsausdruck verleihen, da alles von ihm aus diesen niederen Kräften kommt. Wie viele der heutigen Geschäftsleute, Politiker u.a. haben genau ein solches Aussehen?! Die ahrimanische Intelligenz kommt gerade von den niederen Kräften. Es ist äußerst schwierig, mit ihr eine Diskussion zu führen, da diese Intelligenz für die geistige Intelligenz nicht zählt. Ahriman will die zukünftigen Erleuchtungen über das innere Wesen der Dinge rauben und deshalb verachtet er alles, was nicht persönlich menschlich ist. Er arbeitet gegen die Seelen und gegen Christus, der sagte: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matth. 24:35).

 

Der Antichrist will, dass das Wort verschwindet, der Himmel und die Erde aber bleiben. Er braucht eine Menschheit, die sinnlose Flüge zum Mond und zum Mars auf der Suche nach Leben organisiert und das Weltall wie eine Riesenmaschine empfindet, statt nach Geist und Seele im Kosmos zu suchen. Kopernikus und Galilei werden noch lange unseren beschleunigten Absturz vorbestimmen und hier spielt die Astronomie eine besonders negative Rolle. Auf der einen Seite stehen der sozialistische und der kapitalistische Materialismus, auf der anderen – alle Idealisten, die der Meinung sind, dass sie durch Programme und internationale Organisationen die Sachen richten werden. In der Organisation Greenpeace und in der UNO gibt es keine Geistigkeit, da sie Mutationen von Ahriman und Luzifer sind!

 

Jedoch haben wir Menschen nicht die Aufgabe, die Inkarnation Ahrimans in der einen oder anderen Art zu verhindern. Vielmehr müssen wir die Menschheit im Voraus dermaßen vorzubereiten, dass Ahriman in der richtigen Art eingeschätzt wird. Ahriman wird seine Aufgaben erfüllen und etwas Bestimmtes vollbringen. Wenn wir dies nicht verhindern, wird er eine okkulte Schule gründen, in der die Menschen zu Hellsehern werden, aber das Gleiche in der geistigen Welt in einer jeweils anderen Art sehen – das ist extrem gefährlich. Das Monroe-Institut, die Schule von John Baines, „Harry Potter“ u.a. sind nur die Vorbereitung darauf. Das, was durch Ahriman in die Welt kommt, müssen wir richtig einschätzen und verwenden, da es so oder so geschieht und nützlich sein kann. Es besteht kein Bedarf, die Computer zu zerstören, sondern wir müssen sie in der richtigen Art benutzen! Es sind Wachsein, Wachsamkeit notwendig! Wir müssen äußerst aufmerksam die menschliche Evolution bis zur Verkörperung des Antichristen beobachten, da er viele Helfer hat.

 

Der überwiegende Teil der Vertreter der heutigen Konfessionen arbeiten intensiv für ihn, indem sie ausschließlich im Rahmen der Evangelien verbleiben und jegliche neue Entdeckung ablehnen, die durch eine Offenbarung erhalten worden ist. Die heutige Kirche hat Halluzinationen bezüglich des Mysteriums von Golgatha und des Bösen. Für sie ist die Liebe eine völlige Abstraktion. Ein Physiker oder Biologe wird auch niemals in der Lage sein, über das Mysterium auf Golgatha zu sprechen, wenn er von seinen abstrakten naturwissenschaftlichen Vermutungen ausgeht. In der Natur werden wir den Christus-Impuls nie finden. Mit geistigen oder weltlichen Autoritäten werden wir auch nicht zum Einverständnis kommen, da sie dies nicht wünschen. Der restlichen Menschheit gegenüber muss man jedoch das wahre Wesen der erwähnten Menschentypen aufdecken, da diese dem Fortschritt schaden. Aber hierzu braucht man Mut, um die Wahrheit bedingungslos zu verteidigen, und keine Kompromisse im Namen eines illusorischen Einvernehmens einzugehen. Das Mitteilen der Wahrheiten, das Vortragen über die Wahrheiten ist nun die wichtigste Hilfe für den Menschen und seine Evolution!

 

Weiter darf man allerdings nicht gehen, sondern es dem Menschen überlassen, allein seine Richtung zu finden. Heute haben wir in einem höchsten Maße die Freiheit, die wir nie bisher gekannt haben und wir müssen sie ertragen. Die Idee der Menschenfreiheit ist das Versuchsfeld für alles, was wir jetzt erleben. Der Mensch darf nicht wie ein kleines Kind geleitet werden, sondern er muss persönlich Christus wählen. Der erste Schritt zu Ihm ist der wahre Beginn unseres bewussten Lebens, der Anfang unserer Menschwerdung schlechthin, denn für uns kam das Ich mit Christus zusammen.

 

Es ist der Wille der Götter, dass das Mysterium von Golgatha nur in einer geistigen Art und völlig frei verstanden wird. Gerade gegen die Freiheit der menschlichen Seele schmiedet der Doppelgänger ein Komplott. Gemeint ist jenes ahrimanische Wesen, das in uns kurz vor der Geburt eintritt und uns fast bis zum Tode begleitet. Der Doppelgänger widersetzt sich der Freiheit der menschlichen Vernunft. Er vereinnahmt einen großen Teil unseres Ätherleibes, der von egoistischen Elementen erfüllt ist, denen Ahriman die Form verleiht. Er nistet sich im Unterbewusstsein ein und erfasst es. Das Unterbewusstsein nimmt einen weitaus größeren Teil der menschlichen Wahrnehmungen ein – während wir mit unserem wachen Tagesbewusstsein ca. 10% davon erhalten, fallen auf das Unterbewusstsein 90% zu. Christus existiert auch in der Erdensphäre als ein ätherisches Wesen, also in unserem Unterbewusstsein. Einzelne Tatsachen müssen korrekt beleuchtet werden, was der Mensch heutzutage nicht kann. Das verhindert der Doppelgänger, der nicht nur in uns ist, sondern überall. Jede Menschengemeinschaft, selbst die Anthroposophische Gesellschaft und die „Weiße Bruderschaft“ haben ihre Doppelgänger, die uns in einer perfiden Art an die Erde festnageln wollen, wo wir das Paradies nach den Erdengesetzen schaffen sollen. Das ist die größte Illusion!

 

An der Verbreitung dieser Illusion sind auch die Toten beteiligt, die künftig am Leben der Lebendigen immer sichtbarer teilnehmen werden. Auf der Stufe des wachen Bewusstseins haben wir keine gemeinsame Sphäre mit den Gestorbenen, aber in den Gefühlen und im Willen, wo wir träumen und schlafen, gehen wir eine Verbindung mit ihnen ein. Indem sie über unsere Gefühle und Impulse wirken, werden die Toten einen immer größeren Einfluss auf die Erdenevolution haben. Deshalb ist es so wichtig, unsere Impulse aus der geistigen Welt zu beziehen und nicht von unten, von der Erde. Wenn wir uns in der richtigen Art mit diesen Impulsen verbinden, werden wir ein gemeinschaftliches Leben entwickeln und unser Aufenthalt auf der Erde wird sehr bereichert werden.

 

Heute ist die Globalisierung im Gange. Ja, für Michael ist das Globale, das Übernationale wünschenswert, jedoch im Namen Christi und nicht im Namen Ahrimans, was sich als pure Wirtschaftsinteressen zeigt. Wie oft hören wir manche sagen: „Ich bin ein Bürger der Welt“, wobei sie rein ahrimanische Gründe haben. Der Mensch muss sich vom Weltenbürger zum Kosmosbürger erheben und lernen, den Kosmos als einen Teil von sich selbst zu betrachten. Beinsa Douno sagte: „Es gibt einen Weg, auf dem die Menschen zum Einverständnis kommen können – das ist die Milchstraße der Harmonie und Liebe. Auf dieser Straße kam auch Christus. Der Geist wird die Milchstraße in unserer Seele bauen.“[7] An anderer Stelle liest man folgende Worte des Meisters: „Dreierlei braucht der Mensch heutzutage – die Dinge suchen, verstehen und annehmen. Das Gleiche sagte auch Christus: „Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft, und es wird euch geöffnet.“ (Matth. 7:7). Diese drei Elemente müssen zu einem verschmelzen, um die Hauptursachen der Dinge zu verstehen. Wenn Christus nicht in euren Verstand hineinkommt, gibt es keine Erlösung. Damit ihr Christus annehmen könnt, muss Sich Sein Geist mit dem Euren vereinigen. Christus trennt nun die Menschen voneinander.“[8]

 

Die günstigsten Jahre im 20. Jahrhundert waren 1939 und 1999, eröffnete uns der Meister. Durch das Zweite Golgatha und das Opfer Beinsa Dounos war das Jahr 1939 auch auf dem äußeren Plan günstig für Bulgarien. Aber das war nicht das Wichtigste.

 

Am 31.12.1938 hielt der Meister um 12 Uhr mitternachts den Vortrag „Der große Bruder“ und zehn Stunden später am 1. Januar 1939 den Vortrag „Der kleine Bruder“. In beiden Vorträgen finden wir Offenbarungen von herausragender Bedeutung: „Die Zahl 39 im neuen Jahr 1939 stellt die beiden Brüder dar – die Neun ist der große Bruder, der auf der Erde lebt und die ganze Menschheit leitet. Dieser Bruder kommt nun in die Welt, um allen Leidenden zu helfen. Macht euch bereit, diesen Bruder zu empfangen, und ihn kennenzulernen. Nächstes Jahr wird er weg sein und sein Vater wird kommen … Euren älteren Bruder zu empfangen, bedeutet, an einen Ort die physische, geistige und göttliche Weit zu vereinen…. Da das Jahr 1939 ein epochales Jahr ist, wünsche ich euch, alle Bedingungen, die dieses Jahr bringt, vernünftig zu nutzen. Wenn ihr das versäumt, werden die gleichen Bedingungen erst 1999 kommen. Ihr habt jahrhundertelang auf dieses Jahr (1939) hingearbeitet. Wenn ihr in diesem Jahr bewusst an euch arbeitet, werdet ihr größere Leistungen haben, als in der ganzen Zeit von Adam bis zum heutigen Tag … Diejenigen, die das, was ihnen gesagt wird, hören und erfüllen, werden immer im Jahr 1939 sein. Für diejenigen, die die großen Gesetze nicht einhalten, wird das Jahr 1940 kommen, das auf eine Null, auf ein Ei endet. Also muss man in diesem Jahr wieder an diesem Ei brüten, bis das Küken schlüpft.“ Das Jahr 2000, das nach 1999 kam, hatte sogar drei Nullen! Wer die Wohltat des Jahres 1999 nicht nutzen konnte, wird wirklich an drei Eiern Tausende von Jahren „brüten“.

 

Wir wollen nun in die Erdensprache die angeführten okkulten Sätze übertragen. Der große Bruder ist Christus, der mit dem Zweiten Golgatha auf den Ätherplan hinunterstieg und in dem die drei Welten vereint werden. Der kleine Bruder ist der dreifache Geist des Menschen, der in der göttlichen Welt lebt und durch die Liebe, Weisheit und Wahrheit zur Geltung kommt. Jenseits der Neun (Christus) kann niemand weitergehen, denn „die Zahl Neun stellt das Endergebnis jedes Lebens dar“. Der Vater wird durch die Null repräsentiert. Wenn man den Segen des Sohnes (die Neun) nicht nutzt, kommt man zu der Zeit vor dem Golgatha-Mysterium zurück und beginnt zu „brüten“. Die meisten Menschen auf der Erde befinden sich in dieser Lage. 1939 hat als eine Folge des Zweiten Golgatha eine mächtige Liebeswelle die Menschheit überströmt. 1999 geschah das auch, allerdings auf einer anderen Stufe. Das waren die Augenblicke, in denen der Mensch der Liebe in sich den Weg freimachte und den Keim einer beschleunigten Evolution erhielt, die wir seit Adams Zeit nicht gekannt haben. Nur so werden wir lernen, die Kräfte des Bösen zu Gunsten des Guten anzuwenden und als Ergebnis zu den großen Ideen kommen, die wir in keiner der nachatlantischen Kulturen gekannt haben. Mit der Liebe wird in uns „der Strahl des großen Lebens“ hineinströmen, versprach uns Beinsa Douno, denn „es gibt kein Größeres für den Menschen als die Liebe“. Wird der Mensch einmal von der Liebe angezündet, braucht er nicht mehr angezündet zu werden. Aber die Spannung, die der Geist im Menschen schafft, ist hoch. Wenige sind in der Lage, dieser Spannung standzuhalten.

 

In der Zukunft wird die Manifestation des Geistes von der menschlichen Fähigkeit abhängen, dem Bösen nicht durch Kampf entgegenzutreten, sondern der Mensch muss den Spiegel herausholen und das Böse dazu bringen, sich darin zu schauen. „Wenn das Böse sich im Spiegel sieht, wird es sofort weglaufen“. Über welchen Spiegel sprach der Meister?

Dieses Jahr wurde die Paneurhythmie so gespielt, dass eine große Harmonie zwischen den Teilnehmern und der göttlichen Welt zustande kam. Was hat man von unten gesehen, von Varna aus?

 

Wir wollen uns die Karte Bulgariens vorstellen und die drei Punkte Rila, Sofia und Varna. Als an den Rilaseen die Paneurhythmie gespielt wurde, strömte ein mächtiger Bündel himmlischen Lichtes aus der Bodhisattva-Loge in den Kreis hinein, danach erfasste er in konzentrischen Kreisen das ganze Land und erreichte Varna und das Schwarze Meer. Hier in Varna wurde dieser Lichtbündel, der große Offenbarungen über die Zukunft mit sich bringt, zurückgespiegelt und durch die von uns erreichte menschliche Weisheit bereichert. Danach richtete er sich wieder auf die Loge der Bodhisattvas zurück. Der andere Strahl aber, der von Sofia aus zurückgespiegelt und nach oben gerichtet werden musste, kam nicht so gut zustande. Wäre das geschehen, so hätten sich die beiden zurückgespiegelten Strahlen in der Loge der Bodhisattvas vereinigt und einen himmlischen Schutzkegel über Bulgarien gebildet. Nur in Varna werden momentan die Impulse, die mit dem Bodhisattva, mit Michael und Christus zusammenhängen, richtig erfasst. Deshalb ging von hier aus die Idee der Vereinigung der Anthroposophie und der Lehre Beinsa Dounos als eine dringende Notwendigkeit zum Verständnis und Empfang des Großen Bruders und seines Reiches, das „nicht von dieser Welt ist“. Bereits 1916 hatte Beinsa Douno entschieden erklärt: „Ich sage es: Christus kommt. Es gibt keinen Zweifel, dass Christus in die Welt gekommen ist, aber es ist eine andere Frage, ob ihr Ihn sehen werdet“.[9] Jeder, der Ihn sehen wird, wird auch das Reich Gottes sehen, wird Shamballa sehen. Dieses Reich wird laut Beinsa Douno mit Liebe erlangt, mit Liebe aufrechterhalten und mit dem Geist gestützt. Das ist das Motto, das an seinem Tor steht!“[10]

Zum Eintritt der Menschen in dieses Reich geschahen das Zweite Golgatha Christi und das Opfer Beinsa Dounos! 

 

Liste der verwendeten Literatur

 

Аарон, Йешуа бен. Духовното събитие на 20-ти век. Ст. Загора, 2002. Aharon,  Jessaiah Ben: „Das geistige Ereignis des 20. Jahrhunderts“, Stara Zagora, 2002.
Атила, Вернай. “Древният Египет и съвременната цивилизация”. Ст. Загора, 2003.

Attila, Vernay: „Das alte Ägypten und die moderne Zivilisation“, Stara Zagora, 2003.

 

Дуно, Беинса. ”В началото бе…”. София, 2003., Douno, Beinsa: „Im Urbeginn war … „, Sofia, 2003.
Дуно, Беинса. “Големият брат”. Варна, 1999. Douno, Beinsa: „Der große Bruder“, Varna, 1999.
Дуно, Беинса. “Малкият брат”. Варна, 1999.  Douno, Beinsa : „Der kleine Bruder“, Varna, 1999.
Прокофиев, Сергей. “Окултното значение на прошката”. Ст. Загора, 1997. Prokofieff, Sergej: „Die okkulte Bedeutung des Verzeihens“, Stara Zagora, 1997.

 

Щайнер, Рудолф. “Антропософията като космософия”. Ст. Загора, 1996. Steiner, Rudolf. „Antroposophie als Kosmosophie“, Stara Zagora, 1996.
Щайнер, Рудолф. “Новото появяване на Христос в етерния свят”. Ст. Загора, 2003. Steiner, Rudolf: „Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt“, Stara Zagora, 2003.
Щайнер, Рудолф. “Въздействие на духовните същества върху човека”. Ст. Загора, 2003. Steiner, Rudolf: „Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen“, Stara Zagora, 2003.

 

Щайнер, Рудолф. “Мировата нова година и новогодишни мисли”. Ст. Загора, 2003. Steiner, Rudolf: „Welten-Neujahr und Neujahresgedanken“, Stara Zagora, 2003.

 

Щайнер, Рудолф. “Индивидуални духовни същества и неразделната основа на света”. Ст. Загора, 2003. Steiner, Rudolf: „Die individuellen geistigen Wesen und die unzertrennliche Grundlage der Welt“, Stara Zagora, 2003.
Щайнер, Рудолф. “Духовете на мрака”. Ст. Загора, 1998. Steiner, Rudolf: „Die Geister der Finsternis“, Stara Zagora, 1998.

 

Энциклопедия Духовной науки. В двух томах. Съст. Г. Бондарев. М., 1999. Bondarew, Gennadij: „Enzyklopädie der Geisteswissenschaft“, 2 Bde., Moskau, 1999.

[1] “Sonntagsvorträge“, Sofia, 29.10.1916 „Die Weisheit“

[2] Ebd,  17.12.1916 „Erlöse uns“

[3] Ebd.

[4] Ebd., 03.12.1916 „Ich werde euch erheben“

[5] Izgreva ‚der Sonnenaufgang‘ ist auch der Name der Siedlung, die Beinsa Douno mit seinen Nachfolgern im Osten Sofias am damaligen Stadtrand am Fuß des Vitoscha-Gebirges gründete.

[6] Gemeint ist Sergej Prokofieff und seine Reaktion auf den auch in diesem Blog veröffentlichten Brief Mangurovs über den Bodhisattva des 20. Jahrhunderts. Der Text ist im Buch „Der Weg zum Ich enthalten“, vgl.  https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2016/07/18/der-weg-zum-ich-anhang/

[7] “Sonntagsvorträge“, Sofia, 17.09.1916  „Die Mildtätigkeit“

[8] Ebd., 29.10.1916 „Die Weisheit“

[9] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 26.11.1916 „Zachäus“

[10] Ebd., 22.03.1919 „Mit Liebe erlangen“