Die Himmlische Sophia und die Mission der Bulgaren

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 24.01.2003 in Varna

 

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Einmal sagte der Meister Beinsa Douno seinem vertrauten Schüler Bojan Boev Folgendes: „Die Übungen, die ich jetzt gebe, tragen zur Entwicklung der geistigen Kräfte des Menschen bei. Sie haben aber ein mikroskopisches Ergebnis, auf das man lange zu warten hat. Wer seine Evolution beschleunigen möchte, wer einen großen Schritt auf dem geistigen Weg machen und mehrere Stufen auf einmal auf dem Weg seiner Erhebung nehmen will, soll über den Christus nachdenken, die Evangelien studieren und auf diese Weise eine innere intime Beziehung zu Ihm aufbauen. Eine solche Arbeit hat eine starke, tiefe Wirkung auf die menschliche Seele. Wenn du Liebe zu Christus hast, festigt das die Beziehung und Sein Geist wird in dir zu arbeiten beginnen“.[1]
Das Ereignis auf dem Golgatha-Hügel ist eine freie kosmische Tat, die aus der Weltenliebe erfolgt und nur aus der menschlichen Liebe erreichbar ist. Das einzige Gebiet, auf dem wir frei handeln können, ist das Gebiet, in dem unser Wille frei von unserer leiblichen Natur und von der äußeren Umgebung ist. Das ist die Sphäre des Moralischen. Wenn wir in der Welt einzig aus unserem freien Ich heraus wirken, nehmen wir allmählich an der Entstehung des neuen Kosmos teil, in dem das moralische Prinzip und sein Mittelpunkt (die wahre geistige Liebe) das allumfassende Gesetz sein werden, so wie im heutigen Kosmos die von Weisheit erfüllten Naturgesetze wirken. Der sichtbare Kosmos gehört der vergangenen Weltevolution. Die bewusste Arbeit an der Herausbildung des geistigen Jupiter ist die wahre Bestimmung des Menschen und der Menschheit. Die Möglichkeit und die Kraft zur Verwirklichung dieses Werks kommt von dem Mysterium auf Golgatha und von Christus – dem höchsten kosmischen Urbild der wahren menschlichen Liebe und Würde. Wir können unsere Freiheit wirklich erleben, wenn wir immer im Auge behalten, dass wir sie Christus schulden, der dem Menschen das Menschliche zurückgegeben hat. Seine freie Tat aus Liebe hat in unser Ich die lebendigen Keime des neuen Kosmos eingesät und alle moralischen Impulse im Menschen hervorgebracht. Als Vertreter des Welten-Ich ist Christus das einzige Wesen im Weltall, das gleichzeitig im Kosmos und im menschlichen Ich wirkt.

Aus diesem Grund werden alle Impulse, die unser Ich von Christus erhält, von diesem Ich als die eigenen innersten Impulse erlebt. Diese Tatsache wird dem Menschen zukünftig erlauben, in vollem Bewusstsein in den geistigen Kosmos hineinzuwachsen. Nur wenn wir dem Erlöser folgen, können wir mit unseren willentlichen Handlungen unser reales Gute in die Welt eintragen und das höchste Ziel der Erdenentwicklung erfüllen – die neue, zehnte Hierarchie der Freiheit und Liebe werden.

Doch der Weg zu Christus ist lang. Er geht über Christian Rosenkreutz und den Bodhisattva als die größten menschlichen Vertreter Christi. Dann führt er zur kosmischen Stufe Michaels – dem geistigen Fürsten der Freiheit -, und danach zu Christus, der am Anfang aller religiösen Impulsen steht, die mit der menschlichen Freiheit vereinbar sind. Welcher unsichtbare Lehrer führt uns auf diesem Weg?  Das ist das übersinnliche Wesen Anthropos-Sophia, das uns erst jetzt sein wahres Wesen zu offenbaren beginnt und sich in die Erdenmenschheit, in die Menschenseelen verkörpern will – vorläufig nicht auf dem physischen oder Ätherplan, sondern nur auf dem Astralplan. Und zwar nicht in einer einzelnen Seele, und sei es der Seele des größten Eingeweihten, sondern in einer menschlichen Gemeinschaft, die mit der Zeit zum Vertreter der ganzen Menschheit wird. Eine solche Gemeinschaft ist ihrem inneren Wesen und ihren inneren Prinzipien nach die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, die Rudolf Steiner am 25.12.1923 gegründet hat und die unter der unmittelbaren Führung der Anthropos-Sophia steht. Die formale Mitgliedschaft garantiert jedoch verständlicherweise nicht den richtigen Weg zu Christus. Jeder kann von der Anthropos-Sophia geführt werden, wenn er das will und versteht. Notwendig hierzu sind eingehendes Studieren der Geisteswissenschaft, eine Vergeistigung des Denkens, die Herausbildung eines „vernünftigen“ Ätherherzens und ein in Handlungen manifestierter richtiger wacher Wille, der die Impulse aus der Moral in unserem „denkenden“ Herzen schöpft. So können wir den menschlichen Kelch zur seelischen Inkarnation der Anthropos-Sophia auf die Erde erschaffen.
Was ist die Anthropos-Sophia für ein Wesen und welchen Platz nimmt sie im hierarchischen Kosmos ein, welche Beziehung hat sie zu Michael, zu der Himmlischen Sophia (der Weisheit Gottes) und zu Christus? Eine Quelle von Informationen über die Himmlische Sophia lässt sich in den altchaldäischen Mysterien (vor 2100 v.Chr.) finden, als Abraham dieses Wissen vortrug, das ständig in der althebräischen esoterischen Tradition bis zur Zeit Salomos und weiterhin bestand.[2] In jenen entfernten Zeiten hat der Mensch den Wechsel zwischen Wachsein und Schlaf anders als heute erlebt. Am Tag (Apsu) erfüllten ständig Wachträume sein Dasein, in denen er die Wirkungen der zahlreichen geistigen Wesen in der ihn umgebenden Natur sah. In der Nacht (Tiâmat) waren seine Träume die Offenbarung der höheren geistigen Hierarchien, in deren Schoß der Mensch seine Urheimat und die Quelle seines eigenen Wesens sah. Doch allmählich trat in Tiâmats Innere eine Verdunkelung ein und es tauchten dämonische Bilder auf, die im Laufe der Zeit sich vereinigten und einen mächtigen feueratmenden Drachen bildeten, der zu den Menschen feindlich gestimmt war und ihr ganzes Dasein bedrohte.

Dann erschien das mächtige Wesen Ea/Ia, das sich auf die Seite der Menschen schlug. Mit Ea wird das abstrakte Wort ‚Weisheit‘ bezeichnet, Weisheit, die in allen Dingen herrscht. Später wurde ihm die Partikel Soph– hinzugefügt, die auf ein Dasein, eine Existenz verweist – daraus wurde Sophe-ea bzw. Soph-ia. Und diese überall herrschende Weisheit sandte der Menschheit einen Sohn herab – Marduk -, den wir als Erzengel Michael kennen. Er trat in den Kampf mit dem Drachen ein, besiegte ihn und erschuf aus seinem Leib den Himmel und die Erde. So hat man in der altchaldäischen Mysterienlehre unterrichtet, von der für uns die Angaben über den Erzengel Michael als den Sohn Sophias am wichtigsten sind. Zu welcher Hierarchie gehört aber das Wesen Ea bzw. Sophia, das Erzengel hervorbringen kann?

Uns haben die Elohim im Äon der Erde erzeugt – die Formgeister, die ihre Substanz als unser individuelles Ich schenkten und uns dadurch zu Ich-Wesen, also Menschen machten. Auf dem alten Mond machten das auch die Geister der Bewegung (Mächte im Hinblick auf die Engel). Auf der alten Sonne wurden die Geister der Weisheit (Herrschaften) zu Vätern der Erzengel. Auf dem alten Saturn schenkten die Geister des Willens (Throne) das Ich-Prinzip den Archai. Am Anfang unseres Kosmos brachten die Throne ein allumfassendes kosmisches Opfer vor den Cherubim (den Geistern der Weltallharmonie) dar, aus dem als reine Zeit die Archai hervorkamen und das Feuerelement schufen. Das Opfer der Throne hatte seine Fortsetzung auch am Anfang der alten Sonnenzeit. Am Ende ihrer ersten Runde haben die Geister der Weisheit, die diese erhabene Ansicht anschauten, auch angefangen, ihr eigenes Wesen zu opfern und es in die neuentstandene Welt als strömende Weisheit, als eine „Wohltat“, „eine schenkende Tugend“ zu ergießen, aus der das neue Luftelement entstand. In der zweiten Runde schlossen sich auch die Geister der Bewegung an, die überall nach außen den Opferrauch verbreiteten. In der dritten Runde haben die Geister der Form in die Peripherie diesen Opferrauch in wolkenähnliche Bildungen angesammelt. Aus diesen Wolken entstanden allmählich in der vierten Runde die Gestalten der Erzengel als neugeborene Träger des individuellen Ich, d.h. als Wesen, die ihre Menschenstufe erreicht haben. Am Anfang des Sonnenäons gab es noch keinen Raum. Die von den Herrschaften ergossene Weisheit blieb vorerst „in der Zeit“, d.h. sie wurde von den Geistern der Zeit aufbewahrt, damit sie später – in der vierten Runde – von den Erzengeln aufgenommen werden konnte. Die Erzengel haben sie aber nicht in sich behalten, sondern sie auf das Innere der Sonne zurückgespiegelt, wo die Geister der Weisheit sind. Die gespiegelte Weisheit kam als Licht zurück. Aber das war nicht alles! Zuerst gab es „früher“ und „später“, in der vierten Runde wurde es in „drinnen“ und „draußen“ umgewandelt, womit der Raum entstand, der zuerst diese zwei Dimensionen besaß. Es gab noch kein Links und Rechts, Oben und Unten. Die Weisheit, die aus dem Zentrum ausgestrahlt und in der Zeit aufbewahrt wurde, haben die Erzengel als Raum und Licht zurückgegeben. So können wir in der mittleren, vierten Runde der alten Sonne bzw. in der elften Runde (dem elften „Greis“ oder Ältesten) seit Beginn der Schöpfung unseres Kosmos einen einheitlichen hierarchischen Organismus beobachten, der aus fünf Hierarchien von Wesen bestand. Dieser gemeinsame Organismus ist das Wesen Himmlische Sophia! Ihr innerer Mittelpunkt sind die Geister der Weisheit – Ea. Die Partikel Soph- bestimmt die Grenzen der realen Verbreitung, die bis zu den Erzengeln reicht – den Söhnen der Herrschaften, von denen Michael der mächtigste ist.

Alte Sonne

Geister der Weisheit – Geistesmensch

Geister der Bewegung – Lebensgeist

Geister der Form – Geistselbst

Geister der Persönlichkeit (Archai) – Ich

Geister des Feuers (Erzengel) – Astralleib

Später schloss sich diesem Gruppenwesen auf dem alten Mond das sechste Wesensglied an – die Engel und auf der Erde – das siebte, abschließende Wesensglied – die Anthropos-Sophia.

In den alten chaldäischen Mysterien – die Erben der urpersischen Kultur, die den Sonnenäon mikrokosmisch wiederholt -, wurde die Möglichkeit aufbewahrt, zu der Sphäre der Erzengel aufzusteigen. Gleichzeitig ging die allgemeine exoterische Kultur der dritten Kulturepoche immer mehr unter die Leitung der Engel über. Deshalb offenbarte sich die Himmlische Sophia in den chaldäischen Mysterien als eine wesentliche Wechselwirkung zwischen dem führenden Geist der Weisheit (Ea) und dem mächtigsten Erzengel (Marduk-Michael). Gerade durch Ea ging Christus in der mittleren Periode der alten Sonne, als Er sich in die Evolution unseres Kosmos einschaltete. Seitdem besteht die besondere Beziehung zwischen Ihm und Michael. Damals entstand auch unser Ätherleib, dessen Substanz die Geister der Weisheit während der ersten Runde ergossen. In der zweiten Runde arbeiteten die Geister der Bewegung bewusst am Ätherleib; in der dritten waren es die Geister der Form; in der vierten – die Archai; in der fünften – die Erzengel. Danach war unser Ätherleib so weit ausgebildet, dass er seine selbständige Entwicklung außerhalb der Sophia aufnehmen konnte. In der sechsten und siebten Runde arbeiteten an ihm jeweils die Engel und die zukünftigen Erdenmenschen, allerdings unbewusst, immer noch außerhalb der die Kosmische Sophia bildenden Wesen. In die Sophia kann nur ein Geist eintreten, der seine menschliche Entwicklungsstufe erreicht hat, also die Stufe der vollständigen Enthüllung seiner individuellen Ich-Entwicklung. Eine solche Entwicklung hatten auf der alten Sonne weder die Engel noch die zukünftigen Menschen. Das Prinzip des Lebens in unserem Kosmos ist mit der Tätigkeit der zweiten Hierarchie verbunden. Seine Grundlage wurde auf der alten Sonne von den Geistern der Weisheit durch das Ergießen ihrer Äthersubstanz gelegt, aus der der Lichtäther entstand. Im Mondenäon wurde der Prozess durch die Geister der Bewegung fortgesetzt und es entstand der Tonäther. Schließlich haben die Elohim im Erdenäon durch ihre Tätigkeit den Lebensäther hervorgebracht. Der Ätherleib ist der Gedächtnisleib. Das gewöhnliche Gedächtnis ist mit dem Licht- und teilweise mit dem Wärmeäther verbunden und das höhere Gedächtnis – mit dem Ton- und Lebensäther.

Wenn man über Zeitabschnitte spricht, die weit in der Vergangenheit liegen, ist es gut zu wissen, dass unsere heutigen Begriffe zur Beschreibung der damals stattgefundenen Prozesse unter Vorbehalt anwendbar sind. Das Feuer des Saturn-Zustandes war nicht das heutige Feuer, sondern eher eine innere seelische Wärme, die wir empfinden, wenn uns die Vorsehung erleuchtet. Die Blutwärme war auch eine Erscheinungsform des saturnischen Feuers. Sophias Licht auf der alten Sonne war eher das Licht des Bewusstseins, welches das ganze innere Leben des Menschen zum bewussten Handeln erweckt. Der Raum war nicht die heutige geographische Abstraktion, sondern ein Lebewesen. Die Welt, die sich sonst nur im Strom der reinen geistigen Zeit aufhält (in die wir nach dem Tod oder während des Schlafs geraten), erhält durch Sophia ihr räumliches Dasein, die Möglichkeit zur Manifestation in den äußeren Formen. Im der Vergeistigung dieser Formen wird der Mensch zukünftig seine höhere Manifestation auf der Erde verwirklichen. Diese raumbildende Tätigkeit der Sophia wurde auf dem alten Mond und in unserem Äon fortgesetzt, und sie ist heute auf der gegenwärtigen Sonne konzentriert, die das Wirkungsfeld der Wesen aus der zweiten Hierarchie ist (Gewalten, Mächte und Herrschaften). Die Sonne ist innen hohl (raumlos) und gehört der rein zeitlichen Welt. Die Wesen selbst strahlen Raum aus. Die Fähigkeit dazu wurde nach einer langen Evolution von der alten Sonne bis zur heutigen Zeit von der planetarischen Stufe im Sonnenäon zur Stufe des Sternendaseins entwickelt und sie erlaubt der Sonne, nach außen das auszustrahlen, was zuerst nur innen war. Auch das Licht, das von der heutigen Sonne ausgestrahlt wird, ist eigentlich geistig (unsichtbar), es wird für uns nur wegen Luzifers Einfluss sichtbar. Auf der alten Sonne brachte die Himmlische Sophia das Licht als ein Medium (einen Mittler) zwischen der von innen nach außen ausgestrahlten Weisheit hervor. Dagegen hatte sie auf dem alten Mond eine völlig andere Aufgabe, da sich der Mond von der langsam zum Stern aufsteigenden Sonne abspaltete. Als Ergebnis wurden die Wesenheiten auf dem damaligen Mond vom Zustrom der Lebenskräfte abgetrennt, die sie für ihre Evolution brauchten. Dann haben die Mitglieder der Himmlischen Sophia, die auf der Sonne blieben, die seelische Hülle erschaffen, die für den Mond zur Quelle von Lebenskräften wurde, welche sein ganzes Dasein beleben. Diese Hülle können wir die „ideale Seele der Sonne“ nennen und sie als das kosmische Urbild des menschlichen Astralleibes betrachten, den wir auf dem alten Mond erhielten. Doch der Geist der Sonne ist auch mit der Quelle der kosmischen Substanz verbunden, aus der wir viel später, erst in Lemurien (im Erdenäon) unser höheres Ich durch die Elohim bekommen haben. Christus trägt das Urbild dessen, was wir als den inneren Kern unseres höheren Ich, als den göttlichen Funken in ihm bezeichnen können – das wahre Ich. Zu dessen Erhalt und zum Eintauchen in unser höheres Ich wenden sich die Hierarchien an die geistigen Gebiete über den Seraphim, d.h. an die Heiligen Trinität, aber durch den Mittler Christus – den Vertreter des Welten-Ich (des Vaters).

Doch nun wollen wir zu der von Sophia hervorgebrachten „Sonnenseele“ zurückkehren, die die zweite Stufe auf ihrem Weg vom Planeten zum Stern darstellt. Auf der alten Sonne entstand das Licht und im Mondenäon – das selbständige Sonnenleben. Im Erdenäon entstand nach der wiederholten Abtrennung der Sonne von der Erde in der hyperboräischen Zeit das Prinzip der Liebe als der Gegensatz zu den Kräften des Todes, die in die Erdenwelt infolge deren Verdichtung bis zum mineralischen Zustand eingedrungen waren. Die von der Sonne ausgestrahlte Liebe wurde zur Offenbarung der in jener Zeit entstandenen innersten geistigen Sonnenhülle, mit der die Sonne zum Fixstern wurde. Seitdem wirkt sie in unserem Kosmos als ein Wesen mit drei Hüllen, die Sophia erschaffen hat. Diese Hüllen sind ein Lichtkörper, der mit Lichtströmen das ganze Universum erfüllt, eine Sonnenseele, die in sich das kosmische Urbild des Lebens aufbewahrt und ein Sonnengeist, der die Kräfte der Liebe trägt, die den Tod besiegen und deren äußeres Abbild in jedem Frühling in Erscheinung tritt. Alle drei Hüllen dienen später als die himmlischen Hüllen des Sonnenlogos, des geistigen „Ich“ der Christus-Sonne. Das Wissen des Geheimnisses der dreifachen Sonne als das Sophiengewand des kosmischen Christus war längst verloschen und wird jetzt durch die Anthroposophie wieder geboren. Beinsa Douno sprach auch von der „dreifachen Sonne“[3]. Gleichzeitig mit dem Aufgang der Sonne von einem Planeten zu einem Stern, an dem Sophia teilnahm,  entwickelte sie sich auch nach oben wie nach unten. Die Geister der Weisheit konnten an das Organisieren des ganzen alten Sonnendaseins herangehen, weil sie das Opfer der Throne auf dem alten Saturn anschauten. Die Geister der Bewegung haben die Leitung der ganzen alten Mondenentwicklung übernommen, indem sie die Tätigkeit der Cherubim jenseits der Grenzen unseres Sonnensystems, also im Sternenkosmos kontemplierten. Unsere Schöpfer und Führer, die Geister der Form, haben sich zur Kontemplation der höchsten Hierarchie (der Seraphim) erhoben. So hat Sophia durch ihre Beziehung zu den Cherubim als den Geistern der Weltallharmonie den ganzen Kosmos des alten Mondes mit dem Weisheitselement durchzogen, dem wir überall in der Natur begegnen. Durch die auf der Erde entstandene Beziehung zu den Seraphim als den Geistern der Weltallliebe eröffnet sich vor der Himmlischen Sophia die Möglichkeit, an der Verwandlung unseres Kosmos der Weisheit in einen Kosmos der Liebe zu arbeiten, d.h. den Erdenäon in den zukünftigen geistigen Jupiter zu verwandeln.

Aber das ist nur ein Schritt zum Erreichen des Ideals der Himmlischen Sophia. So wie der Mensch von seinem Ich auf seine höheren Wesenglieder (Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch) hinaufschaut, schaut auch Sophia zu ihrem Ideal – der vollständigen Vereinigung mit den Wesen der ersten Hierarchie (Throne, Cherubim und Seraphim) im Laufe der nächsten drei Äonen Jupiter, Venus und Vulkan. In unserem Äon erhält sie in ihrem Wesen nur die Offenbarungen dieser erhabenen Wesen, die zwischen ihr und der Heiligen Trinität vermitteln. Im Hinblick auf die Trinität ist Sophia passiv, reflektierend, während sie durch die zweite und dritte Hierarchie wie ein „himmlischer Maler“ in unserem Kosmos wirkt und führt alle schöpferischen Pläne der Götter aus, die an der Schöpfung des Erdenäons teilnehmen. Das wird im Alten Testament im Buch Genesis 1 beschrieben. Auf dem alten Mond schlossen sich als das sechste Wesensglied die Engel an, die als ihr niedrigstes Wesensglied den Ätherleib haben. Bei den Erzengeln ist der Astralleib das niedrigste Wesensglied. Weiter oben stehen die Geister der Weisheit, deren niedrigstes Wesensglied der Geistesmensch ist, der im menschlichen physischen Leib nur keimhaft vorhanden ist. Die Geister des Willens haben als ihr niedrigstes Wesensglied das, was der Erdenmensch gar nicht besitzt, d.h. diese Geister treten nicht in das Menschenwesen ein, da es in uns nichts gibt, was mit ihrem erhabenen makrokosmischen Wesen verwandt ist. Deshalb ist das höchste Wesensglied der Himmlischen Sophia immer noch unmittelbar mit dem Menschen verbunden und reicht bis zu einem Geist der Weisheit. Aus diesem Grund wurde ihr ganzes Wesen von den Menschendie Weisheit Gottes (bulg. премъдрост Божия) genannt. Im Erdenäon wird sie ihr siebtes Wesensglied ausbauen, das gewissermaßen das Abschließende sein wird, um in sich die innere Fülle (das Pleroma) zu verwirklichen, die ihr erlauben wird, zum himmlischen Urbild des Erdenmenschen zu werden. In die Menschheitsentwicklung soll ein besonderes übersinnliches Wesen eintreten, das einerseits in seiner siebengliedrigen Struktur dem Erdenmenschen ähnlich ist und andererseits das jüngste und abschließende Wesensglied der Himmlischen Sophia wird. Dieses Wesen wird der Hauptvermittler zwischen Sophia und dem Menschen sein. Das Wesen Anthropos-Sophia durchläuft uns ähnlich eine bestimmte Entwicklung, doch diese erfolgt nicht nach dem Siebenjahresrhythmus, sondern im Rhythmus von 700 Jahren, genauer gesagt zwischen 600 bis 900 Jahren. Für dieses Wesen ist ein Erdenjahrhundert ein Jahr – das ist auch das Verhältnis der Durchmesser der Sonne und der Erde zueinander. Dieses Wesen entwickelt sich nämlich nicht nach dem Erden-, sondern nach dem Sonnengesetz.

Die historische Geburt dieses Wesens, d.h. die erste Berührung mit der Menschheit geschah ca. 2100 v.Chr., als die Entwicklung seines physischen Leibes begann. Der Anfang der Entwicklung seines Ätherleibes war um 1400 v.Chr. und der Anfang des Astralleibes – ca. 700 v.Chr. usw. Die irdische Widerspiegelung der ersten drei Entwicklungsetappen lässt sich am deutlichsten im althebräischen Volk beobachten, das von der Weltenführung beauftragt wurde, die drei leiblichen Hüllen für die zukünftige Verkörperung des Sonnenlogos auf die Erde vorzubereiten. Dazu hat Abraham ca. 2100 v.Chr. auf dem Befehl der geistigen Welt seine Geburtsstadt Ur in Chaldäa verlassen und hat sich auf den Weg ins Gelobte Land gemacht, wo Melchisedek (Manu – Noah) ihn mit dem „Brot und Wein“ einweihte und zum physischen Stammvater des hebräischen Volkes bestimmte. Danach war Abraham in der Lage, das Göttlich-Geistige durch seine physischen Augen zu sehen. Moses dagegen erlebte ganz anders die göttliche Offenbarung. Er lebte nämlich am Anfang der zweiten Periode und schaute das Geistige in einer Ätherform  – das Feuer im Brombeerbusch und die Blitze und Donner auf dem Berg Sinai. Elias, der an der Grenze zwischen der zweiten und dritten Periode lebte, erlebte den göttlichen Anfang in seinem eigenen Astralleib, was im althebräischen Okkultismus durch den Wind, die Luft symbolisiert und ‚Ruach‚ genannt wird. Wir können also in der Geschichte des althebräischen Volks konkret die drei leiblichen Stufen in der Entwicklung der Anthropos-Sophia verfolgen, die mit den drei nacheinander folgenden Offenbarungen des göttlichen Prinzips zusammenhängen. Das Ziel war es, die drei Leiber zur Verkörperung Christi im auserwählten Volk vorzubereiten.

Im Matthäus-Evangelium werden die drei Perioden folgendermaßen angegeben: von Abraham zu David sind es 14 Geschlechter, von David bis zum Umzug nach Babylon – noch mal 14, vom Umzug zu Christus – auch 14 – insgesamt 42. Diese Perioden haben das Ziel, jeweils das Denken, Fühlen und Wollen umzugestalten und das Ich-Bewusstsein auszubauen, d.h. der Einige Gott bzw. „das Ich bin ich“ sollte im Innern des Menschen selbst erlebt werden. Nur Gott kann über sich „Ich bin ich“ sagen. Das ist die Quelle des Widerwillens der Juden jeglicher Vielgötterei gegenüber. Abraham ist der erste Mensch, der in sich entwickelt hat den Keim des menschlichen Denkens und die Fähigkeit, die Idee des „Einigen Gottes“ zu erreichen. Er entwickelte als Erster den inneren Abglanz der göttlichen Weisheit (Himmlischen Sophia) in sich, das physische Organ des Denkens (das Gehirn). Dadurch konnte der Mensch durch sein physisches Denken zum Denken an den Einigen Gott aufsteigen. Das, was für Abraham am wichtigsten war – das physische Organ des Gehirns, – sollte auf dem Weg der Vererbung den nächsten Generationen weitergegeben und in 3×14 Generationen erlebt werden, damit es alle drei Leiber erfassen konnte.

Aus dem Erörterten lässt sich der Sinn des göttlichen Versprechens verstehen, dass die Nachfahren Abrahams zahlreich wie die Sterne am Himmel sein würden. Es geht nämlich nicht um unendlich viele physische Nachfahren, sondern um den Sternenhimmel als das makrokosmische Urbild der menschlichen Denktätigkeit, sofern sie auf der Funktion seines physischen Gehirns basiert, denn aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass das Gehirn vererbt wird und auch ein Abbild des ganzen Sternenhimmels ist.

Unter dem Einfluss der Anthropos-Sophia verlief die Entwicklung der alten Hebräer also vom äußeren Erleben des Denkens, das durch den besonderen Aufbau des von Abraham erhaltenen physischen Gehirns erreicht wurde, zum inneren Erleben des Willens (die Zehn Gebote), der das althebräische Volk zu Christus führen sollte. Das ist der Grund all ihrer messianischen Erwartungen, die gegen die Zeitenwende besonders stark waren.
In einer ganz anderen Art drückte sich die Wirkung des erörterten Wesens in der Herausbildung der zukünftigen europäischen Kultur aus. Die Hauptaufgabe der zukünftigen europäischen Völker war die Vorbereitung auf das Christus-Verständnis durch das Denken. Zu diesem Ziel entstand bereits am Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausend die kretisch-mykenische Kultur, die den Übergang vom alten Ägypten zur ersten rein europäischen Kultur im alten Griechenland. Damals existierte auch das berühmte Labyrinth im Palast von Knossos, aus dem man nur mit Ariadnes Faden herausgehen konnte, also mit dem Gedanken, vor dem die okkulten Gefahren lauerten, welche der Minotaurus symbolisiert. Später stellten sich vor dem hellseherischen Blick der Griechen die Äthergestalten der geistigen Wesenheiten und sie schufen ihr Pantheon der Götter, welche hauptsächlich zur Hierarchie der Engel gehörten. Die geistigen Wesen, die hinter der physischen Welt standen, wurden also in der ersten Periode (2100-1400 v.Chr.) viel unmittelbarer erlebt im Vergleich zur zweiten Periode (1400-700) v.Chr., als alle bekanntesten altgriechischen Mysterienzentren entstanden, die verschiedenen Göttern gewidmet waren. In diese Zeit fällt die Tätigkeit des Bodhisattva Orpheus – „dem Sohn Apollons“, – der schon am Ende der dritten Kulturepoche in die menschliche Empfindungsseele jene Kräfte einpflanzte, die heute als logisches Denken in Erscheinung treten. Orpheus litt am langsam schwindenden ätherischen Hellsehen (Eurydike). Die Menschheit hatte endgültig in die materielle Welt hinunterzusteigen. Dieser Übergang begann am Anfang der vierten nachatlantischen Kultur (747 v.Chr.), was ungefähr mit dem Beginn der dritten Periode in der Entwicklung der Anthropos-Sophia (700 v.Chr.) zusammenfällt. Damals setzte die eigenständige Entwicklung des menschlichen Denkens ein und es entstand die griechische Philosophie, mit der zum ersten Mal in der Menschengeschichte der grandiose Versuch unternommen wurde, die Umgebung nur auf der Grundlage des Denkens zu bewältigen, welches immer mehr an die physische Organisation des Gehirns anknüpfte. Das Denken wurde nicht im Ätherelement, sondern im Astralelement erlebt. Die alten Griechen haben das Denken als etwas Objektives erlebt, das im Astralleib anwesend ist. Die Gedanken wurden ähnlich unseren heutigen Wahrnehmungen für Ton oder Farbe wahrgenommen und nicht abstrakt, wie das später der Fall war. Diese Geistigkeit wurde in die ganze zivilisierte Welt jener Zeit verbreitet, wobei die Feldzüge Alexanders des Großen mit ihren kolossalen kulturhistorischen Folgen den Höhepunkt hiervon bildeten. Sein Lehrer Aristoteles hat als Einziger in Gedanken die Fülle der Himmlischen Sophia erlebt.

In der ersten Periode wurde also das Denken vollkommen vom hellsichtigen Willen durchzogen und es war in der Lage, das Geistige im Materiellen zu sehen. Auf der zweiten Stufe (1400-700 v.Chr.) wurde das Denken nicht mehr vom höheren Willen geleitet, sondern in einem hohen Maße vom hellseherischen Gefühl durchströmt und war eine Möglichkeit der Kontemplation der Äthergestalten der Götter in der Geisteswelt, die der Erde am nächsten liegt. Auf der dritten Stufe wurde das Denken als einen Teil des Phänomens der inneren Wahrnehmung erlebt, welches vom menschlichen Astralleib verwirklicht wird. Das Denken dringt nicht in das innere Wesen der Dinge ein, sondern gleitet auf der Oberfläche. Da das hellseherische Element verschwunden war, konnten die Mathematik, Physik, Astronomie, die Staatslehre usw. entstehen. Dann legte Aristoteles die Grundlagen der heutigen Biologie, Zoologie, Botanik, Medizin, Mineralogie und begründete zum Schluss die Logik – die Lehre von den Gesetzen, nach denen das Denken selbst funktioniert. Nun konnte das Denken sich selbst erkennen.

Unter dem Einfluss der Anthropos-Sophia verlief also die ganze Entwicklung der altgriechischen Kultur vom äußerlich erlebten Willen als eine Kraft, die das alte atavistische Hellsehen erweckte, zum innerlich erlebten Denken, das nach und nach zum Hauptinstrument der tatsächlichen Erlangung des Christus-Impulses – d.h. des Anfangs der bewussten Einstellung zu diesem Impuls und zum Mysterium von Golgatha – werden sollte.

 

Hier wird die absolute Polarität zwischen dem althebräischen und altgriechischen Strom sichtbar. Im ersten Strom diente das Denken als ein Mittel der Bewusstwerdung der Impulse, die in den Tiefen des Willens lebten und im zweiten diente der Wille als ein Mittel zur Entwicklung des individuellen Denkens. Wenn wir bedenken, dass der Wille der Träger der moralischen Impulse ist und das menschliche Denken – der Träger des Impulses der Erkenntnis, können wir sagen, dass die althebräische Strömung von einem starken moralischen Element durchdrungen war. Doch ihr fehlte jegliche Erkenntnis über Mensch oder Kosmos. Die altgriechische und in einem breiteren Sinne auch die ganze Kultur des Altertums wurde durch ein starkes Streben nach Erkenntnis von Mensch und Kosmos beherrscht, aber sie hatte grundsätzlich einen unmoralischen Charakter. In der Zeitenwende vereinigten sich beide Strömungen zu einer Strömung, die in sich den Christus-Impuls, das Christus-Prinzip aufnehmen konnte. Die erste Strömung sollte die physische Erscheinung Christi vorbereiten und die zweite – das geistige Verständnis der Handlungen Christi durch das Prägen von Ideen und Begriffen, die das Mysterium von Golgatha erklären können. Die ganze Geschichte der Israeliten von Abraham zu Jesus führt zur Erfüllung des Versprechens Jahves – von der übersinnlichen Geburt Christi in den Hüllen Jesu, die im Laufe von 3×14 Generationen vorbereitet worden waren. Mit dem Schwinden des Hellsehens stellte sich die Frage nach dem Tod mit voller Kraft vor den Griechen. Aus dieser Zeit stammen die Worte des sterbenden Achilleus zu Odysseus: „Lieber ein Bettler auf Erden als ein König im Reich der Schatten“. Beide Strömungen begegnen sich in den Grenzen des Römischen Reiches als zwei weltallhistorische Fragen, die die Menschheit zur Zeitenwende an die geistige Welt richtete – die Frage nach der übersinnlichen oder jungfräulichen Geburt, mit der die Folgen der Erbsünde als Luzifers Einfluss überwunden werden kann, und die Frage nach der Unsterblichkeit der Menschenseele, d.h. die Überwindung des Todes durch die Auferstehung zur Überwindung der Macht Ahrimans, die unser Bewusstsein nach dem Tod verdunkelt. Die Hebräer kämpften gegen Luzifer durch die Vererbung und die Griechen – gegen Ahriman durch die Kunst und Philosophie, durch ihre vergeistigte Liebe zur Erdenwelt. Weder die einen noch die anderen konnten sich jedoch aus eigener Kraft vor dem Teufel und dem Satan retten, die unvermeidlicherweise die Menschheit unterordnet hätten. Doch die geistige Welt hörte die bittenden Fragen und die Antwort kam von dem höchsten Wesen in unserem Kosmos als eine konkrete Aufopferungstat. Christus war auf der Sonne und die „Feuersäule“, die die Menschheit und die Aufenthaltssphäre des Sonnenlogos verband, war kein anderer als die Himmlische Sophia selbst. Ihr neuestes „menschliches“ Wesensglied ist die wesenhafte Anthropos-Sophia. Sie ist die Mittlerin zwischen den Menschen und der Himmlischen Sophia, durch die die Fragen Christus erreichen konnten. Das Wesen Anthropos-Sophia ist sowohl ein selbständiges Wesen als auch das letzte Wesensglied der Himmlischen Sophia.

An dieser Stelle ist es angebracht zu erklären, warum Sophia einen „Frauencharakter“ hat. Jeder von uns trägt in seinem Erdenleben im Ätherleib das gegensätzliche Geschlecht und der Astralleib hat weder weibliche noch männliche Merkmale, es sei denn, man hat sich auf der Erde tierischen Begierden hingewendet und seinen Astralleib künstlich mit geschlechtlichen Elementen „infiziert“. In diesem Fall wird der Aufenthalt im Kamaloka besonders quälend sein, bis der Astralleib von den niederen Einflüssen gereinigt wird. Nach dem Tod fallen der physische Leib und drei Tage später auch der Ätherleib ab. Dann hat das Leben in den geistigen Welten keinen Bezug mehr zu den irdischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Die Wesen von den Engeln bis zu den Seraphim sind auch geschlechtslos, d.h. sie haben keinen weiblichen oder männlichen Charakter. Doch trotzdem hat die geistige Erfahrung vieler Mystiker, Propheten und Weisen im Laufe von mehreren Jahrtausenden darüber gesprochen, dass in den geistigen Welten etwas existiert, was in seiner Offenbarung an das irdische Bewusstsein mit einem gewissen Recht ein weibliches oder männliches Prinzip genannt werden kann. Was ist es?
In den geistigen Welten haben wir es mit zwei Arten von Wesen zu tun. Die erste Art, das sind die individuellen Geister, die zu einer bestimmten Hierarchiestufe gehören – Engel, Erzengel usw. Die zweite Art, das sind die Gruppenwesen, die viele Geister aus verschiedenen Hierarchien wegen einer bestimmten Aufgabe vereinen und ein völlig neues gemeinsames Wesen bilden, das ein viel höheres geistiges Potenzial und viel größere schöpferische Möglichkeiten besitzt. Wenn wir das in die Erdensprache übertragen, so können wir sagen, dass das männliche Prinzip der Träger der individualisierenden Tendenz und das weibliche Prinzip der Ausdruck der vereinenden, sozialen Tendenz ist,  die Teile zu einem Ganzen verbindet. Nur in diesem Fall können wir über das „Männliche“ und „Weibliche“ in der geistigen Welt reden und zwar ausschließlich im Vergleich zum Irdischen. Anderenfalls werden wir in eine erotische Mystik geraten, die luziferische Irrtümer bewirkt.
Nach dem Erörterten ist es leicht zu bemerken, dass jedes Wesen, das zur Himmlischen Sophia gehört, zweifach wirkt – manchmal individuell und manchmal als ein Teil des Gruppenwesens. Im ersten Fall werden seine Offenbarungen „männlichen“ und im zweiten Fall – „weiblichen“ Charakter tragen. Die göttliche Trinität selbst ist gleichzeitig „nicht vereinigt“ und „ungeteilt“. Im oben erwähnten Sinne trägt die Offenbarung des „Nichtvereinigtseins“ einen „männlichen“ Charakter und die Offenbarung des „Ungeteiltseins“ – einen „weiblichen“ Charakter. Doch kehren wir zu der Zeitenwende zurück.

Um dorthin zu kommen, musste Christus vier Mal eine Transformation erfahren, also geboren werden. Die höchste Geburt des Sohnes (Christus) fand statt durch die Vermittlung des Heiligen Geistes aus dem Gebiet der überhierarchischen Göttlichkeit (Trinität) im erschaffenen hierarchischen Kosmos. Diese Urgeburt war außerhalb des Gebietes der Himmlischen Sophia und fand ohne ihre Beteiligung statt. In unserer Menschensprache können wir das als die Geburt aus der Trinität der Galaxie bestimmen. Grundsätzlich erfolgen alle Geburten von Christus durch den auf verschiedenen Stufen wirkenden Heiligen Geist. Die zweite Geburt ist aus der Galaxie der alten Sonne, d.h. in der höheren Sonnensphäre durch den führenden Geist der Weisheit. Als Folge davon hat die ganze Hierarchie den Namen ‚Herrschaften‘ bzw. ‚Geister, die dem Herrn gehören’ erhalten. Sie sind der höchste Aspekt der Himmlischen Sophia. Viel später wurde Christus zum dritten Mal auf der heutigen Sonne geboren – auf dem niederen Sonnengebiet, das den planetarischen Aspekt der Sonne durch die sechs Elohim bildet. Noch später stieg Er durch das Tor des führenden Erzengels Michael in die Mondensphäre hinein, um dann in den Menschen Jesus aus Nazareth bei der Taufe im Jordan durch die Vermittlung der Anthropos-Sophia einzutreten. Die übersinnliche Geburt Christi in Jesus im Jordan und der Tod und die nachfolgende Auferstehung geben die Antwort auf die beiden Fragen der Menschen. Die schreckliche Gefahr des endgültigen Sieges der beiden Widersacher Luzifer und Ahriman wurde durch die Manifestation der übersinnlichen Ereignisse Geburt und Tod als rein irdische Ereignisse abgewendet, die einzig der gefühlsmäßig-physischen Welt angehören. Nach der Taufe war der Astralleib des Christus-Jesus für die luziferischen Versuchungen geschlossen und von da an wurde in die irdischen Menschenentwicklung die Fähigkeit eingepflanzt, die Weisheit (Sophia) in sich aufzunehmen, durch die das physische Ziel auf der Erde – ihre Verwandlung in den neuen Kosmos der Liebe – erreicht werden kann. Mit dem Mysterium von Golgatha wurde in den Menschen die Fähigkeit hineinverwoben, den Einfluss Ahrimans zum Guten zu wenden. Christus drang auch in das „Reich der Schatten“ ein und hat es mit dem Blitz seines Geistes durchzogen. Damit zeigte Er, dass Ahrimans Macht nicht mehr dorthin reicht, wo das Licht wieder eindringen soll. Seitdem hat die Himmlische Sophia durch ihr jüngstes Wesensglied die Aufgabe, in den Menschen das spirituelle Bewusstsein (das Sophienbewusstsein) zu erwecken, das zu einem immer tieferen Verständnis des irdischen Lebens Christi, des Mysteriums von Golgatha und der damit zusammenhängenden kosmisch-irdischen Ereignisse führt. Während in den früheren Perioden der Erdenentwicklung die gemeinsame Tätigkeit der Geister der Weisheit und der Erzengel Dasein schuf, schafft sie seit Abrahams Zeit neues Bewusstsein im Menschen.Das geschieht durch die Vermittlung der Anthropos-Sophia. Das philosophische Denken entstand in der frühesten Periode – in der „leiblichen“, als der physische Leib die Impulse der Weltwahrnehmung erweckt hat. In der zweiten Periode spielte der Ätherleib diese Rolle. Erst in der dritten Periode des Astralleibes wurde der Gedanke zum ersten Mal in der Menschengeschichte zu einem selbständigen Phänomen. Die Geschichte der Philosophie ist also die Biographie eines Wesens, das in unser Menschensein hineinverwoben ist, aber das sich nicht nach den irdischen Gesetzen, sondern nach den Gesetzen der alten Sonne entwickelt. Als Mittler zwischen uns und der uranfänglichen Himmlischen Sophia sind auch die Engel tätig, aber ihre Arbeit ist nicht so schöpferisch wie die Arbeit der Anthropos-Sophia. Die Engel sind eher nur Mittler, während mit der Anthropos-Sophia etwas anderes geschieht.

Aus der okkulten Wissenschaft wissen wir, dass man sein individuelles Ich im Alter von ca. 21 Jahren erweckt. Im gewöhnlichen Leben geschieht das auch früher, aber dann wird es von den luziferischen Kräften verursacht. Wenn wir dem Willen unserer „Väter“, den Elohim, folgen, ist das Alter von 21 Jahren korrekt. Das geschah auch mit der wesenhaften Anthropos-Sophia, die im Augenblick der Taufe 21 (2100) Jahre alt geworden ist. Christus durchdrang ihr Ich mit seiner göttlichen Sonnenkraft, was möglich ist, denn sie entwickelt sich nach den alten Sonnengesetzen. Von hier auf trat der Christus-Impuls in die Entwicklung der Philosophie ein und es folgten die drei seelischen Perioden in ihrer Entwicklung bzw. in der Entwicklung des Denkens als eine erlebte eigene innere Tätigkeit. So kamen wir zum heutigen Denken, das als Einziges in der Lage ist, den Menschen zum Erleben der wahren Freiheit zu führen. Die ganze Himmlische Sophia und Anthropos-Sophia konnten diese Aufgabe nicht allein erfüllen. Die Seelenverfassung des Menschen braucht eine endlose Vertiefung. Vor Christus kamen die Gedanken von außen, von den Göttern. Der Christus-Impuls erfasste das tiefste Wesen der menschlichen Seele – das Ich. Von Christus ergießt sich etwas, was im Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit erweckt, Gedanken von innen heraus, von sich selbst hervorzubringen. Aber es waren drei Epochen in der seelischen Entwicklung der Anthropos-Sophia notwendig, damit der in diese Richtung aus Christus herausgeströmte Impuls zur vollen Blüte kommt.

Es gibt also am Anfang der christlichen Ära zwei Arten von übersinnlicher Tätigkeit in der Erdenevolution – eine mikrokosmische – die fortwährende Wirkung der Kräfte der Sophia, die zur Entwicklung des menschlichen Denkens beitrugen, und eine makrokosmische – der weitaus mächtigere Christus-Impuls, der nicht nur das individuelle Denken in der Menschenseele, sondern auch das Selbstbewusstsein des Menschen und seinen Träger hervorbringt – das individuelle Ich. In den ersten 700 Jahren nach Golgatha wurde das Selbstbewusstsein noch ohne gedankliche Erfassung erlebt. Die ganze philosophisch-theologische Literatur der frühen Kirchenväter bis zu Jean Scot Erigène (9. Jahrhundert) ist von tiefen religiösen Gefühlen durchzogen und von einem intensiven Glauben an den Christus-Impuls geprägt.

Die nächste Etappe (700-1400 n.Chr.) war völlig anders. Der Mensch begann, die Gedanken als etwas von ihm Erzeugtes, als etwas Subjektives zu erleben. Das ist das Wesen der Scholastik, bei der der Christus-Impuls vom Menschen selbst erfasst wurde. Der erhabenste Vertreter dieser Zeit ist Thomas von Aquin, der als Erster versucht hat, die ganze Bedeutung der Ankunft Christi auf Erden und das Mysterium von Golgatha für die Weltevolution gedanklich zu erfassen und tatsächlich zu verstehen. Während in der vorherigen Perioden die Entwicklung der Anthropos-Sophia von der allgemeinen Evolution der zivilisierten Menschen zurückblieb, so fallen im letzten Drittel der griechisch-römischen Kulturepoche (700-100 n.Chr.) zum ersten Mal die Entwicklung der Menschheit und der Anthropos-Sophia zusammen – beide entwickeln ihre Verstandesseele. Das Gleiche wiederholt sich auch in der nächsten Periode (1413-2100), in der wir unsere Bewusstseinsseele entwickeln. Erst nach dem Jahr 2100 werden sich unsere Wege teilen – das Wesen Anthropos-Sophia wird die allgemeine Menschenentwicklung überholen und zu unserem Führer werden, der uns auf die zukünftigen Ergüsse der höheren geistigen Prinzipien in uns vorbereitet – des Geistselbst, des Lebensgeistes und des Geistesmenschen (in der sechsten und siebten nachatlantischen Kulturepoche und in der ersten Kultur der Sechsten Epoche). Dazu musste sich die Anthropos-Sophia zuerst mit unserer Verstandes- und Bewusstseinsseele verbinden. Aber zum bewussten und freien Erfassen des Mysteriums von Golgatha reichte die Anwesenheit des Sophienlehrers in unserer Seele nicht, wir sollten um das siebte bis neunte Jahrhundert die Substanz des Denkens selbst zu unserer vollen Verfügung erhalten, die vorher in der geistigen Welt war und von Michael regiert wurde. Wie bereits erwähnt, gibt es in der historischen Entwicklung der Philosophie die Offenbarung des Sonnengesetzes der gemeinsamen Tätigkeit von Herrschaften und Erzengeln. Gerade Michael hatte die Aufgabe, vor der Ankunft Christi die Früchte dieser gemeinsamen Tätigkeit auf die Erde herunterzusenken – das ist die wichtigste Tätigkeit der Himmlischen Sophia in unserem Kosmos. Michael schickt von der Sonne aus nicht nur die physisch-ätherischen Sonnenstrahlen herunter – mit ihnen kommen auf die Erde auch die inspirierende Intellektualität, das richtige Bild der Vergangenheit (des Sonnengesetzes) in der Gegenwart und nicht das luziferische Bild wie etwa bei Annie Besant. Folglich ist Michael jener Geist, der vom Anfang der Erdentwicklung an den Menschen von der Sonnensphäre aus die himmlische Intelligenz herabsendet, die schöpferischen Weltengedanken der Hierarchien, die Substanz der Sophia selbst in einer Form, die das höhere Bewusstsein als geistiges Licht der kosmischen Weisheit erweckt. Michael beobachtete das Ereignis auf Golgatha von der Sonne aus und beschloss, dem Beispiel Christi folgend, das Wertvollste zu opfern, das er im Auftrag der Himmlischen Sophia im geistigen Kosmos regiert – die Substanz der kosmischen Intelligenz. Diese brauchen die Menschen, damit sie den Christus-Impuls frei und völlig bewusst aufnehmen. Wie ein Goldregen ergoss sich diese himmlische Substanz des Gedankens in den ersten christlichen Jahrhunderten auf die Erde und brachte auf ihrem Weg viele Kirchenväter und christliche Denker hervor. Gegen das achte Jahrhundert erreichte sie endgültig die Erdenmenschheit. Genau am Anfang des achten Jahrhunderts holte das Wesen Anthropos-Sophia die Menschheit in der Entwicklung ein und wurde zu einer Art „Allmenschenkelch“, in den sich die michaelische Intelligenz ergoss, da diese Intelligenz noch nicht vollständig dem Menschen zum individuellen Gebrauch gegeben werden konnte. Nur in der Bewusstseinsseele können wir unser individuelles Ich vollständig zutage fördern und diese Zeit kam erst nach 1413. Anthropos-Sophia selbst hatte auch diese Stufe zu erreichen und die Menschheit geistig mit dem Inhalt dieses Kelchs das Abendmahl reichen. Vorher waren die Engel das Mittelglied zwischen Michael und den Menschen. Im 15. Jahrhundert hat die erste Götterhierarchie persönlich die kosmische Intelligenz aus den menschlichen Herzen in den menschlichen Kopf übertragen – der Mensch entwickelte sich vom Herzmenschen zum Kopfmenschen. Seitdem (nach 1413) ergießt sich die kosmische Intelligenz nicht durch die Engel, sondern direkt aus dem „Kelch“ in die Menschheit. Die Intelligenz wurde irdisch und sie führt den Menschen zum individuellen Gebrauch. Dann begann die freie Schöpfung innerer Gedanken. Es erschienen Giordano Bruno, Spinoza, Descartes u.a. Der Höhepunkt wurde bei Hegel erreicht, bei dem wir einen Gedanken finden, der nur im Bewusstsein lebt. Während der Gedanke in der griechischen Zeit hervorkam, geht er in unserer Zeit an das Selbstbewusstsein in der Bewusstseinsseele heran. Der Mensch kann nunmehr schöpferisch wirken, indem er von sich selbst ausgeht! Es stimmt zwar, dass das Wort ‚Philosophie‘ zum ersten Mal im alten Griechenland entstand, aber es hat seinen inneren Gehalt, der der geistigen Wirklichkeit entspricht, ungefähr seit dem fünften Jahrhundert n.Chr., als die Dichter die Philosophie als Wohltäterin, Führerin, Ernährerin usw. besangen. Später hat auch Dante durch Beatrice seine persönliche Einstellung zur erhabenen Philosophie zum Ausdruck gebracht. Hegel erreichte zwar das Höchste in der Philosophie, aber sein Gedanke starb mit dem Tod des physischen Leibes. Als Folge standen die Philosophen vor zwei Wegen – entweder von den hohen gedanklichen Spekulationen zur Materie herabzusinken, wie das bei Marx der Fall war, oder sich von der rein gedanklichen Erfassung der Welt zu ihrem spirituellen Verständnis zu erheben. Letzteres ist für den heutigen Menschen nur durch die Geisteswissenschaft möglich. Das erste bedeutet den endgültigen Raub der kosmischen Intelligenz durch Ahriman und das zweite – ihre Rückkehr zu Michael nach 1879 durch das Befolgen der Anthropos-Sophia. Im Laufe der Entwicklung ihrer drei leiblichen Glieder wurde sie ‚Theosophie‘ genannt, denn damals erlebten die Menschen unmittelbar ihre Beziehung zu der Himmlischen Sophia. Dann wurde sie in der Periode der Entwicklung ihrer seelischen Wesensglieder ‚Philosophia‘ genannt. Gegenwärtig entscheidet der Mensch selbst, ob er den Übergang vom „philosophischen Denken“ zur Geisteswissenschaft macht oder ob er sein Seelenleben ahrimanisieren lässt. Heute erscheint die wesenhafte Anthropos-Sophia in einer doppelten Gestalt vor uns – als ein göttliches Wesen und Teil der Himmlischen Sophia und gleichzeitig als ein menschenähnliches Wesen, das die gleichen Wesensglieder wie wir entwickelt, doch übersinnlich ist – quasi ein unsichtbarer Mensch. Dieser unsichtbare Mensch lüftet vor uns das Hauptgeheimnis und den Sinn unserer Entwicklung, den Weg zu unserer vollen Verwirklichung auf der Erde als wahre Menschen. Er stellt auch sich selbst vor unsere Seele als ein kosmisch-irdisches Ideal. Anthropos-Sophia führt uns in den Tempel der neuen christlichen Mysterien ein und die erste Stufe der gegenwärtigen Einweihung ist das Studium der Anthroposophie als die Wissenschaft vom Geist. Bevor wir an jegliche Meditationen, Konzentrationsübungen und andere anthroposophische Übungen herantreten, müssen wir eine konkrete, tief persönliche Beziehung zum Wesen Anthropos-Sophia als unserem völlig realen übersinnlichen Lehrer herstellen. Auf diese Weise wird der Weg zur Sophia vor uns frei, der zur wahren Christus-Erkenntnis führt. Der erste Mensch, der diesen Weg bestiegen hat, ist zweifellos Rudolf Steiner. Bereits 1887 erklärte er: „Das Gewahrwerden der Ideen in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen“. [4] Er hat als Erster bei vollem Bewusstsein die gedankliche Kommunion der michaelischen Intelligenz aus dem geistigen Kelch empfangen, die ihm die Himmlische Sophia selbst in den höheren Welten durch das ihr dienende Wesen Anthropos-Sophia gereicht hat. So wurde Steiner zum ersten irdischen Vertreter und Botschafter der Himmlischen Sophia auf der Erde.

Wie wird sich das Wesen Anthropos-Sophia zukünftig entwickeln? Ab 2100 (in einem bestimmten Sinne geschieht das bereits vom 20. Jahrhundert an) wird es die allgemeine Evolution der Menschheit überholen und zur Entwicklung seines ersten geistigen Wesensgliedes – des Geistselbst übergehen. Das werden wir erst nach dem Jahr 2573 verwirklichen, doch dank der Anthroposophie und dem Bodhisattva können wir schon jetzt den Schulungsweg besteigen und das Geistselbst entwickeln. Das ist nach dem 42. Lebensjahr am günstigsten, denn die Entwicklung des Manas ist das Ziel der gegenwärtigen Einweihung. Der unsichtbare Lehrer führt in die gegenwärtigen Mysterien des Geistselbst ein. Indem er selbst dieses Wesensglied entwickelt, kann er unter den Menschen nicht nur individuell, sondern auch als eine neue Gruppenseele wirken, die sich geistig in diese Menschen verkörpert, die Schüler und Mitarbeiter in den neuen christlichen Mysterien werden wollen. Diese Gruppenseele schränkt in keiner Weise die Freiheit der Individuen wie die alten Gruppenseelen (etwa bei Abraham) ein. Das Wesen Anthropos-Sophia ist die neue Gruppenseele der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die Steiner 1923-24 gegründet hat. Diese Gesellschaft ist eine Art seelischer Kelch, in den das Wesen Anthropos-Sophia heruntersteigen kann. Das würde der Anfang der Verkörperung der Himmlischen Sophia auf die Erde bedeuten, deren jüngstes Mitglied die Anthropos-Sophia ist. Diese grandiose Aussicht wurde durch die Opfertat Rudolf Steiners und sein kolossales Werk auf der Erde ermöglicht. 1902 hat er die Leitung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft übernommen und von diesem Augenblick an begann die erste siebenjährige Entwicklungsperiode der Anthroposophischen Bewegung. 21 Jahre später fand die Weihnachtstagung statt und es wurde das höhere Ich der Anthroposophischen Gesellschaft geboren. Es entstand die Möglichkeit für zukünftige Handlungen der Anthropos-Sophia als die neue Gruppenseele (Ich) dieser Bewegung. Michael selbst konnte bis 1879 nicht die Menschen beeinflussen und ließ es zu, dass Ahriman die kosmische Intelligenz einnahm und sie in irdische, persönliche verwandelte. Das kann man an der heutigen Zivilisation sehen. Um die endgültige Entführung durch Ahriman zu verhindern, folgte Michael Christus und stieg übersinnlich von der Sonne herunter. Er musste einen Ausgangspunkt auf der Erde finden, um in Zukunft zu wirken. Das Wesen Anthropos-Sophia ist am engsten mit der Erdenevolution verbunden, deshalb konnte es diesen Ausgangspunkt bilden. Es sind also zwei Prozesse zu beobachten – Michaels Herunterstieg und der Anfang der Entwicklung des Manas der Anthropos-Sophia, die deshalb seit 1879 zwischen Michael und den Menschen vermitteln konnte. Aus dieser Zusammenarbeit wurde die Anthroposophische Bewegung auf der Erde geboren. Aus der geistigen Welt streckt Michael übersinnlich die Hand und erwartet, dass wir ihm die von Ahriman geraubte und erlöste himmlische Intelligenz wieder zurückgeben. Das ist möglich, wenn wir uns innerlich vom räumlichen Erleben des Universums in drei Dimensionen zu dessen Auffassung in geistigen Bildern (Imaginationen) erheben, die den Gesetzen der Zeit unterliegen, nach denen die höheren Wesen leben und wirken. Auf der alten Sonne drückte sich die kosmische Tätigkeit der Himmlischen Sophia im Schaffen des Raums aus der Substanz der reinen geistigen Zeit aus. Nach Golgatha unterlag der Prozess einer völligen Umwandlung. Indem Christus von der Sonne – dem Reich der geistigen Zeit – herabstieg, hat Er den Sonnenimpuls in den irdischen, im Sterben begriffenen Raum eingetragen. Als Christus auf Golgatha durch den Tod im irdischen Raum ging und in den Kräften der geistigen Zeit auferstand, legte Er damit das Fundament der gegensätzlichen Entwicklung, nämlich der allmählichen Überwindung (Vergeistigung) des Raums durch die Kräfte der Auferstehung, also die Kräfte der vergeistigten Zeit. Christus wendete die Involution (Materie) in Evolution (Geist) um, den Raum in die Zeit. Das brachte eine Änderung in die Aufgaben der Wesen ein, die zur Himmlischen Sophia gehören. Auf Golgatha wurden die lebendigen Samen des neuen Kosmos in das menschliche Ich eingesät, d.h. die geistigen Kräfte, aus denen allmählich das Dasein des geistigen Jupiter entstehen wird. Das Herz beginnt zu denken, es wird vernünftig. Das menschliche Bewusstsein verändert sich von räumlich zu zeitlich, d.h. es geht vom materiellen in das geistige Bewusstsein über. Wir beginnen, den Geist überall zu denken und ihn danach als Imaginationen (Wesen) zu sehen. Der bewusste Eintritt in die geistige Welt – das ist das heutige Gebot Michaels. Indem wir den Raum durch die Zeit vergeistigen, erneuern wir auch das „alte Sonnengesetz“, dem wir eine neue Form verleihen. Michaels Gabe, die Anthroposophie muss in das Bewusstsein der heutigen Menschen eintreten. Das Wesen Anthropos-Sophia möchte die Menschen zu einer völlig neuen Fähigkeit bringen, die Steiner „das intellektuelle Hellsehen“ nennt, und die auf der Umgestaltung der Bewusstseinsseele in eine imaginative beruht. Der Fortschritt besteht darin, dass der Mensch eine erhöhte Intellektualität nicht nur für sich entwickelt, sondern diese auch in die Astralwelt einträgt. Durch dieses intellektuelle Hellsehen wird vor den Menschen in den nächsten 3000 Jahren immer deutlicher der ätherische Christus erscheinen. Das sind seine bewusste Wahrnehmung und das Hauptziel der Imaginationen. So werden wir den Weg vom alten atavistischen Hellsehen Abrahams über das heutige abstrakt-intellektuelle Bewusstsein zum zukünftigen völlig bewussten imaginativen Bewusstsein zurückgelegt haben.

Das sind die Stufen der höheren Erkenntnis:

  1. Studium der Geisteswissenschaft (gedankliche Erkenntnis der übersinnlichen Welt) – Anthropos-Sophia;
  2. Imaginative Erkenntnis – Engel;
  3. Inspirative Erkenntnis – Erzengel – Himmlische Sophia;
  4. Intuitive Erkenntnis – Archai;
  5. Wissen über das Verhältnis zwischen dem Mikro- und Makrokosmos – Geister der Form;
  6. Verschmelzen mit dem Makrokosmos – Geister der Bewegung;
  7. Allgemeines Erleben der vergangenen Erfahrungen als eine Grundseelenstimmung – Geister der Weisheit.

Die erwähnten drei Stufen der übersinnlichen Erkenntnis – die imaginative, inspirative und intuitive – können durch die graduelle Umbildung des ganzen seelischen Wesens erreicht werden. Die Bewusstseinsseele soll imaginativ werden, die Verstandesseele – inspirativ und die Empfindungsseele – intuitiv, d.h. wir sollen sie in Organe zur Wahrnehmung von Imaginationen, Inspirationen und Intuitionen umwandeln. Danach können wir an die endgültige Umbildung des Astralleibes, einschließlich des Sinnesleibes,  in eine „Jungfrau Sophia“ übergehen, das ein mikrokosmisches Abbild der Himmlischen Sophia ist. So wird für uns das geistige Kind geboren –  das höhere Ich -, was auch das Ziel der Anthropos-Sophia ist. Mit unserem höheren Ich ist Christus verbunden. Und hier streifen wir ein Geheimnis der „spirituellen Ökonomie“. Nach Golgatha wurden in den geistigen Welten die vom Christus-Impuls durchzogenen Äther- und Astralleib Jesu aufbewahrt. Ihre Abbilder oder „Kopien“ werden „vervielfältigt“, d.h. in die Äther- und Astralleiber der erhabensten christlichen Vertreter eingeprägt. Doch Christus hat auch Sein Ich in die Seele Jesu abgedrückt und dieser Abdruck wurde später in den geistigen Welten „vervielfältigt“. In der heutigen Zeit der Bewusstseinsseele können ihn immer mehr Menschen empfangen. Und da das Wesen Anthropos-Sophia in der Zeitenwende 21 „Jahre“ alt wurde, konnte sie wegen der Geburt des eigenen irdischen Ich zum Tor zur Verkörperung des Christus in Jesus werden. Das hängt mit dem Durchdringen ihres eigenen neugeborenen Ich mit dem Christus-Ich zusammen, d.h. das Christus-Ich wurde ihr abgedrückt. Es waren aber 2000 Jahre notwendig, damit von unserer Zeit an das Wesen Anthropos-Sophia zur Verbindung zwischen dem Menschen und der Himmlischen Sophia werden kann, die durch die Geisteswissenschaft die Menschen auf die Aufnahme des Ich-Abdruckes Christi in ihre Seelen vorbereitet. Das soll seinerseits zum bewussten Erleben und zu Handlungen des Christus in der Menschenseele, in jedem Ich führen, was zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha führt. Nur wenn wir den Schleier der Isis (Sophia) lüften, werden wir zum Geistselbst übergehen. Im Erdenäon wird sich zuerst die Erde wieder mit dem Mond vereinigen (in ca. 6000 Jahren) und seine dämonischen Kräfte in sich überwinden, um später mit der Sonne zu verschmelzen. Dieser Prozess ist in der Apokalypse des Johannes dargestellt – als die in Sonne gekleidete Frau (die Erde), die bis zu ihrer physischen Substanz zur Offenbarung Christi wird und dann das „geistige Kind“ gebärt – das Prinzip des Geistselbst. Das Geistselbst wird in den vollständigen Besitz des Menschen erst auf dem geistigen Jupiter übergehen. Bis zu dieser Zeit wird es uns aus den Geisteswelten  erleuchten. Zu diesem erhabenen Ziel – der Vereinigung mit der Sonne – tritt die wesenhafte Anthropos-Sophia in die Erdentwicklung ein, die in sich zwei Aspekte vereinigt – den mikrokosmischen und makrokosmischen. Das Ziel ist die Verbindung des Menschen – Anthropos – mit der Himmlischen Sophia. Die siebengliedrige Himmlische Sophia wurde zur „Feuersäule“, die Erde und Sonne verbindet. Der erste Impuls zur Verwandlung der Erde in eine Sonne wurde auf Golgatha ausgestrahlt. Nur der bewusste Anschluss an die Kräfte der Auferstehung wird der Menschheit erlauben, den Weg zur Vergeistigung der Erde zu finden. Zuerst werden wir durch Anthropos-Sophia unser Bewusstsein vergeistigen und dann unsere drei Seelen in eine imaginative, inspirative und intuitive umbilden und seelische Organe zur Wahrnehmung der dreifachen Struktur der geistigern Sonne ausbilden – als einer Quelle geistigen Lichts, das ein neues geistiges Bewusstsein erweckt, als einer Quelle von Leben, das unsere Gefühle belebt und als einer Quelle geistiger Liebe, die mit Opferkräften unseren Willen durchdringt. Auf diese Weise wird die Sonnensubstanz, die wir lange Zeit aus dem Kosmos empfingen, aus dem Inneren der Seele erstrahlen. Der Mensch wir von der „inneren Sonne“ sprechen und mit der Vergeistigung der Erde wird das wahre Gute entstehen. Der Weg der Himmlischen Sophia ist auch der Weg zu den Wesen, die zu ihr gehören. Sie sind den Schülern in den alten und späteren Mysterien immer ausschließlich in geistiger Form erschienen. Keiner der zur Sophia gehörenden Geister hat sich irgendwann völlig in einen konkreten irdischen Menschen verkörpert, nicht mal in den  größten Eingeweihten. Durch diesen Geist müssten gleichzeitig alle sieben Glieder der Sophia wirken und der Mensch würde sofort sterben.

Trotzdem gibt es in der Menschengeschichte ungewöhnliche Fälle. Zur Zeitenwende wurde die Seele der salomonischen Maria von den Kräften der Himmlischen Sophia durchströmt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Himmlische Sophia physisch verkörpert hat. Die 46jährige Frau und Mutter mehrerer Kinder hat sich derlei gewandelt, dass die Folgen nicht nur den Astral- und Ätherleib betrafen, sondern bis in den physischen Leib hinein wirkten und sie zu einer „Jungfrau“ machten. Das Durchdringen geschah durch die nathanische Maria, die damals (während der Jordantaufe) in der geistigen Welt war und in sich die Kräfte der Himmlischen Sophia konzentriert hatte. Ihre Seele trat in die salomonische Maria ein und hat sie in eine „Jungfrau“ verwandelt. So hat Jesus wieder die verlorene Seele der Mutter erhalten, die im Evangelium „gesegnet“ genannt wird. So haben wir in der „Jungfrau Maria“ das große Urbild der ganzen Fülle der Kräfte der Himmlischen Sophia, d.h. die einzige Verkörperung der Sophia selbst auf der Erde. Die Eva aus der Zeit vor dem Sündenfall wurde uns durch die Mutter des nathanischen Jesus vorgeführt.

Von der „neuen Eva“ sprach auch Beinsa Douno[5]. Adam vor dem Sündenfall wurde uns im nathanischen Jesuskind gezeigt. Beinsa Douno sprach auch über den „neuen Adam“[6]. Die „Jungfrau Sophia“, d.h. Sophia stand auch zusammen mit Johannes unter dem Kreuz. Dann ging sie zu ihrem Sohn (Johannes), der sie nicht nur unter seine Obhut nahm, sondern von ihr und durch sie die Kräfte der Sophia in seine Seele aufnahm. Und während in Maria diese Kräfte bis zu ihrem physischen Leib wirken, erwecken sie in der Seele Johannes‘ vor allem die Fähigkeit der kognitiven Eindringung in die kosmischen Mysterien des Christus. Johannes gelang es mehr als jedem anderen Jünger, die Weltbedeutung des Mysteriums von Golgatha zu erfassen und später das tiefgründigste der Evangelien und die Apokalypse zu schreiben. Nach einer Reihe von märtyrerhaften Inkarnationen nahm er als Erster in der Menschengeschichte den Abdruck des Christus-Ich in die Sophiensubstanz seiner Seele auf. Dieser Abdruck wird in den höheren Welten für die zukünftigen Kulturen und Epochen aufbewahrt.

Erst in der sechsten Kultur (in 1500 Jahren) werden sich die Mysterien der Sophia entfalten. Nur wer diese Mysterien durchlaufen hat, wird von den Kräften der Sophia dergestalt durchzogen werden, dass er wie Maria zu einer „Jungfrau“ werden kann. Erst in der sechsten Epoche (in 6000 Jahren) werden alle Menschen Zugang zu einer solchen Beziehung zu Sophia haben und Christus wird von der Menschheit als ihr höheres Gruppen-Ich erlebt werden. Die ganze seelisch-geistige Konfiguration des Menschen wird sich der inneren Struktur der Sonne angleichen, was ein wichtiger Schritt zur zukünftigen Vereinigung von Erde und Sonne sein wird. Die Fortpflanzung wird ab der sechsten Kultur immer geistiger werden. In 5000 Jahren werden die Frauen endgültig aufhören, in der alten Art zu gebären. Die Impulse dazu werden aus dem Slawentum kommen. Das Wesen der neuen Fortpflanzungsfähigkeit wird noch 1500 Jahre verborgen bleiben, doch wird das eine völlig neue höhere Fähigkeit sein. Es wird ein außerordentliches Geschenk des Schicksals sein, als Frau in der sechsten Kultur geboren zu sein, denn die Frauen werden viel leichter die höheren Stufen der Einweihung in die Mysterien der Himmlischen Sophia erreichen können. Es liegt daran, dass die männliche Körperstruktur grundsätzlich viel mehr in die physische Materie eingetaucht ist als die weibliche. Der ideale Mensch befindet sich in der Mitte. Dann wird sich das Geistselbst in die Bewusstseinsseele ergießen und den Menschen neue hellseherische Kräfte ermöglichen. Heute haben zu wenig Menschen ihr höchstes seelisches Wesensglied entwickelt. Es besteht die reale Gefahr, dass das Prinzip des Geistselbst in einer luziferischen Form verbreitet wird, indem es anstatt durch die Bewusstseinsseele durch die Verstandes- oder sogar die Empfindungsseele heruntersteigt. Dann könnte anstelle der Sophienmysterien in der Zeit des Wassermanns (der sechsten Kultur) ihr luziferisches Gegenbild entstehen, das in der Apokalypse des Johannes als die „Hure Babylon“ geschildert wurde. Zu ihren Satrapen werden all diejenigen gehören, die die hellseherischen geistigen Kräfte missbraucht haben. Das heutige atavistische Hellsehen birgt große Gefahren für seine Verbreiter. Die geistigen Sucher, die die östlichen Wege bevorzugen, beginnen prinzipiell mit Praktiken, die Chakras und Kundalini in Bewegung setzen. So lösen sie aber vorzeitig und ohne Kontrolle und Verständnis heilige Energien aus, was zu einer unrechtmäßigen Sexualität, zu gefährlicher Lockerung der Beziehungen zwischen den Leibern und schwachem Willen zum Meistern der irdischen Aufgaben führt. Letztendlich flieht man vor der Wirklichkeit und wird zum Verehrer der „großen Hure“. Eine rechtmäßige Beziehung zur Himmlischen Sophia wird nur durch die Anthropos-Sophia hergestellt. Jeder, der guten Willen hat, kann diesen Weg finden. Der anthroposophische Weg ist der einzige nichtluziferische Weg, der zum Geistselbst durch die nachfolgende Vergeistigung der Bewusstseinsseele und ihre Verwandlung in eine imaginative führt – zu einer mikrokosmischen Sophia, die in der Lage ist, bei vollem Bewusstsein das Geistselbst aufzunehmen und Zugang zur Sphäre der Himmlischen Sophia zu finden. Das ist der wahre michaelische Weg, der zu Sophia auf der Grundlage der Kräfte des in der Bewusstseinsseele aufsteigenden Ich führt. Ihm entgegengesetzt ist der Marienkult der römisch-katholischen Kirche, der luziferisch ist und die Bewusstseinsseele umgeht. Ein solcher Kult hat in den ersten christlichen Jahrhunderten überhaupt nicht existiert. Das Dogma von der „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ der römisch-katholischen Kirche aus dem Jahr 1950 ist ein rein ahrimanischer Doppelgänger des luziferischen Kultes. Diese Ansicht ist unverhüllt materialistisch-ahrimanisch, da die leibliche Himmelfahrt unmöglich ist. Wenn wir auch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes aus dem Jahr 1869 hinzufügen, der angeblich der Mittler zwischen uns und Christus wäre, so sehen wir, wie das Reich des ätherischen Christus durch ein „Erdenreich“ ersetzt wird. Die katholische Kirche ersetzt eigentlich die Zweite Wiederkunft und sie wird das noch büßen!

Heute wird Christus entweder als ein rein kosmisches Wesen wahrgenommen, das keine Beziehung hat zum Mysterium von Golgatha und zum Umstand, dass „das Wort zu Fleisch wurde“, oder als der Mensch Jesus, der eine Art Prediger, Reformator, Moralist ist – hier fehlt der Bezug zu seinem göttlichen Charakter. Diese Ansichten führen uns in die vorchristlichen Zeiten zurück, als die Heiden geistig zur Sonne hinaufschauten und Christus suchten und die Israeliten auf die Erde blickten, wo der Erlöser als Messiah und „König der Juden“ heruntersteigen sollte. Die Könige und Weisen der Zeitenwende veranschaulichen das am besten. Bei den Königen war die hellseherische natürlich-kosmische Weisheit (Imagination) entwickelt. Sie erspähten Christus als den Sonnenlogos, der zur Erde herabströmte. Sie wurden nicht vom physischen, sondern von einem geistigen Stern geführt – das war der zur Inkarnation kommende Zarathustra (‚Stern’), der die Leiber Jesu zum Eintritt des Christus vorbereiten sollte. Bei den Hirten war es anders. Sie hörten eher die Worte der höheren Wesen mit ihren Herzen, die zu inspirierendem Willen wurden. Daher machten sie sich auf den Weg, sich vor dem kommenden Christus-Wesen zu verbeugen. Die Hirten erkannten Christus als den neuen Geist der Erde und als das höhere Ich der ganzen Menschheit. Sie sind die Vertreter der Israeliten und die Weisen sind die Vertreter der Heidenwelt. Aber der Wille und die Weisheit bilden ein Kreuz, in dessen Mittelpunkt wir Christus als den Vertreter der Weltenliebe finden können. Es gab drei Weltenprinzipien – Weisheit, Macht (Wille) und Liebe. Gott hat das erste mit Luzifer geteilt, das zweite mit Ahriman und das dritte behielt Er für sich, um es nur mit seinem Sohn zu teilen, indem Er Ihn zu seinem Vertreter der Weltenliebe – seiner Liebe – machte! Der moralische Wille der Israeliten war mit der Inspiration verbunden und die kosmische Weisheit der Heiden – mit der Imagination. Aber die Intuition ist nur in ihrer Vereinigung auf einer höheren Stufe durch die Liebe Christi erreichbar. Durch beide Strömungen wirkten in der Zeitenwende die Himmlische Sophia und ihr mächtigster Sohn – Michael – unter den Juden als Jahves Antlitz und unter den Chaldäern als ihre Hauptgottheit Marduk. Deshalb ist die jüdische Religion eine Mondreligion und in der Heidenwelt sind die Religionen der Sonne und der Natur – Osiris, Dionysos, Mithra usw. So wurden die Ankunft Christi und seine Vereinigung mit der Erde durch das Mysterium von Golgatha vorbereitet. Je mehr aber die Zeit der Bewusstseinsseele nahte, desto schneller verwandelten sich die starken Imaginationen der Könige in die abstrakte Astronomie, die auf dem abstrakten Denken beruht, welches gänzlich dem physischen Instrument des Gehirns entstammt.  Das prophetische Hören auf das Herz der Hirten wurde zur gefühlsmäßigen Beobachtung und zum äußeren Experiment zwecks Erforschung der äußeren Natur. Die göttliche Sophia wurde von Luzifer getötet und bekam den Namen Achamoth.  Die heutige Astronomie ist das klarste Bild der verlorenen Weisheit. Wir haben uns von ihr abgetrennt, um zum selbständigen Denken zu kommen und dadurch die Freiheit in individuellen Ichen zu erleben. Der Bruch wäre endgültig gewesen, wenn uns die Himmlische Sophia nicht den inneren Begleiter und Führer Anthropos-Sophia gegeben hätte. Michael hat die kosmische Intelligenz geopfert, doch es geschah etwas Unvorhergesehenes. Mit der Regierung dieser Intelligenz sind die Wesen aus der Hierarchie der Engel verbunden. Sie reagierten unterschiedlich auf Michaels Opfer. Manche haben es anerkannt und ihre Beziehung zum Sonnenreich Michaels aufbewahrt, andere konnten das nicht tun, da sie fest mit der Intelligenz verbunden waren. Sie folgten ihr zur Erde und wurden zu irdischen Engeln. Zwietracht kam unter den Engeln auf. Etwa im neunten Jahrhundert erreichte die Intelligenz die Erde. Auch die mit der kosmischen Intelligenz von Michael abgefallenen Engel erreichten die Erde und traten sofort auf dem Erdenplan in Erscheinung. Auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 hat die Kirche auf den Geist „verzichtet“ – sie hat nur den Leib und die Seele als Bestandelemente des Menschen anerkannt und der Seele manche geistigen Eigenschaften zugeschrieben. Die irdischen Engel erwiesen sich sehr nah an den ahrimanischen Wesen, die sie dazu benutzten, die Menschheit von der Himmlischen Sophia für immer zu trennen, so dass der Materialismus überall vorherrschend wurde. Aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass der Engel den einzelnen Menschen lenkt, so dass dieser sein Karma erfüllt. Der Zwist unter den Engeln führte zu einem fürchterlichen Chaos in den karmischen Beziehungen der Menschen und daher auch zum sozialen und kulturellen Chaos der nächsten Jahrhunderte. Der Materialismus ist eines der größten Hindernisse vor der neuen Verbindung zwischen der Himmlischen Sophia und den Menschen.

Wie sollen wir dieses Hindernis überwinden? Wenn der Mensch seine Seele mit anthroposophischer Weisheit erfüllt, macht er nicht nur seinen Schutzengel, sondern auch die ganze Hierarchie der Engel geistig stärker und trägt zur Errichtung einer Brücke zwischen uns und der Engelssphäre bei. Wenn der Mensch vom anthroposophischen Impuls im Verstand, Herzen, in der Seele und im Geist erfasst wird, so ist sein Engel verpflichtet, etwas zu lernen – das ist eine Tatsache von kolossaler Wichtigkeit. Dann lernt der Engel, der den Anthroposophen in den nächsten Inkarnationen begleitet, noch tiefer in die geistigen Reiche einzudringen als bisher. Das bedeutet eine noch tiefere Eindringung in die Himmlische Sophia und die Herstellung einer völlig neuen Beziehung zwischen ihr und der Menschheit. Das ist die allmähliche Auferweckung der von Luzifer getöteten Isis-Sophia aus ihrem Totenschlaf. Die Möglichkeit dazu haben wir der Anthropos-Sophia zu verdanken. Die materielle Wissenschaft (der Tod) wurde durch die Geisteswissenschaft (die Auferstehung) ergänzt. Der abgetöteten Erkenntnisfähigkeit wurde die neue Erkenntnis entgegengesetzt und es begann das große Werk der Auferweckung der Sophia im Menschen. Michael leistet große Hilfe dabei. Nach 1413 wurden unsere Beziehungen zur geistigen Welt (der Himmlischen Sophia) endgültig abgebrochen. Deshalb gründete Michael in der Sonnensphäre seine übersinnliche Schule, an der Wesenheiten aus der dritten Hierarchie und die exkarnierten fortgeschrittenen Menschenseelen teilnahmen. Dort unterrichtete er das neue kosmische Christentum – zuerst in seiner inspirativen Form, was an der Grenze zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert zu einem mächtigen imaginativen Kult wurde. Dieser Kult befand sich in der Mondensphäre und wurde durch starke kosmische Imaginationen manifestiert, die das neue, zum Herabstieg auf die Erde bereite Christentum darstellten. So wurden die irdische Anthroposophie und die Seelen vorbereitet, die später auf die Erde inkarnierten und den Weg zur Geisteswissenschaft fanden. Die ersten waren die unmittelbaren Teilnehmer an den geschilderten Ereignissen, die ihr michaelisches Karma erarbeitet haben. Dieses Karma brachte sie zum Wesen Anthropos-Sophia, das am aktivsten bei diesen Ereignissen mitgewirkt hat.

Gegenwärtig ist die Auferweckung der Sophia bei weitem nicht abgeschlossen, das ist ein langer Prozess. In jedem von uns lebt die Christus-Kraft unbewusst, aber wir verstehen sie nicht. Doch von ihr müssen wir ausgehen, um die Geisteswissenschaft zu studieren und der Anthropos-Sophia als einem lebendigen Wesen zu begegnen. Dann wird die Himmlische Sophia für uns auferstehen. Erst dann wird Christus mit der Kraft der Himmlischen Sophia im Menschen tatsächlich aktiv, denn Er wird in der rechten Weise verstanden werden. Der Anfang dieser aktiven Tätigkeit ist das, was den Menschen zum bewussten Erleben des Christus in ätherischer Form führt. In der Zeitenwende hat die Himmlische Sophia selbst durch ihre Offenbarungen den Hirten und Königen die ganze Bedeutung der physischen Ankunft Christi gezeigt. In unserer Zeit will die Himmlische Sophia den Menschen die Geisteskraft schenken, durch die sie den ätherischen Christus bewusst annehmen können. Der ätherische Christus wird nur denjenigen erscheinen, die Ihn durch die Kräfte der Sophia verstehen – seine ätherische Gestalt imaginativ, sein Wort inspirativ, das die wichtigsten Fragen der Menschenherzen beantwortet. Die Anthroposophie und der Bodhisattva sind die Vermittler dabei. Durch die erneuerten Fähigkeiten der Könige müssen wir zur „inneren Astronomie“ kommen und in Imaginationen die ganze Weltenevolution vom Saturn bis zum Vulkan verfolgen und den Zentralplatz Christi in ihr sehen. Und durch die erneuerten Fähigkeiten der Hirten werden wir lernen, in jedem materiellen Wesen das Geistige zu sehen – im Stein, in der Pflanze, in der Sonne usw. In unserer Seele werden wir die Stimme Christi vernehmen, der zu uns spricht, wenn wir Ihm zuhören möchten. Schließlich wird uns die Intuition zum Erleben der ganzen Bedeutung des Mysteriums von Golgatha für die Erdentwicklung führen. Die ätherische Offenbarung Christi wird in der Sphäre der Engel stattfinden, wo das Prinzip des Geistselbst ist. Wir entwickeln unsere Bewusstseinsseele. Das Wesen Anthropos-Sophia entwickelt seit dem 20. Jahrhundert das Geistselbst und wird daher zu unserem Führer auf dem Weg zum bewussten Erleben des ätherischen Christus und nicht des toten Christus, nicht des Kreuzes, sondern des Pentagramms.

Die Anthroposophie ist die Sprache des ätherischen Christus. Im esoterischen Sinne weist sie jedes Mal auf das lebendige übersinnliche Wesen Anthropos-Sophia hin, das die Beziehung zur Himmlischen Sophia nicht nur für uns ist, sondern auch für den erhabensten Menschenwesen – den Bodhisattva – , wenn er auf der Erde ist. Nicht mehr sollen die Bodhisattvas zu uns herunterkommen, sondern wir müssen uns zu ihrer Sphäre der Vorsehung erheben und Christus erreichen. Zuerst wird uns Christus ätherisch als Engel erscheinen, da Er sich in dieser Sphäre befindet. Um Ihm zu begegnen, müssen wir auch allmählich zu Engeln werden, d.h. wir müssen unser Geistselbst entwickeln. Das ist nur durch die Anthropos-Sophia möglich. Die Entwicklung unseres ersten geistigen Wesensgliedes ist von entscheidender Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die zukünftige Menschenevolution von der Begegnung mit dem Bösen direkt abhängt. Die Prüfungen stehen noch bevor. Der Materialismus, den bestimmte Geheimgesellschaften den Menschen anerziehen, bewirken, dass sich der Ätherleib nach dem Tod nicht leicht im Weltenäther auflöst und die Seele nicht in die höheren Welten aufsteigt, sondern in der unmittelbaren Erdumgebung verbleibt. Indem sie in dieser niederen Sphäre umherirrt, wird sie dort zu einem Zentrum der Zerstörung. Solche Seelen haben nicht nur die Materialisten, sondern auch die schwarzen Eingeweihten, die die materialistischen Lehren durch bestimmte Logen verbreiten. Sie wissen, dass die Seele rein geistig und vom Körper unabhängig ist. Deshalb bereiten sie bewusst Menschenseelen vor, die auch nach dem Tod im materiellen Reich verbleiben sollen. Dadurch gibt es in bestimmten Logen lebendige und tote Mitglieder. Die eingeweihten Materialisten und ihre Anhänger wollen, dass die ätherische Erscheinung Christi von den Menschen unbemerkt bleibt. Sie haben vor, die Äthersphäre für ein anderes Wesen in Besitz zu ergreifen, das bisher nicht fleischlich auf der Erde inkarniert war, sondern als eine ätherische Individualität mit rein ahrimanischer Natur in Erscheinung getreten ist. Und dieses Wesen wird nicht wie Christus die Menschen bei vollem Bewusstsein durch die fünfte, sechste und siebte Kultur zu höheren Sphären des Makrokosmos begleiten, sondern ein gespenstisches Reich anführen, das unmittelbar unter der Erdoberfläche im flüssigen und harten Element gebildet ist – in der Sphäre also, in der zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert die unterirdische Schule Ahrimans bestanden hat. Diese Schule hat die vielen „unerklärlichen“ Phänomene hervorgebracht, die heutzutage fälschlicherweise außerirdischen Zivilisationen zugeschrieben werden. Dieses Gespensterreich soll von einer gespenstischen untermenschlichen Menschheit bewohnt werden, durch die die ahrimanische „Unsterblichkeit“ erreicht werden soll. Letztendlich werden weder Menschen noch Erde vergeistigt und zum geistigen Jupiter übergehen. Das Ziel des irdischen Äons würde also unerfüllt bleiben. Das ist eine entsetzliche Aussicht! Wie wird auf ihre Erfüllung hingearbeitet?

Durch die Zeremonialmagie! Die geistige Hilfe und der Schutz, die für solche Zeremonialhandlungen notwendig sind, suchen die Logenmitglieder bei den ahrimanischen Engeln, die bereits in der ägyptisch-chaldäischen Zeit zurückgeblieben sind und heute unter den Menschen materialistische Absichten jeglicher Couleur inspirieren. In jener Zeit war Christus dabei, von der Sonne herabzusteigen und durchlief die Sphäre der Engel. Diese Engel weigerten sich jedoch, Christus in sich aufzunehmen und wollen Ihn heute auch nicht as Führer anerkennen. Sie halten Ahrimans Welt für mächtiger und wollen die materiellen Erlebnisse in der physischen Welt unsterblich machen. Ihrer Natur nach sind sie mit den von Michael nach 1879 gestürzten Geistern der Finsternis verwandt und sie wirken durch die erwähnten Bruderschaften, indem sie die Logenmitglieder zu ihren Werkzeugen machen. Der Ätherleib des Neophyten wird durch symbolisch-rituelle Akte bearbeitet, deren Inhalt er selbst nicht begreift. Deshalb ist es so wichtig, dass wir – falls uns das Karma zu einer Bruderschaft geschickt hat – nie etwas annehmen, dessen Sinn wir nicht begriffen haben. Infolge der Bearbeitung wird der Ätherleib dermaßen verhärtet, dass er sich im Weltenäther nicht auflösen lässt und auf der Erde wie ein Gespenst wirkt. So wird die Seele an die physische Materie festgenagelt. Aber die durch den Tod gegangenen Logenmitglieder befinden sich in ihren Astralleibern und nicht in den Ätherleibern (der Ätherleib löst sich drei Tage nach dem Tod auf), folglich bleibt die ahrimanische Unsterblichkeit, die sie anstreben, unerreichbar. Die Seele wird vom Astralleib getragen und soll früher oder später in die höhere Sphäre aufsteigen und sich dem Logeneinfluss entziehen. Im Gegensatz dazu können bestimmte ahrimanische Elementargeister unter der Führung der zurückgebliebenen ahrimanischen Engel einen neuen Ätherleib für diese Seele schaffen, jedoch nicht aus den Kräften des kosmischen Äthers, sondern aus der Substanz der unaufgelösten Ätherleiber, die in den Logen vorbereitet worden sind. Die Seele kann nicht aufsteigen, wenn ihr Ätherleib aufbewahrt wird, was die Ägypter bei der Mumifizierung gemacht haben. Die dritte Kultur wird in unserer fünften Kultur widerspiegelt. Deshalb inspirieren die aus der ägyptischen Zeit zurückgebliebenen Engel die heutigen schwarzen Bruderschaften, die Bodybuilding, Fitness und dergleichen ausspeien. Die heutigen Bodybuilder sind das Spiegelbild der ägyptischen Mumien! Das Ahrimanische kommt aus dem Westen und das Luziferische aus dem Osten.
Doch kehren wir zu der Loge zurück. Falls es ihr gelingt, den Verstorbenen, der nach seinem Tod in seinem Astralleib ist, in ihrem Wirkungsfeld zu behalten, so wird er sich im unaufgelösten Ätherleib verkörpern können und die „ahrimanische Unsterblichkeit“ erlangen. Aber es gibt auch etwas anderes. Die ahrimanischen Geister versuchen ständig, wenn der Mensch schläft und in seinem Bett nur der physische und der Ätherleib bleiben, ihn mit einem falschen Ätherleib zu versehen, der nicht aus kosmischem, sondern aus irdischem Äther besteht – aus dem Äther, den Ahriman dem allgemeinen kosmischen Äther entrissen hat. Das gelingt ihnen sehr selten, nur in Einzelfällen, die Steiner nicht erwähnt. Es kann sein, dass das nur Mitgliedern gelingt, die die hohen Grade der Logen erreicht haben. Ahriman will durch den entrissenen Äther einen „Gegenkreis“ im flüssigen und harten Erdenelement erzeugen, der dem Ätherkreis der Erde gegensätzlich ist und aus den vergeistigten menschlichen Ätherleibern besteht. Dabei verfolgt er das Ziel, dass die Menschen Christus in einer entstellten, falschen Gestalt sehen. Steiner sprach einerseits über ein bestimmtes ahrimanisches Wesen, das nur bis zur ätherischen Verkörperung hinuntersteigt, und das die Logen an den Platz des ätherischen Christus stellen wollen. Doch später teilte er Details über die physische Verkörperung Ahrimans mit. Das erste Ätherwesen wird folglich Ahriman inspirieren und ihm in jeder Art dabei helfen, die ganze Menschheit zu verführen und auf die Seite der antichristlichen, vollkommen ahrimanisierten Evolution zu schlagen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass es eine temporäre Inkorporation des ersten in das zweite Wesen gibt, die in den Schlüsselmomenten seiner irdischen Tätigkeit stattfinden und die okkulte Macht und den magischen Einfluss auf die Menschen erhöhen. Nach Möglichkeit sollen auch die „Erwählten“ verführt werden. Im Laufe von mehreren Jahrhunderten wird durch die Auswahl und Disziplin der Eltern ein geeigneter physischer Menschenleib vorbereitet, in den der Führer der ahrimanischen Wesen inkarnieren soll. Dieser Leib soll zumindest eine Zeitlang den enormen Kräften und Energien dieses Wesens standhalten. Die Anstrengungen der Wesen, die auf die rechtmäßige Evolution des Menschen hinarbeiten, sind darauf gerichtet, das Bewusstsein der Menschen zu erheben, denn Ahriman wird eine jedem Menschen zugängliche Methode des Hellsehens zur Verfügung stellen. Wenn die Menschheit dann nicht „reif“ ist, werden die Menschen wegen ihres immer niedrigeren Bewusstseins und wegen des Egoismus die hellseherische Weisheit nicht in der rechten Weise verstehen und sie anwenden. Gegen die ahrimanischen Geister können wir kämpfen, wenn wir mit den Wahrheiten der Geisteswissenschaft selbst unseren Ätherleib durchdringen und unser Leben, unseren Charakter und die Einstellung zur Welt und zu den Menschen von Grund auf ändern. So können wir zu Kämpfern Michaels werden, der ohne Ruhe mit dem Drachen in der Ätherwelt kämpft. Als Zeitgeist kann Michael nicht nur geistig-seelisch, sondern auch bis zum physischen Leib Einfluss nehmen. Seine Kräfte wirken auf das menschliche Karma. Michael will das Karma des Einzelnen mit dem Karma der ganzen Menschheit in Harmonie bringen – er wirkt also vom 20. Jahrhundert an ähnlich wie Christus. „Das Jüngste Gericht hat im 20. Jahrhundert angefangen und es bedeutet, dass das Karma in Ordnung durch den Herrn des Karma – Christus – gebracht wird. Michael ist sein Helfer und sein Sonnenantlitz bei diesem Werk. Die vollständige karmische Erlösung unseres Kosmos wird erst im Äon des Vulkan erfolgen und dann wird der Kosmos zum Tierkreis werden. Aber das ist ein sehr entferntes Ziel. Für uns als Bulgaren ist es wichtiger zu verstehen, was wir heutzutage in diesem Leben zu tun haben, und das ist etwas wirklich Großes!

Wie bereits gesagt, bestand die Welt bis zur Ankunft Christi aus zwei Strömungen – dem „erwählten Volk“ und den Heiden. Die ersten sind der Wille und die „Hirten“ und die zweiten – die Weisheit und die „Könige“. Es gab aber auch ein Volk, das gleichzeitig den Willen und die Weisheit entwickelte – das Bulgarische. Die Thraker – die „sanftmütigen“ Bulgaren, blieben in unseren heutigen Gebieten und suchten Christus auf der Sonne. Sie hatten Sonnenmysterien und betrieben Vielgötterei – sie sind also sowohl „Heiden“ als auch „Könige“. Der Bodhisattva Orpheus, der ein Thraker, also Bulgare war, hat die griechische Kultur und das gedankliche Verständnis des Mysteriums von Golgatha vorbereitet. Hinter all dem stand die Himmlische Sophia!

Der andere Zweig – die „widerspenstigen“ Bulgaren – hatten einen Gott – Tangra, der sie in die Welt führte, wo sie Reiche gründeten. Sie sind sowohl die „Heiden“ als auch die „Israeliten“, aber sie hatten ein viel größeres Wirkungsfeld. Sie haben als Erste das Pferd gezähmt und dadurch konnten wir das Denken und später unser Ich-Bewusstsein entwickeln. Die Tiere sind vorzeitig verdichtete menschliche Leidenschaften. Wie die Geisteswissenschaft lehrt, hängt gerade das Pferd mit unserem Denken zusammen, deshalb hat es diese typische Stirnform. Heute ist das Hufeisen ein atavistisches Symbol des Glücks, das unser Haus beschützen soll. Die „Widerspenstigen“ haben also nicht nur den Willen, sondern auch die Weisheit entwickelt. Sie sind ein einzigartiges Volk! Der älteste und genaueste Kalender ist der bulgarische Sonnenkalender. Christus war auf der Sonne und Tangra – der Gott der Urbulgaren – führte sie nach dem Willen Christi. Einerseits sollen sie die Gaben Tangras wie Alexander hinaustragen und andererseits von den Kulturen etwas in die Seele aufnehmen, die sie unterwegs trafen. Das war wegen der heutigen Zeit notwendig! Wer war dieser mächtige Tangra? Tangra ist die Himmlische Sophia – die Weisheit Gottes! Als Khan Asparuch nach dem jahrtausendlangen Umherreisen der Urbulgaren zurückkehrte, fand er in unseren Gebieten die Reste der „sanftmütigen“ Bulgaren und die weitaus zahlreicheren Slawen vor. Es sollte Bulg-arien aus den drei göttlichen Prinzipien gegründet werden – der Weisheit der Sanftmütigen, dem Willen der Widerspenstigen und der Liebe den Slawen. Dabei waren die Widerspenstigen führend, die am spätesten von allen Völkern der Erde das alte Hellsehen, also ihre Beziehung zur Himmlischen Sophia verloren haben. Im vierten Jahrhundert n.Chr. wurden alle in Europa, die fähig waren, die Geister zu sehen, ‚Bulgaren’ genannt.[7]

Aber die sechste Kultur wird die slawische Kultur sein, eine Kultur der Liebe sein. Dazu müssen wirt einen bewussten Weg zur Himmlischen Sophia und zu Christus finden. Das erste Wunder des Erlösers geschah in Kana zu Galiläa, im sonnigen und fruchtbaren Galiläa, wo viele Völker vermischt waren, womöglich gab es dort auch Bulgaren. Das ist das einzige Wunder, das Christus zusammen mit der Jungfrau Maria vollbrachte. Etwas wehte zwischen Ihm und Maria, wie Christus feststellte. Das, was „wehte“,  war die Himmlische Sophia. Christus erklärte, dass seine Zeit noch nicht gekommen war. Diese Zeit wird wahrhaftig erst in der sechsten slawischen Kultur kommen – am „dritten Tag“. Vor 2000 Jahren hat Galiläa in prophetischer Art die zukünftige Kultur der Liebe symbolisiert. Christus ist die Liebe. Die „Sanftmütigen“ und „Widerspenstigen“ sollten sich in die Slawen vereinigen. Doch die alte Verbindung zu Tangra ist allmählich verschwunden und wurde in widerliche Kulte entartet. Luzifer und Ahriman beherrschten die adeligen Boljaren, die die Starken waren. Boris I. erhielt die Botschaft der Himmlischen Sophia und führte die Christianisierung mit Blut durch, denn das war notwendig. Die Bogomilen haben das Werk fortgesetzt. Beinsa Douno begründete eine physische Christus-Schule auf Erden und zeigte uns, wie wir in der hellen Epoche leben werden. Die Bulgaren werden wohl keine weiteren Gaben von der Himmlischen Sophia erhalten. Nun müssen wir uns zu ihr erheben, danach wird Christus durch uns arbeiten. Der gegenwärtige Aufruf nach Rückkehr zu den „Wurzeln“, zu Tangra ist zwar richtig, doch der Sinn, den man ihm zugrunde legt, ist falsch. Vor Jahrtausenden hat die Himmlische Sophia die Bulgaren geführt und dabei die Offenbarung von oben heruntergesenkt. Nach Golgatha müssen wir zu Ich-Wesen werden, uns von der Materie zum Geist erheben. d.h. auf eigenen Wunsch die unterbrochene Beziehung zur Himmlischen Sophia wieder herstellen. Das erste Wesen, mit dem wir eine Beziehung aufbauen sollen, ist das Wesen Anthropos-Sophia. Ohne sie trägt der Aufruf zur Rückkehr zu Tangra einen rein atavistischen, scheinpatriotischen und unbewussten Charakter. Diejenigen, die diesen Aufruf lancieren, verstehen nichts von Tangra oder von Christus! Nur durch die Kräfte der Himmlischen Sophia und des Christus werden wir unsere Mission als Bulgaren erfüllen können – der Welt die Liebe zu geben. „Der Weltfrieden wird in Sofia unterschrieben werden“, sagte Beinsa Douno. Das bedeutet, dass die Liebe die Welt auf der Grundlage der Weisheit (Sophia) harmonisieren wird. 2002 wurde ein Zeichen gegeben: in den Rhodopen, dem Berg, wo Orpheus gewandert ist, wurde ein alter Schrein in Kreuzform und drei Stückchen des Kreuzes Gottes darin entdeckt. Wer das Kreuz „finden“ wird, also das Mysterium von Golgatha, wird in ihm die Heilige Trinität finden. Die Stücke sind verschieden groß, aber in Christus haben sie sich gleichzeitig manifestiert. Golgatha ist die Religion der Hierarchien zu den Seraphim. Die Christus-Kraft wird in uns nur dann wirken, wenn wir Ihn erkennen. Der Rosenkreuzer Leonardo da Vinci war sich sicher, dass die große Liebe die Tochter der großen Erkenntnis ist. Der Weg zur Anthropos-Sophia und zu Christus geht durch die Geisteswissenschaft. Die Zeit drängt! Die nächsten Jahre sind äußerst wichtig, denn es ist durchaus möglich, dass der Leib, in den Ahriman heruntersteigen wird, bereits erschaffen worden ist. Das Klonen, das Internet, „Harry Potter“ und alles andere ist ein beredter Beweis für die außerordentliche Bedeutsamkeit unserer Zeit. Durch die Welt ziehen ein mächtiger Materialismus und gleichzeitig eine starke Spiritualität. Heute ist die Zeit der erhabenen Entscheidung – versinken wir in Sorats Abgrund oder steigen wir zum ätherischen Christus auf. „Das Jüngste Gericht“ hat im 20. Jahrhundert angefangen. Die Trennung der Menschen in gute (Christus) und böse (Luzifer und Ahriman) hat 2002 begonnen. Dieser Prozess wird bis zur zukünftigen Venus andauern. Wir, die heutigen Bulgaren stehen an seinem Anfang. Wir wollen dessen würdig sein!

 

Liste der verwendeten Literatur

  1. Щайнер, Рудолф, „Въведение в Тайната наука“, Steiner Rudolf, „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ (GA 13)
  2. Щайнер, Рудолф, „Евангелие от Йоана“, Steiner, Rudolf, „Das Johannes-Evangelium“ (GA 103)
  3. Щайнер, Рудолф, „Апокалипсисът на Йоан“, Steiner, Rudolf, „Die Apokalypse des Johannes“ (GA 104)
  4. Щайнер, Рудолф, „Духовните йерархии и тяхното отражение във физическия свят“, Steiner, Rudolf, „Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt“ (GA 110)
  5. Щайнер, Рудолф, „Евангелието от Матей“, Steiner, Rudolf, „Das Matthäus-Evangelium (GA 123)
  6. Прокофиев, Сергей, „Небесната София и Антропософия“, Prokofieff, Sergej, „Die Himmlische Sophia und das Wesen Anthroposophie“
  7. Прокофиев, Сергей, „Кръгооборотът на годината като път на посвещение“, Prokofieff, Sergej, „Der Jahreskreislauf als Einweihungsweg“
  8. Боев, Боян, „Работа върху Евангелието на Йоана“, Boev, Bojan, „Arbeit am Johannes-Evangelium“

 

[1] Bojan Boev, „Artikel und Erzählungen“

[2] Einzelheiten lassen sich im ersten Vortrag in GA 243 finden.

[3] „Festvorträge“, Die sieben Seen, 12.08.1932, „Die drei Welten“

[4] GA 4, „Die Welt als Wahrnehmung“

[5] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 01.11.1931, „Von neuem“

[6] Ebd.

[7] Vgl. GA 237, Vortrag vom 11.07.1924

 

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