Der Tempel

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 30.01.2005 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

Einmal sprach der Meister Beinsa Douno die folgenden verblüffenden Worte aus: „Die Liebe der heutigen Menschen ist so gering, dass nur Fliegen sich an ihr erwärmen können.“[1] An anderer Stelle erklärte er: „Folgende sieben Elemente verderben und zerstören die heutigen Menschen: Stolz, Zorn, Wollust, Faulheit, Geiz, Neid und Gefräßigkeit. Solange man nur ein Laster hat, kann man nicht das Große erreichen – einen göttlichen Tempel in sich aufzubauen. Das erste Anzeichen dafür, dass man in das Gebiet der Liebe eingetreten ist, ist das Gefühl, sich in tiefem innerem Frieden zu befinden, welchen man nie bisher gekannt hat. Christus ist das göttliche Prinzip, das in der Seele aufwachen muss. Das Reich Gottes ist in euch. Ihr alle seid das Reich Gottes auf Erden, deshalb sagt Christus: „Das Reich Gottes ist in euch.“ [2]

Ja, das Reich Christi ist nicht von dieser Welt, aber sie muss in dieser Welt wirken und die Seelen müssen Sein Werkzeug werden. Daraus folgt die wichtigste Frage, die wir uns jetzt und in der Zukunft stellen müssen: Brauchen wir den Erlöser? Sehnt sich unsere Seele nach Ihm? Nachdem die Juden Jahrhunderte lang den Messias erwartet hatten, gab es keinen Platz in der Herberge für Ihn. Als Er – der eingeborene Sohn Gottes – kam, lehnten Ihn die Menschen ab. 2000 Jahre später klingt diese Frage mit der alten Stärke: Brauchen wir Ihn?

Bojan Boev ist in seiner Aussage unmissverständlich: „Es gibt keine Vorlesung, in der Beinsa Douno nicht über Christus spricht!“[3] Können die „Weißen Brüder“ und die Anthroposophen das begreifen? Bojan Boev teilte auch mit: „Der Meister bringt einen Schlüssel mit“[4].

Was für einen Schlüssel der Meister mitbringt und wozu dieser Schlüssel dient, sind die Fragen, die wir in dieser Vorlesung beantworten werden. Zu diesem Ziel brauchen wir die tiefe Kenntnis des wahren menschlichen Wesens.

Am Eingang der altgriechischen Mysterientempeln stand die Aufschrift „Erkenne dich selbst!“ Heute lautet die Aufschrift anders. Der gegenwärtige Mensch nimmt seine Umwelt durch die äußeren, Sinneseindrücke wahr, er bildet Vorstellungen aus ihnen und nach der inneren Umwandlung auf dem Feld der Gefühle und des Willens kehrt das Umgestaltete in sein Bewusstsein als Erinnerungen an das Leben zurück und bildet den wahren Gehalt des Letzteren. In diesem Leben steht der Mensch und wirkt. Aber wie sieht es in unserem tiefsten Inneren aus?

In jedem von uns gibt es einen Spiegel der Erinnerungen, in dem wir nicht die äußere Welt betrachten, sondern nur ihr Spiegelbild, das wir fälschlicherweise als Selbsterkenntnis bestimmen, ohne zu verstehen, wie die äußeren Eindrücke durch die Gefühle und den Willen gegangen sind. Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, dass wir im Denken wach sind, im Fühlen träumen und im Willen schlafen. Wenn der Mensch auf sich mit den Mitteln des gewöhnlichen Bewusstseins schaut, kommt er zum Spiegel und sein Leben spielt sich zwischen diesem und den äußeren Sinneswahrnehmungen ab. Um in unser Wesen einzudringen, müssen wir den Spiegel zerstören und hinter ihn kommen – in den Zerstörungsherd, wo die Materie völlig umgewandelt, zerstört und zum Nichts zurückgedrängt wird. In der Außenwelt kommt es nirgendwo zur vollkommenen Zerstörung der Materie. Die Naturwissenschaften sprechen auch von ihrer Erhaltung, neulich gab es sogar die Nachricht, dass die Nervenzellen sich wiederherstellen, und zwar beim erwachsenen Menschen! Aber unter dem Spiegel der Erinnerungen tragen wir die Wut gegen die Materie, die zur Zerstörung führt, denn das ist die notwendige Vorbedingung für die Entwicklung der Selbstsucht und des heutigen Ich-Denkens. Aber diese Zerstörung drängt nach draußen, zu unseren Instinkten und wenn die Selbstsucht sich auf das soziale Leben überträgt, entsteht das Böse. Wir sehen, wie viel Chaos und Zerstörung heute auf der Welt existieren, weil die Menschen kein vergeistigtes anthroposophisches Denken haben, das sie frei vor dem Spiegel der Erinnerungen entwickeln müssen. Wenn das geschieht, dringen die geistigen Gedanken hinter den Spiegel, in den Ätherleib, und zwar in jene Teile von ihm, die dem Wachstum und den Willenskräften zugrunde liegen. Dieser von Gedankenkräften durchdrungene Ätherleib beginnt auf eine besondere Art zu wirken und den physischen Leib zu transformieren. Wenn das Denken nicht von der Anthroposophie erfüllt ist, dringt es durch den Ätherleib zum Zerstörungsherd vor und bringt das Chaos hinaus, was zur Zerstörung des physischen Leibes führt.

Wollen wir ehrlich in uns selbst hineinschauen, ist der Zusammenstoß mit dem Herd unvermeidlich und Angst einflößend. Mit dem Eintritt des materialistischen Zeitalters blieb diese Angst im Unterbewusstsein und wirkt unbewusst im äußeren Leben, wo sie alle möglichen Masken aufsetzt und die ganze soziale Ordnung und das äußere Verhalten des heutigen Menschen prägt. Die materialistische Weltanschauung selbst entstand aus der menschlichen Angst davor, geistig in sich selbst hineinzuschauen. Die Furcht vor der Wahrheit führt zur Selbsttäuschung, Heuchelei, Feindseligkeit und letztendlich zum Leugnen der Wahrheit. Äußerst schwierig ist es, in Sachen überzeugt zu werden, die mit den alltäglichen Stereotypen und bequemen Schablonen brechen. Wir können uns in etwas überzeugen, nur wenn wir uns überzeugen wollen. Rudolf Steiner warnte uns, dass so wie vor 5000 Jahren Luzifer im Osten inkarnierte, um die Heiden zur Ankunft Christi vorzubereiten, nun im Westen Ahriman inkarnieren wird, der das enorme Anwachsen der Kräfte der menschlichen Unstimmigkeit und Gezänk mitbringt. Diese Unstimmigkeit kommt bei uns Bulgaren besonders stark zum Ausdruck, weil uns die wahre christliche Kultur fehlt und das niedere Ich, das mit viel Paganismus vermischt ist, fast völlig dominiert. Die einzige Möglichkeit, zu freien, Gutes erzeugenden Menschen zu werden, besteht darin, in den Zerstörungsherd statt unsere Instinkte und Triebe hohe ethische Ideale hineinzulegen. In diesem Herd werden die moralischen Gesetze mit den Naturgesetzen vereint und das materielle Leben mit all seinen Naturgesetzen wird zurück in das Chaos geworfen, damit in ihm das neue Wesen emporsteigt, das von den menschlichen moralischen Impulsen durchzogen ist. Auf diese Weise entstehen die Keime des künftigen Jupiter. Auf diesem Hintergrund werden wir auch die Worte Beinsa Dounos begreifen, die manchen Lesern apokalyptisch klingen können: „Die Natur interessiert sich nicht für euer Glück. Das Glück kommt als Element in den Plänen der Natur nicht vor, es sei denn, ihre Interessen fallen mit eurem Glück zusammen.“ [5] Und dann sagt er kategorisch: „Von dieser Welt wird nichts übrigbleiben!“

Wenn im Herd die moralischen Gesetze auf die Materie wirken, haben wir ein geistig wirkendes Prinzip in uns, wir nehmen den schaffenden Geist – das Geistselbst – wahr, das uns „das innere Wort“ offenbart. Es spricht zu uns und wir hören es, Sprache und Gehör werden zu einer Einheit, die Begriffe „Objektivität“ und „Subjektivität“ haben keinen Sinn mehr, denn wir haben unser innerstes Ich gefunden, das Christus ist. In diesen wahren menschlichen Abgrund stieg unser Erlöser 1936 sich aufopfernd hinunter, um für den zukünftigen Jupiter all Jenes aufzubewahren, das wir nach unserem Willen und mit Seiner Kraft vergeistigt haben. Nur derjenige, der in einem ausreichenden Maße die großen Worte des Apostels Paulus „Nicht ich, sondern Christus in mir“ mit Inhalt gefüllt hat, kann danach den Blick auch nach außen richten. Dort, hinter der sinnlichen Welt, gibt es keine Energien, Kräfte usw., sondern einzig geistige Wesenheiten und das Eindringen in ihre Reiche ist nur dann rechtmäßig, wenn wir nicht unseren Egoismus, die Zerstörung und die eigene Willkür in sie hineintragen. In unserer Erkenntnis darf nur die Liebe vorherrschen, während das Persönliche schwinden soll. Mit unserem alltäglichen, ungeläuterten und unvergeistigten Bewusstsein können wir nicht dort, hinter den Spiegel der Erinnerungen eindringen sowie einen rechtmäßigen Kontakt zu den Geistern draußen aufnehmen. Wie viele Seelen stürzen sich wegen der Unfähigkeit, die Anthroposophie wahrhaftig zu erlernen in die „Arbeit mit den Energien“, wobei sie in diesem äußerst gefährlichen Prozess den Abdruck ihrer eigenen Lebensprobleme hinterlassen?! Und dann erscheint in der Regel immer ein irdischer „Lehrer“. Begreifen diese Menschen nicht, dass an die Stelle des äußeren „Gurus“ schon seit langem der innere Führer Christus getreten ist?!

Es gibt keinen bedeutenden Unterschied zwischen solchen Menschen und den gewöhnlichen Materialisten: die Ersteren reden von Energien, während die Letzteren sich eine materielle, atomisierte Welt ausdenken, was pure Phantasterei ist. Nicht von ungefähr hat Steiner gewarnt, dass die luziferisierten östlichen „Eingeweihten“ eigentlich fein versteckte Materialisten sind. In beiden Fällen kommt man höchstens zur Feststellung, dass hinter der äußeren Welt Geistiges steckt, d.h. das, was „Vatergott“ genannt werden kann. Weiter kommen sie nicht! Aber das ist die Kenntnis einer aussterbenden Welt und wenn man einzig das Bewusstsein über Vatergott entwickelt hat, wird man zusammen mit der aussterbenden Welt zurück zum Vatergott mitgerissen, ohne eine Weiterentwicklung erfahren zu haben. Wenn wir klar spüren, dass die Außenwelt ihr Ende im Chaos in uns erreicht hat, dringen wir in das Mysterium von Golgatha ein: das vom Vatergott Erschaffene stirbt im Chaos, um durch den Sohn in einer neuen Schöpfung wieder aufzuleben. Das Christentum ist die Religion der Auferstehung, der Neugeburt. Richtig verstehen muß der Mensch, wie der Gott durch den Menschen gegangen ist mit dem Mysterium von Golgatha[6].

Die verschiedenen religiösen Strömungen reden wenig oder fast nicht über Christus. In den Kirchen wird über Ihn gesprochen, aber das ist nur das innere Erleben des Vaters. Von den Katholiken hört man hauptsächlich von der Jungfrau Maria, es wird Jesus erwähnt, aber Christus kommt dort überhaupt nicht vor. Heute können die Menschen eigentlich nicht Christen genannt werden, da sie immer noch in den heidnischen Zeiten des gespiegelten Christus leben. Die Menschen kamen zu den uralten Kosmogonien aus der Notwendigkeit heraus. Sie sahen hinter den Schleier der Maya, was sie automatisch unfrei machte. Die Weisheit selbst wurde nicht unter der Teilnahme der Intelligenz erlangt und kann daher nicht zur wahren menschlichen Erkenntnis gezählt werden. Damals nahm der Mensch nur an einer Erkenntnis teil, die die luziferischen Engel in ihm erreichten, indem sie sein inneres Seelenleben erleuchteten. Aber mit dem Versinken in das Materielle und der Entwicklung der Verstandesseele wurde diese Erkenntnis ungeeignet, denn sie führt uns zu der alten Mondenzeit zurück. Und dann kam das Mysterium von Golgatha. Während die alten Kosmogoniearten dem Menschen Zwang auferlegten, tut das Mysterium von Golgatha niemandem Zwang an. Christus muss gespürt, gefühlt und begriffen werden, und zwar nicht nur durch die in den Evangelien wirkende Kraft, so wie das in den vorherigen Jahrhunderten und Jahrtausenden geschah, sondern durch die eigenmächtige Kraft des Menschen. Dazu müssen wir frei werden, aber die Freiheit ist nur in der Welt der Illusion möglich: der Schleier der Maya verdeckte endgültig die geistigen Welten vor unsere physischen Augen. Aber wie sollen wir unser Ich retten und im Christus opfern, wie sollen wir wahrhaftig frei werden?

Unser irdisches Leben erstreckt sich auf die drei Naturreiche nach unten und auf die drei Reiche der göttlich-geistigen Sphären nach oben. Indem wir uns zwischen sie hineinschieben, werden wir frei. Wollen wir unser seelisches Wesen erkennen, müssen wir in die Zwischenräume zwischen die Leiber und das Ich schauen. Das Denken spielt sich zwischen dem Physischen und Ätherischen im seelischen Sinne ab, zwischen dem Ätherischen und dem Astralischen spielt sich das Fühlen ab und zwischen dem Astralleib und dem Ich – der Wille. Wenn wir zur Peripherie unseres physischen Leibes gelangen, haben wir Sinneswahrnehmungen. Wollen wir aber unser geistiges Wesen erkennen, so müssen wir sein Miteinander mit den Wesen der höheren Hierarchien erkennen. Und der Leib ist der Keim der zukünftigen Welten. Wir haben also nach unten drei Bewusstseinsarten, ebenfalls nach oben und in der Mitte haben wir unser waches Tagesbewusstsein.

Unser jetziges Seelenleben findet ausschließlich im Gebiet des Ich statt, während alles andere, was wir erleben, abgeschwächt, gelähmt ist. Bis zum Ich dringen nur Schattengedanken vor, die von unserem Astralleib reflektiert werden, aber sie können den Astralleib nicht stimulieren. Das irdische Ich kann die Anthroposophie nicht begreifen, denn durch sie wird nicht dieses Ich, sondern der menschliche Astralleib in Bewegung gesetzt und diese Aktivität übt eine Wirkung auf das Ich aus. Das Ich wird nur durch das reine Denken gerettet, das zu einem Handlungsimpuls und zur Schaffung einer Wirklichkeit führt, die wir einzig über den Tod hinaus mitnehmen und uns vor dem seelisch-geistigen Tod retten können. Diese Wirklichkeit wird im Zerstörungsherd erschaffen.

In den kosmischen Dimensionen wird die zerfallende Materie, also der Vatergott, durch den Mond repräsentiert und die Sonne – der Sohn -repräsentiert die Entstehung des Neuen. Im Mond erträgt die Materie keinen Mittelpunkt, kein Zentrum, sondern wird draußen als kosmischer Staub zerstört. Umgekehrt ist es bei der Sonne – die Materie nährt sich dem Sonnenzentrum, um Leben zu bekommen, das strahlenartig in alle Richtungen nach außen strebt. Die neue Menschheit muss die Sonne im Menschen auf Golgatha suchen. Hier streifen wir das Geheimnis der „dreifachen Sonne“ als den Ursprung von Licht, Leben und Liebe, über den uns die alte Weisheit berichtet.

Die Sonne ist das Wirkungsfeld der Wesen der zweiten Götterdrei: Herrschaften, Mächte und Urgewalten. Sie haben einen langen Evolutionsweg zurückgelegt und die Sonne von der Planetenstufe zur Stufe des Sternendaseins erhoben. Auf der alten Sonne wurde das Licht geboren, das geistigen Charakter hat. Auf dem alten Mond wurde das selbständige Sonnenleben geboren und im Erdenäon, in der hyperboräischen Zeit, wurde nach der wiederholten Abtrennung der Sonne von der Erde nach und nach das Prinzip der Liebe als der Gegensatz der Todeskräfte geboren, die in die Erdenwelt infolge ihrer Verdichtung zum mineralischen und physischen Zustand eingedrungen waren. Die von der Sonne ausgestrahlte Liebe wurde zur Offenbarung ihrer damals entstandenen innersten geistigen Hülle, mit der sie sich zum Fixstern erhoben hat. Seitdem wirkt die Sonne in unserem Kosmos als ein Wesen mit drei Hüllen, die von der Himmlischen Sophia geschaffen wurden: ein Lichtkörper, der mit Lichtströmen das ganze Universum erfüllt; eine Sonnenseele, die in sich das kosmische Urbild des Lebens aufbewahrt und der Sonnengeist, der die Kräfte der über den Tod siegenden Liebe trägt. Alle drei Hüllen dienten später als Himmelshüllen des Sonnen-Ich, des Christus. Das Wissen über das Geheimnis der dreifachen Sonne als das Sophiengewand des kosmischen Christus ist längst ausgestorben und wird nun durch die Anthroposophie und die Lehre des Meisters Beinsa Douno zu neuem Leben erweckt.

Die Weisheit der zweiten nachatlantischen Zeit war für die Wirkungen der göttlichen Tätigkeit, die in der ganzen Welt um uns herum zur Geltung kommt, besonders empfindlich. Diese göttliche Tätigkeit wurde wegen der Einmischung Luzifers und Ahrimans unmittelbar und stark erlebt, als Gott im Licht und in der Dunkelheit. Für den alten Perser war die Sonne der göttliche Ursprung des Lichts.

In der dritten nachatlantischen Epoche wurde die Wahrnehmung der göttlichen Welt auf das Wirkungsfeld übertragen, auf dem die menschlichen Vorstellungen und Gefühle miteinander konfrontieren. Der Ägypter und der Chaldäer spürten nicht einfach Licht und Dunkelheit, sondern Dinge, in deren lebendigem Wesen die Sympathien und Antipathien wirken, die für ihn vorherrschend waren. Die Sonne wurde als die göttliche Quelle des Lebens selbst empfunden.

In der vierten nachatlantischen Zeit zog der Mensch völlig in seinen Leib ein und verlor größtenteils seine direkte Beziehung zur Außenwelt. Die Griechen fühlten die Sonne als etwas, was in ihnen drinnen lebte – das war die ungestüme Kraft des Eros, der dem griechischen Seelenleben zugrunde lag, denn die Sonne wurde als göttliche Quelle der Liebe empfunden. Das Geheimnis der dreifachen Sonne wurde im Altertum durch das Palladium symbolisiert, das als die höchste Gabe von oben heruntergereicht und von den Mysterienführern in Troja versteckt wurde. Dieses heiligste Geheimnis wurde in Form von kulturellen und künstlerischen Impulsen abgegeben.

Im alten Griechenland stellte Pallas Athene die jungfräuliche Weisheit des Kosmos dar und sie war die engelhafte Vermittlerin der Götter der Weisheit. Pythagoras empfing mit seinen Schülern den Sonnenaufgang. Von Troja wurde das Palladium auf komplizierten Wegen über die Sonne nach Rom gebracht und unter die Porphyrsäule versteckt, die sich im größten Steintempel Roms befand. Darüber wussten nur die in die größten Geheimnisse Eingeweihten des Römischen Reiches Bescheid.

Auf eine ganz andere, geistige Art haben das diejenigen erfahren, deren Aufgabe darin bestand, das Christentum in die Welt zu verbreiten. Die geheimen Züge der ersten Christen nach Rom wurden durch das geistige Wissen inspiriert, dass Rom den Schatz des Palladiums bewachte.

Doch je tiefer der Mensch in seinen physischen Körper einzog, desto tiefer sank in seiner Seele dieses kosmische Sonnenerlebnis. Im vierten Jahrhundert n.Chr. war der Untergang, gegen den sich Julian Apostata erklärte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Damals versuchte der nicht eingeweihte Kaiser Konstantin, das Reich zu retten. Er wird zu sich gesagt haben: es existierte eine uralte Weisheit, die nicht von den Menschen ausgedacht, sondern von den geistigen Welten unseren Urahnen geoffenbart wurde – den Priestern in Ilion und Troja. Als Römer haben wir in unserer sozialen Ordnung ebenfalls etwas, was mit dem Werkzeug dieser Weisheit zusammenhängt, aber wir haben es unter die äußere Staatsordnung vergraben.

Konstantin begriff, dass er selbst, wenn er Eingeweihter werden sollte, das Palladium nicht mehr erreichen würde, denn die irdische Kultur wurde unfähig, die Weisheit als Imagination zu empfangen und unten als Kulthandlungen zum Ausdruck zu bringen, so wie das in Troja der Fall war. Deshalb unternahm er einen Kampf mit den Weltkräften zur Rettung des Prinzips des Imperium Romanum. Er beschloss, das Palladium auszugraben und nach Troja zurückzubringen, d.h. Rom nach Troja zu verlegen und im alten Rom mussten „Füchse und Wölfe hausen“, so wie das Sybillinische Orakel vorhergesagt hatte. Nicht Rom sollte physisch verwüstet, sondern der von dort ausgehende äußere Impuls vernichtet werden, bis seine geheimen, mit dem Palladium verbundenen Impulse an einem anderen Ort verpflanzt und gewissermaßen zum Ursprung zurückgebracht wurden. Aber der Plan wurde vereitelt und nachdem das Palladium wieder an die Sonne gekommen war, gründete Konstantin 326 die Stadt Konstantinopel, die er bei seinem letzten Versuch, Rom vor der Schläge der Zeit zu retten, nach sich benannte.

Trotz der Versuche Konstantins, die alte Weisheit zurückzuholen, orientierte sich die Grundsteinlegung der neuen Stadt nach den kosmischen Zeichen, die mit Christus und dem Mysterium von Golgatha zusammenhängen. Später ließ er die Porphyrsäule hinübertragen und das Palladium unter sie vergraben. Auf die Säule setzte er die besonders geschätzte Apollo-Statue. Von der Geisteswissenschaft wissen wir, dass Apollo Christus symbolisierte, bevor Er von der Sonne unter die Menschen hinunterstieg. Reste des Golgatha-Kreuzes wurden zur Umrahmung der Statue benutzt und die Nägel wurden für die Strahlenkrone auf Apollos Kopf verwendet. Auf der Säule gab es eine Inschrift, die lautete „Das, was hier wirkt, soll ewig wirken wie die Sonne und die Macht des Begründers Konstantin in die Ewigkeit tragen“. Später wurden die Säule und die Statue zerstört[7].

Die Bemühungen Konstantins zum Zurückholen der alten Weisheit waren zwar mit der Ankunft Christi verbunden, aber auf die Rettung des Impulses des ewigen Roms gerichtet und nicht auf die Errichtung einer wahren Brüderlichkeit auf Erden. Deshalb wurde er zum Vermittler von Kräften aus dem Kosmos, die zu jener Form des Christentums führten, mit denen die Sonne faktisch abgelehnt wurde. Das Christentum wurde zur Staatsreligion und das Sonnengeheimnis durfte nicht ausgesprochen werden, damit eine Zivilisation aufblühen konnte, die nichts davon wusste.

Vom vierten Jahrhundert an begannen wir allmählich, die Sonne als eine physische Feuerkugel im Raum zu erleben, was reiner Aberglaube ist, denn sie ist eigentlich ein Reflektor, der nicht zerstreut, sondern das von den Planeten zu ihr gesendete geistige Licht reflektiert, das uns wegen Luzifers Einmischung als physisches Licht erscheint. Heute trägt der Mensch die Sonnenkraft tief in seiner Seele und kann sie nicht erreichen, denn vor der Sonne in uns steht der Hüter der Schwelle.

Aber die Sage behauptet, dass das Palladium in der lähmenden Dunkelheit Konstantinopels bleibt, bis es zum dritten Mal an die Sonne kommt und in einer slawischen Stadt triumphiert[8]. Die geistige Rettung des Palladiums wird allerdings aus dem Westen kommen – aus dem Licht, das ihm die Anthroposophie geben wird. In der alten Zeit wurde das Palladium im Osten, in Troja empfangen, aber nun ist der Osten in Dekadenz versunken und das Licht kann von dort nicht kommen. In dem Augenblick, in dem die Griechen Troja in Brand setzten, wurde ein bestimmter Teil des geistigen Lichts „westlich“, aber das Licht wird wieder zu einer untrennbaren „westlich-östlichen“ Einheit vereint werden. Der Osten wird vom Westen gerettet mit neuem Licht leuchten, damit das Palladium, das ein von dunklem fluoreszierendem Glanz umgebener Körper ist, in seiner Größe und Macht erstrahlt. Das Palladium-Licht wird hoch hinaufgetragen werden, damit es im wahren Geisteslicht erstrahlen kann. Und wenn uns das Herz auf den richtigen Weg der kosmischen und Weltevolution führt, können wir aus dem Palladium brennende und unerschütterliche Begeisterung schöpfen.

Aber was ist für uns das Palladium heute und wie können wir es finden? In den alten Zeiten empfingen die Priester die Weisheit in Imaginationen von oben und drückten sie in Kulthandlungen aus. Worin besteht der Kult heute? Im anthroposophischen Sinne können wir über zwei sich gegenseitig inhaltlich ergänzende Kulte sprechen – einen sakramentalen, der in den verschiedenen christlichen Kirchen, sowie in der 1922 in der ersten „Christengemeinschaft“ ausgeübt wird, und den entgegengesetzten Kult, der den wichtigsten Bestandteil des heutigen Einweihungsweges ausmacht. Im ersten Fall steigen die geistigen Wesenheiten auf die Erde hinunter und sind während der Ausübung des Kultes am Altar übersinnlich anwesend. Im zweiten Fall steigen die Menschen selbst dank ihrer bewussten Kräfte hinauf, um sich bewusst zu den Engeln und den höheren Wesenheiten zu begeben.

Der sakramentale Kult ist mit den Erlebnissen verbunden, die die Seele beim Durchschreiten der Tür bei der Geburt und dem Hinunterstieg in die irdische Welt hat, d.h. die „Nichtgeburt“, das Leben vor der Geburt. Beim umgekehrten Kult erlebt die Seele das Durchschreiten der Tür zum Tod und die nachfolgende Erhebung in die geistigen Welten, d.h. „die Unsterblichkeit“, das Leben nach dem Tod.

Den beiden Kulten gegensätzlich ist der kosmische Kult, der ursprünglich mit den irdischen Beziehungen in keinerlei Verbindung stand. Er beinhaltet die gemeinsame Tätigkeit der neun Hierarchien, deren höchsten Aspekt der Mensch in der Mitternachtsstunde des Daseins erleben kann. Hier – auf dem Höhepunkt seiner geistigen Wanderungen zwischen zwei Inkarnationen – kontempliert er die Handlungen der ersten Götterreihe (Throne, Cherubim und Seraphim) und die Entstehung des menschlichen Karmas im Zusammenhang mit dem ganzen Kosmos. Das, was sich hier den Seelen als Karma bildende Welttätigkeit erschließt, geht in die physische Welt hinaus als der ganze mit irdischen Augen wahrnehmbare planetarische und Sternenkosmos. Der wichtigste Impuls, den die Seelen in der Weltmitternacht erleben, ist der Impuls der Weltbrüderlichkeit und sie müssen sie ihn in ihr irdisches Leben herunterholen. Wenn der Mensch nach dem vorherigen Erwerb von Kenntnissen seine Gefühle und seinen Willen dermaßen verstärkt, dass er sich zum Weltkult der Brüderlichkeit erhebt, verwandelt er sich in ein Wesen, das sich Christus nachahmend frei aufopfert. Die Welt wird für ihn zum Tempel, in dem Gott lebt. Dann können wir die Kräfte der „Weltmitternacht“ in die soziale Tätigkeit auf der Erde hineintragen und das irdische Leben wird zum Spiegelbild des allumfassenden kosmischen Kultes. Dieses Spiegelbild heißt ‚Weltmittag‘. In ihm werden beide Kultformen (der sakramentale und der entgegengesetzte Kult8 in eine höhere Einheit vereint, die die Ewigkeit miterlebt. Auf diese Weise nehmen wir an einem kosmischen Ritus teil. Wir erschaffen zusammen mit den Göttern einen neuen kosmisch-menschlichen Kult, zu dem uns die Anthroposophie und der Bodhisattva führen. Die Erschaffung dieses Kultes ist direkt mit dem Empfangen einer inneren Hostie verbunden, die den vergeistigten (Sonnen)Leib und das ätherisierte Blut Christi enthält.

Einer der Aspekte des ersten Golgatha bestand darin, dass Christus in den zwölffachen sterbenden Raum das siebenfache Prinzip der geistigen Zeit (Übergang von 12 zu 7) hineingetragen hat. Damit besiegte Er den Tod und erschloss den Menschen die Möglichkeit, nach und nach die Kräfte des Herrn des Todes Ahriman im irdischen Dasein zu überwinden.

Einer der Aspekte des zweiten Golgatha bestand darin, dass Christus in das siebenfache Prinzip der irdischen Zeit, das mit der Blutsverwandtschaft und dem Ätherleib zusammenhängt (Übergang von 7 zu 12, das zwölffache Prinzip des geistigen Raums hineingetragen hat, d.h. jene ursprüngliche Zwölffachheit, die sich in der „Welt der Urbilder“ offenbart und im Makrokosmos „den Leib des Heiligen Geistes“ bildet. So legte Er das Fundament des neuen imaginativen Schauens in die Menschheit hinein, die Grundlage ihres bewussten Zusammenwachsens mit den höheren Welten, wodurch die Kraft Luzifers überwunden wurde. Diese Gesetzmäßigkeit von 12 zu 7 hat ihr Urbild im Verhältnis und Zusammenwirken der Fixsterne und der Wandelsterne. Die harte Materie als das Bild der Fixsterne, die der Mensch in sich aufnimmt und danach in seinem mit geistigem Wissen erwärmten Willen wieder in den Geist durch die Verwirklichung im Jahreskreislauf des Übergangs von 12 zu 7 umwandelt, führt ihn zum Erleben des vergeistigten (Sonnen)Leibes Christi in seinem Inneren.

Die flüssigen Substanzen, die der Mensch als eine Widerspiegelung der Wirkung der Wandelsterne aufnimmt und danach in seinem vom geistigen Wissen aufgeklärten Gefühl wieder in Geist durch die Verwirklichung im Jahreskreislauf des Übergangs von 7 zu 12 umwandelt, führt dazu, dass der Mensch in seinem Inneren das ätherisierte Blut Christi erlebt.

Beim Übergang von 12 zu 7 nähert sich der Mensch mehr dem Geheimnis des nachtodlichen Daseins, d.h. dem Erleben des Wesens der Unsterblichkeit, die mit dem umgekehrten Kult zusammenhängt. Beim Übergang von 7 zu 12 nähert sich der Mensch mehr dem Geheimnis des Daseins der Seele bis zur Geburt, indem er auf den Weg steigt, der zum Erleben des Zustandes des „Nichtgeborenseins“ führt und mit dem sakramentalen Kult zusammenhängt.

Die wahre geistige Kommunion muss unbedingt aus zwei Teilen bestehen – aus dem Erleben der „Unsterblichkeit“ durch innere Kommunion mit dem vergeistigten Leib Christi und dem Erleben des „Ungeborenseins“ durch innere Kommunion mit Seinem ätherisierten Blut. In der Vereinigung der beiden Prinzipien haben wir das höchste Mysterium vor uns, das uns das Tor zur Ewigkeit öffnet. Dann sind wir in der Lage, das Palladium zu begreifen und hoch zu erheben.

In den alten Mysterien musste man sich auf dem Einweihungsweg alle Stufen zurücklegend zum Christus auf die Sonne erheben. Das Christus-Ich wirkte durch die Eingeweihten – die Väter der siebten Stufe. Nach dem Golgatha wirkt Sein Ich direkt in der Menschenseele ohne Vermittlung und bringt in die Erdenwelt das geistige Wesen der „dreifachen Sonne“ als die Quelle von Licht, Leben und Liebe mit sich.

Aber der Weg zum Erlöser führt durch den Heiligen Geist, der bis zum Ereignis auf Golgatha von oben die Weisheit über Christus herabließ und sich danach mit der von Ihm hineingetragenen Substanz der kosmischen Liebe vereinte. Nun trägt der Heilige Geist zwei Prinzipien – er ist der Geist der von Liebe durchdrungenen Weisheit. Zuerst Weisheit, dann Liebe und dann die von Liebe durchzogene Weisheit, fasste das Rudolf Steiner zusammen -„Sucht einer, dem Christus nachzufolgen auf dem Wege der Liebe zur Weisheit, so gilt von solcher Weisheit, die er in den Dienst der Welt stellt, nur so viel, als was von ihr mit Liebe durchsetzt ist“[9].

Der Pfingstgeist trägt die Substanz des Geistselbst des Universums, die dank dem Sohnesopfer von der Vaterliebe aufgenommen wurde und deshalb sich auf die Jünger als die allsiegende Liebe ergoss. Aus diesem Grund erklärte Beinsa Douno: „Die Liebe ist die erste Frucht des Geists“.[10]

Wenn wir durch die neun Hierarchien die Trinität in ihrem hierarchischen Aspekt erleben können, so können wir durch Golgatha unmittelbar die Heilige Trinität erleben, während wir uns jenseits der Welt der Hierarchien aufhalten. Es ist der Pfingstgeist, mit dem wir das uns von Luzifer geschenkte niedere Ich vergeistigen und retten können, um danach im Zerstörungsherd den Christus selbst, als das Gottes-Ich zu finden. Der Heilige Geist bringt uns das höhere Wissen über Golgatha, das sich im Verständnis ausdrückt, dass Christus das Ich des Vatergotts selbst ist. Wenn wir das Geschilderte auf dem Erdenplan erreichen, beginnt unsere allmähliche Vergeistigung. Indem Christus in den Astralleib des Menschen eintritt, erlangt Er die ganze Mondensphäre für sich, indem Er unseren Ätherleib durchdringt, erlangt Er die Planetensphären, einschließlich der Sonne. Indem Er in den physischen Leib eintritt, schenkt Er der Menschheit die ganze Welt der Fixsterne und schließt uns in das große Kollegium der Bodhisattvas in der Sphäre der Vorsehung ein, denen sich Christus als ewiges göttliches Licht, Leben und ewige Liebe ausstrahlendes Gottes-Ich offenbart. Die Bodhisattvas bilden die himmlische Leiblichkeit des Heiligen Geistes. Deshalb können wir sagen, dass das Hauptziel des Meisters Beinsa Douno bei seiner Inkarnation im 20. Jahrhundert darin bestand, uns zum höheren Christus-Verständnis zu erheben als das Ich des Vatergotts selbst. Wie Steiner sagte, können wir nur mit diesem Erlebnis künftig die große Katastrophe des Krieges aller gegen alle überleben. Das Sonnenprinzip, das der Mensch im Laufe von sehr langen Zeitspannen nur aus dem Kosmos in sich aufgenommen hat, begann in seiner Seele zu leuchten und brachte ihm bei, über die innere Sonne zu sprechen, darüber, dass er von der Sonne geführt wird.

Heute vertritt Michael den Christus auf der Sonne und steuert den makrokosmischen Strom von ihr zum Menschenkopf. Michael befreit die Weltgedanken der Götter aus der Kopfgegend und bahnt ihnen den Weg zum Herzen, das zu denken beginnt. Wenn der Wille auch zum Erkenntnisorgan wird, wenn unser Bewusstsein auch im physischen Leib erwacht, dann zeigt sich uns der Heilige Geist, um uns vor Christus selbst zu stellen.

Heute wirkt Michael unter der Menschheit als der große Führer zur Sonne der Liebe. Die Kraft haben, den Gedanken Michaels aufzunehmen, bedeutet dass die Kraft der geistigen Erkenntnis aus dem Herzen in die Kraft des Willens eindringt und sich in Sonne verwandelt. So wirken die beiden heute: Michael steuert von außen die Sonnenkräfte auf unseren ätherischen und physischen Leib und Christus beginnt als die wahre Sonne der Liebe, allmählich alles von innen zu vergeistigen. Der physische Ausdruck dieser Zusammenwirkung haben uns aufopfernd die beiden Christus-Boten im 20. Jahrhundert vorgeführt. Der Meister Beinsa Douno stieg als eine Gottheit herab, wie das beim sakramentalen Kult der Fall ist und Rudolf Steiner zeigte uns durch seinen Einweihungsweg den entgegengesetzten Kult. Auf dem physischen Plan vereinigt, führen beide zum Herunterholen des kosmischen Impulses der Brüderlichkeit und seiner wirklichen Begründung auf Erden, was das Ziel der Anthroposophischen Gesellschaft und der „Weißen Bruderschaft“ ist. Die wahre kosmische Bruderschaft besteht in der Bodhisattva-Loge und sie muss heruntergeholt und auf der Erde errichtet werden, und zwar auf der Grundlage der Liebe, als karmisch verbundene Gemeinschaft. Der Meister sagte: „Ich komme aus einem Leben, das die Okkultisten nie betreten und nie gesehen haben. Ich übersetze aus der Natur, aus dem wahren Original, d.h. aus den Urbildern.[11] „Ich habe nur leicht das Ende des Vorhangs vor den Gesetzen der Liebe gelüftet“.[12]

Erst jetzt können wir die neue Bedeutung des Palladiums begreifen. In den alten Zeiten symbolisierte es die Einheit der Sonne mit Christus und heute symbolisiert es eine andere Einheit – zwischen Michael auf der Sonne und Christus in uns. Das Palladium erfuhr ebenfalls eine Metamorphose und nun wird sein Licht in uns das neue geistige Bewusstsein erwecken. Sein Leben wird unsere Gefühle mit geistigem Inhalt füllen und seine geistige Liebe wird mit Kräften zur Selbstopferung unseren Willen durchdringen. In diesem Fall wird der Mensch tatsächlich von einer inneren Sonne geführt, die Licht, Leben und Liebe ausstrahlt. In Konstantinopel wurde das Palladium unter die Porphyrsäule vergraben und darauf Apollo (der gespiegelte Christus) gesetzt, nun wird das Palladium auf ein neues Piedestal gestellt – als der Mensch, der in sich selbst die Christus-Sonne trägt. Dann wird das Palladium mit seinem wahren Licht leuchten – dem Golgatha-Licht. Ja, das Palladium wird aus der Finsternis Konstantinopels herausgetragen werden, durch Michael-Christus gehen und in Bulgarien erstrahlen!!! Hier wird ein Tempel für das Palladium errichtet, ein Tempel für den Geistesmenschen, an dem es eine Inschrift geben wird „Nicht ich, sondern Christus in mir“! Mit diesem Tempel werden wir Bulgaren auf die beste Art der Welt das Opfer des Meisters Beinsa Douno im 20. Jahrhundert zeigen, das er nach dem Christus-Beispiel aufbrachte.

Das Licht für die Anschauung der ganzen vergangenen Entwicklung von der Saturnzeit und die ganze zukünftige Entwicklung bis zur Vulkanzeit, also das Licht des Heiligen Geistes wird von der Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha ausgestrahlt, so Steiner. Und die Kenntnis des Golgatha ist unzertrennlich mit dem Gral verbunden – dem höchsten Entwicklungsideal, das man sich vorstellen kann – die Vergeistigung, die aus eigener Kraft erreicht wird. Wenn sich der Mensch als Bewusstseinsseele erhebt, zeigt er sich als ein höheres Ich (Geistselbst) und dann können Michael und Christus in ihm wirken. „Die Größe Gottes liegt in der Erhebung des Menschen“, sagte Beinsa Douno.[13] Nun können wir auch auf die am Anfang der Vorlesung gestellte Frage antworten – welchen Schlüssel uns der Meister Beinsa Douno bringt.

Dieser Schlüssel ist sie Paneurhythmie, die uns zu einem realen Erleben der Beziehung Michael-Christus führt, nachdem wir die Hauptbotschaft des Bodhisattva empfangen haben, dass Christus das Ich Gottes ist. Mit der Inspiration aus dem Palladium gehen wir, indem wir die Bewegungen der Paneurhythmie machen, allmählich zu unserer Verwandlung in Geistesmenschen über und fügen unseren persönlichen Anteil am Gralskelch hinzu.

Die Paneurhythmie hat drei Stufen – das Pentagramm, die Sonnenstrahlen und die 28 Übungen. Wenn man seine Bewusstseinsseele ausbaut, verwandelt man sich in ein Pentagramm. Der Meister verwendet das Wort sowohl als Maskulinum als auch als Femininum, denn das Pentagramm symbolisiert die Vereinigung zwischen der Seele (2) und dem Geist (3) – der innerlich aufgerichtete Mensch, der durch seine Reife sich an die geistige Welt wendet. Das Pentagramm ist das Symbol der mystischen Vereinigung mit Gott, die die irdische Trennung überwindet. Wenn man einmal hier angekommen ist, öffnet man sich für die Kräfte des Heiligen Geistes, der durch die Tore der zwölf Bodhisattvas auf unsere zwölf Sinne einwirkt und das Fundament des Gralskelchs bildet. Dann wird das Christus-Prinzip selbst unseren Ätherleib unsterblich machen, denn wir tanzen die 28 Übungen der Paneurhythmie und bauen den Schaft des Grals auf. Bildhaft ausgedrückt sind mehrere der Übungen bereits getanzt worden, aber nun werden wir sie als freie, bewusste Ich-Wesen tanzen. Was bedeutet das?

Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, dass jede Bewusstseinsstufe vom Saturn bis zum Vulkan jeweils sieben Kreisläufe enthält, wobei jeder Anfang eine gewisse Wiederholung darstellt. Der alte Saturn schließt sieben Kreisläufe ein, auf der alten Sonne ist der erste Kreislauf eine Art Wiederholung des Saturn und die restlichen sechs Kreisläufe stellen das Neue in der Entwicklung dar, d.h. bis hierher haben wir 7 plus 6 gleich 13 Kreisläufe. Der alte Mond hat zwei Wiederholungskreisläufe und fünf neue, im Erdenäon gibt es drei Wiederholungskreisläufe und vier neue. Auf dem künftigen Jupiter werden wir vier Wiederholungen und drei neue Kreisläufe erleben, auf der Venus – fünf Wiederholungen und zwei neue Kreisläufe und auf dem Vulkan – sechs Wiederholungen und einen neuen Kreislauf. Wenn man die Kreisläufe zusammenzählt, in denen sich das Neue entwickelt hat und entwickeln wird, erhalten wir 7+6+5+4+3+2+1=28 „schöpferische“ Kreisläufe. Die ersten zehn Übungen aus der Paneurhythmie werden zusammengespielt, denn damals waren wir  „im Schoß Gottes“, was die Ankunft Christi auf der alten Sonne und die nachfolgenden Trennung von Luzifer verändert hat. Diese zwei Ereignisse bestimmten die gesamte weitere Entwicklung bis zum Mysterium von Golgatha. Bisher haben wir 18 Übungen “getanzt“ und sind nun bei der 19. Übung, die „Beweglichkeit“ heißt und mit der 17. und 18. Übung zusammenhängt. Die 17. Übung, die „Quadrat“ heißt, bringt uns zum sechsten Kreislauf auf dem alten Mond zurück, als in unserem Astralleib Affekte wie Zorn, Hass, Instinkte, Leidenschaften usw. entfachten, die dazu führten, dass wir im 19. der „neuen“ Kreisläufe, d.h. im jetzigen, in das „Quadrat“ und den Tod gerieten. Die Götter haben keine „Anschauungen“ über den Raum, die unseren menschlichen Anschauungen ähnlich sind. Sie können z.B. nicht gleichzeitig, sondern nur in chronologischer Reihenfolge den alten Saturn, die alte Sonne usw. betrachten. Rudolf Steiner bringt es bildhaft und konkret zum Ausdruck, wenn er sagt, dass sie die linke und die rechte Hand bis zum Augenblick der Berührung verfolgen, aber das Gespür, das sich zwischen beiden Händen entfaltet, wird mithilfe des Raums erlebt. Wir müssen die geistige Zeit, die Gedanken und Vorstellungen der Götter in den Erdenraum hineintragen und die Berührung vergeistigen, indem wir „das Quadrat“ besiegen. Unsere geistig erleuchteten Vorstellungen über den Raum sind jene spezifische menschliche Erfahrung, die Michael dem Wissen der Götter hinzufügen möchte, damit wir eine Einheit mit ihnen bilden. Mit der 18. Übung der Paneurhythmie wirken wir auf „das Quadrat“ mit dem männlichen Prinzip und mit der 19. Übung – mit dem weiblichen Prinzip ein. Zusammen mit beiden werden wir die Erde in einen Kosmos der Liebe verwandeln. Das wird vollständig bei der 22. Übung „Kennenlernen“ am Ende des Erdenäons zustande kommen, damit wir im fünften Kreislauf des Jupiter – in der 23. Übung „Schöner Tag“, zum ersten Mal den Christus-Namen begegnen: „Und die geliebte Christus-Stimme flüstert in mein Herz“, damit wir mit Ihm zusammengehen und den Gral bilden können.

Der heilige Gral bewahrt die reinste Nahrung für den heldenhaften Menschen und das ist die Liebe des Vatergotts, die durch Christus zur Geltung kommt. Aber der Kelch bewahrt auch das Geheimnis des gespiegelten Christus-Ich in den heutigen wahren Eingeweihten, die Eingeweihten des Grals. Deshalb können wir sagen, dass auf dem Vulkan der Kelch auch unser Opfer enthalten wird – die Christus-Liebe, die uns durchdrungen hat.

„Vom Bodhisattva kommen die wichtigsten Lehren über das Christuswesen und über die Söhne des Feuers der Inder“, sagte einmal Steiner. Wenn wir seine mächtige Ausstrahlung betrachten, sehen wir das Urbild des wahren Menschen, der von der inneren Sonne, den Christus geführt wird. Wenn wir auf Beinsa Douno schauen, sehen wir mit unseren Augen den Heiligen Geist auf dem physischen Plan, den größten Boten Christi, wir streifen die Ewigkeit, die Heilige Trinität selbst. Dann erhebt sich in uns der feste Glaube, dass mit Christus in uns wir den Vulkan erreichen werden und an seinem Ende, im siebten Kreislauf, die letzte der 28 Übungen der Paneurhythmie tanzen werden, die „Vorsehung“ heißt. Erst dann wird uns die hohe Vorsehung Gottes über die Schöpfung eröffnet werden und wir werden uns mit und in Ihm im Absoluten opfern!

[1] „Das einheitliche Leben“, Vortrag vom 22.03.1932

[2] Voträge vom 01.04.1917, 24.11.1929, 19.08. 1934, 22.03.1919

[3] Bojan Boev, „Die gute Verfassung“ aus: „Der Meister über Christus“

[4] Bojan Boev, „Der Meister, der Heiler, der Prophet“, Bd.3: „Göttliches Wesen und Mission“

[5] „Ratschläge und Unterweisungen für die Schüler“, Veliko Tarnovo, 03.09.1922

[6] Vgl. GA 207. 11. Vortrag

[7] Vgl. GA 175: 290ff.

[8] Vgl. GA 175:292

[9] GA 143, Vortrag vom 17.12.1912

[10] „Die Früchte des Geistes“, in „Morgenansprachen“, 24.10.1943

[11] „Der Sonnenaufgang der Weißen Bruderschaft“, Bd.19, „Der Planet Erde“

[12] Bojan Boev, „Das Stimmen der Menschenseele“, Bd. 1 „Ich führe euch zur Quelle“

[13] Vlad Paschov „Die Quelle des Guten“ – „Die Liebe des Einigen“

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